Start Aktuelles Japan aktuell: Manipulationsvorwurf bei Strahlungsmessung in der Präfektur Fukushima

Japan aktuell: Manipulationsvorwurf bei Strahlungsmessung in der Präfektur Fukushima

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Minamisoma: Private Messung am 4. November 2011 (Foto: osaMu cc-by)
Bürger vertrauen auf eigene Messungen (Symbolbild Foto: osaMu cc-by)
Minamisoma: Private Messung am 4. November 2011 (Foto: osaMu cc-by)
Regierung soll bei Strahlungsmessungen gepfuscht haben (Symbolbild Foto: osaMu cc-by)

Eine sichere Rückkehr in Gebiete, die zuvor von der Nuklearkatastrophe besonders stark betroffen waren, ist nur bei niedrigen Strahlungswerten möglich.

Wenn aus der Präfektur Fukushima heute gemeldet wird, dass entsprechende Daten möglicherweise manipuliert wurden, setzt dies auch die Glaubwürdigkeit der Behörden herab.

Weitere Fukushima News befassen sich mit einem Rückschlag in der Landwirtschaft.

Doch gibt es neben der Situation in Fukushima aktuell weitere Themen, etwa im Zusammenhang mit der Umweltschutzorganisation Sea Shepherd. Einzelheiten auch heute wieder im Spreadnews Japan-Ticker vom 9. Oktober 2012.

Unsere heutigen Themen:

  • Privatorganisation vermutet Manipulation von Fukushima-Messwerten
  • Fukushima-Tabak überschreitet Grenzwerte
  • Suche nach Todesopfern in Tsunami-Ortschaft beginnt
  • Cloud Computing soll Patientendaten nach Katastrophen sichern
  • IWF-Treffem zum Katastrophenschutz in Sendai
  • Deutscher Sea Shepherd-Aktivist in Japan verhaftet
  • Schiffe und Boykott im Senkaku-Inselstreit
    • Neunter Tag von Chinas Präsenz nahe Senkaku-Inseln
    • Besorgnis nach IWF-Boykott durch Chinas Großbanken
    • Japans Exporte leiden unter Inselstreit
    • Keidanren-Chef macht Japan für Spannungen verantwortlich
    • Politiker Hashimoto wegen Inselstreit-Aussagen in der Kritik


Privatorganisation vermutet Manipulation von Fukushima-Messwerten:
Eine unabhängige Organisation hegt den Verdacht, das Wissenschaftsministerium habe die Strahlungsmessungen in der Präfektur Fukushima verfälscht, um Messwerte präsentieren zu können, die unterhalb der tatsächlich vorhandenen Messung liegen.

Derartige Aktionen von Privatpersonen, die teils deutlich höhere Werte als die der offiziellen Zahlen ergeben, sind nicht neu, doch ihre tatsächliche Aussagekraft und Richtigkeit wird in der Regel von keiner offiziellen Stelle bestätigt, so dass sie sich vornehmlich auf privaten Webseiten finden.

Jetzt griff die Asahi Shimbun die Behauptungen der „Association for Citizens and Scientists Concerned About Internal Radiation Exposures“, eine Vereinigung von Bürgern und Wissenschaftlern, die sich mit dem Thema der Strahlungsbelastung befasst, auf.

Die Organisation berichtete am Freitag, dass die diesjährige Untersuchung der Luftwerte eine radioaktive Belastung gezeigt habe, die durchschnittlich 10 bis 30 Prozent höher liegt, als die offiziellen Angaben des Wissenschaftsministeriums. In einigen Gebieten sei die Diskrepanz noch frappierender gewesen, heißt es.

Als Grundlage ihres Vorwurfs dienen Messungen, die sie an den gleichen 100 Kontrollstellen, die vom Ministerium in der ganzen Präfektur eingerichtet worden waren, durchführten. Zusätzlich ermittelten sie die Strahlungswerte die jeweils zehn Meter entfernt lagen – und maßen dabei Belastungen die 40 bis 50 Prozent über den Werten der Regierung lagen.

Auf einer Pressekonferenz in Tokyo fasste der emeritierte Physikprofessor Katsuma Yagasaki die Besorgnis der Gruppe zusammen. Man befürchte, dass das Ministerium entweder durch gezielte Dekontamination der Gebiete um die Messpunkte herum, oder durch eine Manipulation der Zahlen versucht habe, niedrigere Messwerte zu erhalten.

Ein Mitarbeiter der Atomkatastrophenabteilung des Ministeriums für Bildung, Kultur, Sport, Wissenschaft und Technologie (MEXT) wies die Vorwürfe zurück und machte auf den Umstand aufmerksam, dass auf der Präfekturwebseite die Informationen, welche Gebiete in Nähe der Messpunkte dekontaminiert wurden, öffentlich verfügbar seien.

Fukushima-Tabak überschreitet Grenzwerte: Fast zwei Wochen hatten Japans Tabakfarmer in der Präfektur Fukushima auf die Untersuchungsergebnisse für die erste Tabakernte seit der Nuklearkatastrophe gewartet (Spreadnews berichtete am 26. September 2012). Nun hat das Ergebnis harte Konsequenzen für sie.

Wie Japan Tobacco heute mitteilte, überschreiten mit 110,7 Becquerel pro Kilogramm die in Tabakproben festgestellten Werte an radioaktivem Cäsium den gesetzlichen Grenzwert von 100 Becquerel pro Kilogramm. Nun wird JT den Kauf von 4,5 Tonnen Tabak bei Landwirten in Shirakawa absagen.

Nach Angaben des Konzerns lagen die Werte in anderen Regionen der Präfektur unterhalb des vorgeschriebenen Limits. Wie die jiji meldet, ist dies das erste Mal, dass die Untersuchungsergebnisse des Konzerns über dem zulässigen Wert liegen.

Suche nach Todesopfern in Tsunami-Ortschaft beginnt: Die Zahl der Todesopfer durch das Tohoku-Erdbeben und den Tsunami vom 11. März 2011 ist bereits jetzt groß – nun könnte sie noch weiter ansteigen, da gestern erstmals schweres Gerät bei den Arbeiten in Nagatsura, einem Bezirk von Ishinomaki (Präf. Miyagi) eingesetzt werden konnte.

Das Gebiet war seit März vergangenen Jahres überflutet und konnte zunächst nicht durch das Abpumpen von Wasser trockengelegt werden, da unter anderem das Gelände durch die Katastrophe abgesackt war. Erst die Fertigstellung eines 1,3 Kilometer langen Dammes, im Juni diesen Jahres, hatte die Trockenlegung ermöglicht.

Nun soll bis März kommenden Jahres eine Fläche von 106 Hektar nach den Überresten von 80 Todesopfern, darunter 74 Kinder, und 23 Personen, die offiziell noch als vermisst gelten, durchsucht werden. Gestern begannen die ersten 30 Helfer, darunter Präfekturpolizisten und Angestellte des Schulrats mit der Suche, berichtet die Mainichi Shimbun.

Cloud Computing soll Patientendaten nach Katastrophen sichern: Nachdem der Verlust von Patientendaten durch das Tohoku-Erdbeben die medizinische Hilfe schwierig gemacht hatte, soll nun ein neues System mehr Sicherheit bringen. Hierfür wird das nicht unumstrittene Konzept des Cloud Computing benutzt. Grundprinzip aller Systeme ist die Ablage von Patientendaten auf Backup-Servern im Inland, wo sie nicht durch Tsunami gefährdet sind – ein Modell das bereits in Katastrophengebieten erprobt ist.

Die Naturkatastrophen 2011 führten  allein in der Präfektur Miyagi verloren 90 Prozent aller medizinischen Einrichtungen in der Präfektur ihre medizinischen Aufzeichnungen. Beispielsweise suchten nach der Zerstörung des  Shizugawa-Krankenhauses in Minamisanriku insgesamt 300 bis 400 Patienten pro Tag Hilfe in den Evakuierungszentren – die meisten davon mit chronischen Krankheiten wie Diabetes.

Angesichts dieser Folgen der Katastrophe hat die Ärztekammer gemeinsamen mit der Universität Tohoku und weiteren Stellen, das „Miyagi Medical and Welfare Information Network„, geschaffen. In Ishinomaki und Kesennuma sollen ab kommendem Frühling insgesamt 50 Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen und Apotheken miteinander vernetzt werden.

Das 1,39 Milliarden Yen teure Projekt, dass durch Zuschüsse der Regierung finanziert wird, ermöglicht es jeder Einrichtung, die elektronischen Aufzeichnungen neben den eigenen Rechnern, auch auf Backup-Servern im Inland, weit entfernt von riskanten Küstengebieten, zu speichern.

Das Ministerium für Gesundheit, Arbeit und Soziales (MHLW) will noch in diesem Fiskaljahr ein Netzwerk schaffen, in dem ein Dutzend medizinischer Einrichtungen im ganzen Land, auf die Daten eines Krankenhauses zurückgreifen können. Die Regierung deckt etwa die Hälfte der Projektkosten ab.

Der leichte Zugriff auf die Daten führt jedoch auch zu Angst vor Missbrauch und der Manipulation durch Cyberkriminelle. Als Sicherheitsmaßnahmen werden ein regelmäßiger Wechsel von Passwörtern, oder die Einführung biometrischer Sicherheitsmaßnehmen erwogen, berichtet die Yomiuri Shimbun.

IWF-Treffem zum Katastrophenschutz in Sendai: Anlässlich des Treffens der Vertreter des internationalen Fährungsfonds IWF und der Weltbank, begann am heutigen Dienstag in der japanischen Stadt Sendai ein zweitätiger „Sendai-Dialog“, in dem Erkenntnisse aus den Naturkatastrophen des letzten Jahres geteilt und Maßnahmen zur Vorbereitung auf Katastrophen ausgearbeitet werden sollen.

Neben Tatsuo Hirano, Minister für Wiederaufbau, sprachen auch zwei Schülerinnen der Sendai High School über ihre Erfahrungen der Evakuierung und Mahmoud Mohieldin, Direktor der Weltbank erklärte, wirtschaftliche Hilfen für Entwicklungsländer müsse auch Katastrophenpräventionsmaßnahmen umfassen.

Als Beispiel für den Erfolg richtigen Katasttrophentrainings wurde wieder einmal das „Wunder von Kamaishi“ bemüht. Dort hatten Schüler sich durch das Konzept des „Tendenko“ – die sofortige Selbstevakuierung in höhere Gebiete – in Sicherheit gebracht, so dass nur fünf der insgesamt 2.900 Schüler starben

Für den morgigen Mittwoch ist ein Besuch von Vertretern der japanischen Regierung und der Weltbank in den Katastrophengebieten geplant. Über den Sendai-Dialog berichteten NHK, Kyodo und jiji.

Deutscher Sea Shepherd-Aktivist in Japan verhaftet
: Am Montag war der 25 Jahre alte Nils  Greskewitz im bekannten Walfanghafen Taiji (Präf. Wakayama) festgenommen worden. Ihm wird vorgeworfen, die Statue eines Walfängers in einem Park der Stadt beschädigt zu haben, indem er durch sein Körpergewicht dessen Harpune verbog.

Er sei er am selben Tag bereits zuvor dabei gesehen worden, wie er mit Kollegen um das Denkmal herumgegangen war. Am Abend hätten Zeugen dann beobachtet, wie er an der Statue hochgeklettert sei. Bei seinen vier Begleitern soll es sich ebenfalls um Mitglieder von Sea Shepherd handeln.

Der seit Freitag eingereiste Greskewitz sagte gegenüber der Polizei, er habe nicht die Absicht gehabt, die Statue zu beschädigen.

Seit im September die Jagdsaison für Wale und Delfine begann, ist die Polizei von Taiji besonders aufmerksam, da sich die militanten Umweltschützer während der Saison für gewöhnlich im dortigen Hafen aufhalten und die Walfangaktivitäten beobachten. Hierüber berichteten Kyodo und NHK.

Der Aktivist wird nun vermutlich 48 Stunden lang festgehalten, bevor entschieden wird, ob es zu einer Klage kommt. Das japanische Recht ermöglicht eine vorübergehende Festnahme von bis zu 23 Tagen ohne Anklageerhebung.

Schiffe und Boykott im Senkaku-Inselstreit: Das Belauern durch chinesische Schiffe dauert weiter an und auch wirtschaftlich stellt China sich stur, stellt sich somit gegen die von Japan signalisierte Gesprächsbereitschaft. Die aktuellen Ereignisse im Streit um die Senkaku-Inselkette jetzt zusammengefasst.

Schiff der japanischen Küstenwache (Foto: pd)
Japans Küstenwache sichtet zum neunten Tag in Folge Chinas Schiffe (Foto: pd)

Neunter Tag von Chinas Präsenz nahe Senkaku-Inseln: Am Montag waren vier chinesische Patrouillenschiffe in die Grenzzone vorgedrungen, hatten diese nachts wieder verlassen und waren am heutigen Dienstag gegen 7:30 Uhr dort wieder erschienen.

Am Nachmittag wurden weitere vier chinesische Schiffe gesichtet, die gegen 15:00 Uhr die Zone wieder verliessen. Am heutigen Nachmittag folgte dann auch ein taiwanesisches Schiff, das sich jedoch offenbar auch zurückzog.

Besorgnis nach IWF-Boykott durch Chinas Großbanken: Chinas staatliche Banken werden, wie zuvor angekündigt, nicht an dem heute begonnenen Treffen der Finanzvertreter aus 188 Ländern teilnehmen. Dies sei ein Protest gegen Japans Haltung im Inselkonflikt und nach chinesischen Angaben ein Beispiel dafür, wie Japans Verhalten die Beziehungen schädige.

Während Besorgnis herrscht, ob der Boykott möglicherweise Auswirkungen auf das Ergebnis des bis Sonntag dauernden Treffens herrscht, wird erwartet, dass zumindest Vertreter des chinesischen Finanzministeriums und der Hauptbank an der Veranstaltung teilnehmen.

Japans Exporte leiden unter Inselstreit: Die Äpfel der Präfektur Aomori sind berühmt und machten etwa 90 Prozent der nach China exportierten japanischen Äpfel aus. Im Jahr 2010 exportierte die Präfektur 405 Tonnen. Im Jahr 2011 waren es nur noch 155 Tonnen, aufgrund von Chinas Importbeschränkungen nach dem AKW-Unglück von Fukushima. Nun hoffte man auf eine Lockerung der Beschränkungen, doch diese wurden durch den Inselstreit zunichte gemacht.

Auch die Autombilindustrie beklagt Einbußen auf dem chinesischen Markt. Toyota nmeldet dort einen Rückgang von 48,9 Prozent zum Vorjahr, während Honda Motors einen Verlust von 40,5 Prozent erlitt. Am glimpflichsten kam bislang Nissan Motors davon und verbuchte in China Einbußen von 35,3 Prozent.

Keidanren-Chef macht Japan für Spannungen verantwortlich: Wenn Hiromasa Yonekura, Vorsitzender von Japans wichtigstem Wirtschaftsverband Keidanren erklärt, Japan sei für die Spannungen mit China verantwortlich, dann klingt dies wie ein Schlag ins Gesicht.

Yonekura rechtfertigte seine Äußerungen, indem er ausführte, der Kauf der Senkaku-Inseln selbst sei nicht schlecht gewesen. Nachteilig und Grund der Spannungen ist seiner Ansicht nach jedoch der Umstand, dass Japan sein Vorgehen nicht in einer, für China verständlichen Weise, erklärt habe. Die Angelegenheit müsse schnell gelöst werden.

Politiker Hashimoto wegen Inselstreit-Aussagen in der Kritik: Toru Hashimoto, dessen politische Ortsgruppe den Sprung zur Gründung der Partei „Nippon Isshin no Kai“ geschafft hat, ist für seine extrem nationalistischen Äußerungen bekannt. Mit seinen jüngsten Aussagen – die Senkaku und Takeshima seien zwar japanisches Gebiet, sollten jedoch, ebenso wie die Ressourcen des Gebiets von Nachbarländern gemeinsam verwaltet werden – trifft er von allen beteiligten Seiten auf Kritik.

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