Start Aktuelles Japan aktuell: Kernschmelze im AKW Fukushima hätte verhindert werden können

Japan aktuell: Kernschmelze im AKW Fukushima hätte verhindert werden können

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Die Reaktoren 1 und 1 des AKW Fukushima (Foto: TEPCO)
Die Fukushima-Reaktoren 1 und 2 am 6. Mai 2011 (Foto: TEPCO)
Die Reaktoren 1 und 1 des AKW Fukushima
Fukushima: Reaktoren 1 und 1 im März 2011 Foto: Tepco

Positives ist aus Japan zu hören: So rettete etwa ein japanischer Wissenschaftler die Worrongo-Sprache der australischen Ureinwohner, deren letzter Muttersprachler vor 30 Jahren starb und der japanische Autor und Psychiater Morio Kita wurde mit der Benennung einer neu entdeckten Art von goldenem Blattkäfer nach ihm geehrt.

Doch auch diese positiven Meldungen werden von den Informationen mit Bezug zum AKW Fukushima aktuell wieder einmal in den Schatten gestellt und so dominieren Berichte über Schäden, Schwierigkeiten und die Überschreitung von Höchstwerten auch diese Fukushima News.

Was neben der Abtragung von Japans zweitniedrigstem Berg, dem 6,5m hohen Hiyori durch den Tsunami sonst noch geschah ist nun nachzulesen im Spreadnews Japan-Ticker vom 16. September 2011.

TEPCO zahlte heimlich 40 Milliarden Yen an umliegende Gebiete: In den vergangenen 20 Jahren hat der Energiekonzern neben seinen regulären Leistungen wie Steuern insgesamt Zahlungen in Höhe von 40 Milliarden Yen an örtliche Verwaltungen geleistet. Die intern als „Mittel zum Umgang mit örtlichen Gemeinschaften“ bezeichneten Spenden, die in jedem Finanzjahresplan der Firma mit 2 Milliarden Yen fest eingeplant wurden,  waren nach Angaben von TEPCO nicht öffentlich gemacht worden um Kritik und Vorwürfen der Einflussnahme zu entgehen.

TEPCO habe die Empfänger – unter anderem die Präfekturleitungen von Fukushima,  Niigata und Aomori – gebeten, über die Herkunft der Spenden Stillschweigen zu wahren, sie im Gegenzug dafür nicht an einen bestimmten Zweck gebunden.

Damit sind die Präfekturen in denen die Fukushima-Kraftwerke und das Kernkraftwerk Kashiwazaki-Kariwa stehen ebenso bedacht worden, wie die Verwaltung der Stadt Mutsu, wo ein Unternehmen mit Kontakten zu TEPCO den Bau eines Lagers für abgebrannte Brennstäbe plant.

Einige Verwaltungen hatten auch aktiv um Spenden gebeten, so etwa die Verwaltung von Naraha (Präf. Fukushima) wo das KKW Fukushima Daini steht. Dort hatte man 2007 auf Bitte insgesamt 1 Milliarde Yen für den Bau einer kombinierten Kindergarten-Vorschule erhalten, so ein Artikel der Asahi Shimbun.

Kernschmelze hätte nach Expertenmeinung verhindert werden können: Eine Forschungsgruppe unter Leitung von Masashi Hirano hat anhand einer Computersimulation gezeigt, dass eine Kernschmelze hätte verhindert werden können, hätte die externe Kühlung durch Einspeisung von Wasser vier Stunden früher begonnen, berichtet eine Meldung der NHK.

Nach Daten von TEPCO habe man am 14. März gegen 13:00 Uhr festgestellt, dass das Kühlsystem ausgefallen sei und daraufhin Druck abgelassen, bevor man um 20:00 Uhr mit der Einspeisung von Kühlwasser begonnen hatte. Aber bereits um 20:00 Uhr des folgenden Tages sei ein Großteil der Brennelemente bereits geschmolzen und habe sich am Boden des Druckbehälters angesammelt.

Die Simulation zeigte, dass eine Kühlung ab 16:00 Uhr eine derartige Kernschmelze hätte verhindern können und so musste sich TEPCO nun die Frage gefallen lassen, wieso man nicht früher gehandelt habe.

Das Unternehmen antwortete,  die Arbeiter hätten angesichts der hohen Strahlungswerte sowie anderer schwieriger Bedingungen alles getan was ihnen möglich gewesen sei, und ist nicht der Überzeugung, dass die Maßnahmen verspätet eingeleitet wurden.

Industrieminister empfiehlt Abschaltung von Fukushima Daini: Der neue Industrieminister Yukio Edano legte einem Bericht der Nachrichtenagentur jiji zufolge, dem Energiekonzern TEPCO sowohl die Abschaltung der Reaktoren des AKW Fukushima Daini (Fukushima 2) als auch aller weiteren Reaktoren von Kernkraftwerken in der Präfektur Fukushima nahe. Als Grund nannte er die fehlende Unterstützung für die Atomenergie.  Edano sagte ein Neustart der Reaktoren sei schwierig, da das Einverständnis der örtlichen Bevölkerung eine „Voraussetzung“ hierfür, diese jedoch unwahrscheinlich sei.

TEPCO erklärte dagegen, man werde zwar die Außerbetriebnahme der Reaktoren 1 bis 4 am KKW Fukushima Daiichi durchführen, verschob jedoch die Entscheidung bezüglich der Reaktoren 5 und 6 sowie weiterer Anlagen zu denen auch Fukushima Daini zählt.

Großteil der Steuerstab-Detektoren in Fukushima-Reaktor beschädigt: Wie der Betreiber TEPCO mitteilt, wurde bei der Durchführung von Tests in Reaktor 1 festgestellt, dass die unterhalb des Druckbehälters liegenden Detektoren, welche den Zustand der Steuerstäbe überprüfen, fast ausnahmslos beschädigt sind. Lediglich einer arbeite fehlerfrei, so das Unternehmen.

Die Steuerstäbe, welche von unten zwischen die Brennelemente geschoben werden, dienen der Bedienung und Abschaltung des Reaktors. Die Schäden an den Detektoren seien auf die extreme Hitze und den steigenden Druck zu Beginn der Kernschmelze zurückzuführen. Das berichtet die Mainichi Shimbun.

Nordkoreanische Flüchtlinge sahen keine Perspektive: Die Befragung der nordkoreanischen Flüchtlinge hat offenbar keine besonderen Neuigkeiten ergeben. Man habe gehört, dass in Südkorea und anderen Ländern ein höherer Lebensstandard und mehr Freiheit möglich sei, was Grund für die Flucht war. Die Flüchtlinge erklärten auch, dass sie in der Tat über mehr Geld verfügten als die Bauern in Nordkorea die ein sehr hartes Leben führen müssten, berichtet die NHK.

Dekontamination macht Entsorgung von 100 Millionen Kubikmetern Erde erforderlich: Yuichi Moriguchi, Professor an der Universität Tokyo dürfte bereits mit seiner Berechnung, insgesamt 2000 Quadratkilometer Land seien von radioaktivem Material betroffen und müssten dekontaminiert werden, bei einigen Lesern erstaunen ausgelöst haben.

Die Asahi Shimbun berichtet nun, nach Ansicht des Professors müssten zum Zweck der Dekontamination mindestens 100 Millionen Kubikmetern Erde entfernt werden und führt auch gleich einen plastischen Vergleich an: Der Tokyo Dome, ein Baseballstadion, dass auch für Großereignisse wie Konzerte genutzt wird und insgesamt 55 000 Menschen Platz bietet, könnte mit dieser Menge an Erde 80 Mal gefüllt werden.

TEPCO will versuchsweise mehr Wasser in Reaktoren pumpen: Der Betreiber der Anlage Fukushima Daiichi kündigte an, man werde heute versuchsweise mehr Wasser in die Reaktoren 2 und 3 pumpen. Dabei soll die Wassermenge jeweils von sechs auf sieben und von sieben auf zwölf Tonnen pro Stunde gesteigert werden. Ziel der versuchsweisen Aktion ist es, die Grundlage für einen „Cold Shutdown“ der Reaktoren zu schaffen.

Auch wenn mit einem Anstieg des Pegels an radioaktiv belastetem Wasser in den Kellern der Turbinengebäude der Reaktoren 2 und 4 zu rechnen ist, stelle dies nach Angaben von TEPCO kein Problem dar, da der dortige Wasserstand sehr niedrig und die Gefahr eines Überlaufens, die mit der Kontamination des Meeres und der Umwelt verbunden wäre praktisch fast gebannt sei, berichtet die Nachrichtenagentur jiji.

Stark radioaktives Cäsium in Asche überschreitet neuen Höchstwert: In einer Anlage zur Beseitigung von Bauschutt (Präf. Fukushima) wurde mit einer Belastung von 144 200 Becquerel pro Kilogramm Asche erstmals seit Beginn der Krise der zulässige Höchstwert von 100 000 Becquerel pro Kilogramm überschritten, erklärte ein Mitarbeiter des Umweltschutzministeriums. Dabei war die Begrenzung erst vor einem Monat bereits gelockert und von 8000 auf 100 000 erhöht worden. Das berichtet die Nachrichtenagentur jiji.

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