Start Aktuelles Japan aktuell: Kühlsystem an drei Fukushima-Reaktoren wiederhergestellt

Japan aktuell: Kühlsystem an drei Fukushima-Reaktoren wiederhergestellt

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AKW Fukushima: Reaktoren 1 und 2 am 10. April 2011 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Reaktoren 1 und 2 am 10. April 2011 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Reaktoren 1 und 2 am 10. April 2011 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Reaktoren 1 und 2 am 10. April 2011 (Foto: TEPCO)

Nachdem wir bereits am gestrigen Montag über den großen Stromausfall am AKW Fukushima berichteten, veröffentlichte der Betreiber der Anlage in Fukushima heute weitere Informationen.

Daneben fanden auch konventionelle Arbeiten, wie etwa eine Kamerakontrolle im Sicherheitsbehälter von Reaktor 2 statt.

Dennoch sind es natürlich die jüngsten Vorkommnisse, welche die Einwohner der gleichnamigen Präfektur Fukushima aktuell alarmieren. Es bleibt jedoch wenig mehr als abzuwarten und den Blick auch auf andere Dinge zu richten.

Interessant sind beispielsweise die Erfahrungen die heute im fünften Teil unserer Serie „Katastrophenhelfer in Japan: Bei Ankunft bebte die Erde“ geschildert werden. Den nächsten Teil gibt es dann am 21. März 2013.

Weitere Fukushima News und sonstige Meldungen jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 19. März 2013.

Unsere heutigen Themen:

  • Stromversorgung am AKW Fukushima wieder hergestellt
  • Ängste und Forderungen aus der Präfektur Fukushima
  • Druckausgleichsöffnung an Fukushima-Reaktor 5 geschlossen
  • AKW Oi soll trotz Einführung neuer Standards bis September laufen

Stromversorgung am AKW Fukushima wieder hergestellt: Wie der Kraftwerksbetreiber TEPCO heute mitteilte, ist es gelungen, einen Teil der Anlagen, die vom gestrigen Stromausfall betroffen waren, wieder in Betrieb zu nehmen. Damit sind einige Abklingbecken wieder an ein funktionierendes Kühlsystem angeschlossen.

  • An Reaktor 1 wurden das Hauptkühlsystem und das Zweitkühlsystem für das Abklingbecken heute um 14:20 Uhr Ortszeit neu gestartet und laufen somit 19 Stunden nach dem Zwischenfall wieder.
  • An Reaktor 3 ist das Kühlsystem für das Abklingbecken heute offenbar wie geplant um 20:00 Uhr in Betrieb gegangen.
  • An Reaktor 4 wurde das Hauptkühlsystem des Abklingbecken um 13:20 Uhr erfolgreich in Betrieb genommen. Da es keine gegenteiligen Berichte gibt, ist offenbar auch der Neustart des sekundären Kühlsystems um 20:00 Uhr geglückt..
  • Das separate Abklingbecken soll nicht vor Mittwochmorgen wieder gekühlt werden können und hatte am Dienstag um 10:00 eine Temperatur von 28,6 Grad Celsius.
  • Das Reinigungssystem der Kühlanlagen soll morgen um 8:00 Uhr neu gestartet werden.
  • Die Cäsiumfilteranlage des Wasserreinigungssystems der Firma Kurion wurde um 12:01 Uhr neu gestartet und eine kontinuierliche Wasserdurchflussrate konnte um 12:17 Uhr gemeldet werden.

An den anderen betroffenen Einrichtungen, wie etwa der Wasserdekontaminationsanlage werde nach Angaben von TEPCO derzeit noch gearbeitet. Die aktuellen Wassertemperaturen in den Abklingbecken sind weiterhin im stabilen Bereich. In Reaktor 4 hätten sie um 10:00 Uhr bei 30 Grad Celsius gelegen und um 13:00 Uhr bei 31,6 Grad.

Die Umstände des Fukushima-Stromausfalls: Die Probleme mit der Stromversorgung waren gestern aufgefallen, nachdem es um 18:57 Uhr zu einem Stromausfall im erdbebensicheren Hauptgebäude gekommen war und ein Stopp beim Abpumpen von Wasser aus dem Keller des Turbinengebäudes von Reaktor 3 erfolgte.

Als Ursache wird ein Problem an der provisorischen Schaltanlage vermutet. Es hätten drei Verteiler nicht mehr funktioniert Es sei zwar gelungen zwei zu reparieren, jedoch nicht in der Lage gewesen, den dritten zu reparieren, so dass man stattdessen auf einen Notstromgenerator zurückgegriffen habe, um das Kühlsystems des Abklingbeckens von Reaktor 4 TEPCO wieder zu versorgen.

Die genaue Ursache, weshalb die Verteiler ausgefallen sind, ist bislang unklar. Die Geräte wiesen nach Betreiberangaben keine sichtbaren Schäden auf. TEPCO betonte noch einmal, die Wassereinspeisung der Reaktoren 1 bis 3 sei nicht betroffen.

TEPCO und Regierung versprechen Kontrolle: Auf einer Pressekonferenz am Morgen hatte TEPCO-Sprecher Masayuki Ono erklärt, die Wiederherstellung des Kühlsystems am Abklingbecken von Reaktor 4 habe höchste Priorität. Man sei zudem darauf vorbereitet, im Fall eines Temperaturanstiegs und beginnender Verdampfung, Wasser in das Becken zu leiten.

Auch die Regierung, darunter Chefkabinettssekretär Yoshihide Suga und Toshimitsu Motegi, Minister für Wirtschaft, Handel und Industrie erklärten, man habe entsprechende Anweisungen erteilt und werde alles unternehmen, um den Zustand der Abklingbecken wieder zu normalisieren.

Über die aktuellen Entwicklungen im Zwischenfall berichteten neben TEPCO auch die Kyodo, die jiji, die Asahi Shimbun und die NHK.

Ängste und Forderungen aus der Präfektur Fukushima: Shoji Furuichi, Vertreter der Präfekturleitung Fukushima, berichtete am heutigen Morgen, die Bevölkerung sei besorgt, da es noch keine definitiven Aussagen zur Ursache der Probleme gebe und forderte TEPCO auf, die Bevölkerung umgehend. über Ereignisse an den Haupteinrichtungen der Anlage zu informieren.

Zwischen dem Stromausfall und der öffentlichen Bekanntgaben waren drei Stunden verstrichen. Auch müssten  für Laien verständlich die Auswirkungen und potentiellen Risiken eines derartigen Zwischenfalls erklärt werden, berichtete die NHK. Auch Forderungen nach dem Aufstellen weiterer Notstromaggregate und besserer Prävention wurden laut.

Masahide Matsumoto, Bürgermeister der nach dem 3/11 gänzlich evakuierten Ortschaft Katsurao war der Ansicht, Zwischenfall ereigne sich zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt – sollen doch am Freitag die Evakuierungszonen neu eingeteilt und es so einigen Bürgern ermöglicht werden, zeitweise in ihre Häuser zurückzukehren, meldet die Kyodo.

Druckausgleichsöffnung an Fukushima-Reaktor 5 geschlossen: Am 16. März 2013 war damit begonnen worden, die am 18. März 2011 zur Verhinderung einer Wasserstoffexplosion gebohrte Öffnung zu verschließen, um die Stabilität des Gebäudes zu gefährleisten. Diese Arbeiten wurden heute um 13:00 Uhr erfolgreich abgeschlossen.

AKW Oi soll trotz Einführung neuer Standards bis September laufen: Obwohl bereits am 18. Juli die neuen Sicherheitsrichtlinien bekannt gegeben werden, können Japans derzeit einzigen aktiven Reaktoren am AKW Oi (Präf. Fukui) nach geltendem Recht noch bis September laufen.

Unklar ist nach Angaben der NHK noch, ob Japans Atomaufsichtsbehörde NRA die neuen Regelungen auf das AKW Oi anwenden wird. Die beiden Reaktoren würden definitiv auf eine Einhaltung der Richtlinien geprüft, erklärte der NRA-Vorsitzende Shunichi Tanaka auf einer heutigen Sitzung der Behörde.

Sollten bei den Kontrollen ernsthafte Mängel im Bezug auf die verschärften Sicherheitsrichtlinien festgestellt werden, sei ein Stopp des Reaktorbetriebs möglich, gibt die jiji den Vorsitzenden der Atomaufsichtsbehörde wieder.

4 KOMMENTARE

  1. Hallo Spreadnews Team

    finde es wirklich toll, wie schnell ihr berichted. Schon gestern habe ich bei euch vom Stromausfall erfahren, als davon woanders noch gar keine Rede war. Heute dann gleich so ein promptes Update.

    Tolle Arbeit

    Bastian

  2. Hallo Spreadnews Team,
    erstmal danke für die gute und sachliche Berichterstattung die ihr abliefert. Kaum ein anderes Nachrichtenportal berichtet noch über die Anlagen in Fukushima, es sei denn es wurde mal wieder irgendein Fisch gefunden der den alten Spitzenwert erreicht.
    Trotzdem bite ich die Überschrift dieses Artikels zu korregieren, da es wie im Artikel erwähnt nicht die Reaktoren betraf sondern die Abklingbecken…

    Danke und weiter so
    AHa

    • Hallo AHa,

      vielen Dank für das Lob an unserer Berichterstattung.

      Der Einwand natürlich berechtigt. Da bereits andere Medien unseren Titel in dieser Weise zitieren , könnte eine nachträgliche Veränderung zu Verwirrung bei Lesern führen, weshalb wir uns entschlossen haben, den zugegebenermaßen leicht irreführenden Titel, mit der Formulierung an den Reaktoren“ beizubehalten, da er aufgrund der Lokalisierung der Abklingbecken nicht gänzlich falsch ist . Dennoch, danke für die konstruktive Kritik.

  3. Das zeigt doch, wie sehr TEPCO und die japanische Regierung lügen, wenn sie uns weiss machen wollen, es sei alles „unter Kontrolle“!!!

    Wo waren die Notkühlsysteme?? Die Notstromversorgung?? Die Generatoren?? Haben die echt gar nichts gelernt???

    Ist doch sicher total marode und völlig verrostet der ganze Scheiss!! Erst bei solchen Sachen merkt man doch, wie sehr TEPCO und Co die Japaner verarschen!!!

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