Start Aktuelles Japan aktuell: Lager für radioaktiv belastete Abfälle in Fukushima geplant

Japan aktuell: Lager für radioaktiv belastete Abfälle in Fukushima geplant

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Pumpe im zweiten Untergeschoss von Reaktor 3 am 29. August 2011 (Foto: TEPCO)
Aktuell: Pumpe im zweiten Untergeschoss von Reaktor 3 am 29. August 2011 (Foto: TEPCO)
Pumpe im zweiten Untergeschoss des Turbinengebäudes von Reaktor 3 am 19. März 2011
Vorher: Pumpe im zweiten Untergeschoss des Turbinengebäudes von Reaktor 3 am 19. März 2011 (Foto: TEPCO)

Mit Kenzaburo Oe hat sich nun ein japanischer Literaturnobelpreisträger gegen den Neustart von Atomkraftwerken ausgesprochen. Auch in Japans aktueller Situation dürfe er nicht Wirtschaft über Sicherheit stellen, ermahnte er Premierminister Yoshihiko Noda. Unterdessen will die Mehrheit der Präfekturen ihre Maßnahmen zum Schutz vor möglichen Zwischenfällen an Nuklearanlagen verbessern.

TEPCO versorgt die Presse derweil mit einer ganzen Reihe von vorher-nachher Fotos, welche die Situation verschiedener Gebäude, Turbinen, Pumpen, Straßen unmittelbar nach der Katastrophe und den aktuellen Zustand zeigen. An dieser Stelle daher nur zwei Beispielbilder dieser Art.

Was in Fukushima aktuell geschieht und welche Informationen zur Lage in Japan noch von Interesse sind, erfahren Sie nun in den Fukushima News im Spreadnews Japan-Ticker vom 6. September 2011.

Taifun Talas tötet bislang 39 Menschen, 55  Vermisste: Nach Angaben der NHK hat der Taifun Talas bislang 39 Menschen das Leben gekostet, 55 weitere werden noch vermisst. Am stärksten Betroffen ist die Präfektur Wakayama, alleine hier starben mindestens 26 Menschen, 34 werden dort vermisst. Aufgrund der Nachzügler eines Taifun wurde die Evakuierungsempfehlung für rund 22.000 Haushalte in ganz Japan noch nicht aufgehoben.

Das Dorf Nachikatsuura in Wakayama ist durch Erdrutsche von der Außenwelt abgeschnitten, dort befinden sich mehr als 2200 Menschen. Auch einer der Kumano-Schreine die zum UNESCO Weltkulturerbe gehören, ist Teil des Ortes.

Weitere Daten zu den Schäden: In den Präfekturen Wakayama, Mie und Nara waren fast 26 000 Haushalte ohne Strom, mindestens 16 000 Gebäude in insgesamt 19 Präfekturen überflutet. Die Gesamtzahl gänzlich zerstörter Gebäude beläuft sich bislang auf 83 Häuser in sieben Präfekturen.

Fukushima-Krisenminister spricht über Lagerung radioaktiver Abfälle: Goshi Hosono, Minister für das Fukushima-Krisenmanagement erklärte, es befänden sich große Menge radioaktiv belasteter Schutt und Trümmer auf dem Gebiet, die nur schwer zu beseitigen seien. Dennoch sei es illusorisch, das Gelände des AKW als einziges Lager für radioaktive Abfälle aus der gesamten Präfektur in Erwägung zu ziehen, da vermutlich nicht einmal die bei der Dekontamination anfallenden Materialen dort Platz fänden.

Aus diesem Grund seien Gemeinden dazu gezwungen, ihren radioaktiv belasteten Abfall vorübergehend auf eigenem Gebiet zu Lagern, bis man zu einer langfristigen Lösung gefunden habe, so ein Artikel der Asahi Shimbun.

Laut der NHK sei dies nach Ansicht des Ministers jedoch nicht fair gegenüber den betroffenen Gebieten, so dass als mittelfristige Lösung ein Lager in der Präfektur Fukushima erforderlich sei. Die sichere Entsorgung ist ein wichtiger Schritt für die Dekontamination der Gebiete, so der Minister, ohne die Möglichkeit einer zeitweisen Lagerung könne es keinen Fortschritt in den Bemühungen der Dekontamination geben.

Industrieminister bestätigt zukünftige Reduktion der AKW auf Null: Yoshio Hachiro, Japans neuer Minister für Wirtschaft, Handel und Industrie, erklärte am gestrigen Montag, das Land beabsichtige in der Zukunft die Unabhängigkeit von atomarer Energie zu erreichen.

Unter Bezug auf die Aussage von Premierminister Noda zu Amtsbeginn, das Lande werde Kernkraftwerke nur noch bis zum Ende ihrer Laufzeiten betreiben, beantwortete Hachiro die Frage, ob Japan in Zukunft keine Atommeiler mehr haben werde, man plane für die Zukunft die Zahl der Kraftwerke auf „Null“ zu reduzieren. Dies melden übereinstimmend die Nachrichtenagentur Kyodo und Jiji.

Pumpe im zweiten Untergeschoss von Reaktor 3 am 29. August 2011 (Foto: TEPCO)
Aktuell: Pumpe im zweiten Untergeschoss von Reaktor 3 am 29. August 2011 (Foto: TEPCO)

Präfektur Saitama bittet Teebauern, nach Cäsiumfund nicht zu liefern: Nach dem Fund von radioaktivem Cäsium über dem zulässigen Höchstwert, bittet die Leitung der Präfektur Saitama ihre Teebauern, Tee aus frühen Pflückungen nicht zu verkaufen, so ein Bericht der NHK. Das Gesundheitsministerium hatte die kritische Werte entdeckt, obwohl die Präfektur selber Tests durchgeführt hatte – jedoch ohne die früh gepflückten Teeblätter zu berücksichtigen, wie die Präfekturleitung einräumen musste.

Teeproben aus Hidaka and Tsurugashima, die jeweils Cäsiumbelastungen über 500 Becquerel pro Kilogramm Tee aufwiesen,  stammten beide von jungen Teepflanzen, was zur Lieferstopp-Aufforderung an die Teebetriebe führte.  Noch höhere Werte wurden in Tee aus Kawagoe gemessen, dort betrug die Belastung 800 Becquerel pro Kilogramm. Den höchsten Wert radioaktiver Belastung wies  Tee aus Iruma auf, dort waren 1240 Becquerel gemessen worden.

Premierminister plant Besuch von Fukushima und Krisengebieten: Wie aus Regierungskreisen zu hören ist, plant Premierminister Noda einen Besuch der Präfektur Fukushima, sowie der Gebiete die durch den Taifun getroffen wurden.

Nach Angaben von Regierungssprecher Osamu Fujimura  soll die Reise des Premierministers am Donnerstag stattfinden. Neben einem Treffen mit Gouverneur Yuhei Sato, bei dem er vermutlich um Unterstützung zum Bau eines Lagers für radioaktiv belastete Trümmer ersuchen wird, soll ungenannten Quellen zufolge, auch ein Besuch der 20km Sperrzone auf dem Programm stehen. Es handelt sich um die erste Reise des neuen Premiers in die Krisengebiete.

Nach Möglichkeiten werde er am selben Tag auch die Präfekturen Iwate und Miyagi besuchen. Am Freitag will Noda dann die vom Tropensturm besonders schwer getroffenen Präfekturen Wakayama, Mie und Nara besichtigen.

TEPCO will beim AKW Fukushima eine Wand zum Meeresschutz bauen: Der Betreiber des AKW Fukushima hat seine bereits vorgestellten Pläne zum Bau einer Seeschutzmauer gegen eine mögliche Kontamination des Meeres durch radioaktive Abwässer aus dem Atomkraftwerk in einer Meldung der NHK nochmals erklärt.

Demnach soll die 800 Meter lange Wand aus 22 Meter langen Rohren tief im Seeboden verankert werden um auch kein Grundwasser hinausgelangen zu lassen. Da im Bereich des Kraftwerk selbst dann mit einem Anstieg gerechnet wird, werde man den Grundwasserpegel im Auge behalten und im Falle eines drohenden Überlaufens möglichweise auch abpumpen.

Mit den Arbeiten soll frühestens gegen Ende des Jahres begonnen werden. Die gesamte Dauer des Baus wird auf zwei Jahre geschätzt.

IAEA plant stärkere Kontrolle durch Inspektoren: Die in Wien ansässige internationale Atomenergieaufsichtsbehörde IAEA ruft ihre Mitglieder dazu auf Notfalleinheiten zu bilden, um auf schwere Atomunfälle besser reagieren zu können. Zudem plant die Organisation im Laufe von drei Jahren Sicherheitsinspektoren in alle Mitgliedststaaten zu entsenden, die über Atomreaktoren verfügen – so sieht es der Entwurf eines IAEA Aktionsplans vor, der am kommenden Montag zu Beginn eines Treffen des Aufsichtsrates ausgehändigt werden soll und der Nachrichtenagentur Kyodo bereits jetzt in Kopie vorliegt.

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