Start Aktuelles Japan aktuell: Mangelhafter Brandschutz an mehr als zehn Atomkraftwerken

Japan aktuell: Mangelhafter Brandschutz an mehr als zehn Atomkraftwerken

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Atomkraftwerk-Symbol (Grafik: Hendrik Tammen cc-by)
AKW Monju: Terrorismus-Gefahr durch Schlamperei (Grafik: Hendrik Tammen cc-by)
Atomkraftwerk-Symbol (Grafik: Hendrik Tammen cc-by)
Gravierende Brandschutzmängel in Japans AKW (Grafik: Hendrik Tammen cc-by)

Das neue Jahr begann am AKW Fukushima heute offenbar ohne Störungen. Allerdings sind es gleich mehrere Kernkraftwerke in Japan, die gravierende Sicherheitsmängel aufweisen.

Das international längst anerkannte Strahlungsschutzmaßnahmen aufgrund bürokratischer Hürden erst mit Verspätung in Japan eingeführt werden, ist ebenfalls Realität.

Somit gibt es neben den Folgen der Katastrophe des AKW Fukushima heute auch weitere Meldungen, die ebenfalls zeigen, dass es nicht nur Fukushima News sind, die eine potentielle Gefährdung durch japanische Kernkraftwerke verdeutlichen. Einzelheiten im ersten Artikel des neuen Jahres – im Spreadnews Japan-Ticker vom 1. Januar 2013.

Unsere heutigen Themen

  • Über zehn AKW mit mangelhaftem Brandschutz
  • Verteilung von Jodtabletten könnte sich verzögern
  • Gedanken des Tenno zum neuen Jahr
  • Senkaku-Problematik bleibt im neuen Jahr Thema
    • Senkaku-Schutz durch Ruheständler und alte Schiffe
    • Chinesische Schiffe erreichen Aufenthaltsrekord

Über zehn AKW mit mangelhaftem Brandschutz: An mehr als zehn Atomkraftwerken im ganzen Land  gibt es Mängel beim Brandschutz. Dies könnte zur Folge haben, dass einige Reaktoren langfristig abgeschaltet werden könnten.

Unter Berufung auf Quellen aus dem Sekretariat des Ministeriums für Wirtschaft, Handel und Industrie (METI), sowie der Atomaufsichtsbehörde NRA berichtet die Mainichi Shimbun über die Entdeckung. Betroffen seien etwa leicht entflammbare elektrische Kabel.

Auch stehen nach Angaben dieser Quellen für die Sicherheit relevante Geräte zu eng beeinander, was ein übergreifen von Flammen im Brandfall begünstigen würde. Mittlerweile hat die Behörde für natürliche Ressourcen und Energie (ANRE), die dem METI untersteht, eine Untersuchung eingeleitet, die NRA will die Betreiber befragen.

Die genaue Zahl betroffener Kraftwerke ist nicht bekannt, die Mainichi Shimbun kommt aber anhand einer Befragung von Energieunternehmen zu dem Schluss, das an 13 von 50 Reaktoren noch Kabel aus entflammbarem Material wie Vinyl und Polyethylen verwendet werden.

Die Betreiberfirmen behaupten jedoch, diese Kabel seien mit brandhemmenden Mitteln wie bestimmten Harzen beschichtet und wiesen damit die gleiche Qualität auf wie schwer entflammbare Kabel. Sowohl Vertreter der Atomaufsicht, als auch des Industrieministeriums lehnen diese Behauptungen ab.

Selbst wenn die Hülle unbeschädigt bliebe, so könnten dennoch die Drähte im Inneren schmelzen. Auch sei es unter Berücksichtigung der Alterungsvorgänge nicht möglich von sicheren Kabeln zu sprechen. Diese müssten vielmehr vollständig ausgetauscht werden.

  • Reaktor-Sicherheitssysteme vielfach ebenfalls betroffen

An einigen Atomkraftwerken ist die Lage sogar noch kritisischer. Dort entsprechen die Kontrollen für das Reaktor-Sicherheitssystem – die Kontrollstäbe, das Kernkühlsystem und die Instrumentenüberwachung nicht den Brandschutzkriterien.

Warnsymbol vor Hochspannung (Grafik: pd)
Japans AKW: Brandgefahr durch elektrische Kabel (Grafik: pd)

Auch wenn das Prinzip der getrennten Systeme dort Anwendung finde – beim Ausfall eines elektrischen Systems kann ein anderes die Funktion ersetzen – wäre dies offenbar in einigen Fällen wirkungslos, da die Kabel der scheinbar voneinander getrennten Energieversorgungssystem sehr eng aneinanderliegen und ein Kabelbrand daher mehrere Systeme betreffen könnte.

Auch hier würden nur Ersatz und Neuverlegung der Kabel eine ausreichende Sicherheit bieten.

Die Kühlwasserpumpen weisen in mehreren Fällen ebenfalls einen mangelnden Brandschutz-Abstand voneinander auf. Damit könnten auch an dieser Stelle mehrere dieser wichtigen Notvorrichtungen gleichzeitig Feuer fangen bzw. Brände leicht auf benachbarte Geräte übergreifen. Das Ministerium und die Atomaufsicht rechnen an mehr als zehn Reaktoren mit diesen Mängeln.

  • Brandschutzmängel gefährden AKW-Weiterbetrieb

Das METI rechnet aufgrund der hohen Kosten der erforderlichen Maßnahmen – jeder Reaktor enthält etwa 1.000 bis 2.000 Kilometer Kabel – stattdessen mit der Stilllegung von Reaktoranlagen. Auch der Neustart von Reaktoren könnte sich durch dieses Sicherheitsrisiko um mehrere Jahre verzögern, denn das Problem ist nicht nur auf Kabel beschränkt.

  • Vergangenheit und Zukunft im AKW-Brandschutz

Ursache für diese zahlreichen Mängel ist das hohe Alter vieler Kernkraftwerke in Japan. Anlagen die vor dem Dezember 1975 gebaut wurden, mussten noch keine derartigen Schutzmaßnahmen treffen und  so blieb es vielfach den Betreiberfirmen überlassen, ob sie beim Brandschutz nachrüsten.

Die Atomaufsicht NRA will nun entsprechende Regelungen in die neuen Reaktor-Sicherheitsstandards einfliessen lassen, die im Juli zusammengestellt werden sollen. Um welche Anlagen es sich im Einzelnen handelt, wurde bislang nicht bekannt.

Verteilung von Jodtabletten könnte sich verzögern: Offenbar aufgrund von Unklarheiten bei der Medikamentenzulassung. Denn während das darin enthaltene Kaliumiodid gesetzlich als Mittel zur Behandlung von Schilddrüsenproblemen und weiterer Erkrankungen zugelassen ist, fehlt noch die Anerkennung als Strahlungsschutzmittel.

Schilddrüse (Grafik: pd)
Fehlende Zulassung für Jod als Strahlungsschutz (Foto: pd)

Die Atomaufsicht NRA beabsichtigt eine Anerkennung der Substanz in dieser Kategorie, doch bis zu diesem Zeitpunkt kann die Ausgabe von Jodtabletten im Fall einer Reaktorkatastrophe um die Schilddrüsen vor der Aufnahme von radioaktivem Jod zu schützen, nicht als Maßnahme in die Katastrophenschutzpläne aufgenommen werden.

Obwohl der Präventiveffekt von Kaliumiodid international anerkannt ist, war das Medikament vor der Fukushima-Krise kaum genutzt worden, so dass kein Pharmaunternehmen eine Anerkennung zur Verwendung als Strahlungsschutz beantragte. Ein solcher Antrag ist zur Anerkennnung jedoch notwendig.

Selbst wenn die Atomaufsicht nun ein Unternehmen damit beauftragen würde, zöge dies immer noch eine mindestens einjährige Verzögerung nach sich, da dass beantragende Unternehmen verpflichtet ist, Wirksamkeitsbelege für das Mittel vorzulegen.

Andernfalls wäre die Verabreichung zu diesem Zweck illegal und Schäden durch Nebenwirkungen wären nicht durch Entschädigungsregelungen gedeckt, berichtet die Yomiuri Shimbun unter Berufung auf nicht näher genannte Quellen. Die Atomaufsicht kündigte nun an, so schnell wie möglich Gespräche mit dem Gesundheitsministerium einzuleiten.
Gedanken des Tenno zum neuen Jahr: Der Tenno appelierte in seiner Neujahrsbotschaft an die Hilfsbereitschaft der Menschen für die Opfer der Naturkatastrophe 2011 und beim weiteren Wiederaufbau.

Heisei Tenno Akihito am 17. April 2011 (Foto: pd)
Der Tenno im April 2011 (Foto: pd)

Er hoffe, dass sich die Bürger gegenseitig unterstützen werden, um die gegenwärtigen Schwierigkeiten zu überwinden und die Lektionen aus den Katastrophen genutzt würden, um den Katastrophenschutz zu verbessern.

Auch drückte er sein Mitgefühl für die einstigen Bewohner der Präfektur Fukushima, die in ihren Übergangshäusern einen harten Winter zu überstehen hätten.

Japan befinde sich seit der Fukushima-Katastrophe in einer schwierigen Situation, doch er habe den Wunsch, dass die Herzen der Menschen immer bei den Betroffenen seien und man sich gegenseitig unterstütze.

Er endete seine Neujahrsbotschaft mit der Aussage, es sei seine Hoffnung, dass das neue Jahr für die Menschen in Japan und alle Menschen weltweit besser werde, auch wenn es nur ein wenig sei.

Senkaku-Problematik bleibt im neuen Jahr Thema: Die Streitigkeiten zwischen Japan und seinen Nachbarstaaten haben sich erwartungsgemäß nicht über Nacht gelöst, deshalb fassen wir auch heute an dieser Stelle die aktuellen Meldungen zum Thema zusammen.

Japanische Nationalflagge (Originalfoto: Toshihiro Oimatsu cc-by)
Japanische Nationalflagge (Originalfoto: Toshihiro Oimatsu cc-by)

Senkaku-Schutz durch Ruheständler und alte Schiffe: Japans Küstenwache erwägt die Wiedereinstellung pensionierter Mitarbeiter und die Nutzung alter Schiffe, da man andernfalls die Aktivitäten der chinesischen Schiffe nicht ausreichend überwachen könne. Gegenwärtig verfüge man über 12.671 Mitarbeiter (März 2012).

Chinesische Schiffe erreichen Aufenthaltsrekord: Im Jahr 2012 haben chinesische Schiffe insgesamt 91 Tage im Grenzgebiet zu Japans Gewässern, oder innerhalb des Hoheitsgebiets verbracht. Damit ist die Zahl siebenmal höher als im Vorjahreszeitraum.

Insgesamt 23 Tage davon operierten die Schiffe in den Gewässern um die Senkaku-Inselkette, die von Japan verwaltet wird.

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