Start Aktuelles Japan aktuell: Karte zeigt Fundorte von radioaktivem Tellur und Silber

Japan aktuell: Karte zeigt Fundorte von radioaktivem Tellur und Silber

1266
0
TEILEN
Kristallines Tellur als Halbmetall
AKW Fukushima: Nach Cäsium, Strontium, Europium und Plutonium nun auch Tellur nachgewiesen (Foto: wikipedia, cc-by)
Kristallines Tellur als Halbmetall
AKW Fukushima: Nach Cäsium nun auch Tellur nachgewiesen (Foto: Wikipedia cc-by)

Wichtige Geschehnisse um die freigesetzte Radioaktivität und wie sich die Katastrophe von Fukushima aktuell in Japan auf das gesamte Land auswirkt, sind für viele ausländische Medien offenbar von geringem Interesse – lediglich spektakuläre doch im Prinzip nichtssagende Aktionen wie das Trinken von Wasser sind Grund für eine Meldung. Dagegen wäre allein die gestrige Meldung über die ungleiche Zahlung bei TEPCO eine internationale Schlagzeile Wert gewesen.

Wie dem auch sei – aktuelle Informationen, inklusive des Sturms im Wasserglas, auch heute im Spreadnews Japan-Ticker vom 01. November 2011.

Kabinettsmitglied trinkt Grundwasser aus Fukushima: Yasuhiro Sonoda (44) parlamentarischer Staatssekretär im Kabinettsbüro hat nach mehrmaliger Aufforderung durch einen freien Journalisten die Sicherheit des Wassers zu beweisen, vor den Augen der Reporter ein Glas Wasser, das aus dem Grundwasser nahe den Reaktoren 5 und 6 des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi gewonnen worden war, ausgetrunken. Das Grundwasser dort weise eine geringe Konzentration von radioaktivem Material auf und war zuvor gereinigt worden.

Nach Angaben des Betreibers TEPCO war das gereinigte Wasser im Glas am 22. Oktober aus einem der Auffangbehälter entnommen und gekocht worden um es zu sterilisieren. Das Wasser sei zudem entsalzen worden und enthalte keine nachweisbaren Mengen an radioaktivem Jod oder Cäsium. Die Demonstration fand auch in internationalen Medien Beachtung.

Neustart von AKW Genkai am Dienstagabend: Hideo Kishimoto, Bürgermeister der Stadt Genkai (Präf. Saga) hat sich nach eigenen Angaben davon überzeugen lassen, dem Neustart des dortigen AKW Genkai zuzustimmen. Nach einem Treffen mit dem Vizepräsidenten des Betreibers Haruyoshi Yamamoto am 1. November erklärte der Bürgermeister, er sei überzeugt, dass der Reaktor von der Regierung für sicher erklärt wurde.

Der Gouverneur der Präfektur, Yasushi Furukawa äußerte dagegen Vorbehalte, doch da die Regierung in Tokyo die Verantwortung für die Sicherheit übernehme, würde man eine entsprechende Entscheidung akzeptieren, Der Gouverneur erklärte jedoch auch, man sei bei der Präfekturalverwaltung der Ansicht gewesen, der Reaktor würde ohne  bzw. vor einer erneuten Aufnahme des Betriebs überprüft werden, dies sei daher nicht erwartet worden.

Der Betreiber selbst braucht im übrigen juristisch und formal nicht die Erlaubnis der örtlichen Verwaltung um den Neustart eines Atomkraftwerks durchführen zu dürfen,

Der seit dem 4. Oktober aufgrund eines Bedienungsfehlers bei einem Kondensator aus Sicherheitsgründen automatisch heruntergefahrene Reaktor 4 wird der erste, der nach den Ereignissen der Vergangenheit wieder hochgefahren und ans Netz gehen würde. Den Bericht zu dem Zwischenfall, sowie die ergriffenen Präventivmaßnahmen wurde von der NISA am 31. Oktober als „weitgehend akzeptabel“ bezeichnet.

Doch selbst mit Erlaubnis zum Neustart, wird der Reaktor bereits im Dezember aufgrund einer Überprüfung bereits erneut wieder heruntergefahren. Dennoch zeigte sich Kyushu Electric optimistisch, man könne innerhalb der nächsten Tage den Betrieb wieder aufnehmen. Nun soll nach Angaben der Nachrichtenagentur Kyodo, der Neustart bereits am Dienstag um 23:00 Uhr Ortszeit erfolgen. Das berichten japanische Medien.

Die Einwohner zeigten sich dagegen trotz einer Propaganda-Tour der Führung des Energiekonzerns, darunter auch der Leiter des AKW Genkai, Masayasu Murashima, bei der jedes Haus des Ortes besucht und um Verständnis der Bewohner gebeten wurde, wütend und enttäuscht darüber, dass ihr Wille ignoriert worden war.

Radioaktives Tellur und Silber im Umkreis des AKW Fukushima gefunden: Das Wissenschaftsministerium hat am gestrigen Montag eine Karte veröffentlicht, auf der anders als sonst, nicht die Verbreitung von radioaktivem Cäsium sondern die Ausbreitung von radioaktivem Tellur – insgesamt 129 Meter weit entfernt und damit innerhalb eines 100 Kilometer Radius um das AKW Fukushima Daiichi.

Auf der Karte ist zu sehen, wo das Element, ein Nebenprodukt der Uranspaltung bis zum 14. Juni dieses Jahres, im Erdboden nachgewiesen werden konnte. Dabei erstrecken sich die Fundstellen relativ hoher Konzentrationen sowohl auf den Nordwesten, als auch auf einer Strecke von 28 Kilometer südlich, entlang der Küste. Nachgewiesen wurde Tellur etwa in Iwaki (Präf. Fukushima) und Kitaibaraki (Präf. Ibaraki).

Der höchste gemessene Wert beläuft sich auf 2,66 Millionen Becquerel pro Quadratmeter und wurde etwa zwei Kilometer vom AKW Fukushima Daiichi entfernt, in der mittlerweile menschenleeren Ortschaft Okuma nachgewiesen. Allerdings muss dabei berücksichtigt werden, dass Tellur nur über eine kurze Halbwertszeit verfügt, so dass unmittelbar nach Beginn der Atomkatastrophe die Werte dort wesentlich höher ausgefallen sein dürften und die jetzt nachgewiesene Belastung nur ein Bruchteil der ursprünglichen Auswirkung darstellt.  .

Doch auch in diesem Fall wird die Bevölkerung beruhigt. Selbst ein einmonatiger Aufenthalt in der Ortschaft hätte lediglich zu einer Belastung von 0,29 Milisievert durch das Tellur geführt. Der im Vergleich zum Cäsium relativ niedrige Wert erklärt sich durch den Umstand, das Tellur nicht so leicht vom Körper aufgenommen wird wie Cäsium.

Sogar bei der Inkorporation durch Nahrungsaufnahme ist die Ansammlung der Substanz im Körper weniger wahrscheinlich, als die Aufnahme von radioaktivem Jod. Das Wissenschaftsministerium schätzt, dass eine Person die sich dort 50 Jahre lang aufhalten würde, lediglich eine Strahlendosis von 0,6 Milisievert Tellur und  3,2 Millisievert von Silber aufweisen.

Denn letzteres wurde neben Tellur in Form von Silber-110m nachgewiesen. Das Element, das über eine Halbwertszeit von 250 Tagen verfügt, sammelte sich vor allem im Hämozyanin, einem Blutpigment von Kalmaren und anderen Tieren an. Der höchste gemessene Wert an Silber-110m bestand in einer Konzentration von 83.000 Becquerel pro Quadratmeter und wurde in einer Distanz von 5 Kilometer zum Kernkraftwerk, im Ort Futaba nachgewiesen. Dieser liegt ebenso wie Okuma im Sperrgebiet des AKW.

Das Wissenschaftsministerium erklärte zur Verbreitung beider Elemente, dass sie zusammengenommen weniger als ein Prozent der Gesamtbelastung darstellen, den Großteil der Strahlenbelastung sei auf Cäsium zurückzuführen. Das berichten Artikel der Mainichi Shimbun und der Yomiuri Shimbun.

Japans Atombehörden mit gemeinsamem Verhaltenskodex: Das japanische Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie (METI) teilte am heutigen Dienstag mit, die ihm unterstehenden Behörden für natürliche Ressourcen und Energie (ANRE) sowie die Atomaufsichtsbehörde (NISA)  –  hätten jeweils ihren eigenen Verhaltenskodex festgelegt, um künftig eine Einflussnahme auf die öffentliche Meinung über Atomenergie zu verhindern, berichtet die Nachrichtenagentur jiji.

Der Schritt erfolgte, nachdem es in mehreren Fällen zu Meinungsmache gekommen war. Als Grundzüge stehen die Verpflichtung zur Sicherstellung von Fairness und Transparenz bei Veranstaltungen, die Bereitstellung von rein sachlichen, auf Fakten beruhenden Erklärungen bei Treffen, sowie die Aufgabe, Energiekonzernen eine Manipulation zu untersagen, sollte eine solche bekannt werden.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here