Start Aktuelles Japan aktuell: Kritiker halten AKW-Stresstests für mangelhaft

Japan aktuell: Kritiker halten AKW-Stresstests für mangelhaft

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Plane gegen Kälte und Frost an Fahrzeug mit Wasserpumpe (Foto: TEPCO)
Abdeckung gegen Frost an der Notwasserpumpe auf dem Hügel am 02. Februar 2012 (Foto: TEPCO)
Plane gegen Kälte und Frost an Fahrzeug mit Wasserpumpe (Foto: TEPCO)
Abdeckung gegen Frost an der Notwasserpumpe auf dem Hügel am 02. Februar 2012 (Foto: TEPCO)

Wie zu erwarten war, meldet TEPCO nach dem Austritt von mehr als acht Tonnen Wasser nun erneut weitere, kleine Lecks. Gleichzeitig versucht das Unternehmen auf Pressefotos zu demonstrieren, dass man die Kritik der NISA, etwas gegen das Platzen von Leitungen und das Lösen von Ventilen durch gefrierendes Wasser zu unternehmen, ernst nimmt. Auf entsprechenden Fotos zeigt der Betreiber des AKW Fukushima aktuell dann auch, wie etwa die Pumpen durch das Abdecken mit Planen geschützt werden sollen.

Doch neben TEPCO erntet auch die Atomaufsicht IAEA Kritik und natürlich spielt neben den Fukushima News auch das Winterwetter wieder eine Rolle – im Spreadnews Japan-Ticker vom 02. Februar 2012.

Kritiker sehen Stresstests als nette Schreibtisch-Simulation an: Die Anerkennung der Stresstest-Methoden an japanischen Reaktoren, durch die Internationale Atomaufsicht IAEA wird trotz deren Hinweis, es handele sich nicht um einen Freifahrtschein für die Wiederaufnahme des Betriebs von heruntergefahren Reaktoren, sicher von vielen Energiekonzernen und der Regierung als Erfolg angesehen. Zwei Personen die in einem Beraterkomitee der NISA tätig waren, sehen dies anders.

Der frühere Kraftwerkskonstrukteur Masashi Goto und Professor Hiromitsu Ino, sehen die Berechnungen der Stresstests als unwirksam an. Zu ihren Kritikpunkten zählt, dass man stets nur von „ortstypischen Bedrohungen“ wie Erdbeben, oder Tsunami als Risiko ausginge. Weitere Faktoren und Szenarien wie etwa Alterungserscheinungen, Brände, Blitzeinschläge oder Flugzeugabstürze in ein Kraftwerk, würden bei den Sicherheitsbeurteilungen nicht berücksichtigt. Allein ein Tsunami werfe etwa Schiffe und andere Dinge als „Geschosse“, durch austretendes Öl könnten Feuer auf See entstehen – all dies fände keine Beachtung.

Auch die IAEA kommt in dem Artikel der Asahi Shimbun nicht gut bei weg. Bei einer Beurteilung des AKW Kashiwazaki-Kariwa (Präf. Niigata) nach dem Chuetsu-Oki Erdbeben 2007 habe die IAEA gemeldet, die Schäden seien geringer als erwartet – ohne Kenntnisse über den Druck im Reaktor, oder den Zustand der Rohre zu haben. Die Kritiker veröffentlichten ihren Standpunkt auf einer Pressekonferenz am 27. Januar 2012.

Es sei unwahrscheinlich, dass die IAEA, als Unterstützer der Atomindustrie, objektive Urteile fällen könne, zumal die Stresstests nur kurze Zeit verfolgt worden seien. Die vergangenen Berichte der IAEA seien sehr dünn gewesen und die Kritiker fürchten, dies werde auch dieses mal der Fall sein.

Kritisch sehen sie zudem den Umgang mit der Bevölkerung bei der Entscheidungsfindung – ein Umstand, den auch die IAEA als Anregung hatte verlauten lassen. Ino beschrieb ein Treffen des Beratungskomitees am 18. Januar bei  dem Bürger ausgesperrt wurden und gezwungen waren, das Vorgehen über einen Monitor in einem anderen Raum zu verfolgen.

Die Sichtweise der Bürger sei klar: Um Atomkraft wirklich sicher zu machen, müssten die Kraftwerke bis zur Verkabelung erdbebensicher gemacht werden. Wenn man dies aus finanziellen Gründen nicht ginge, dann wollten sie vermutlich gar keine Atomenergie.

Nahe der nordwestlichen Ecke im ersten Stock von Fukushima-Reaktor 4 am 2. februar 2012 (Foto: TEPCO)
Nahe der nordwestlichen Ecke im ersten Stock von Fukushima-Reaktor 4 am 2. Februar 2012 (Foto: TEPCO)

Wasserspur offenbar ohne Leck: Am heutigen Donnerstag entdeckte ein Angestellter des Betreibers gegen 15:20 Uhr Ortszeit bei einem Kontrollgang am Reaktorgebäude 4, in der nordwestlichen Ecke des ersten Stockwerks ein kleines Rinnsal, etwa von der Dicke einer Bleistiftspitze. Das Leck sei vermutlich entstanden, als man das Wassersystem im Reaktorraum eingerichtet habe, da die Ventile dort gänzlich geschlossen waren und daher vermutlich nicht der Reaktorraum als Ursache in Frage kommt. Es sei dabei kein Wasser aus dem Reaktorgebäude gelangt.

Radioaktive Belastung von Bäumen in Fukushima mit Chance : Bei der Überprüfung der Strahlungsbelastung von 30 Bäumen in den Orten Minamisoma, Soma und Shinchi zwischen September un Dezember des Vorjahres, wurde radioaktives Cäsium entdeckt. Die von Takahisa Hayashi, Professor für Gentechnologie von Bäumen an der Tokyoter Universität für Landwirtschaft durchgeführten Proben, wiesen mit Ausnahme von sieben Bäumen  alle eine entsprechende Belastung auf.

Eine Zeder in Minamisoma wies mit 2.300 Becquerel pro Kilogramm die höchste Belastung auf. Für den Nachweis des Materials im Inneren der Bäume, waren diese in jeweils zwei Millimeter dicke Ringe geschnitten und mit einem Röntgenfilm aufgenommen worden. Die größte an der Außenseite gemessene Belastung habe 95.000 Becquerel pro Kilo betragen und sei an einer Zypresse in Minamisoma gemessen worden. Das meldet die Nachrichtenagentur jiji.

Unterdessen könnte eine moderne Methode aus Holz und Stroh Bio-Ethanol zu gewinnen, die Entsorgung von radioaktiv kontaminiertem Holz vereinfachen. Professor Masaru Ichikawa entwickelte bereits 2009 hierfür eine Methode die effektiver ist als die bislang genutzte Vorgehensweise, berichtet die Mainichi Shimbun.

Nach der Trocknung und Pulverisierung von Holz und Stroh, wird es in Kohlenstoff-Monoxid und Wasserstoff mit Wasserdampf verdampft, dessen Temperaturen zwischen 800 und 1000 Grad Celsius liegen. Nach hinzufügen eines Metallkatalysators entsteht so Ethanol mit einem Reinheitsgrad von 97 Prozent.

Da radioaktives Cäsium bereits  bei etwa 800 Grad verdampft, soll ein Filter bei der Verdampfung das Cäsium herausfiltern und in Tests konnte in der Tat 99 Prozent des radioaktiven Materials gefiltert werden. Pro metrischer Tonne Rohmaterial können etwa 500 Kilogramm Bio-Ethanol hergestellt werden – eine Methode mit der sich auch große Mengen kontaminiertes Holz verarbeiten liesse. Die nächsten Versuche sollen dann mit belastetem Holz aus Minamisoma (Präf. Fukushima) durchgeführt werden.

Schwere Schneefälle fordern Todesopfer: Die schweren Schneefälle halten in Japan weiter an und die Voraussagen der Wetterbehörde verheissen auch für die kommenden Tage offenbar keine Besserung. Besonders der Verkehr ist in großen Teilen des Landes stark eingeschränkt. Die Behörden warnen vor Verkehrsstaus, Lawinen und wetterbedingten Unfällen.

Schnee auf Dach in Japan (Foto: KJ)
Nicht überall malerisch: Schnee in Japan (Foto: KJ)

In einem der Onsen genannten Heißquellen-Badeorte in der Präfektur Akita kam es durch Schneemassen zu drei Todesfällen. Hier war Schnee in einer Spanne von 40 Metern von einem Berghang gerutscht und hatte eine Lawine ausgelöst.

Diese traf drei Gebäude in deren Bädern sich zu diesem Zeitpunkt ein Mann und zwei Frauen befanden, und brachte sie zum Einsturz.

Auch wenn die Personen aus dem zerstörten Gebäude, das von einer 1,5 Meter dicken Schneeschicht begraben wurde gerettet und in ein Krankenhaus gebracht werden konnten, verstarben sie an den Folgen des Unfalls.

In der Präfektur Aomori, auf Japans nördlichster Hauptinsel Honshu, steckten seit Mittwochabend mehr als 100 Autos auf einer Strecke von 40 Kilometer einer Hauptstraße fest. Zu den Fahrzeugen gehört auch ein Schulbus, dessen sechs Insassen in ein nahe gelegenes Gebäude evakuiert wurden. Um die Fahrzeuge zu befreien, setzt die Präfekturleitung insgesamt 20 Schneepflüge ein.  Der Gouverneur der Präfektur Aomori, der Zusammen mit 12 örtlichen Gemeindeverwaltungen Katastrophenzentren einrichtete, bat um einen Einsatz der Katastrophenhilfe-Einheiten der japanischen Selbstverteidigungsstreitkräfte.

Der prognostizierte weitere Schneefall türmt sich mit den bereits vorhandenen Schneemassen weiter auf. Am Donnerstagmorgen (Ortszeit) wurden im Dorf Ohkura (Präf. Yamagata) insgesamt 3,6 Meter Schneehöhe gemessen. Das berichtet die NHK

In der Yomiuri Shimbun vom gestrigen Mittwoch wird die Gesamtzahl der Todesopfer noch mit 52 Personen angegeben. 335 weitere Personen hätten schwere Verletzungen und 412 leichte Verletzungen durch davongetragen. Bei 36 der Todesfälle handelt es sich um Personen im Alter von 65 Jahren oder älter. 31 starben, während sie versuchten Schnee von Dächern oder Straßen zu räumen. In der Präfektur Niigata in der ebenso wie in Yamagata der Schnee Höhen von über drei Metern erreichte, gilt jetzt für  insgesamt sieben Städten das Notfallhilfegesetz.

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