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Japan aktuell: Lecks an weiteren Fukushima-Stahltanks wahrscheinlich

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AKW Fukushima: Kontrolle des Rings an Behälter 4 der Gruppe B im Bereich H3 am 22. August 2013 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Wassertank: Verstärkte Kontrollen gegen Lecks an Leitungen und Behältern (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Kontrolle des Rings an Behälter 4 der Gruppe B im Bereich H3 am 22. August 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Kontrolle des Rings an Behälter 4 der Gruppe B im Bereich H3 am 22. August 2013 (Foto: TEPCO)

Der bislang größte Zwischenfall an einem Lagertank hat sich möglicherweise bereits auf weitere Bereiche der Anlage ausgedehnt.

Daneben wird aus Fukushima aktuell auch über eine extrem hohe Belastung des Pazifiks berichtet.

Zu den Fukushima News zählt auch die Erkenntnis, das mangelhafte technische Ausstattung mit für die Lecks verantwortlich sein könnte.

Weitere Meldungen aus Fukushima heute im Spreadnews Japan-Ticker vom 22. August 2013.

Unsere heutigen Themen:

  • Wasser aus Tankleck-Zwischenfall könnte Pazifik erreicht haben
  • Leck an weiteren Fukushima-Stahltanks wahrscheinlich
  • Fehlendes Gerät behinderte Entdeckung des Tanklecks
  • Belastung von 30 Billionen Becquerel in Pazifik gelangt
  • NRA fordert sofortige Kontrolle aller Fukushima-Tanks
  • Fischer in Fukushima verschieben Testfänge

Leck an weiteren Fukushima-Stahltanks wahrscheinlich: Nachdem der Wasseraustritt an einem Stahlbehälter im Geländeabschnitt H4 der Fukushima-Anlage von TEPCO bereits als bislang schwerster Zwischenfall dieser Art bezeichnet worden war, gibt es nun sogar in einem anderen Bereich der Anlage einen Leckverdacht an baugleichen Behältern.

AKW Fukushima: Strahlungskontrolle am unteren Ring von Tank Nr. 10 der Gruppe A im Bereich H3 am 22. August 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Strahlungskontrolle am unteren Ring von Tank Nr. 10 der Gruppe A im Bereich H3 am 22. August 2013 (Foto: TEPCO)

Bei einer heutigen Kontrolle im Bereich H3 wurden gegen 14:00 Uhr an zwei Stellen die Spuren eines Wasseraustritts festgestellt, auch wenn die Flüssigkeit selbst offenbar bereits in den Boden gelangt war.

Im Bereich neben der Naht der Stahltanks wurde in Nähe des Tankbodens eine Belastung durch Beta- und Gammastrahlung zwischen 70 und 100 Millisievert pro Stunde nachgewiesen.

Der Wasserstand der Behälter vor Ort liegt nach Angaben von TEPCO zwischen 95 und 97 Prozent, was keinen Hinweis auf ungewöhnlichen Wasseraustritt zeige. Möglicherweise handele es sich bei den gefundenen Spuren um alte Lecks. Neben dem Kraftwerksbetreiber selbst, berichtete auch die NHK.

Wasser aus Tankleck-Zwischenfall könnte Pazifik erreicht haben: Wie aus Material hervorgeht, das am gestrigen Abend vom Kraftwerksbetreiber veröffentlicht wurde, könnte radioaktives Wasser aus dem Behälter nun doch in den Pazifik gelangt sein.

Bislang hatte man diese Option als unwahrscheinlich angesehen, da es nach Angaben von TEPCO keine Gräben, oder Rinnsteine in der unmittelbaren Umgebung gebe. Auf einer Pressekonferenz erklärte jetzt der stellvertretende Vize-Präsident des Unternehmens, Zengo Aizawa, möglicherweise sei Wasser durch einen Entwässerungskanal bzw. eine Rinne in das Meer gelangt.

Hinweis darauf gibt eine Strahlungsbelastung von 6 Millisievert pro Stunde, die innerhalb eines betonierten Entwässerungskanals, der etwa 2,2 Meter breit und 1,2 Meter tief ist, nachgewiesen wurde. Dortige Flecken deuten ebenfalls auf einen Flüssigkeitstransport in dieser Leitung hin. Dieser fragliche Kanal ist mit einem weiteren, südlich von Reaktor 4 verbunden, der in das Meer mündet.

Etwa 50 Meter östlich des vermuteten Lecktanks wurde radioaktives Wasser nachgewiesen, was gerade einmal eine Distanz von 650 Metern zum Meer bedeutet. Die Strahlung dort ist aber niedriger, als die an der Wasseroberfläche des Tanks gemessenen Werte, was TEPCO darauf zurückführt, dass das freigesetzte Wasser bereits durch Regen verdünnt wurde.

Auch ein Nachweis der Kontamination im Meer sei schwierig, sobald die Flüssigkeit mit Meerwasser verdünnt ist.

Das Abpumpen des Wassers, das bislang im Tank verblieben war, wurde am vergangenen Abend um 21:00 Uhr abgeschlossen. Ursache und genaue Umstände des Wasserlecks sind weiterhin ungeklärt. Nun sind auch Nachbarstaaten über mögliche Folgen besorgt und fordern detaillierte Informationen. Über die Pazifikgefährdung berichteten unter anderem Kyodo, jiji, Asahi und NHK

Fehlendes Gerät behinderte Entdeckung des Tanklecks: Das bislang größte Tankleck seit Beginn der Fukushima-Krise ist möglicherweise durch das Fehlen eines Wasserstandsanzeigers begünstigt worden.

Die Beschäftigten vor Ort hätten den Austritt der Flüssigkeit daher erst bemerkt, als sich Wasserlachen bildeten.

TEPCO lässt stattdessen zweimal am Tag Kontrollgänge durch Arbeiter durchführen, bei denen mögliche Lecks entdeckt werden sollen. Dennoch gab es seit Ausbruch der Katastrophe im März 2011 bislang vier Lecks an Wasserbehältern der gleichen Bauart. Allerdings wurde kritisiert, das Kontrollgänge bei Regen durchgeführt wurden, so dass Lecks praktisch unentdeckt bleiben können.

Hierüber berichtete die Kyodo.

Belastung von 30 Billionen Becquerel in Pazifik gelangt: Am 2. August 2013 legte der Kraftwerksbetreiber TEPCO der Atomaufsichtsbehörde NRA einen Bericht vor, in dem die Werte der seit Mai 2011 in den Pazifik gelangten Mengen an radioaktivem Tritium auf 20 bis 40 Billionen Becquerel geschätzt wurden (Spreadnews berichtete am selben Tag).

Goishi-Küste am Pazifik (Foto: estel, cc-by)
30 Billionen Becquerel an Cäsium und Strontium in Pazifik gelangt (Foto: estel, cc-by)

In einem gestern vom Kraftwerksbetreiber veröffentlichten Bericht, macht dieser auch Angaben zur Belastung mit radioaktivem Cäsium, sowie Strontium. Demnach gelangte seit Beginn der Krise dieses Material mit einer Gesamtbelastung von insgesamt 30 Billionen Becquerel in den Pazifik. Davon entfallen 10 Billionen auf Strontium und 20 Billionen auf Cäsium-137

Diese Werte liegen deutlich über den 220 Milliarden, die beim Regelbetrieb des Kernkraftwerks jährlich erreicht würden. Dennoch werden nach Angaben von TEPCO die Standards der Regierung eingehalten.

Ausgehend von den Konzentrationen die im Hafenbereich der Anlage entnommen worden waren, sind in diesem Zeitraum täglich zwischen 3 und 10 Milliarden Becquerel an Strontium in das Meer gelangt, während die Zahlen von Cäsium-137 zwischen 4 und 20 Milliarden liegen.

Da in den gestern vorgelegten Dokumenten auch die Annahme berücksichtigt wurde, mit Regenwasser kontaminierte radioaktive Abwässer seien seit Mai 2011 in den Pazifik gelangt, stellen nach Angaben von TEPCO die nun genannten Werte die maximale Menge dar, die in den Ozean gelangt sein könnte.

Über die neuen Zahlen berichteten Kyodo, jiji Asahi Shimbun und NHK.

NRA fordert sofortige Kontrolle aller Fukushima-Tanks: Auf einer gestrigen Pressekonferenz sagte Shunichi Tanaka, Leiter der Atomaufsichtsbehörde NRA, da es insgesamt 350 baugleiche Behälter auf dem Gelände gebe, müsse davon ausgegangen werden, dass auch dort Lecks auftreten können.

AKW Fukushima: Wassertank im Leckbereich am 20. August 2013 (Foto; TEPCO)
AKW Fukushima: Wassertank im Leckbereich am 20. August 2013 (Foto; TEPCO)

Sowohl Regierung als auch der Betreiber müssten nun alle Anstrengungen unternehmen, um eine Verschlimmerung auf der Anlage zu verhindern.

Der Elektrizitätsbetreiber räumte jedoch ein, aufgrund des Umstands, das Kontrollen auch an Regentagen durchgeführt werden, sei es nicht immer einfach, Leckstellen auszumachen. Das berichtete die Kyodo.

Etwa 350 Tanks der Anlage sind nur für eine Betriebsdauer von fünf Jahren ausgelegt und verfügen über keine sorgfältige Verschweissung, da dieser Bautyp durch Bolzen und eine Gummierung abgedichtet wird.

Fischer in Fukushima verschieben Testfänge: Nachdem sie am gestrigen Mittwoch über die aktuellen Vorgänge am Kernkraftwerk Fukushima Daiichi in Kenntnis gesetzt worden waren, beschlossen die Mitglieder einer Fischereikooperative in Fukushima, die für den 5. September geplanten Testfänge vor der Küste zu verschieben. Ein neues Datum steht noch nicht fest.

Die Fischer der Kooperative verzichten bereits seit Beginn der Krise im März 2011 auf den kommerziellen Fischfang. Die einzigen Fische die seitdem gefangen wurden, dienten ausschließlich den wissenschaftlichen Untersuchungen zur Strahlungsbelastung der Meereslebewesen. Anfang September hätte der erste kommerzielle Fischfang wieder anlaufen sollen. Hierüber berichtete die Kyodo.

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