Start Aktuelles Japan aktuell: Löschung von TEPCO-Videomaterial zur Fukushima-Krise soll verhindert werden

Japan aktuell: Löschung von TEPCO-Videomaterial zur Fukushima-Krise soll verhindert werden

1142
0
TEILEN
TEPCO-Zentrale in Tokyo (Foto: Yusuke Kawasaki cc-by)
TEPCO-Manager heute angeklagt (Symbolfoto: Yusuke Kawasaki cc-by)
TEPCO-Zentrale in Tokyo (Foto: Yusuke Kawasaki cc-by)
TEPCO: Verschleierung durch Löschung befürchtet (Foto: Yusuke Kawasaki cc-by)

Der heutige Freitag beginnt mit einem Bericht über eine Massendemonstration in Tokyo, sowie den Plänen, wichtiges Beweismaterial zum Krisenmanagement während der Fukushima-Krise vor der Löschung zu bewahren.

Das zur Akutphase der Krise am AKW Fukushima aktuell angeforderte Material könnte neue Erkenntnisse bringen – deshalb wird die Löschung durch TEPCO gefürchtet.

Doch auch sonstige Meldungen gibt es neben den Fukushima News zu berichten. Alle Informationen jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 29. Juni 2012.

Unsere heutigen Themen:

  • Anteilseigner wollen Vernichtung von Videokonferenzaufnahmen verhindern
  • Gemeinden in Fukushima öffnen Schwimmbecken der Schulanlagen
  • Atomkraftgegner-Großdemonstration in Tokyo

Anteilseigner wollen Vernichtung von Videokonferenzaufnahmen verhindern: Teilhaber des Elektrizitätsanbieters TEPCO haben am heutigen Freitag vor dem Bezirksgericht Tokyo eine Klage eingereicht, mit der die Löschung von Ton- und Videoaufnahmen, die während  der Akutphase der Fukushima-Krise bei den Fernkonferenzen zwischen der Führung des Unternehmens in Tokyo und der Leitung des Kraftwerks vor Ort, aufgezeichnet worden waren.

Die Anteilseigner fordern die Sicherung des Videomaterials, sowie der davon gefertigten Abschriften zwischen dem Beginn der Krise am 11. März 2011 bis zum 30. März. Mit den enthaltenen Informationen könnten nicht nur mögliche Fehler im Krisenmanagement aufgedeckt, sondern auch Schadensersatzforderungen erleichtert werden.

Die Kläger werfen 27 ehemaligen und gegenwärtigen Mitgliedern des Konzerns – etwa den früheren Vorsitzenden Tsunehisa Katsumata – vor, die Risiken für das AKW Fukushima Daiichi durch ein großes Erdbeben missachtet und keine geeigneten Sicherheitsmaßnahmen getroffen zu haben.  Sie fordern über 5.500 Milliarden Yen als Entschädigungszahlung.

TEPCO lehnte die Veröffentlichung der Aufzeichnungen bislang ab, da es sich um internes Material handeln würde und andernfalls die Privatsphäre der Beteiligten verletzt würde. Selbst der unabhängige Untersuchungsausschuss des Parlaments erhielt keinen Zugriff. Der neue TEPCO-Präsident Naomi Hirose erklärte gestern, er werde das Material im Bezug auf diese Vorbehalte prüfen.

Die Kläger finden es zudem verdächtig, dass von der Rede des damaligen Premierministers Naoto Kan an die TEPCO-Führung vom 15. März 2011  lediglich eine stumme Videoaufzeichnung ohne Ton existiert. Das Fehlen einer Tonspur zeige, dass TEPCO etwas zu verbergen habe.

Vertreter von TEPCO und der Atomsicherheitsbehörde NISA erklärten, das Konferenzsysteme habe fünf bis acht Stellen miteinander verbunden, darunter beispielsweise  auch das AKW Fukushima Daini (Fukushima 2)

Das berichten Mainichi Shimbun, Asahi Shimbun jiji sowie die NHK.

Gemeinden in Fukushima öffnen Schwimmbecken der Schulanlagen:  Das erste Mal, seitdem im Sommer vergangenen Jahres aus Besorgnis über die mögliche radioaktive Belastung des Wassers, die Schulen der Präfektur Fukushima auf das Schwimmen im Freien verzichtet hatte, soll es für die Schüler der Grundschule und Mittelstufe wieder die Möglichkeit im Freien zu schwimmen geben.

Insgesamt 30 der 31 Gemeinden, in denen die Schwimmbecken im Freien ungenutzt blieben waren, kündigten nun an, die Anlagen in diesem Sommer wieder zu öffnen. Das berichtet die Nachrichtenagentur jiji.

Atomkraftgegner-Großdemonstration in Tokyo: Am heutigen Freitag fand eine Großdemonstration in Tokyo gegen die Atomenergie und den Neustart des AKW Oi statt, dessen Teilnehmerzahl offenbar bisherige Rekorde übertrifft. Sie begann um 18:00 Uhr (Ortszeit) und soll bereits vor Beginn die bisherige Rekordzahl von 45.000 Beteiligten übertroffen haben.

Im Zuge einer Live-Berichterstattung wurden auch im Internet Helikopteraufnahmen des Protests gezeigt. Dieser umfasst sowohl Personen die Schilder mit Anti-Atommotiven hoch hielten, als auch geschlossene Gruppen die mit großen Spruchbannern marschierten.

Im weiteren Verlauf sei die Teilnehmerzahl zunächst auf 60.000 und dann auf 80.000 Personen gestiegen. Eine Bestätigung dieser Angaben durch die Polizei gab es zunächst nicht.

Später sollen es bis zu 100.00o Demonstranten geworden und die Situation „außer Kontrolle“ geraten sein. Sowohl durch die Polizei, als auch die Veranstalter, soll eine Aufforderung zur Auflösung der Demonstration erfolgt sein. Der Veranstalter sprach von insgesamt 200.000 Teilnehmern.

Um 19:43 Uhr Ortszeit waren in den Luftaufnahmen nach wie vor viele Menschen auszumachen, die sich dort bewegen.

Einsatzbus der japanischen Bereitschaftspolizei (Foto: pd)
Einsatzbus der japanischen Bereitschaftspolizei (Abb. symbolisch Foto: pd)

Per Twitter gab es Meldungen, die  Demonstration sei bereits um 19:20 Uhr außer Kontrolle geraten.

Da die gesamte Straße im Bezirk Kasumigaseki durch Menschenmassen blockiert war, habe es auch für die Polizeibeamten keine Möglichkeit mehr gegeben, die Menschen zu kontrollieren.

Einheiten der Bereitschaftspolizei hätten dann den Bereich am Sitz des Premierministers abgeriegelt. Offizielle Bestätigungen dieser Angaben gab es jedoch offenbar nicht.

Die Nachrichtenagentur Kyodo sprach um 21:37 Uhr  lediglich von „einigen tausend“ Teilnehmern und auch die Mainichi Shimbun machte in einer Meldung um 21:44 Uhr keine Angaben zu Teilnehmerzahl oder möglichem Polizeieinsatz.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here