Start Aktuelles Japan aktuell: Kinder in Fukushima mit niedriger Gewichtszunahme

Japan aktuell: Kinder in Fukushima mit niedriger Gewichtszunahme

1403
0
TEILEN
Stadt Koriyama, Präfektur Fukushima (Foto: pd)
Koriyama-Gespräche: TEPCO-Verantwortlicher widerspricht Premier Abe (Foto: pd)
Stadt Koriyama,  Präfektur Fukushima (Japan)
Koriyama: Kinder mit verringerter Gewichtszunahme nach AKW-Katastrophe

Die Berichterstattung zum Thema Fukushima hat abgenommen und so finden sich in ausländischen Medien auch kaum Meldungen über die unabhängigen Messergebnisse von Bürgergruppen, die immer wieder den offiziellen Angaben zur Ungefährlichkeit widersprechen. Zuletzt mussten sogar privat entdeckte Hotspots eingeräumt werden.

Diese Nachrichtenlage ist bedauerlich – bleibt doch letztlich nur die Option offiziell unbestätigte, von Bürgern etwa per Twitter verbreiteten Informationen zu vertrauen in der Hoffnung, das diese sowohl unzensiert als auch sachlich richtig sind, oder aber lediglich über den aktuellen Stand zu berichten, wie es offiziell in den Medien dargestellt wird. Oft ist es sogar so, dass zunächst privat verbreitete Meldungen sich anderntags in den Medien finden, sofern sie nicht totgeschwiegen werden.

Spreadnews berichtet für Sie weitgehend der offiziellen japanischen Berichterstattung folgend – im Vertrauen auf den kritischen Verstand unserer Leser, die sich anhand der bestätigten Informationen ihr eigenes Bild machen – so auch mit den  heutigen Fukushima News im Spreadnews Japan-Ticker vom 08. November 2011.

Kinderwachstum in Präfektur Fukushima stagniert: Eine Untersuchung von 245 Kindern aus zwei Kindergärten in der Stadt Koriyama (Präf. Fukushima) im Alter zwischen vier und sechs Jahren zeigte, dass die Gewichtszunahmen von Kindern in diesem Jahr geringer sind als noch im Jahr zuvor. Ein Kinderarzt kommt dabei zu dem Schluss, dass  die verlangsamte Zunahme an Gewicht, auf die Auswirkung des Fukushima-Atomunglücks im März 2011 zurückzuführen ist.

Bei der Auswertung stellte Dr. Shintaro Kikuchi fest, dass die Gewichtszunahme der getesteten Kinder in diesem Jahr lediglich 0,081 Kilogramm betragen habe. In derselben Altersgruppe des Vorjahres war eine Rate von 3,1 Kilogramm festgestellt worden.

In der Gruppe der 5-6 Jahre alten Kinder war eine durchschnittliche Gewichtszunahme von 0,84 Kilogramm festgestellt worden, während eine landesweite Untersuchung des Gesundheitsministeriums im Vorjahr einen Durschnitt von 1,8 Kilo bei der Altersgruppe gemessen hatte.

Als Ursache hierfür werden mehrere Möglichkeiten genannt, die jedoch alle im Zusammenhang mit der AKW-Katastrophe stehen. Zum einen wird der von Eltern erwähnte geringer Appetit aufgrund des Bewegungsmangels genannt, da die Kinder wegen der räumlichen Nähe des Ortes zum KKW Fukushima Daiichi, von gerade einmal 60 Kilometern, fast ausnahmslos nicht im Freien spielen dürfen.

Auch mangelnder Aufbau von Muskelmasse könnte eine Rolle spielen und auch in diesem Fall wäre körperliche Betätigung im Freien notwendig gewesen. Aufgrund der Belastung der sie ausgesetzt seien, könnten auch Störungen der Wachstumshormone als Ursache in Erwägung gezogen werden. Der Kinderarzt sieht daher als einzig wirksame Methode zur Behandlung der gesundheitlichen Anomalien, eine Evakuierung der Familien. Das berichtet die NHK.

China verärgert über Japanbesuch des Dalai Lama: Die Führung der kommunistischen Volksrepublik China zeigt sich wenig glücklich über den Empfang des Dalai Lama durch einige japanische Politiker. Sie beschworen erneut das Schreckgespenst eines tibetischen Separatisten und sprachen in gewohnt propagandistischer Weise über seine Absicht China zu spalten. Das berichtet die Nachrichtenagentur Kyodo. Tibet ist seit den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts von der VR China besetzt und wird trotz unterschiedlicher Kultur, Sprache und Religion als Teil der Nation angesehen.

Roboteranzug soll Fukushima-Arbeitern helfen: Eine Technologie die ursprünglich dazu entwickelt wurde, körperbehinderten Menschen zu helfen, könnte nun auch die Tätigkeit der Arbeiter vor Ort erleichtern. Die Schutzanzüge, welche die Angestellten im AKW Fukushima Daiichi tragen müssen, haben ein Gewicht von 15 Kilo plus eventuell benötigter Ausrüstung. Trotz Maßnahmen wie Kühleinrichtungen in den Anzügen, sind etwa das Verbinden von Leitungen und das Öffnen großer Ventile gleich in doppelter Weise „schwere Arbeit“.

Der Roboter-Anzug der auf den englischen Namen „Robot Suit HAL“ hört, wurde von der in der Präfektur Ibaraki ansäßigen Firma Cyberdyne Inc. entwickelt. Er unterstützt Bewegungen der Muskeln, etwa beim Heben von Gegenständen durch seine eigene Energie und entlastet diese dadurch. Möglich wird dies durch eine Übertragung der vom Gehirn ausgehenden Nervenreize, welche die Muskeln in Bewegung versetzen sollen auf Sensoren innerhalb des Anzugs. So wird dann etwa die Kraftaufwendung bei der Hebebewegung des Arms durch den Motor des Geräts unterstützt.

Noch ist nicht entschieden, ob diese „Cyborg-Einheit“ bei Arbeitern in Fukushima tatsächlich Anwendung finden wird. Das System von HAL (Hybrid Assistive Limb) könnte jedoch in der Zukunft körperlich anstrengende Arbeiten wie jene im Atomkraftwerk durchaus vereinfachen. Ein Professor der Universität von Tsukuba (Präf. Ibaraki) ist der Ansicht, durch den Einsatz könne möglicherweise sogar die vollständige Kontrolle über die Anlage schneller erreicht werden, als bislang vermutet. Über die entsprechenden Tests und Pläne berichteten NHK und Mainichi Shimbun.

Erdbeben in Südjapan
: Ein Erdbeben der Stärke 6,0 hat die japanische Insel Okinawa erschüttert. Über Schäden oder mögliche Verletzenzahlen gab es zunächst keine Informationen. Das Epizentrum habe sich rund 50 Kilometer unter dem Meeresboden befunden. Trotz dieser Lokalisierung und der Stärke des Bebens wurde keine Tsunamiwarnung herausgegeben. Die Insel Okinawa liegt etwa 1600 Kilometer von Japans Hauptstadt Tokyo entfernt und ist neben seiner historischen Bedeutung vor allem für seine tropischen Regionen, sowie die als besonders gesund geltenden Bittermelonen (Goya) bekannt.

Strahlungsüberwachung durch unbemannten Helikopter: Einer Meldung der Nachrichtenagentur jiji zufolge, begann der Betreiber des AKW Fukushima Daiichi am gestrigen Montag mit der Überwachung der freigesetzten Strahlung im Gebiet um das Atomkraftwerk durch ein unbemanntens Flugobjekt. Das japanische Umweltministerium begann mit der Maßnahme an einem Hotspot der außerhalb der 20 Kilometer Zone liegt. Das Gerät soll dann am 14. November innerhalb der Zone mit den Messungen beginnen. Die Aktion ist Teil der Bemühung eine detailierte Karte der Strahlung zu erstellen, welche dann als Grundlage für die Erstellung von Dekontaminierungsplänen dienen soll. Ein erster Zwischenbericht des Ministeriums soll im Dezember gefertigt, ein Endbericht dann im März kommenden Jahres weitergegeben werden.

Regierung beginnt Veröffentlichung von Ergebnissen der Atomsicherheitstests: Industrieminister Yukio Edano teilte einer Meldung der NHK zufolge am Dienstag mit, dass die Regierung die Transparenz im Bezug auf die Sicherheit der Atomanlagen erhöhen wolle, bevor die Anlagen, welche zur Zeit Stresstests unterzogen werden, neu gestartet werden. Zu diesem Zweck hat die japanische Regierung nun mit der Veröffentlichung erster Reaktortestergebnisse auf einer offiziellen Webseite begonnen.

Neben den Ergebnissen soll auch der Meinungsaustausch zwischen Regierung und Elektrizitätsanbietern  auf der Webseite der Atomenergiesicherheitsbehörde NISA für jeden einsehbar sein.

Zudem rief Edano die Öffentlichkeit dazu auf, Meinungen zu äußern und Fragen zu den Tests zu stellen, die von der Regierung beantwortet werden würden. Der Austausch der Meinungen könnte zu einem besseren Verständnis des Untersuchungsverlaufs der Atomsicherheitstests beitragen.

Cäsiumfund führt zu Messungen aller Straßen in Seoul: Nachdem nun auch in Südkoreas Hauptstadt Seoul das radioaktive Cäsium nachgewiesen wurde, ordnete die Stadtverwaltung nun eine Überprüfung aller Straßen an, berichtet die Asahi Shimbun. Seouls Bürgermeister Park Won-soon zeigte sich besorgt. Seit dem 2. November waren an der Straßendecke in Wohn- und Einkaufsbezirken in Seouls nordöstlichem Stadtteilt Werte von radioaktivem Cäsium-137 in Höhe von 3 Mikrosievert pro Stunde gemessen worden.

Als zusätzliche Maßnahme wird dort nun der Asphalt der Straßendecke entfernt, da man von ihm als Strahlungsursache ausgeht. Zudem wurde festgestellt, das bislang alle betroffenen Straßen offenbar im Jahr 2000 verlegt worden waren, so dass nun eine Kontrolle aller Straßen die in diesem Jahr gebaut wurden erfolgen soll.

TEPCO will Entschädigungssummen erhöhen: TEPCO erwägt offenbar eine Erhöhung der Entschädigungszahlungen an evakuierte Personen, da diese durch die Flucht besonders psychischem Stress ausgesetzt worden seien. Eine mögliche Erhöhung kann jedoch erst in Rücksprache mit der Regierung erfolgen, die durch Finanzmittel einen nicht unwesentlichen Teil der Kosten des Unternehmens mitträgt. Zuvor hatte TEPCO die Zahlungen pro Person auf 50.000 Yen halbiert. Der im Juni festgelegte Plan sieht jedoch eine sechsmonatige Entschädigungszahlung in monatlichen Raten von je 100.000 Yen seit Beginn der Krise vor. Das berichtet die Nachrichtenagentur jiji.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here