Start Aktuelles Japan aktuell: Leck von Fukushima-Tank blieb mindestens einen Monat lang unentdeckt

Japan aktuell: Leck von Fukushima-Tank blieb mindestens einen Monat lang unentdeckt

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AKW Fukushima: Aufschüttungen gegen Wasserlecks am 20. August 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Aufschüttungen gegen Wasserlecks am 20. August 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Aufschüttungen gegen Wasserlecks am 20. August 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Aufschüttungen gegen Wasserlecks am 20. August 2013 (Foto: TEPCO)

Im Fall des beschädigten Wassertanks, der seit mehreren Tagen die Verantwortlichen beschäftigt, kommen neue Einzelheiten ans Tageslicht.

Wie der Betreiber des AKW Fukushima aktuell einräumte, war das Leck nicht nur bereits langfristig bekannt, sondern offenbar wurden schon von Beginn an Sicherheitsmaßnahmen nicht durchgeführt.

Doch bleibt die Anlage in Fukushima heute auch anderweitig von Interesse. Einzelheiten zu den Fukushima News jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 28. August 2013.

Unsere heutigen Themen:

  • Wassertank-Leck blieb einen Monat unentdeckt
  • Keine schnelle Reaktion auf abgesackten Wassertank
  • Untersuchung des Lecktanks wird Wochen benötigen
  • Fukushima-Arbeiter im Leckbereich kontaminiert

Wassertank-Leck blieb einen Monat unentdeckt: Auf einem gestrigen Treffen erklärte ein TEPCO-Vertreter, das Leck in einem Lagertank, aus dem etwa 300 Tonnen verstrahltes Wasser austraten, habe vermutlich bereits seit mehr als einem Monat existiert, bevor es am 19. August offiziell entdeckt wurde.

AKW Fukushima: Wassertank im Leckbereich am 20. August 2013 (Foto; TEPCO)
AKW Fukushima: Wassertank im Leckbereich am 20. August 2013 (Foto; TEPCO)

Auf den Umstand, das Leck könnte schon seit Juli vorhanden sein, kommt der Betreiber aufgrund von Studien der Strahlungsbelastung von Arbeitern, die in einer Richtfunkstation, etwa 20 Kilometer vom Lagertank entfernt, beschäftigt waren. Obwohl sie lediglich 2,5 Stunden pro Tag dort verbringen, sei ihre Belastung durch Betastrahlung seit Mitte Juli angestiegen.

Möglicherweise könnte das Leck sogar noch früher aufgetreten sein, fehlt doch noch die Auswertung der vor dem Juli erfassten Daten.

Nach Ansicht von TEPCO habe das Leck zunächst nur geringe Megen an radioaktivem Wasser enthalten, habe sich jedoch aufgrund starker Regenfälle Mitte Juli durch das Regenwasser weiter verbreitet und in den Boden gelangt.

Keine schnelle Reaktion auf abgesackten Wassertank: Im Juli 2011 stellte der Kraftwerksbetreiber TEPCO fest, dass die Betonfläche für neue Wassertanks um 20 Zentimeter in den Boden abgesackt war. Daraufhin hatte man die Behälter an einen anderen Standort gebracht. Tatsächlich war das Absinken des Bodens erst dadurch entdeckt worden, dass sich Risse im Beton gebildet hatten.

TEPCO war jedoch bewusst, dass der Boden nach dem schweren Tohoku-Erdbeben vom März 2011 abgesunken war. Als Rechtfertigung für das Fehlen von regelmäsigen Kontrollen erklärte ein Unternehmensvertreter, die Behälter seien in Eile montiert werden und habe die gesamten Arbeiten nicht bewältigen können.

Als Ursache für das Wasserleck von 300 Tonnen, das im August 2013 folgte, wird derzeit auch vermutet, dass sich der Tank bereits beim Absinken verzogen und damit die Grundlage für den Wasseraustritt geschaffen hatte. Es habe im Anschluss lediglich eine einzelne Untersuchung gegeben, ob der Behälter keine Schieflage aufweise, bevor er in Betrieb genommen worden sei.

Der fragliche Behälter wird durch Bolzen und eine Gummierung dicht gehalten. Derartige Behälter sind leicht aufzubauen, haben jedoch nur eine Lebensdauer von fünf Jahren. Insgesamt befinden sich 350 Tanks des gleichen Typs auf der Anlage – alle wurden jeweils nur ein einziges Mal auf Abweichungen geprüft. Hierüber berichtete Mainichi Shimbun.

Untersuchung des Lecktanks wird Wochen benötigen: In einem Plan, den Elektrizitätskonzern TEPCO der Atomaufsichtsbehörde NRA vorlegte, deutet das Unternehmen an, es könne mehrere Wochen dauern, bis die wirkliche Ursache für das massive Wasserleck ausgemacht ist.

AKW Fukushima: Inneres des Lecktanks am 23. August 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Inneres des Lecktanks am 23. August 2013 (Foto: TEPCO)

Zu den Szenarien, die vom Unternehmen in Erwägung gezogen werden, zählen abgenutzte Teile, lose Verbindungsstücke und Korrosion an Boden oder Wänden des Wassertanks.

Die Radioaktivität sei auch nach dem Ablassen des Wassers noch hoch, so dass man versuchen werde, radioaktives Material dort zu entfernen, um ein Betreten des Tanks durch Kontrolleure zu ermöglichen.

Im Anschluss werde man den Behälter demontieren, um Untersuchungen an den Einzelteilen durchzuführen, berichtete die NHK am gestrigen Dienstag.

Das Wasser im Inneren hatte Cäsiumwerte von 136.000 Becquerel pro Liter und weitere 200 Millionen Becquerel an Betastrahlern, wie etwa Strontium, aufgewiesen.

Fukushima-Arbeiter im Leckbereich kontaminiert: Heute wurden gegen 10:35 Uhr an Kraftwerksarbeitern nach Beendigung ihrer Arbeit beim Wassertransfer an den Tanks im Bereich H4 routinemäßig Strahlungskontrollen durchgeführt. Bei Angestellten eines Parterunternehmens konnte dabei eine radioaktive Kontamination im Bereich von Kopf und Brust nachgewiesen werden.

Die betroffenen Bereiche wurden abgewischt und die Arbeiter konnten um 14:51 Uhr den Eingangskontrollbereich verlassen, da die Belastung unter 13000 cpm (40 Becquerel pro Kubikzentimeter) lag. Auch wurden im Mundbereich und den Nasenhöhlen kein radioaktives Material festgestellt.

Da bei der Untersuchung jedoch der Kopfbereich mit 5000cpm vergleichsweise hoch belastet war, wurde die Durchführung einer Kontrolle mittels eines Ganzkörperscanners angeordnet.

Heraufstufung offiziell bekannt gegeben: Nachdem bereits am 21. August die Heraufstufung des Wassertank-Großlecks praktisch beschlossene Sache war, folgte heute mit einer entsprechenden Erklärung auch die offizielle Neubeurteilung. Wie bereits berichtet, bestätigt die Erklärung der Atomaufsicht NRA nun die Einschätzung des Lecks als Stufe-3 Zwischenfall auf der INES-Skala für Störfälle.

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