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Japan aktuell: Junge Fukushima-Arbeiter am stärksten belastet

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Fukushima-Arbeiter: Schutzmaske mit Aktivkohle-Filter (Foto: TEPCO)
Strahlungsbelastung bei Arbeiter nachgewiesen (Symbolfoto: TEPCO)
Fukushima-Arbeiter: Schutzmaske mit Aktivkohle-Filter (Foto: TEPCO)
Junge Fukushima-Arbeiter mit höherem Risiko (Foto: TEPCO)

Wenn es um statistische Altersvergleiche geht, kommt die Jugend dabei meistens besser weg.

Bei den aus Fukushima heute gemeldeten Zahlen, scheint dies jedoch nicht der Fall zu sein.

Im Gegenteil zeigen die jüngsten Zahlen offenbar, dass es für junge Menschen am AKW Fukushima aktuell potentiell gefährlicher ist, als für ältere Kollegen.

Neben den Fukushima News mit Einzelheiten zu dem, was im Zusammenhang mit der Anlage in Fukushima heute sonst noch geschah, gibt es weitere Meldungen, etwa über Mängel bei Sicherheitsroutinen an anderer Stelle. Dies und mehr im Spreadnews Japan-Ticker vom 5. Dezember 2012.

Unsere heutigen Themen:

  • Hohe Belastung bei jugendlichen Fukushima-Arbeitern
  • JAEA schlampte bei Befolgung von AKW-Vorschriften
  • Tierschützer in Fukushima-Niemandsland in der Kritik
  • Gesundheitsvorbild Japan schrumpft
  • J-Alert besteht Testalarm
  • Flugabwehrgeschütze in Tokyo

Hohe Belastung bei jugendlichen Fukushima-Arbeitern: TEPCO veröffentlichte am heutigen Donnerstag einige Daten über die Strahlungsdosis im Verhältnis zum Alter der Arbeiter, die am Kraftwerk beschäftigt sind. Bei diesen Angaben fasst der Betreiber externe und inkorporierte Strahlung zusammen.

  • Der älteste Beschäftigte ist 84 Jahre alt
  • 64 Beschäftigte sind zwischen 18 und 19 Jahre alt und wiesen eine Belastung von durchschnittlich 8,26 Millisievert auf
  • Arbeiter im Altersbereich von 20 Jahren wiesen eine Belastung von durchschnittlich 15,86 Millisievert auf.
  • Arbeiter im Altersbereich der 40er wiesen eine Belastung von 11,64 Millisievert auf

Auch wenn die Gruppe der Arbeiter in den 40ern mit 5.893 Personen am größten ist, zeigen diese Zahlen, dass die am stärksten von der Strahlung betroffene Gruppe die der jungen Kraftwerksangestellten ist. Die Maximalbelastung in der Gruppe der jungen Angestellten betrug 56,89 Millisievert. Es handele sich um einen TEPCO-Angestellten.

Möglicherweise gibt es in den folgenden Tagen hierzu mehr Informationen. Insgesamt waren seit Ausbruch der Krise etwa 20.000 Arbeiter dort Radioaktivität ausgesetzt.

JAEA schlampte bei Befolgung von AKW-Vorschriften: Die japanische Atomaufsicht NRA kritisierte gestern das Vorgehen der Japanischen Atomenergiebehörde (JAEA) am Forschungsreaktor Monju (Präf. Fukui).

Bei der verzögerten Kontrolle von annähernd 10.000 Bestandteilen der Ausstattung, seien Vorschriften nicht eingehalten worden, darunter auch solche zur Bestätigung der Sicherheit. Bereits die Verlängerung der Zeiträume zwischen den Kontrollen stelle einen Verstoß gegen geltende Gesetze dar.

Die NRA wird nun die JAEA anweisen, die Ursache der Verschleppung und Regelverstöße zu ermitteln, da im Fall einer Ausdehnung der Kontrollzeiträume eine Anpassung der Inspektionspläne erfolgen muss – vorausgesetzt, dass diese Verlängerung der Zeiträume nicht die Sicherheit gefährde.

NRA-Vorsitzender Shunichi Tanaka kritisierte die Behörde scharf und erklärte, bei einer derartigen Zahl an Verstößen müsse der Organisationsaufbau der JAEA in Zweifel gezogen werden.

Insgesamt 40.000 Bestandteile der Geräte am Monju-Reaktor unterliegen der Kontrollpflicht. Seit Juli 2010 hat die JAEA jedoch in 9.679 Fällen noch nicht ihre Kontroll bzw Prüfungspläne überarbeitet. In ganzen 1.551 Fällen wurde auch für wichtige Bestandteile, wie Neutronendetektoren für den Reaktor, entweder die Sicherheit nicht bestätigt, oder kein neuer Prüfungstermin festgelegt.

Tierschützer in Fukushima-Niemandsland in der Kritik: Nachdem die Einwohner einer Reihe von Orten unmittelbar nach dem Ausbruch der Fukushima-Katastrophe geflohen waren, blieben sowohl viele Haustiere, als auch Nutztiere alleine zurück und eine ganze Reihe von ihnen starb an Unterernährung.

Tierschützer wollen dies ändern – und ernten Kritik dafür.

Aktivistengruppen kehren, entweder unter dem Deckmantel von Unternehmen, welche die Sperrzonen betreten dürfen, oder mit Unterstützung der früheren Einwohner trotz des Zugangsverbots illegal zurück, um die dort verbliebenen Tiere zu versorgen.

Einige Gruppierungen schaffen wöchentlich bis zu 700 Kilogramm Tierfutter in Ortschaften wie Namie.

Dabei bekommen die Tierfutter-Aktivisten nicht nur rechtliche Probleme, sondern ihre Praxis, Tierfutter in Gebäuden zurückzulassen, ist nicht unumstritten. Wie die Asahi Shimbun berichtet, beschwerten sich einige Privatpersonen, dass das Futter auch fremde Tiere in die Häuser locke und die Tiere dort die Einrichtung beschädigten.

Trotz offizieller Verbote und des Umstandes, dass sich Umweltministerium und die Präfekturverwaltung von Fukushima zwischen April 2011 und 2. Oktober diesen Jahres um  895 Hunde und Katzen kümmerten, sehen die Tierschützer die Haustiere trotzdem oft als unterversorgt an und kritisieren die Schwerfälligkeit der Behörden.

Viele Tierbesitzer, die ihre Lieblinge nicht in Notunterkünfte mitnehmen durften, sind jedoch froh darüber, die Tiere einigermaßen  versorgt zu wissen. Auch anerkannte Gruppierungen wie die Non-Profit-Organisation „Animal Refuge Kansai“ (ARK) versuchen, den Tieren in der Region Tohoku zu helfen.

Gesundheitsvorbild Japan schrumpft: Wie eine Untersuchung des Gesundheitsministeriums für das Jahr 2011 ergab, sinkt der durchschnittliche tägliche Verzehr von frischen Nahrungsmitteln wie Gemüse, Obst und Meeresprodukten, während gleichzeitig der Konsum von Fleisch im Zehn-Jahres-Zeitraum zunahm.

Hamburger in Tokyo. Foto: AC
Fleischkonsum in Japan steigt (Foto: AC)

Die Umfrage, über die auch Kyodo und jiji berichteten, umfasste 3.412 Haushalte im gesamten Land, ausgenommmen wurden lediglich die drei Katastrophenpräfekturen Fukushima, Iwate und Miyagi.

Die aktuellen Ergebnissen lassen möglicherweise Rückschlüsse auf den Rückgang traditioneller Ernährungsgewohnheiten zu.

  • Ein Japaner isst etwa 80,7 Gramm Fleisch pro Tag – ein Anstieg von 6,7 Gramm (2001)
  • Der Verzehr von Gemüse fiel auf 277,4 Gramm, was ein Minus von 18,4 Gramm darstellt
  • Bei Meeresfrüchten sank der Konsum um 24,3 Gramm auf nunmehr 78,6 Gramm´

Bis zur Umfrage 2008 lag der Verbrauch von Meeresprodukten noch über dem von Fleisch.

Auch der Prozentsatz der Tabakkonsumenten ist trotz einer deutlichen Erhöhung der Tabaksteuer 2010 im vergangenen Jahr gestiegen.

Die Untersuchung vom November 2011  gibt auch hierzu aktuelle Zahlen an. Demnach rauchen 32,4 Prozent der männlichen und 9,7 Prozent weiblichen Bevölkerung. Im Vorjahr waren es nach Angaben der Kyodo noch 32,2 bzw. 8,4 Prozent.

J-Alert besteht Testalarm: Dem Katastrophenwarnsystem J-Alert, das in der Vergangenheit immer wieder Schwächen gezeigt hatte, stand am gestrigen Tag einer weiteren Prüfung bevor und absolvierte diese diesmal offenbar erfolgreich. Allerdings ging es diesmal nicht um die Warnung vor Erdbeben, oder Tsunami, sondern um den möglichen Start einer nordkoreanischen Rakete.

Bei der Übung, an der 14 Präfekturen und 29 Gemeinden teilnahmen, erhielten  die drei Gemeinden in Okinawa, über die voraussichtlich der Flug der Rakete erfolgen würde, um 10:00 Uhr und 10:30 Probealarme und meldeten nach Angaben der jiji keine Probleme.

Flugabwehrgeschütze in Tokyo und Okinawa: Als Vorbereitung auf den geplanten Start einer nordkoreanischen Rakete, stellten die Selbstverteidigungsstreitkräfte am gestrigen Mittwoch nun Geschütze mit Patriot-Abwehrraketen im Tokyoter Bezirk Ichigaya auf. Das berichtete etwa die Mainichi Shimbun und die Kyodo.

Dabei wurde eine vergleichbare Aufstellung wie im April diesen Jahres, so dass drei Patriot-Geschützeinheiten im Gebiet von Tokyo, sowie vier in der Präfektur Okinawa, (auf den Inseln Okinawa, Ishigaki und Miyako) stationiert wurden. Gestern trafen die Boden-Luft-Raketen auf Miyako ein.

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