Japan aktuell: Keine kostenlosen Krebs-Kontrollen für Fukushima-Arbeiter

Japan aktuell: Keine kostenlosen Krebs-Kontrollen für Fukushima-Arbeiter

1515
0
TEILEN
Fukushima-Arbeiter am Bus 7. Oktober 2011 (Foto: TEPCO)
Aktuelle Daten zur Strahlungsbelastung der AKW-Arbeiter veröffentlicht (Symbolfoto: TEPCO)

Fukushima-Arbeiter am Bus 7. Oktober 2011 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Einsatz ohne kostenlose medizinische Nachsorge (Foto: TEPCO)

Wenn wir in der Berichterstattung zu den Folgen des Unfalls am AKW Fukushima heute berichten, dass den einstigen Helden der Atomkatastrophe nun vielfach nicht einmal kostenlose medizinische Untersuchungen zustehen, dann kann dies sicher auch als Resultat einer übermächtigen Bürokratie gewertet werden.

Andere Meldungen zu den jüngsten Maßnahmen die auf dem Gelände der Reaktoranlage in Fukushima aktuell durchgeführt werden, lesen sich dagegen vergleichsweise positiv. Interessantes gibt es auch heute jenseits der Fukushima News – im Spreadnews Japan-Ticker vom 22. November 2012.

Unsere heutigen Themen:

  • Mehrzahl der Fukushima-Arbeiter ohne kostenlose Krebsvorsorge
  • Fukushima-Tankfloß muss Standort ändern
  • Erdbeben der  Stärke 10 soll möglich sein
  • Milde Strafe im Giftgas-Sektenprozess
  • Geiselnehmer fordert nach Banküberfall den Regierungsrücktritt
  • Dreifacher Inselstreit um Senkaku, Takeshima und Nördliche Territorien
    • Japanische Namen für Takeshima-Berge geplant
    • Takeshima-Taskforce für PR
    • Russisches Pier auf Nördlichen Territorien
    • Russland will Hotel auf Etorofu

Mehrzahl der Fukushima-Arbeiter ohne kostenlose Krebsvorsorge: Die Mehrzahl der 24.118 Arbeiter, die seit Beginn der Nuklearkatastrophe am AKW Fukushima beschäftigt waren, hat keinen Anspruch auf die von TEPCO und Regierung angebotenen kostenlosen Krebsvorsorge-Untersuchungen. Lediglich 3,7 Prozent, oder 904 Arbeiter sind hierzu berechtigt.

Fukushima-Arbeiter vor Abfahrt des Busses am 7. Oktober 2011 (Foto: TEPCO)
Keine kostenlose Krebsvorsorge für Fukushima-Arbeiter (Foto: TEPCO)

Das ist kein schlechter Scherz, sondern die Folge einer Regelung, die eine derartige Kontrolle auf Personen beschränkt, die zwischen dem Beginn der Krise am 11. März 2011 und Mitte Dezember 2011, als die Regierung den Cold Shutdown verkündete, einer Strahlungsdosis von mehr als 50 Millisievert ausgesetzt waren.

Doch selbst Personen die dieser Strahlung ausgesetzt waren, haben keine Garantie auf die Leistung. So hatten etwa im September 22 von 24 Arbeiter mit dieser Belastung keinen Anspruch, da im Oktober 2011 eine Notfallregelung in Kraft getreten war, die eine kostenlose lebenslange Krebsvorsorge nur jenen Arbeitern garantiert, die über 100 Millisievert belastet waren.

Im Rahmen dieses Systems müssen Angestellte zunächst die Kosten von etwa 50.000 Yen selber zahlen. Beim Verlassen des Unternehmens muss der Staat die Kosten hierfür übernehmen. Nachdem jedoch im Dezember 2011 die Notfallregelung außer Kraft gesetzt wurde, kam es erneut zu Änderungen, so dass etwa nur Arbeiter bis zu diesem Datum anerkannt wurden.

TEPCO erklärte im August 2012, man werde die Regelung auf Arbeiter ausdehnen die mehr als 50 Millisievert Belastung bis zum Status des Cold Shutdown im Dezember 2011 ausgesetzt waren, oder Personen nach diesem Zeitraum die besonders riskanten Arbeiten durchführten. Über diese Entwicklungen berichtete die Asahi Shimbun.

Diese ständigen Änderungen führten letztendlich dazu, das viele Arbeiter, die während der Zeit am AKW Fukushima ohne Dosimeter arbeiten mussten, oder diese mit Blei abschirmten, sogar deutlich höheren Strahlungsbelastungen ausgesetzt worden waren, jedoch aufgrund dieser zeitlichen Regelungen trotzdem keinen Anspruch auf lebenslange Vorsorge haben.

Fukushima-Tankfloß muss Standort ändern: Das riesige Tankfloß, das gegenwärtig im Hafen der Anlage vor Anker liegt, muss nun auf die nördliche Seite des Hafens transportiert werden, da alle Transportfahrzeuge für Arbeiten und die Übernahme von Ausrüstungsmaterial an die Küste und in den Hafen müssen.

Ein Tankfloß für radioaktives Wasser.  (Foto: TEPCO)
Tankfloß für schwach radioaktive Fukushima-Abwässer (Foto: TEPCO)

Um eine Gefährdung des Meeres durch radioaktives Material, dass sich im Tankfloß befindet auszuschließen, wurde am heutigen Donnerstag zwischen 10:10 Uhr bis 11:59 Uhr mit der Abpumpung des kontaminierte Wassers aus dem Floß in Lagerbehälter in der Nähe der Reaktoren 5 und 6  begonnen.

Die gesamten Pumparbeiten an dem Floß sollen voraussichtlich etwa  innerhalb eines Monats abgeschlossen sein.

Erdbeben der  Stärke 10 soll möglich sein: Toru Matsuzawa, Seismologie-Professor an der Universität Tohoku, hält Erdbeben mit einer Magnitude von 10 für möglich. Zu dieser Einschätzung kommt er aufgrund Überlegungen zur Größe des Planeten Erde und der Länge der weltweiten geologischen Verwerfungen.

Der Professor betont auf dem gestrigen Treffen jedoch, er behaupte nicht, dass solch ein Erdbeben tatsächlich stattfinden werde. Allerdings solle man sich angesichts der Tatsache, dass man für Japan ein Erdbeben der maximalen Stärke 8 erwartet und das Tohoku-Erdbeben eine Magnitude von 9 gehabt habe, der möglichen Ereignisse bewusst sein.

Wie die NHK berichtet, würde beispielsweise ein derartiges Beben entstehen, wenn sich eine 8.800 Kilometer lange Verwerfung in der so genannten „Pacific Rim“ etwa 20 Meter bewegen würde, was zu einer Erdbebendauer von 20 Minuten bis einer Stunde und tagelange Tsunami verursachen  könnte.

Milde Strafe im Giftgas-Sektenprozess: Ein Gericht in Tokyo sprach den 41 Jahre alten Maler und Tapezierer Hiroto Takahashi schuldig, das über 30 Jahre lang landesweit gesuchte Mitglied der Endzeit-Sekte Omu Shinrikyo, Naoko Kikuchi 840) zwischen März 2007 und Juni 2012 vor der Polizei versteckt zu haben.

Die Haftstrafe von 18 Monaten wurde von Richterin Hiroko Kondo zu fünf Jahren auf Bewährung ausgesetzt. Zwar habe er 2006 eine Beziehung mit Kikuchi begonnen, der eine Beteiligung an den Giftgas-Anschlägen auf die Tokyoter U-Bahn 1995 vorgeworfen wird, jedoch könne nicht nachgewiesen werden, dass er die Schlüsselperson bei der Strafvereitelung gewesen sei.

Da Takahashi selbst kein Mitglied der fälschlich als „Aum-Sekte“ bezeichneten Gruppierung ist und Kikuchi bereits seit zehn Jahren auf der Flucht gewesen sei, bevor sie auf den Maler traf, sei eine Haftstrafe unangemessen. Über die Entscheidung berichteten jiji und Kyodo.

Geiselnehmer fordert nach Banküberfall den Regierungsrücktritt: Bürger sind nicht immer einverstanden mit dem Kurs der jeweils amtierenden Regierung und abhängig vom politischen Kurs, kann es durchaus zu Protesten kommen. In einem aktuellen Fall geht der politische Aktivismus eines Mannes jedoch zuweit.

Der Täter hatte mit einem Messer in einer Filiale der Shinkin Bank in Tokyokawa (Präf. Aichi) betreten und fünf Personen als Geiseln genommen. Zu ihnen gehören eine Bankkundin, sowie zwei weibliche und zwei männliche Angestellte der Bank. Die Polizei wurde um 14:20 durch das automatische Alarmsystem der Bank informiert.

Der Geiselnehmer fordert nun Lebensmittel für zehn Personen, zwei Kasten Getränke, einen Lautsprecher, sowie Kontakt zu Reportern. Seine Hauptforderung ist jedoch schwieriger zu erfüllen, fordert er doch den Rücktritt des gesamten Kabinetts von Premierminister Yoshihiko Noda.

Allerdings hätte der Mann sich auch einfach noch etwas gedulden können, hatte Japans Premier doch trotzt Widerstands in der eigenen Partei die Auflösung des Parlaments für den 16. November bekanntgegeben und Neuwahlen für den 16. Dezember angekündigt.

Mittlerweile hat er eine Person freigelassen, so dass sich noch vier Geiseln in seiner Gewalt befinden.

Dreifacher Inselstreit um Senkaku, Takeshima und Nördliche Territorien: Neue Entwicklungen machen deutlich, das die Senkaku nicht die einzige Inselgruppe sind, die von Japans Nachbarstaaten für sich beansprucht werden. Die atuellen Meldungen jetzt im Überblick:

Japan und Korea im Disput um Takeshima-Inseln (Grafik: spreadnews.de)
Japan will Anspruch auf umstrittene Inseln festigen (Grafik: spreadnews.de)

Japanische Namen für Takeshima-Berge geplant: Nachdem Südkorea im Oktober den Bergen auf der unbewohnten Inselkette koreanische Namen verliehen hatte, zieht nun auch Japan nach. Auf einem heutigen Kabinettstreffen wurde die Einleitung einer Namensvergabe mit Mehrheit beschlossen.

Takeshima-Taskforce für PR: Japans Regierung plant die Einrichtung einer Arbeitsgruppe, die sich sowohl mit PR-Aufgaben, als auch mit geschichtlichen Forschung nach historischen Dokumenten beschäftigt, die den Anspruch Japans auf die Inseln bestätigen.

Russisches Pier auf Nördlichen Territorien: Der Bau eines Piers auf der Insel Etorofu ist fast abgeschlossen. Russland plant durch die 145 Meter langen Anlage, deren Bau durch das südkoreanische Unternehmen Keumto Construction Co. nur sechs Monate benötigte, Tourismus auf der Insel zu fördern.

Die von den Russen als Südliche Kurilen bezeichneten Inseln stehen derzeit unter Verwaltung von Russland, werden jedoch auch von Japan beansprucht. Die Einweihung des politisch fragwürdigen Projekts auf der einzelnen Insel, die von ihnen Iturup genannt wird, ist für Mai 2013 geplant.

Russland will Hotel auf Etorofu: Ein russisches Unternehmen wiill bis Ende 2015 in Betobu ein Hotel mit 100 Betten und einer Heißquellen-Anlage. Zu den Tourismus-Plänen gehören ein bereits gebauter neuer Flughafen und Besichtigungstouren für Besucher. Japan lehnt dies ab, da es einen Anspruch Russlands auf die Nördlichen Territorien unterstützen würde