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Japan aktuell: Konstruktion von Stahlgerüst an Fukushima-Reaktor 4 macht Fortschritte

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Fukushima-Reaktor 4: Dritte Ebene des Stahlgerüsts am 13. März 2013 fertig (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 4: Dritte Ebene des Stahlgerüsts am 13. März 2013 fertig (Foto: TEPCO)

Kraftwerksbetreiber TEPCO weiss vom AKW Fukushima heute von Fortschritten zu berichten.

Während die Suche nach Lecks in den vergangenen Tagen ergebnislos verlief, ist man nun zumindest beim Aufbau der Stahlträger um den Fukushima-Reaktor 4 weiter fortgeschritten.

Beunruhigend ist dagegen ein Bericht, dem zufolge Suchtrupps ohne Schutzkleidung im Sperrgebiet tätig gewesen sein sollen.

Wer Interesse daran hat, wie sich die Lage für Katastrophenhelfer nach den Ereignissen vom 11. März 2011 darstellte, dem sei der heutige Teil unserer Serie „Katastrophenhelfer in Japan: Kooperation mit japanischen Rettungskräften“ empfohlen. Der nächste Teil folgt am 15. März.

Einzelheiten zu den Fukushima News und weitere Meldungen jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 13. März 2013.

Unsere heutigen Themen:

  • Dritte Ebene des Stahlgerüsts an Fukushima-Reaktor 4 fertiggestellt
  • Weitere Fehlschläge bei Lecksuche in Fukushima-Reaktor 2
  • TEPCO verhinderte Reaktor-Kontrolle angeblich nicht vorsätzlich
  • Drei Personen ohne Schutzanzug in Sperrgebiet
  • Erste Kirschblüte des Jahres

Dritte Ebene des Stahlgerüsts an Fukushima-Reaktor 4 fertiggestellt: Am heutigen Mittwoch meldet TEPCO, dass nun auch die dritte Ebene des Stahlgerüsts am Reaktor 4 des AKW Fukushima Daiichi fertiggestellt wurde.

Fukushima-Reaktor 4: Modell der drei fertigen Ebenen am 13. März 2013 (Grafik: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 4: Modell der drei fertigen Ebenen am 13. März 2013 (Grafik: TEPCO)

Bei den Arbeiten, die seit Samstag durchgeführt worden waren, wurden sechs Pfeiler und sieben Stahlträger genutzt. Die Struktur weist bereits jetzt ein Gewicht von mehreren Tonnen auf.

Das Stahlgerüst dient, anders als bei bisherigen Reaktoren nicht allein dem Aufbau eines Schutzmantels, um Witterungseinflüsse vom Reaktor fernzuhalten und dem Austritt radioaktiven Materials zu begegnen, sondern stellt auch eine wichtige Vorbereitung auf die Stilllegung dar.

Es ist geplant, auf Basis der Stabilität des Stahlgerüsts einen Kran zu nutzen, um die im Gebäude gelagerten abgebrannten Brennelemente bergen zu können. Diese Aufgabe ist eine besondere Herausforderung und zugleich die Grundbedingung für das endgültige Aus der Anlage.

Weitere Fehlschläge bei Lecksuche in Fukushima-Reaktor 2: Auch bei den Untersuchungen am 6. März und dem 13. März im unteren Bereich von Fukushima-Reaktor 2 konnten an den dortigen Leitungen keine Lecks ausgemacht werden.

Fukushima-Reaktor 2: Entlüftungsrohr im West-Südwesten (o.) und Süd-Südwesten (u.) am 13. März 2013 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 2: Entlüftungsrohr im West-Südwesten (o.) und Süd-Südwesten (u.) am 13. März 2013 (Foto: TEPCO)

Die Betreiberfirma TEPCO hatte am 5. März mit den Kontrollen der Leitungen durch einen Roboter begonnen. Man hofft, auf diese Weise jene Stellen zu entdecken, an denen möglicherweise die Flüssigkeit aus dem Reaktor gelangt.

Eine Abdichtung dieser Stellen ist erforderlich, da man den Behälter anschließend vollständig mit Wasser auffüllen möchte, um Temperatur und  Strahlungsbelastung bei der Bergung der dortigen Brennelemente so niedrig wie möglich zu halten.

Die maximale Strahlungsbelastung beim jüngsten Einsatz des Roboters betrug 1,08 Millisievert und liegt damit wieder unterhalb des anvisierten Werts von drei Millisievert.

TEPCO verhinderte Reaktor-Kontrolle angeblich nicht vorsätzlich: Ein heute vorgelegter Bericht eines Untersuchungsausschusses, der von TEPCO in Auftrag gegeben worden war, kommt zu dem Schluss, dass der Konzern bei den Angaben über die Verhältnisse in Reaktor 1 nicht vorsätzlich gelogen habe.

Im Februar vergangenen Jahres hatte Mitsuhiko Tanaka, Mitglied eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses zur Fukushima-Krise einen Antrag auf Inspektion von Fukushima-Reaktor 1 gestellt. TEPCO riet aufgrund angeblich schlechter Sichtverhältnisse und gefährlicher Bedingungen von der Inspektion ab, so dass sie nicht stattfand.

Wie sich später herausstellte, war die Behauptung über mangelnde Beleuchtung unwahr und auch ein vorgebliches Belegfoto erwies sich als nicht zutreffend, da es zu einem anderen Zeitpunkt gemacht worden war. TEPCO bestreitet nach wie vor eine Täuschungsabsicht.

Der jetzige Bericht kommt zu dem Schluss, dass die Angaben von TEPCO in der Tat falsch waren, dies sei jedoch auf Missverständnisse zurückzuführen, da TEPCO sicher nicht eine Lüge geäußert hätte, die sich derart leicht widerlegen liesse.

Mitsuhiko Tanaka zeigte sich wenig verwundert über das Ergebnis der Untersuchung, zumal nur der TEPCO-Vorsitzende Tsunehisa Katsumata und der damalige Präsident Toshio Nishizawa, sowie TEPCO-Angestellte befragt worden waren. Er selbst werde weiter auf eine Inspektion des Reaktors drängen.

Mit dem entlastenden Bericht befassten sich unter anderem die Kyodo, jiji und NHK.

Drei Personen ohne Schutzanzug in Sperrgebiet: Nach Angaben der Präfekturpolizei Fukushima waren zwischen März und Mai 2011 insgesamt 25.700 Personen mit Suchaktionen in Evakuierungsgebieten und anderen Gebieten, die zum Verwaltungsbereich der Polizei Futaba und Minamisoma gehören, beschäftigt.

Nun wurde bekannt, dass drei Angestellte der Gemeindeverwaltung Futaba, auf deren Gebiet auch ein Teil der Kraftwerksanlage des AKW Fukushima Daiichi steht, offenbar ohne Schutzkleidung und Dosimeter im Sperrgebiet auf der Suche nach Vermissten des Tsunami waren. Bislang wurde jedoch nichts unternommen um die vermutliche Gesamtbelastung der Männer zu ermitteln.

Nach Angaben der Gemeindeverwaltung beteiligten sich die Männer im Alter zwischen 30 und Mitte 50 im Zeitraum vom 22. April und 19. Mai 2011 an Suchaktionen entlang der Küste. Zu den Aufgaben der Helfer von Polizei und Feuerwehr gehörte zum einen, bei Leichenfunden die Gebietszugehörigkeit des Fundorts – Futaba oder dessen Nachbarort – zu klären.

Zum anderen sammelten sie auch Gegenstände, die von persönlicher Bedeutung für Überlebende sein würden, wie etwa Fotoalben, oder buddhistische Ahnentäfelchen (Ihai) der Hausaltäre ein, um die Fundstücke dann abzugeben.

Obwohl etwa bei der Präfekturpolizei Fukushima für die Suchtrupps die Ausstattung mit Schutzanzügen und mindestens einem Dosimeter pro Gruppe verpflichtend ist und Luftmessungen über den Gebieten erfolgten, erhielten die Helfer durch die örtlichen Verwaltungen offenbar keine Aufklärung oder Anweisung, sich entsprechend auszustatten.

Der jüngste Fall zeigt nach Ansicht der Mainichi Shimbun, welches verwaltungstechnisches Durcheinander noch bis zu zwei Monate nach den Naturkatastrophen und den Kernschmelzen bei der Regierung in Tokyo und den örtlichen Behörden herrschte.

Die bei den Polizeitrupps gemessene Gesamtwerte lagen bei getragener Schutzkleidung unter fünf Millisievert. Zum Vergleich: Im Normalfall ist eine Person radioaktiver Belastung von bis zu einem Millisievert ausgesetzt.

Erste Kirschblüte des Jahres: Aus Fukoka meldet die Wetterbehörde das Erblühen der ersten Kirschblüten. Ihre volle Blüte werden sie in etwa zehn Tagen erreichen. Im Vergleich zum Vorjahr setzte sie 14 Tage früher ein. Damit handelt es sich, ebenso wie  2009, als sie am selben Tag blühten, um die frühste Blüte seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1953.

Die Meteorologen führen dieses Erblühen der „somei-yoshino“ Kirschen auf die ungewöhnliche Wärmephase von bis zu 20 Grad Celsius am Anfang des Monats zurück. Über das Schauspiel berichteten unter anderem jiji und NHK.

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