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Japan aktuell: Kontaminierter Fukushima-Reis noch nicht entsorgt

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Eine Reis-Rispe
Erstmals Testanbau von Reis in einstiger Sperrgebietsgemeinde Tonioka (Symbolfoto: pd)
Eine Reis-Rispe
Radioaktiv kontaminierter Reis bleibt Problem (Foto: pd)

Zwei Jahre sind seit Beginn der Krise vergangen und doch stellt die Entsorgung von radioaktiv kontaminiertem Material in der Präfektur Fukushima heute noch ein Problem dar. Dabei gibt es im Fall der eingelagerten Reisvorräte noch besondere Umstände, die den aus Fukushima aktuell bekannt gewordenen Nachrichten eine weitere Dimension verleihen

Die Fukushima News unserer Berichterstattung befassen sich jedoch unter Anderem auch mit einem Arbeitsunfall auf dem Gelände des Kernkraftwerks. Details zu diesen und den übrigen Meldungen jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 25. April 2013.

Unsere heutigen Themen:

  • Kontaminierter Fukushima-Reis nach zwei Jahren noch nicht entsorgt
  • TEPCO fährt Kühlsystem für Abklingbecken herunter
  • Fukushima-Arbeiter zieht sich Handverletzung zu
  • Teijin entwickelt Material für Strahlungsschutzkleidung
  • Yasukuni-Kommentare von Abe sorgen für Spannungen
    • Südkorea bestellt Japans Botschafter ein
    • Nordkorea protestiert gegen Japan
    • Proteste gegen Japan in Hongkong

Kontaminierter Fukushima-Reis nach zwei Jahren noch nicht entsorgt: Selbst zwei Jahre nach der Fukushima-Katastrophe haben die Verwaltungen in der Präfektur Fukushima noch Probleme damit, den zur Entsorgung aussortierte Reis (Kakurimai) tatsächlich zu entsorgen, so dass in den Lagerhäusern noch etwa 17.000 Tonnen an kontaminiertem Reis auf die Endlagerung warten.

Dabei war es nicht einfach für die Reissäcke überhaupt ein Lagerhaus zu finden, da viele Anbieter sich weigerten, sobald sie hörten, das  es sich um „kontaminierten“ Reis handelt.

Gegen die Verbrennung der Reisladungen bestehen Vorbehalte. So kann der Reis aufgrund technischer Besonderheiten nicht in regulären Anlagen entsorgt werden und die Betreiber privater Müllverbrennungsanlagen, in denen die Verbrennung möglich wäre, fürchten geschäftsschädigende Gerüchte.

Unter Berufung auf namentlich ungenannte Quellen berichtet die Asahi Shimbun, tatsächlich könnte bei mehr als 95 Prozent der aus Sicherheitsgründen zurückgehaltenen Ware, die radioaktive Belastung sogar unter dem zulässigen Grenzwert liegen und die Sicherheitsmaßnahmen gegen „kontaminierten“ Reis zu weit gegriffen haben.

Daher sehen auch einige  Landwirte eine Verbrennung als Verschwendung an und schlagen vor, Futtermittel, oder zumindest  Biokraftstoff aus dem Reis zu gewinnen.

Dagegen betrachtet das Landwirtschaftsministerium diese Optionen als unmöglich, da den Landwirten bereits Entschädigungszahlungen durch TEPCO zugekommen seien und auch die Präfekturverwaltung Fukushima hat den Kakurimai als entsorgungspflichtigen Abfall deklariert.

Bislang sind lediglich etwa zehn Prozent der 17.000 Tonnen Reis entsorgt und das Ziel, bis Ende des Jahres zumindest die Reisbestände aus dem Jahr 2011 vollständig entsorgen zu können, ist in weite Ferne gerückt.

TEPCO fährt Kühlsystem für Abklingbecken herunter: Wie der Kraftwerksbetreiber heute mitteilte, habe man das Kühlsystem für das Abklingbecken von Fukushima-Reaktor 3 um 9:39 Uhr kontrolliert heruntergefahren. In diesem Zustand wird die Anlage für etwa 33 Stunden bleiben und die Temperatur um etwa fünf Grad Celsius steigen.

Fukushima-Reaktor 3: Blick in das Abklingbecken am 13. Februar 2013 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 3: Blick in das Abklingbecken am 13. Februar 2013 (Foto: TEPCO)

Hintergrund ist der Einbau eines neuen Stromversorgungssystems, bei dem ein technischer Defekt nicht die gänzliche Stromversorgung unterbricht, sondern die Versorgung über Mehrfachbetrieb ermöglicht.

Da die Temperatur zum Zeitpunkt der Abschaltung 16 Grad Celsius betragen habe, stelle der geringe Temperaturanstieg kein Sicherheitsproblem dar.

Mit dem Einbau kommt der Elektrizitätskonzern der Aufforderung der Atomaufsichtsbehörde NISA nach besserer Sicherung der Stromversorgung nach und plant für Freitag auch eine Abschaltung des Kühlsystems von Reaktor 4 um dort ähnliche Arbeiten durchzuführen.

Fukushima-Arbeiter zieht sich Handverletzung zu: Am gestrigen Mittwoch zog sich ein TEPCO-Angestellter eine Verletzung zu, als er gegen 14:25 Uhr bei Vorbereitung zum Transport von Fässern in den Hauptkühlraum im Zweiten Stock des Turbinengebäudes von Reaktor 1 am AKW Fukushima Daini versehentlich den rechten Zeigefinger zwischen den Behältern einklemmte.

Nachdem um 15:18 Uhr ein Arzt den Transport in eine Klinik empfohlen hatte, wurde er um 16:23 Uhr in das Fukushima Rosai Hospital gebracht, wo ein offener Bruch eines Fingergliedes diagnostiziert und eine vierwöchige ambulante Behandlung verordnet wurde. TEPCO will die genauen Umstände des Arbeitsunfalls ermitteln und mögliche Präventionsmaßnahmen treffen.

Teijin entwickelt Material für Strahlungsschutzkleidung: Der Chemiekonzern Teijin Ltd. gab gestern bekannt, dass man eine spezielle Faser entwickelt habe, die Röntgenstrahlung und Gamma-Strahlung abschirmt.

Die Mischung aus strahlrungsabwehrenden Wolfram-Anteilen mit Technora, einem polymeren Kunststoff, der von Teijin hergestellt und verkauft wird, überschreitet sogar die Fähigkeiten von Technora im Bereich von Brandschutz und Schnittwiderstand und könnte den Arbeitern damit zusätzlichen Schutz bieten.

Bereits ab kommendem Monat will das Unternehmen ersten Testkunden einen Teil des Materials zukommen lassen, die dann eine Weiterverarbeitung zu Schutzkleidung und Abdeckungen testen werden. Neben Kunden aus dem Bereich der Strahlungsmedizin sind insbesondere die Arbeiten in den Katastrophenpräfekturen ein potentielles Einsatzgebiet.

Das Material ist deutlich flexibler in der Handhabung, als dies bei Beton oder Bleiplatten zur Strahlungsabschirmung wäre. Über die Neuentwicklung berichteten Kyodo und Asahi Shimbun.

Yasukuni-Kommentare von Abe sorgen für Spannungen: Die Aussagen von Japans Premierminister Shinzo-Abe zu den Besuchen am Yasukuni-Schrein haben bei den asiatischen Nachbarn zu Spannungen gesorgt, so dass Chefkabinettssekretär Yoshihide Suga zumindest im Fall von Sükorea die Wogen wieder glätten will. Die aktuellen Meldungen für Sie zusammengefasst.

Haupttor zum Yasukuni Jinja (Foto: pd)
Haupttor zum Yasukuni-Schrein (Foto: pd)

Südkorea bestellt Japans Botschafter ein: Das südkoreanische Außenministerium berief heute Koro Bessho, den japanischen Botschafter in Seoul ein, um einen offiziellen Protest gegen die jüngsten Äußerungen von Japans Premierminister Shinzo Abe einzulegen. Dieser hatte erklärt, seine Regierung werde sich nicht durch Drohungen davon abhalten lassen, den Kriegstoten Respekt zu erweisen.

Nordkorea protestiert gegen Japan: Gestern meldete sich mit der offfiziellen Nachrichtenagentur KCNA erstmals auch Nordkorea zum jüngsten Besuch japanischer Minister am Yasukuni-Schrein zu Wort und sprach von einer nicht zu tolerierenden Beleidigung und mutwilliger Herausforderung, da der Schrein ein Symbol für Aggression und Massaker darstelle.

Proteste gegen Japan in Hongkong: Neun Mitglieder einer nationalistischen Gruppe versammelten sich gestern vor dem japanischen Generalkonsulat. Eine verlesene Erklärung hatte zum Inhalt, dass die Yasukuni-Besuche gleichbedeutend mit der Leugnung japanischer Kriegsverbrechen sei und verurteilte die Reise japanischer Politikaktivisten zu den Senkaku – nachdem die koreanische Gruppierung selbst zuvor diese unternommen hatten. Im Anschluss verbrannten sie das Dokument.

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