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Japan aktuell: Katastrophenschutz-App für Touristen verfügbar

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Artikelbild: Menüpunkte der Katastrophenschutz-App (Screenshots: Eva Lenert)
Menüpunkte der Katastrophenschutz-App: Warnung - Aufforderung - Beurteilung - Kommunikation (Screenshots: Eva Lenert)

Der Gedanke in einem Land unterwegs zu sein, das für Erdbeben bekannt ist, stellt für viele potentielle Urlauber – egal ob als Individualreisender, oder Teil einer Reisegruppe – keine angenehme Vorstellung dar.

Bereits die täglichen Mini-Erdbeben, mit denen die Japaner leben, können den Touristen zunächst erschrecken, doch erst im Fall eines Großbebens, oder einer anderen schweren Naturkatastrophe besteht tatsächlich Grund zur Besorgnis.

In diesen Situationen kann die Angst aufkommen, sich falsch zu verhalten und wichtige Warnhinweise aufgrund der Sprachbarriere nicht zu verstehen. Deshalb bietet die japanische Tourismusbehörde nun eine einfache und effektive Hilfe an.

Mit der internationalen Katastrophenschutz-App wird der Besucher durch sein Smartphone nicht nur auf Naturkatastrophen hingewiesen, sondern kann mit wenigen Klicks die Verhaltensregeln und Evakuierungsrichtlinien für den Katastrophenfall (Erdbeben und deren Folgen wie Brände und Tsunami) in englischer Sprache abrufen.

Die App kann auf Wunsch den genauen Ort und Zeitpunkt des Erdbebens anzeigen. Grundlegende Informationen, wie die Stärke nach der siebenstufigen japanischen Skala und die Magnitude sind ebenfalls verfügbar. Bereits hier gibt es einen Hinweis auf mögliche Tsunamiwarnungen. Die Einblendung einer Karte vereinfacht die Lokalisierung.

Anweisungen

Kommt es etwa zu einem Erdbeben, fragt die App den Anwender nach einem einfachen Ja/Nein-Verfahren, ob beispielsweise Brände oder Tsunami-Warnungen gemeldet wurden und präsentiert im Anschluss die zu treffenden Sicherheitsmaßnahmen.

Katastrophenschutz-App: Verhalten bei Bränden (Screenshot: Eva Lenert)
Katastrophenschutz-App: Verhalten bei Bränden (Screenshot: Eva Lenert)

Hierzu zählt beispielsweise die Aufforderung, sich umgehend in höher gelegene Gebiete in Sicherheit zu bringen, falls durch Sirenen oder Durchsagen ein Tsunami-Alarm für die Region ausgegeben wird.

In einem Land wie Japan, wo elektrische Überlandleitungen auch in Großstädten kein seltener Anblick sind und vielfach noch Gasöfen, statt Zentralheizungen genutzt werden, ist die Brandgefahr nach Erdbeben besonders hoch. Daher fordert die App beispielsweise dazu auf, Gebäude zu verlassen und sich auf offenes Gelände zu begeben.

Diese Anweisungen  mögen teilweise banal klingen, bei einem dramatischen Ereignis wie einer Naturkatastrophe, können der Schock und das Gefühl der Überforderung jedoch im ersten Moment scheinbar selbstverständliche, rationale Handlungen verhindern.

Neben der Warnfunktion und den Anleitungen für korrektes Verhalten im jeweils auftretenden Katastrophenfall, verfügt die App über weitere Funktionen, die dem Japan-Besucher auch bei weiteren Hürden in einer solch schwierigen Situation Hilfestellung geben sollen.

Kommunikation

Katastrophen-App: Kommunikation (Foto: Eva Lenert)
Katastrophenschutz-App: Kommunikationshilfe (Foto: Eva Lenert)

Denn auch die Kommunikation mit der Bevölkerung nach der Katastrophe ist mit der Smartphone-Anwendung möglich. Per Point-and-Click können, die Einheimischen über vier Sprachen (Englisch, Japanisch, Chinesisch und Koreanisch) allgemein verständlich um Hilfe gebeten werden.

Die möglichen Fragen reichen dabei von der Beurteilung der Situation, über die Erfragung des Standorts von wichtigen Gebäuden wie Bahnhöfen und allgemeine körperliche Bedürfnisse.

Fragen und Antworten können durch einfaches klicken der dreisprachigen schriftlichen Nachricht erfolgen und umgehen damit mögliche verbale Kommunikationsprobleme, die sich andernfalls ergeben könnten.

Sonstige Informationen

Weitergehende Informationen, etwa an welchen Ereignissen in der unmittelbaren Umgebung sich die Stärke eines Erdbebens nach der siebenstufigen japanischen Skala einschätzen lässt, stehen über die Anwendung ebenfalls zur Verfügung.

Neben einfachen englischen Sätzen, verdeutlicht auch eine selbsterklärende Grafik, ob bei einem Erdbeben dieser Stärke beispielsweise Gegenstände herabfallen, oder das Bedürfnis sich festzuhalten, auftreten.

Hintergrund

Die an Flughäfen und anderen Standorten kostenlos herunterzuladende App ist ein Beweis dafür, dass Japan die Sicherheit seiner Besucher ernst nimmt, da sie eine unmittelbare Reaktion auf Beschwerden nach dem Tohoku-Großbeben ist. Damals war die unzureichende Vermittlung von Evakuierungsrichtlinien für Ausländer kritisiert worden.

Katastrophen-Apps in Japan

Japanische Katastrophenschutz-App (Foto: Copyright by KJ)
Japanische Katastrophenschutz-App (Foto: Copyright by KJ)

In Japan ist die offizielle „Erdbebenfrühwarnung“ (EEW) per SMS durch die japanische Wetterbehörde für 3G-Mobilgeräte bereits verpflichtend, so dass diese Anwendung in der Regel schon vorinstalliert ist. Apps verschiedener Anbieter wie „Yurekuru Call“ sind nichts ungewöhnliches.

Vergleichbar mit der jetzt vorgestellten mehrsprachigen App für Touristen, geben die japanischen Anwendungen dem Nutzer sowohl Informationen über das Erdbeben selbst, als auch Verhaltenshinweise im Zuge der Katastrophe. Damit ergänzen sie die landesweit eingesetzte satellitenbasierte Warnsystem J-Alert, mit dem die Behörden mehrsprachige Warnungen über Lautsprecherdurchsagen ausgeben.

Im Rahmen des Smartphone-Angebots gibt es auch Anwendungen, die bereits vor einem Erdbeben den Träger alarmieren sollen. Über Sinn und Unsinn derartiger Anwendungen scheiden sich allerdings die Geister – in mehreren Fällen betrug die zusätzliche Vorwarnzeit maximal fünf Sekunden.

Weitergehende Maßnahmen für Touristen

Neben dem neuen technischen Hilfsmittel, bemüht sich die japanische Regierung nicht zuletzt aufgrund der nahenden Olympischen Sommerspiele 2020 in Tokyo, das Land noch sicherer und verständlicher für ausländische Besucher zu machen.

Tokyo: Kanji-Kana-Romaji-Straßenschilder (Foto: Copyright by KJ)
Alte Japanisch-Lateinische Straßenschilder in Tokyo (Foto: Copyright by KJ)

So wird aufgrund einer Anordnung des Transportministeriums vom April 2014 bereits jetzt die Bezeichnung „dori“ für Straßen, vielfach durch das engliche „Avenue“ ersetzt bzw. ergänzt, was die Orientierung erleichtern soll. Auch werden einheitliche Begriffen wie „Onsen“ statt „hot spring spa“ eingeführt.

Als Teil des Konzepts verbesserter Sicherheitsmaßnahmen, sollen die Betreiber von Hotels ihre Katastrophenübungen auch mit Hinweisschildern in lateinischer Schrift durchführen.

Sogar an die seelischen Bedürfnisse und emotionale Belastung im Katastrophenfall hat die Tourismusbehörde gedacht und rät den Hoteleigentümern dazu, Bibeln und Koranausgaben als Teil der Notfallversorgung bereit zu halten. Neben der Behörde berichteten auch japanische Medien, wie etwa die NHK über die technische Hilfe bei Naturkatastrophen.

Verfügbar ist die kostenlose Katastrophen-App für Google Android, als auch eine Version der Katastrophen-App für Apple iPhone.

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