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Japan aktuell: Leck an Fukushima-Entsalzungsanlage und zweiter Alarm am AKW Oi seit Neustartplan

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Überlaufen von Wasser aus Plastikbehälter an Entsalzungsanlage 2 am 23. Juni 2012 (Foto: TEPCO)
Überlaufen von Wasser aus Plastikbehälter an Entsalzungsanlage Nummer Zwei am 23. Juni 2012 (Foto: TEPCO)

Mit Meldungen über technische Probleme steht das AKW Fukushima aktuell zu Wochenbeginn nicht alleine da, gab es doch auch eine weitere Panne bei den Arbeiten am AKW Oi.

Derartige Ereignisse stärken sicher nicht das Vertrauen in diese Anlagen, was die jüngsten Proteste am Wochenende umso verständlicher erscheinen lässt.

Doch mit Berichten über Hot Spots in einem Park in Tokyo beginnt auch diese Woche nicht besonders vertrauenserweckend.

Hintergründe zu den Fukushima News und weitere Meldungen jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 25. Juni 2012.

Unsere heutigen Themen:

  • Doppelalarm am AKW Oi
  • Wasseraustritt aus Kunststoffbehälter der Entsalzungsanlage
  • Hot Spots im Mizumoto-Park offiziell nachgewiesen
  • Fukushima-Arbeiter erlitt Fersenbruch
  • Fukushima-Fischereiprodukte offenbar sicher
  • Ein Verletzter nach Regenfällen in Präfektur Nagasaki
  • Großdemonstrationen in Tokyo gegen AKW-Neustart
  • Nachfolgeorganisation der Giftgas-Sekte rekrutiert Mitglieder
  • Belohnung zur Festnahme des Giftgas-Sektenmitglieds muss geklärt werden

Doppelalarm am AKW Oi: Kurz nach dem Japans Premierminister Yoshihiko Noda am Samstag vergangener Woche die endgültige Entscheidung zum Neustart von zwei Reaktoren am AKW Oi (Präf. Fukui) bestätigt hatte, war es beim Beginn der Vorbereitungen zum Neustart zu einem Alarm aufgrund eines angeblich zu niedrigen Wasserstands gekommen (Spreadnews berichtete am 20. Juni 2012).

Jetzt kam es zwischen Samstagabend und Sonntagmorgen erneut zu zwei Alarmen, die im Kontrollraum für die Reaktoren 3 und 4 gemeldet wurden. Die Warnungen wiesen auf Probleme an den Kabeln der Elektrizitätsversorgung hin. Nach Angaben des Betreibers Kansai Electric konnten bei einer Kontrolle jedoch keine Schäden oder Störungen festgestellt werden.

Das Unternehmen geht davon aus, dass der Fehlalarm durch die kurzzeitige Unterbrechung eines Funksignals, mit dem die Kabel überwacht werden, ausgelöst wurde. Die Störung des Funksignals sei auf eine instabile Atmosphäre zurückzuführen. Wie bereits der erste Zwischenfall habe auch dieser keinen Einfluss auf den Zeitplan der Neustarts. Das berichtet die Nachrichtenagentur Kyodo.

Wasseraustritt aus Kunststoffbehälter der Entsalzungsanlage: Am Samstag entdeckte ein Angestellter der Betreiberfirma TEPCO gegen 10:15 Uhr (Ortszeit), dass Wasser aus einem Polyäthylen-Behälter, der das Grundwasser aus der Hochdruckpumpe  für die Wasserreinigung in der Entsalzungsanlage 2 aufnimmt, austrat. Die Menge an ausgelaufenem Wasser wird auf 6,6 Liter geschätzt. Das Wasser sei nicht außerhalb des Gebäudes gelangt.

Als Reaktion hierauf wurde laut TEPCO das Entsalzungssystem 2 angehalten und die Pumpe abgekoppelt. Die Strahlungsmessungen der Luft und am Boden in der Nähe der Lache lagen sowohl bei Beta- als auch Gammastrahlen unter 0,1 Millisievert pro Stunde. Die Ergebnisse der Tests an der Wasserprobe sahen wie folgt aus.

  • Jod-131: unter dem Messlimit (7.0 x 10-1 Bequerel pro Kubikzentimeter)
  • Cäsium-134: 2.6 x 100 Bequerel pro Kubikzentimeter
  • Cäsium-137: 3.9 x 100 Becquerel pro Kubikzentimeter
  • Gesamte β-Strahlung: 9.0 x 104 Becquerel pro Kubikzentimeter

Hot Spots im Mizumoto-Park offiziell nachgewiesen: Nachdem Bürger in Tokyo über radioaktive Hot Spots – Bereiche erhöhter Strahlung im Vergleich zur Umgebung – im Mizumoto-Park im Bezirk Katsushika hingewiesen und diese durch offizielle Messungen bestätigt worden waren, soll nun der Park dekontaminiert werden.

Mizumoto-Park in Tokyo Katsushika (Foto: pd)
Mizumoto-Park in Tokyo (Foto: pd)

Am heutigen Montag wurde an insgesamt 14 Stellen die Radioktivität im 92 Hektar messenden Park kontrolliert. An 13 Punkten wurden dabei Werte über einem Mikrosievert pro Stunde gemessen. Der Höchstwert lag bei 1,22 Mikrosievert.

Den Richtlinien des Ministeriums für Wissenschaft zufolge, muss eine Dekontamination durchgeführt werden, sobald die Strahlung an einer Stelle über einem Mikrosievert im Vergleich zur Umgebungsradioaktivität liegt. Somit müssen nun insgesamt neun der 14 Stellen dekontaminiert werden. Das berichtet die NHK.

Zuvor hatten bereits am 13. Juni Mitglieder der kommunistischen Partei Japans (KPJ) eine Dekontamination gefordert, nachdem sie hohe Cäsiumwerte festgestellt hatten. Ihr Anliegen war jedoch abgelehnt worden, da eine Überprüfung durch die Behörden nur eine geringe Belastung nachwies (Spreadnews berichtete).

Fukushima-Arbeiter erlitt Fersenbruch: Am Samstag ereignete sich ein Unfall auf dem Gelände des AKW Fukushima. Um 10:05 Uhr rutschte der Angestellte eines Partnerunternehmens, der mit Arbeiten außerhalb des NPS beschäftigt war aus und stürzte, als er vom rückwärtigen Teil des Trucks herabstieg.

Der Arbeiter wurde in das medizinische Notfallzentrum für die Reaktoren 5 und 6 transportiert. Eine Untersuchung ergab, dass er nicht mehr gehen konnte, so dass eine Fraktur der linken Ferse vermutet wurde. Nach einem Transport zum J-Village wurde er im Krankentransport in das Iwaki Kyoritsu Krankenhaus verbracht. Eine medizinische Untersuchung durch einen Arzt bestätigte die Diagnose und erklärte, dass der Angestellte etwa drei Monate zur Erholung benötige.

Wie TEPCO erklärte, habe man kein radioaktives Material am Körper des Arbeiters festgestellt.

Fukushima-Fischereiprodukte offenbar sicher: Am Samstag erklärte die Vereinigung der Fischereikooperativen der Präfektur Fukushima, dass die Strahlungshöhe bei den jüngsten Proben – zwei Arten von Oktopus und einer Art Schalentiere  – die am Freitag und Samstag in einer Einrichtung im Hafen Matsukawaura der Stadt Soma überprüft worden war, so niedrig sei, dass sie unter den messbaren Werten des Radioskops liege.

Gebäude der Supermarktkette York-Benimaru (Foto: pd)
Filialen von York-Benimaru verkaufen Fukushima-Fisch (Abb. symbolisch, Foto: pd)

Nach den rein wissenschaftlichen Testfängen werden Fisch und Schalentiere in gekochter und verarbeiterter Form erstmals wieder in die Supermärkte der Stadt gelangen. Noch vor Monatsende soll ein weiterer Fischzug erfolgen, um den Fang dann sofern möglich, auch in großen Märkten, etwa in Tokyo, verkaufen zu können. Das berichtet die NHK am Sonntag.

Am heutigen Montag meldeten auch weitere Medien, dass die Meeresprodukte nun erstmals in den Handel geliefert wurden. In zwei Supermarktfilialen der Kette York Benimaru in der Stadt Soma wurden die Produkte mit einem Sonderpreis von 30 bis 40 Prozent unter dem der Preis vor der Fukushima-Krise angeboten – zusammen mit Testergebnissen und Herkunftsangaben, so die Mainichi Shimbun.

Ein Verletzter nach Regenfällen in Präfektur Nagasaki: Während die Regenzeit in Japans südlichster Präfektur Okinawa, wo jüngst der Kriegstoten der verheerenden Schlacht auf der Insel gegen Ende des Pazifikkrieges gedacht wurde, mit vierzehnstündiger Verspätung zum Vorjahr endete, haben andere Landesteile mit teils schweren Regenschauern zu kämpfen. Auf der Hauptinsel Kyushu kam es am Sonntag zu schweren Regenfällen, was in der Stadt Nagasaki zu Aufforderungen zur Evakuierungsbereitschaft von 6.780 Personen aus 3.200 Haushalten führte.

In Teilen der Stadt fielen innerhalb von 24 Stunden ein Niederschlag von 291 Milimeter – den höchsten Wert der Stadt seit dem Beginn der Aufzeichnungen durch die japanische Wetterbehörde im Jahr 1991. Einen Verletzten gab es in der gleichnamigen Präfektur Nagasaki. Hier wurde ein 81 Jahre alter Mann verletzt, als es an einem Hügel in der Nähe seines Hauses zu einem Erdrutsch kam, bei dem das Gebäude teilweise beschädigt wurde. Das berichtet die Nachrichtenagentur Kyodo.

Großdemonstrationen in Tokyo gegen AKW-Neustart: Am gestrigen Sonntag protestierten der Asahi Shimbun zufolge mehrere hundert Menschen in Funabashi (Präf. Chiba) gegen die Entscheidung von Japans Premierminister Noda zum Neustart der beiden Reaktoren am AKW Oi (Präf. Fukui).

Bereits am Freitag protestierten mehrere Tausend Menschen vor dem Sitz des Premierministers im Tokyoter Stadtteil  Chiyoda teil. Wie die Mainichi Shimbun am Samstag berichtete, nahmen nach Veranstalterangaben etwa 45.000 Personen an der zweistündigen Veranstaltung teil. Der Asahi Shimbun vom selben Tag zufolge, beziffert die Polizei die Teilnehmerzahl auf etwa 10.000 Personen.

Anti-Atomproteste finden dort bereits seit März wöchentlich statt, allerdings hat sich die Zahl der Menschen, die sich an den Aktionen beteiligen deutlich vergrößert. Besonders über den Kurznachrichtendienst Twitter und das soziale Netzwerk Facebook verbreiten sich Informationen über Protestaktionen schnell.

Doch auch in anderen japanischen Städten wie etwa Osaka, wo sich 1.500 Personen vor dem Büro des Oi-Betreibers Kansai Electric versammelten, als auch weltweit, beispielsweise in den USA und Brasilien fanden am Freitag Protestkundgebungen vor japanischen Konsulaten  statt. Hierüber berichtete etwa die Kyodo.

Nachfolgeorganisation der Giftgas-Sekte rekrutiert Mitglieder: Die Sekte „Aleph“ nutzt die Unbekanntheit ihrer Hintergründe bei jungen Menschen, um unter dem Vorwand von Freizeitaktivitäten  auf dem Gelände von japanischen Universitäten neue Mitglieder zu werben.

Bei der Gruppierung, die zu den Shinshukyo genannten „neuen religiösen Bewegungen“ zählt, handelt es sich um die Nachfolgeorganisation der Endzeit-Sekte Omu Shinrikyo, die für mehrere Terroranschläge, darunter den Gasangriff auf die Tokyoter U-Bahn 1995, verantwortlich ist.

Demonstration gegen die Omu Shinrikyo im Jahr 2009 (Foto: pd)
Proteste gegen die Omu Shinrikyo im Jahr 2009 (Foto: pd)

Die Sekte hatte sich im Jahr 2.000 in „Aleph“ umbenannt und sich für die Verbrechen der Organisation entschuldigt – folgt allerdings weiterhin den Lehren des Gurus Shoko Asahara (Realname Chizuo Matsuḿoto), der zum Tode verurteilt wurde und auf seine Hinrichtung wartet.

Im vergangenen Jahr bot ein  „Club“ Studenten zunächst harmlose Aktivitäten wie gemeinschaftliches Grillen an, um Stunden später scheinbar unverfänglich auch zu Meditationen und Yoga-Stunden einzuladen. Erst als ein Student sich an die Universtitätsleitung wandte wurde aufgedeckt, dass Aleph hinter dem „Club“ steckte und dieser umgehend an der Universität verboten. Das berichtet die Mainichi Shimbun.

Der neue Kult hat nach Angaben des japanischen Geheimdienstes PSIA  etwa 1.300 Mitglieder und steht unter Überwachung durch Polizei und Nachrichtendienste. Diese erhalten hierfür Sonderrechte, die etwa überraschende Razzien und Kontrollen erlauben.

Belohnung zur Festnahme des Giftgas-Sektenmitglieds muss geklärt werden: Nach der Ergreifung von Katsuya Takahashi, früheres Mitglied des Endzeitkults der Omu Shinrikyo in einem der Manga Kissa genannten Cafés mit japanischen Comics gilt es nun zu klären, wer die Belohnung für den entscheidenden Hinweis zur Ergreifung des Gesuchten erhält. Insgesamt kann sich der aufmerksame Bürger auf etwa 10 Millionen Yen freuen.

Tatsächlich gibt es auch bereits zwei mögliche Kandidaten. Sowohl der Angestellte des Cafés, der die Polizei darüber informierte, dass der flüchtige Täter das Manga Kissa wie bereits zwei Wochen zuvor betreten hatte, als auch der Angestellte, der die eingetroffenen Zivilbeamten darauf hinwies, dass sich Takahashi gerade im Lokal aufhalte und sie dazu drängte ihn zu kontrollieren, obwohl die Polizeibeamten keine Ähnlichkeit festzustellen glaubten, könnten die Belohnung erhalten.

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