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Japan aktuell: Leck in Fukushima-Reaktor eins vermutet

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AKW Fukushima Reaktor 01 am 12. März 2011 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Reaktor 1 am 12. März 2011 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima Reaktor 01 am 12. März 2011 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima Reaktor 01 am 12. März 2011 (Foto: TEPCO)

In den vergangenen Tagen schien es ruhig um das AKW Fukushima Daiichi zu sein und der gestrige Ausfall der beiden Aufzüge am  Tokyo Sky Tree aufgrund von starken Winden, die bemerkenswerteste Meldung.

Doch nun gibt es vom AKW Fukushima aktuell Meldungen, die weitaus gravierender zu sein scheinen, als die Meldungen der letzten Zeit.

Nicht allein, dass es zu einer erneuten Lebensmittelbelastung kam – vielmehr soll ein weiterer Reaktor ein Leck aufweisen. Einzelheiten zu diesen Fukushima News heute im Spreadnews Japan-Ticker vom 23. Mai 2012.

 

Unsere heutigen Themen:

  • Fukushima-Reaktor 1 hat möglicherweise  ein Wasserleck
  • Schweinefleisch aus Präfektur Fukushima über Grenzwert belastet
  • Festnahmen bei Gegnern kontaminierter Müllverbrennung in Kitakyushu
  • Cäsiumwerte in Bucht von Tokyo gestiegen
  • NHK-Präsident verteidigt geplante Arbeit bei TEPCO

Fukushima-Reaktor 1 hat möglicherweise  ein Wasserleck: Bereits im März hatte eine Endoskopie im Reaktor 2 des AKW Fukushima gezeigt, dass der Wasserspiegel dort trotz beständiger Kühlung auf 60 Zentimeter gesunken sei. Nun ziehen Wissenschaftler auch an Reaktor 1 ein Leck in Betracht.

Forscher der vom Staat unterstützten Atomsicherheitsorganisation JNES analysierten Daten, wie etwa den inneren Druck des Reaktors und kamen dabei zu dem Schluss, dass der dortige Wasserspiegel bei lediglich 40 Zentimeter betrage und damit deutlich niedriger ist, als zuvor angenommen worden war. Nach Angaben des AKW-Betreibers TEPCO, sollte das Wasser dort eine Tiefe von etwa zwei Meter betragen.

Als mögliche Ursache gilt ein Loch in einem Rohr, 40 Zentimeter über dem Boden des Sicherheitsbehälters. Das Rohr ist mit der darunter liegenden Kondensationskammer verbunden. Das Loch soll einen Durchmesser von zwei Zentimetern haben.

Trotz des möglichen Lecks bestehe keine Gefahr erklärte TEPCO, trotz des niedrigen Wasserspiegels würden die Brennelemente auf etwa 30 Grad Celsius gekühlt, so die Meldung der NHK.

Allerdings ist davon auszugehen, dass beide Lecks die endgültige Stilllegung des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi erschweren könnte, da zu den notwendigen Maßnahmen auch eine Auffüllung des Sicherheitsbehälters mit Wasser geplant ist, um die geschmolzenen Brennelemente bergen zu können.

Schweinefleisch aus Präfektur Fukushima über Grenzwert belastet: Aus der Stadt Koriyama (Präf. Fukushima) wurde am gestrigen Dienstag bei Schweinefleisch eine Überschreitung des Grenzwerts für radioaktives Cäsium festgestellt. Der betroffene Schweinezuchtbetrieb wurde angewiesen, die bislang ausgelieferte Ware zurückzurufen und einen Handelsstopp  einzuhalten.

Kare (Curry) und Tonkatsu (Schweineschnitzel) sind in Japan populär (Foto: KJ)
Kare (Curry) und Tonkatsu (Schweineschnitzel) sind in Japan populär (Foto: KJ)

Damit wurde, dem Gesundheitsministerium zufolge, erstmals seit der Erlassung der strengeren Richtlinien im April 2012 eine Belastung von Schweinefleisch über dem zulässigen Höchstwert festgestellt.

Nach Angaben der Stadtverwaltung habe die Belastung mit Cäsium insgesamt 107,2 Becquerel pro Kilogramm betragen, was eine Überschreitung des von der Regierung in Tokyo erlassenen Grenzwerts für allgemeine Nahrungsmittel von 100 Becquerel pro Kilogramm darstellt. Bis März hatte der zulässige Maximalwert noch bei 500 Becquerel gelegen.

Eine Gefahr für Verbraucher bestehe nicht, da das belastete Schweinefleisch nicht in den Handel gelangt sei. Das berichtet die Asahi Shimbun.

Festnahmen bei Gegnern kontaminierter Müllverbrennung in Kitakyushu: Die Stadt Kitakyushu (Präf. Fukuoka) hatte sich bereit erklärt, Katastrophentrümmer aus Ishinomaki (Präf. Miyagi) zur Verbrennung zu übernehmen. Sollten sich während des 24 Stunden dauernden Test, bei dem insgesamt 32 Tonnen Trümmer entsorgt werden keine Besonderheiten ergeben, plane man Experten zu konsultieren um frühestens nächsten Monat über die Abnahme weiterer Abfälle zu entscheiden (Spreadnews berichtete hierüber am 16. Mai 2012).

Am heutigen Mittwoch erreichte das angelieferte Material seinen Bestimmungsort, eine Müllverbrennungsanlage in Kitakyushu. Mit der Entsorgung wurde begonnen, nachdem die Strahlungsdosis der Trümmer als genehmigt bestätigt worden war. Zur Verbrennung wird das Material aus Ishinomaki mit örtlichem Abfall im Verhältnis 1:9 gemischt. Während des Testlaufs überwacht die Stadtverwaltung das Strahlungsniveau in der Nähe der Müllverbrennungsanlage für die Dauer von 24 Stunden.

Japanische Bereitschaftspolizei (Foto: pd)
Festnahmen bei Protesten (Abb. symbolisch, Foto: pd)

Gänzlich ungestört blieb die Maßnahme jedoch nicht. Nach Angaben der NHK versammelten sich etwa 70 Protestler,  um gegen die erste testweise Verbrennung von Trümmern in Westjapan zu demonstrieren.

Sie wurden jedoch von 150 Polizeibeamten zurückgehalten.

Die Mainichi Shimbun berichtet, die Gegner der Müllverbrennungsaktion hätten gestern eine Sitzblockade durchgeführt und mehrere Personen seien unter dem Verdacht der Störung öffentlicher Pflichten, festgenommen worden. Ausschreitungen gab es jedoch offenbar nicht.

In Shimada (Präf. Shizuoka) verlief die Lieferung von Tsunami-Trümmern aus Yamada (Präf. Iwate) am heutigen Tag dagegen problemlos. Zwar waren auch hier bei der Bekanntgabe der Übernahme im Dezember vergangenen Jahres zu Protesten bekommen, diese hätten sich nach der Durchführung von Testverbrennungen jedoch gelegt. Nach Angaben des Umweltministeriums ist es das erste Mal, dass wirklich Trümmer außerhalb der Regionen Tohoku oder Tokyo übernommen würden.

Cäsiumwerte in Bucht von Tokyo gestiegen: Erstmals hat des Ministerium für Bildung, Kultur, Sport, Wissenschaft und Technologie (MEXT) am gestrigen Dienstag die Teilergebnisse ihrer Untersuchung zur Cäsium-Belastung an 15, oder mehr Stellen der Bucht von  Tokyo veröffentlicht.

Bucht von Tokyo mit Rainbow Bridge (Foto: pd)
Bucht von Tokyo mit Rainbow Bridge (Foto: pd)

Diese ersten Ergebnisse zeigen, dass die Konzentration an radioaktivem Cäsium im Gewässer sechs mal höher sind, als vor dem Atomunfall am AKW Fukushima Daiichi im vergangenen Jahr. Dennoch liegt die Belastung unter dem Grenzwert für sicheres Baden.

Die jüngst veröffentlichten Daten betreffen jedoch nur einen Ort, der ungefährt auf der Hälfte der Strecke zwischen dem Hafen von Kawasaki (Präf. Kanagawa) und Sodegeura (Präf. Chiba) liegt. In der ein Liter fassenden Probe die dort am 18. April entnommen worden war, wurden 0,0065 and 0,0098 Becquerel an Cäsium-134 bzw. Cäsium-137 nachgewiesen.

Der zweite Wert liegt damit 6,1 mal höher als bei der im Jahr 2009 durch die Küstenwache in der Nähe entnommen Probe. Damals hatte die Belastung von Cäsium-137 noch bei 0,0016 Becquerel pro Liter gelegen.

Dennoch kann der geprüfte Bereich offiziell als sicher bezeichnet werden, da der Grenzwert für die gemeinsame Belastung durch Cäsium für Badegebiete bei 50 Becquerel pro Liter liegt. Das berichtet die Asahi Shimbun.

NHK-Präsident verteidigt geplante Arbeit bei TEPCO: Auf einer Pressekonferenz am gestrigen Dienstag hat Fumio Sudo, Vorsitzender des Board of Governors bei Japans öffentlicher Rundfunkgesellschaft NHK seine Entscheidung, das Stellenangebot als nebenamtlicher Geschäftsführer des Energiekonzerns TEPCO anzunehmen, gegen Kritiker verteidigt.

Die Fragen auf der Pressekonferenz bezogen sich dann auch auf den Punkt, der von Gegnern seines Entschlusses als einer der wichtigsten angesehen wird: Kann sichergestellt werden, dass die NHK auch nach der Übernahme eines Postens bei der Betreiberfirma TEPCO, objektiv und kritisch über den Konzern, insbesondere über die Fukushima-Krise, berichten wird?

Sudo, der bereits einen Nebenposten als Berater beim Stahlunternehmen JFE Holdings, Inc. inne hat erklärte, er sehe keine Probleme zwischen seiner Position bei der NHK und dem neu angebotenen Posten bei TEPCO. Allerdings werde er überlegen, ob er seine Stellung als Vorsitzender bei der NHK beibehalte und kündigte an, seine Entscheidung beim nächsten Treffen der Mitglieder des Board of Governors im Juni bekannt zu geben.

NHK-Mann Sudo antwortete auf die Frage, wie man von TEPCO aus an ihn herangetreten sei, Kazuhiko Shimokobe, Rechtsanwalt und ab Juni neuer Präsident des Energieversorgers habe ihm den Posten angeboten, meldete die Nachrichtenagentur jiji.

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