Start Aktuelles Japan aktuell: Korrosion am ALPS-System in Fukushima größer als gedacht

Japan aktuell: Korrosion am ALPS-System in Fukushima größer als gedacht

1300
0
TEILEN
AKW Fukushima: Kontaktkorrosion im ALPS-Turm 6B am 13. August 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Kontaktkorrosion im ALPS-Turm 6B am 13. August 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Kontaktkorrosion im ALPS-Turm 6B am 13. August 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Kontaktkorrosion im ALPS-Turm 6B am 13. August 2013 (Foto: TEPCO)

Fortschreitende Korrosion und seltsame Auswölbungen beschäftigen den Betreiber der Anlage in Fukushima aktuell und während an anderer Stelle die Arbeiten zur Dekontamination fortschritte machen, ist das Kernkraftwerk Fukushima heute weiterhin Grund zur Sorge.

Die Fukushima News zeigen somit weiterhin das Bild von Fortschritten und Rückschlägen, wie dies in den vergangenen Jahren immer wieder der Fall war.

Einzelheiten jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 14. August 2013.

Unsere heutigen Themen:

  • Weitere Korrosion am ALPS-Filtersystem
  • Ungeklärte Anhebung von unterirdischen Wassertanks
  • Unterirdische Kontrollen auf Wasserlecks
  • Dekontamination in einigen Präfekturen nun auch an Privathäusern
  • Ex-Premier Kan bestreitet Verantwortung für Fukushima-Katastrophe

Weitere Korrosion am ALPS-Filtersystem: Nach gerade einmal zwei Monaten Testbetrieb zeigt die Multinuklid-Filteranlage ALPS, von dessen umfangreichen Filterleistungen sich TEPCO langfristig die Erlaubnis zur Verklappung von radioaktivem Wasser versprochen hatte, weitere Anzeichen von Korrosion.

AKW Fukushima: Kontaktkorrosion am Rohrstutzen des Zirkulationstanks am 13. August 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Kontaktkorrosion am Rohrstutzen des Zirkulationstanks am 13. August 2013 (Foto: TEPCO)

Wie das Unternehmen gestern mit einer Reihe von Fotos dokumentierte, wurde an mindestens vier weiteren Teilen des Filtersystems ähnliche Korrosionserscheinungen festgestellt, wie sie bereit zuvor an anderen Stellen der Anlage ausgemacht worden waren.

Zu den betroffenen Teilen gehört unter anderem auch der Rohrstutzen des ALPS. Bereits in der Vergangenheit waren Abnutzungserscheinungen an der Anlage aufgetreten. So hatte im Juni zunächst braunes Wasser auf die Vorgänge hingewiesen, später waren kleinere Perforationen festgestellt worden, die im Juli zum Halt des Systems für Korrosionsschutz-Maßnahmen führten (Spreadnews berichtete).

Bei Untersuchungen an der Oberfläche des Flanschs des Zirkulationstanks A, sowie die Absorptionstürme, wurde an beiden Teilen Kontaktkorrosion an der Außenseite nachgewiesen. Eine Kontrolle im Inneren des ‚Turms 1A ergab keine Hinweise auf Abnutzung. Im Turm 6B konnte dagegen sowohl Kontaktkorrosion an der Flanschoberfläche, als auch Verfärbungen festgestellt werden.

Letztere wird auf eine Korrosion im Inneren des Turms zurückgeführt. Offenbar hat man bei TEPCO kein Konzept für die Handhabung dieser Probleme, so dass man nun die Ursachen der Korrosion ermitteln und Überlegungen zur Reparatur der betroffenen Teile anstellen will. Auch sollen Ausmaß und Auswirkung des Effekts weiter beobachtet werden.

Ungeklärte Anhebung von unterirdischen Wassertanks: Erst gestern veröffentlichte TEPCO die Informationen zu einem Ereignis, das bereits am 10. August stattfand. An diesem Tag habe man eine Anhebung des unterirdischen Wassertank Nummer 3 um 40 Zentimetern festgestellt.

Eine anschließende Kontrolle der andere unterirdischen Behälter ergab am Tank Nummer 4 eine Anhebung von etwa 15 Zentimetern. Derzeit überlegt das Unternehmen, ob der Anstieg der Behälter auf einem nicht näher definierten „Auftriebseffekt“ beruht, der durch den Anstieg des Grundwasserstands um die unterirdischen Lager herum erfolge.

Die Tanks waren seit der Feststellung von Lecks nicht mehr genutzt worden. Als erste Gegenmaßnahme sollen die Oberbereiche mit einer 50 Zentimeter dicken Schotterschicht versehen und bei Regenfällen das Grundwasser unterhalb des Bodens der Lagertanks abgepumpt werden.

NRA billigt TEPCO-Sicherheitsplan: Am heutigen Mittwoch akzeptierte Japans Atomaufsichtsbehörde NRA den vom Fukushima-Betreiber vorgelegten Plan für ein langfristiges Sicherheitsmanagement der Anlage während des langen Wegs zur endgültigen Stilllegung.

TEPCO-Zentrale in Tokyo (Foto: Yusuke Kawasaki cc-by)
TEPCO-Sicherheitspläne gebilligt (Foto: Yusuke Kawasaki cc-by)

Zuvor hatte ein Ausschuss der NRA die von TEPCO zusammengestellten Maßnahmen zur Sicherstellung der Stromversorgung, der Handhabung radioaktiver Abfälle und insbesondere der Kühlung der geschmolzenen Brennelemente geprüft.

Da die Situation jedoch ungewiss sei, könnten verschiedene Dinge geschehen, erklärte Shunichi Tanaka, Vorsitzender der NRA. Daher werde die Behörde genau überwachen, ob TEPCO das Sicherheitskonzept auch wie im Plan vorgesehen umsetze. Eine Anpassung des Plans oder weitere Forderungen durch die Behörde seien jederzeit möglich. Das berichtet die jiji.

Noch am Montag hatte die Behörde erklärt, die Analysen von radioaktivem Material durch den Betreiber könnte einen wesentlichen Fehler aufweisen. Die gelegentlich von TEPCO gemachten Angaben, Werte für radioaktives Material befänden sich „unter dem nachweisbaren Wert“, sei in einigen Fällen aufgrund der Strahlungstrends in der Vergangenheit praktisch unmöglich.

Unterirdische Kontrollen auf Wasserlecks: Kraftwerksbetreiber TEPCO hat auf der Suche nach möglichen Leckstellen und anderen Störungen auch die Rohre untersucht, die in den unterirdischen Schächten auf der Meeresseite verlaufen. Diese dienen im Normalfall der Verlegung von Stromkabeln.

AKW Fukushima: Kabelschacht auf der Seeseite der Anlage am 13. August 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Kabelschacht auf der Seeseite der Anlage am 13. August 2013 (Foto: TEPCO)

Dort wurden jedoch keine Wasseransammlungen festgestellt und auch die Strahlung lag mit 1,5 bis 2 Millisievert pro Stunde, in ähnlichem Bereich wie die Umgebung.

Lediglich in einem Fall war mit 5 Millisievert pro Stunde eine leichte Erhöhung im Vergleich zur Radioaktivität des sonstigen Gebiets festgestellt worden.

Zwei der Strukturen wurden mit Gestein und eine mit Mörtel aufgefüllt.

Dekontamination in einigen Präfekturen nun auch an Privathäusern: Das Umweltministerium untersuchte den Fortschritt von Dekontaminationsarbeiten, die mit Regierungsmitteln finanziert werden in 58 Gemeinden von sieben Präfekturen, ausgenommen die Präfektur Fukushima.

Dekontamination mit Gebläse am 25. Juni 2012 (Foto: TEPCO)
Dekontamination mit Gebläse am 25. Juni 2012 (Foto: TEPCO)

In den sieben Präfekturen  – Chiba, Gunma und Ibaraki, sowie Iwate, Miyagi, Saitama und Tochigi – sind nun 1.531 der insgesamt 1.596 öffentlichen Einrichtungen wie Schulen und Kindergärten dekontaminiert worden, so dass die Arbeiten nun auf die Gebäude von Privateigentümern ausgeweitet werden können.

Tatsächlich ist dort die Bilanz weniger positiv, was jedoch im Wesentlichen daran liegt, dass den öffentlichen Einrichtungen mehr Priorität eingeräumt wurde und die Zahl der Anordnungen zur Dekontamination im Vergleich zum März um das 1,8-fache angestiegen waren. Derzeit bestehen für 90.639 der insgesamt 140.972 Gebäude eine direkte Dekontaminationsanordnung.

Der NHK zufolge zeigt die Untersuchung des Umweltministeriums jedoch, das mit 42.789 Gebäuden gerade einmal etwa 30 Prozent bereits erfolgreich dekontaminiert wurden. Die Geschwindigkeit könnte nun, da die Arbeiten an offiziellen Gebäude abgeschlossen sind, nun auch bei Privathäusern schneller verlaufen – das hofft zumindest das Ministerium.

Ex-Premier Kan bestreitet Verantwortung für Fukushima-Katastrophe: Naoto Kan, Politer der DPJ und zum Zeitpunkt der Katastrophe am Kernkraftwerk Fukushima Daiichi der Premierminister Japans, hat am heutigen Mittwoch jede strafrechtliche Verantwortung für die Krise von sich gewiesen.

Japans Ex-Premier Naoto Kan im November 2011 (Foto: Gobierno de Chile cc-by)
Ex-Premier Kan bestreitet Verantwortung für Fukushima-Katastrophe (Foto: Gobierno de Chile cc-by)

Bürgerrechtsgruppen aus ganz Japan hatten gegen insgesamt 40 Personen Strafanzeige gestellt, weil sie diese Personen aus Politik und Atomwirtschaft für die Kernschmelzen und Wasserstoffexplosionen im März 2011 als verantwortlich ansehen. Allerdings wird ein Großteil vermutlich nicht juristisch belangt werden (Spreadnews berichtete am 9. August 2013).

In einem Schreiben lies Kan über seine Anwälte der Staatsanwaltschaft mitteilen, in seiner unmittelbaren Reaktion auf die Lage seien keine juristischen Probleme zu finden. Die Bürger werfen Kan vor, durch seinen Besuch am Morgen die Anstrengungen der Arbeiter behindert und so die am selben Tag eingetretene Wasserstoffexplosion, aufgrund des verspäteten Druckausgleichs begünstigt zu haben.

Unter Berufung auf ungenannte Quellen meldet die NHK, in seinem Schreiben an die Staatsanwaltschaft erkläre Kan, die Arbeiter hätten die Entlüftungsmaßnahmen zum Druckausgleich ja früh am morgen, vor seinem Besuch an der Anlage durchführen können, dies jedoch nicht getan. Neben der NHK berichteten unter anderem auch Kyodo und jiji über das Schreiben.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here