Start Aktuelles Japan aktuell: Kühlwasserzufluss im AKW Fukushima auf Rekordhoch

Japan aktuell: Kühlwasserzufluss im AKW Fukushima auf Rekordhoch

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Offizielles Standardfoto des Atomkraftwerks Fukushima Daiichi (Foto: TEPCO)
Arbeiten an Kühlsystem des AKW Fukushima Daiichi (Symbolfoto: TEPCO)
Offizielles Standardfoto des Atomkraftwerks Fukushima Daiichi (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Temperaturanstieg wird mit Wassermassen bekämpft (Foto: TEPCO)

Während man sich in Fukushima aktuell weniger über Marmor, Stein und Eisen, sondern vielmehr über Grobkies, Beton und vor allem Wasser den Kopf zerbricht, hofft man bei letzterem, dass die hektischen Isolationsmaßnahmen an den Leitungen weitere Schäden durch die herrschende Kälte verhindern. An anderer Stelle wäre man über etwas Abkühlung dagegen erfreut, gefährdet doch die offenbar unstete Temperatur an Reaktor 2 des AKW Fukushima Daiichi die Aufrechterhaltung des stabilen Zustands.

Weitere Fukushima News heute im Spreadnews Japan-Ticker vom 07. Februar 2012

Kühlwasserzufluss auf Rekordhoch: Nach einem möglichen Anstieg der Temperatur in Reaktor 2 des AKW Fukushima Daiichi, hat TEPCO die Menge an Kühlwasser heute erhöhen lassen – und mit einer Erhöhung von bislang 10,5 auf 13,5 Tonnen Wasser, ist dies die höchste Menge an Wassereinspeisung seit der Erklärung des stabilen Zustands der Reaktoren im Status des „Cold Shutdown“ im Dezember vergangenen Jahres.

Mit den Erklärungen zur Situation bemühen sich sowohl die Betreiberfirma TEPCO als auch die Regierung um Schadensbegrenzung, lässt doch der vermutliche Temperaturanstieg erneut Zweifel an der Sicherheit aufkommen.

TEPCO-Sprecher Junichi Matsumoto sagte auf einer Pressekonferenz, das Steigen und Fallen zu beurteilen sei nach so kurzer Zeit schwierig,es bedürfe genauerer Beobachtungen.  Krisenstabsminister Goshi Hosono erklärte, das Unternehmen unternehme alle größtmöglichen Anstrengungen, um die Temperatur zu senken.

Im Bezug auf die Vermutung, die kurzzeitige Verringerung des Kühlwassers aufgrund von Wartungsarbeiten im Dezember könnte mit dem jetzigen Temperaturanstieg in Verbindung stehen, merkte er an, dass es sich um eine Arbeit handelte, die Stabilisierung fördern sollte und nun möglicherweise eine vorrübergehende leichte Destabilisierung herbeigeführt habe. Künftig müssten solche Schritte noch genauer überdacht werden. Das berichtet die Nachrichtenagentur Kyodo.

Der Asahi Shimbun zufolge, forderte der Vorsitzende der Atomenergiesicherheitskommission (NSC), Haruki Madarame, sowohl die Atomsicherheitsbehörde NISA, als auch den Betreiber TEPCO bereits gestern dazu auf, die Öffentlichkeit weiter auf dem Laufenden zu halten.

Die Temperatur in Reaktor 2 hat nach Angaben von TEPCO heute um 11:00 Uhr Ortszeit bei 69,6°C gelegen. Diese Senkung verbucht TEPCO als Erfolg der anhaltenden Kühlungsbemühungen. Ob die neuen Wassermengen sich auf den Stand der radioaktiven Abwässer im Turbinengebäude von Reaktor 2 auswirken werden, bleibt abzuwarten, entsprechende Pumparbeiten laufen ja bereits.

Grenzwerte für radioaktives Fukushima-Gestein: Wie Yukio Edano, Minister für Wirtschaft, Handel und Industrie am heutigen Dienstag mitteilte, plant die japanische Regierung für März die Festlegung eines Grenzwerts für gebrochenes Gestein, das als Rohmaterial für weitere Verwendungszwecke dient. Damit reagiert die Führung in Tokyo auf jene Fälle, in denen eine radioaktive Belastung bei Gebäuden und Bauprojekten auf die Nutzung radioaktiv belasteten Gesteinsmaterials wie Kies, als Grundlage für Beton, nachgewiesen wurde.

Bereits Mitte nächster Woche sollen hierzu bereits Beratungen eines Expertenausschusses unter der Aufsicht des Ministeriums für Wirtschaft, Handel und Industrie (METI) beginnen, bei denen es vornehmlich um Gestein und Kies aus der Präfektur Fukushima gehen wird. Auf einer Pressekonferenz versicherte Edano, sobald man sich auf einen Grenzwert geeinigt habe, werde man die neue Regelung so schnell wie möglich umsetzen. Belastetes Material wurde Schätzungen der Regierung zufolge bei mehr als 1.000 Bauprojekten in der Präfektur genutzt. Das meldet die Nachrichtenagentur jiji.

Regierung hat keinen Zeitplan für AKW-Neustarts: Die Regierung habe nicht die Absicht, sich auf einen Zeitrahmen zur Wiederaufnahme des Betriebs zur Zeit heruntergefahrener Kraftwerke festzulegen, erklärte Industrieminister Yukio Edano auf einer heutigen Pressekonferenz und widersprach damit einem Medienbericht, dem zufolge die Regierung für den April einen Neustart der Reaktoren 3 und 4 am AKW Oi in der Präfektur Fukui plane. Die Regierung habe keine entsprechenden Absichten, so der Minister, erst müsse die Sicherheit der Reaktoren bestätigt werden.

Gleichzeitig kündigte er der Nachrichtenagentur jiji zufolge jedoch an,  man werde damit beginnen, das Verständnis der Bevölkerung vor Ort für die Wiederaufnahme des AKW-Betriebs nach erfolgreicher Prüfung zu gewinnen.

Neue AKW-Lüftung für mehr Sicherheit: Am heutigen Dienstag stellte in Japan die Vereinigung der Elektrizitätserzeuger auf einem Expertentreffen die Pläne zur Nutzung des Entlüftungssystems bei zwei Reaktortypen vor, da dies die Sicherheit von Atomkraftwerken verbessern soll.

Siedewasserreaktoren benötigen die Entlüftung um bei Störungen Dampf, der radioaktives Material enthält, aus dem Sicherheitsbehälter ablassen zu können, damit dieser nicht beschädigt wird.

Auch wenn eine derartige Ventilation nach Angaben der Betreiber bei Druckwasserreaktoren nicht erforderlich sei, da der Druck dort nicht so leicht steige, wolle man, als Reaktion auf die Katastrophe von Fukushima in beide Reaktortypen derartige Entlüftungen einbauen. Zudem sollen diese im Notfall auch ohne Stromversorgung bedienbar sein.

Nach Angaben der NHK sind 24 der 54 Kernkraftwerke Druckwasserreaktoren, gegenwärtig sind im Zuge von Wartungen und Sicherheitsüberprüfungen 22 dieser Reaktoren nicht in Betrieb.

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