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Japan aktuell: Leiter des AKW Fukushima in Klinik

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Kashiwa (Präfektur Chiba)
Kashiwa (Präfektur Chiba): Radioaktive Belastung durch AKW Fukushima (Foto: pd)
Kashiwa (Präfektur Chiba)
Kashiwa (Präfektur Chiba): Radioaktive Belastung durch AKW Fukushima

Mit dem Beginn der Adventszeit erwarten Christen eigentlich die Ankunft (lateinisch adventus) eines frohen Ereignisses, doch diese Woche beginnt zumindest in Hinblick auf die Geschehnisse in Japan alles andere als froh. Neben einem Krankheitsfall der im Bezug auf das AKW Fukushima aktuell zu melden ist, dürfte auch die Ausweitung von Lebensmittelproblemen keineswegs positive Resonanz finden. Informieren und berichten sollte man dennoch – so auch in den Fukushima News im Spreadnews Japan-Ticker vom 28. November 2011.

Leiter des AKW Fukushima Daiichi in Klinik eingeliefert: Am heutigen Montag teilte der Energiekonzern TEPCO mit, Masao Yoshida, der seit Juni 2010 Leiter des Atomkraftwerks Fukushima Daiichi ist, sei bereits vergangenen Donnerstag in eine Klinik gebracht worden und werde am kommenden Donnerstag von seinem Posten aufgrund der medizinischen Behandlung entbunden. Seine Nachfolge tritt Takeshi Takahashi an.

Genaue Angaben zur Erkrankung des 56-jährigen Kraftwerksleiters wollte das Unternehmen nicht machen, auch die Frage nach der Gesamtstrahlungsbelastung von Yoshida sei unter Berufung auf die Privatsphäre und Datenschutz nicht beantwortet worden, berichtet die Nachrichtenagentur Kyodo. TEPCO liess lediglich erklären, die gesundheitlichen Probleme stünden in keinerlei Zusammenhang zur Strahlung, die Krankheit des auch während der Reaktorkrise tätigen Mitarbeiters sei bei einer kürzlichen Untersuchung Mitte November festgestellt worden.

In einer Botschaft an die Belegschaft teilte er am heutigen Montag mit, er bedauere in dieser kritischen Lage gehen zu müssen, sein gesundheitlicher Zustand lasse jedoch eine weitere Tätigkeit als Kraftwerksleiter nicht zu,  zitiert ihn die Nachrichtenagentur jiji.

Antrag auf verlängerte Überwachung der Giftgas-Sekte: Der japanische Geheimdienst, die Public Security Intelligence Agency, hat die Verlängerung der Überwachungsbefugnisse für die Nachfolgeorganisationen und Splittergruppen der Sekte Ōmu Shinrikyō für weitere drei Jahre beantragt.

Erstmals 2000 auferlegt und seitdem bereits dreimal verlängert, sieht die Behörde weiterhin eine entsprechende Notwendigkeit, die Aktivitäten der etwa 1300 Mitglieder der in „Aleph“ umbenannten Sekte, sowie die schätzungsweise 200 Personen der Splittergruppe „Hikari no Wa“ zu überwachen. Weitere 150 Mitglieder sollen die Gruppierungen in Russland haben.

Dass diese Gruppierungen weiterhin den Endzeit-bezogenen Lehren folgen zeigt sich nicht nur in der Präsenz des Sektenführers auf Altären und der Weiterführung der von ihm gelehrten Rituale, sondern auch in den verstärkten Aktivitäten am Geburtstag des Sektenführers Chizuo Matsumoto und der Instrumentalisierung des Tohoku-Erdbebens vom 11. März, da den Anhängern erklärt wird, eine derartige Katastrophe könne sich wiederholen, wenn sie sich in ihren religiösen Praktiken nicht anstrengten.

Die Untersuchungskommission für öffentliche Sicherheit, bei der die Anträge eingereicht wurden, wird nun die Meinung dieser Gruppierungen einholen und dann eine Entscheidung fällen, berichtet die Mainichi Shimbun unter Berufung auf die Nachrichtenagentur Kyodo. Sollte die Regelung erneut bestätigt werden, so sind die Behörden nicht nur dazu befugt Überprüfungen in den Räumlichkeiten der Sekte durchzuführen, sondern kann zudem die Aushändigung von Namen und Adressen von Schlüsselpersonen fordern

Weitere Grenzwertüberschreitungen in Reis aus Fukushima/Onami: Wie die Asahi Shimbun am Samstag berichtete, ist nun auch bei Reis von fünf weiteren Betrieben im Bezirk Onami der Stadt Fukushima eine Grenzwertüberschreitung festgestellt worden. Zuvor hatte es bereits einen entsprechenden Fund gegeben (Spreadnews berichtete). Die betroffenen Anbaugebiete befinden sich alle in einem Radius von einem bis 2,5 Kilometer vom ersten landwirtschaftlichen Betrieb.

Nach dem ersten Fund waren bei 34 Reisanbaubetrieben Proben genommen worden, insgesamt seien 864 Säcke Reis getestet worden. In 131 Säcken von sechs Reisanbietern waren Cäsiumwerte über dem Grenzwert festgestellt worden. In den Zahlen ist auch der erste Fund mitberücksichtigt worden.

Der höchste gemessene Wert von radioaktivem Cäsium betrug 1.270 Becquerel, bei 27 Säcken von zwei Farmen waren ebenfalls Werte über 1.000 Becquerel gemessen worden. Jetzt sollen den Plänen der Präfekturalverwaltung zufolge, alle 4.752 Säcke und damit 142,6 Tonnen von allen 154 Reisanbaubetrieben im Bezirk Onami überprüft und getestet werden.

Da sogar der Reis der bereits an Wiederverkäufer geliefert worden war vollständig zurückgerufen werden konnte, sei der Reis nicht in den Einzelhandel gelangt. Zudem stamme der übrige Reis allesamt aus Gebieten deren Reis sicher sei, es bestehe somit kein Grund zur Besorgnis über eine Belastung von Reis aus Fukushima.

Übergangshäuser ohne ausreichenden Brandschutz: In einem Artikel vom 27. Oktober berichtete Spreadnews über die Besorgnis der Behörden der Krisenregionen angesichts der Brandgefahr in Übergangshaussiedlungen durch Ölöfen. Dennoch lässt der Brandschutz offenbar weiterhin zu wünschen übrig, wie eine Umfrage der Yomiuri Shimbun ergab. Nur wenige der insgesamt 51.682 Gebäude verfügt über Zugang zu einem Wassertank, einer Pumpe oder einer anderen möglichen Löscheinrichtung.

Von insgesamt 891 Gebäudekomplexen in den betroffenen Präfekturen Fukushima, Iwate und Miyagi verfügen 211 über keine geeignete Wasserquelle. Als Gründe werden die Prioritäten angeführt – der schnelle Aufbau habe Vorrang vor der Wasserversorgung gehabt, als auch finanzielle Gründe, da etwa die Schaffung von Hydranten kostenintensiv sei und sich für Siedlungen aus Übergangshäusern, die nur wenige Jahre existierten nicht lohne. Allerdings sollen gegen Jahresende alle Übergangshaushalte in den drei Präfekturen Feuerlöscher erhalten.

Starke radioaktive Belastung in Kashiwa durch AKW Fukushima:
Neue Informationen über die hohe Strahlungsbelastung im Erdreich in Kashiwa (Präf. Chiba) nordöstlich von Tokyo die dort im Oktober gemessen worden war, gibt es nun vom Umweltministerium. Aufgrund von Untersuchungen vor Ort geht man davon aus, dass die Ursache mit großer Wahrscheinlichkeit das radioaktive Cäsium ist, dass beim Reaktorunglück am AKW Fukushima Daiichi ist und nicht, wie teilweise vermutet von Erdreich aus anderen Regionen stammt.  Die Kontamination sei nach Ansicht des Ministeriums durch radioaktiven Niederschlag im Regen entstanden sei.

Insgesamt waren vom Ministerium bis zu 450.000 Becquerel pro Kilogramm Erdreich in Kashiwa gemessen worden – deutlich mehr als die 276.000 Becquerel die in den Untersuchungen durch die Stadt nachgewiesen wurden.

Atomenergiekonzern gegen Einstellung des AKW Monju-Projekts: Der Präsident des Atomenergiekonzerns Japan Nuclear Fuel ist gegen die Einstellung der weiteren Forschung und Arbeiten am umstrittenen Kernkraftwerk Monju in Tsuruga (Präf. Fukui), wie sie von Atomkritikern gefordert wird. Der Reaktor vom Prototypen eines „schnellen Brüters“ soll nach seinem Willen weiter ausgebaut werden, erklärte Unternehmenspräsident Yoshihiko Kawai in einer Pressekonferenz – und reagiert damit auf Bedenken der Regierung, die im Hinblick auf das 40 Jahre dauernde und kostenintensive Monju-Projekt davon ausgeht, dass die Aussicht schnelle Brüter jemals in Standardbetrieb zu nehmen gering sei. Das berichtet die Nachrichtenagentur jiji.

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