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Japan aktuell: Meereslebewesen um AKW Fukushima verschwunden

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Meereslebewesen vor Fukushima-Küste verschwunden (Symbolfoto: pd)
Meereslebewesen vor Fukushima-Küste verschwunden (Symbolfoto: pd)
Meereslebewesen vor Fukushima-Küste verschwunden (Symbolfoto: pd)
Meereslebewesen vor Fukushima-Küste verschwunden (Symbolfoto: pd)

In welchem Umfang sich Radioaktivität auf Lebewesen auswirkt, ist noch nicht bei allen Spezies geklärt und so besteht grundsätzlich die Möglichkeit, das manche  Arten deutlich sensibler reagieren als andere. Vielleicht haben Wissenschaftler nun eine derartige Entdeckung in der Nähe des AKW Fukushima gemacht.

Dabei sind die möglichen Umweltschäden durch die Anlage in der Präfektur Fukushima heute nicht das einzige Thema, denn auch mit der Aufklärung bislang ungelöster Umstände und neuen Einschätzungen zu einer möglichen Prävention der hohen Strahlungsbelastung befassen sich die Meldungen zum AKW Fukushima aktuell.

Wer Interesse daran hat zu erfahren, wie ausländische Helfer mit der ständigen Bedrohung durch die Radioaktivität während ihrer Arbeit umgingen, dem sei die heutige neunte Folge unserer Serie: „Katastrophenhelfer in Japan: Die Gefahr der Radioaktivität“ empfohlen.

Einzelheiten zu den Fukushima News und weitere Meldungen jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 27. März 2013.

Unsere heutigen Themen:

  • Meeresschneckenart nahe AKW Fukushima verschwunden
  • Fukushima-Zwischenbericht nennt AKW-Prävention unzureichend
  • Verdreifachung der Todeszahlen bei evakuierten Fukushima-Senioren
  • NRA will offene Enden der Fukushima-Krise klären
  • Schulbücher sorgen um Senkaku und Takeshima für Spannungen
    • Japans neue Schulbücher schüren Territorialkonflikt
    • China und Südkorea verägert über neue Schulbücher

Meeresschneckenart nahe AKW Fukushima verschwunden: Möglicherweise sind nun in der Präfektur Ibaraki Folgen der Fukushima-Katastrophe auf das Ökosystem aufgetreten – auch wenn diesbezüglich noch keine Sicherheit für einen kausalen Zusammenhang gegeben ist.

Die Felsschnecken, die ein etwa drei Zentimeter langes Gehäuse aufweisen, leben an Riffen und erstrecken sich über weite Teile der japanischen Küstenlinie, sogar bis zur nördlichsten Hauptinsel Hokkaido. Doch in einem 30 Kilometer langen Küstenstreifen entlang der Präfektur Fukushima fehlt diese Schneckenart nun völlig.

Zwischen April und August 2012 hatten ein nationales Forschungsinstitut im Bereich der Strahlungsmedizin (NIRS) sowie andere Einrichtungen, den Lebensraum von Felsschnecken entlang der Pazifikküste von Japans größter Hauptinsel Honshu an insgesamt 43 Stellen untersucht.

Zu den untersuchten Gebieten gehörten etwa Kuji (Präf. Iwate), innerhalb der Tohoku-Region, als auch Tateyama (Präf. Chiba) im Großraum Tokyo. An insgesamt 16 der Kontrollorte konnten keine Felsschnecken festgestellt werden.

Zu diesen gehörten acht aufeinanderfolgende Bereiche, die sich von der völlig evakuierten Stadt Futaba, die unmittelbar nördlich des AKW Fukushima Daiichi liegt, über  30 Kilometer bis nach Hirono erstrecken. Diese Gebiete waren sowohl von der Fukushima-Katastrophe, als auch vom Tsunami des 3/11 betroffen.

Da jedoch selbst an der Küste vor Ortschaften wie Minamisoma, die schwer vom Tohoku-Tsunami 2011 getroffen worden waren, Populationen nachgewiesen werden konnten, ist es unwahrscheinlich, dass der Tsunami die einzige Ursache für das Fehlen  der Tiere dort ist.

Deshalb seien wissenschaftliche Versuche notwendig, um die möglichen Auswirkungen radioaktiven Materials auf Felsschnecken zu untersuchen, erklärte Toshihiro Horiguchi, Experte für Ökotoxikologie und leitendes Forschungsmitglied am NIRS laut einem Bericht der Asahi Shimbun.

Fukushima-Zwischenbericht nennt AKW-Prävention unzureichend: In seinem heutigen Zwischenbericht kommt auch der Untersuchungsausschuss, der von der japanischen Atomenergiegesellschaft (AESJ) zur Untersuchung der Fukushima-Katratrophe eingesetzt worden war zu dem Schluss, dass die Maßnahmen zur Verhinderung eines schweren Störfalls unzureichend waren.

AKW Fukushima Reaktor 01 am 12. März 2011 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima Reaktor 01 am 12. März 2011 (Foto: TEPCO)

Die bislang einzige Abweichung zu den Berichten anderer Kommissionen ist,  dass es dort heisst, zumindest die Freisetzung großer Mengen radioaktiven Materials in die Umwelt hätte verhindert werden können, wäre die Anlage sicherheitstechnisch in vollem Umfang vorbereitet gewesen.

Die Katastrophe sei daher vor allem das Resultat von Arroganz und Überschätzung der Kraftwerkssicherheit durch den Betreiber TEPCO gewesen. Teil des neuen Zwischenberichts, über den jiji und NHK berichteten, ist die Befragung von 289 Personen, von denen 35 Prozent  gültige Angaben machten und diese Einschätzung ebenfalls teilten.

Über den Ablauf der Katastrophe bietet der Bericht keine neuen Erkenntnisse. Er könne jedoch die Grundlage für weitere Untersuchungen bieten, so dass man später besser die technischen Umstände des Geschehens in der Anlage nachvollziehen könne, hiess es vom Ausschuss.

Der aus 40 Experten bestehende Ausschuss war von der AESJ im August vergangenen Jahres eingesetzt worden, um die Katastrophe von Fukushima aus Expertensicht – die Mitglieder stammen von Forschungseinrichtungen und Universität – beurteilen zu lassen. Ein Abschlussbericht wird Ende Dezember erwartet.

Verdreifachung der Todeszahlen bei evakuierten Fukushima-Senioren: Ergebnisse einer Forschergruppe der Universität Tokyo, die gemeinsam mit einem Krankenhaus in Minamisoma den Gesundheitszustand von 328 Senioren von fünf Pflegeeinrichtungen, die innerhalb des 30-Kilometer-Radius um das AKW Fukushima lagen und evakuiert werden mussten, sind beunruhigend.

Demnach waren innerhalb eines Jahres 75 der evakuierten Senioren gestorben. Das ist mit 2,68 fast das Dreifache der durchschnittlichen Jahresrate an Todesfällen bei Personen die seit fünf Jahren vor dem Unglück in den Einrichtungen lebten.

Dabei ist den Forschern zufolge, nicht etwa die zurückgelegte Strecke während der Evakuierung entscheidend gewesen, sondern die veränderten Umstände in der Pflege und dem persönlichen Umfeld – wie etwa Schlafverhalten und Mahlzeiten – die einen negativen Einfluss auf die Gesundheit der Senioren hatten, berichtet die NHK.

Diese Erkenntnisse sollten bei der künftigen Planung von Evakuierungen berücksichtigt und auch Notunterkünfte müssten diese Risiken künftig berücksichtigen, so die Ansicht von Professor Kenji Shibuya von der Universität Tokyo.

NRA will offene Enden der Fukushima-Krise klären: Japans Atomaufsicht NRA will einen Ausschuss aus unabhängigen Experten und NRA-Kommissionsmitglied Toyoshi Fuketa einsetzen, der noch ausstehende Punkte klären soll, die bislang trotz die Bemühungen von Regierungsstellen und privaten Untersuchungen unbeantwortet blieben.

Zu diesem Zweck werde man die Krise weiter als bislang analysieren. Einer der strittigen Punkte wird die Einschätzung sein, ob wichtige Teile der Kraftwerksanlage bereits durch das Erdbeben entscheidenden Schaden erlitten, bevor der Tsunami eintraf. Eine Neubeurteilung könnte die Sicherheitskonzepte aller AKW des Landes in Frage stellen.

Wie die NRA, soll das erste Treffen des neue Untersuchungsausschusses bereits im April erfolgen. Mit einem Beginn der Untersuchungen würde voraussichtlich Ende April begonnen. Gleichzeitig bremste die Atomaufsicht die Aussicht auf schnelle Erkenntnisse aus. Aufgrund des schlechten Zustands der Anlage, könne es Jahrzehnte dauern, bis die letzten Fragen geklärt seien.

Über die neusten Bemühungen zur Lösung der verbliebenen Rätsel um das Kernkraftwerk, dessen schwere Schäden durch den Tsunami des Tohoku-Erdbebens Japans bislang größte Atomkrise auslösten, berichtete die Kyodo.

Schulbücher sorgen um Senkaku und Takeshima für Spannungen: Die Bekanntgabe der Inhalte japanischer Schulbücher hat zu Protest bei den Nachbarstaaten geführt. Die Einzelheiten haben wir nun für Sie zusammengefasst:

Japan und Korea im Disput um Takeshima-Inseln (Grafik: spreadnews.de)
Japans neue Schulbücher sorgen für Spannungen (Grafik: pd)

Japans neue Schulbücher schüren Territorialkonflikt: Die Mehrheit der ab April kommenden Schulbücher, sechs von sieben Textbüchern zum Thema Politik und Wirtschaft, sowie zwei Geographiewerke, bezeichnen sowohl die Senkaku-Inselkette, als auch die Takeshima-Felsen als Teil Japans. In einem der Bücher wird erklärt, Südkorea habe die Takeshima nach dem Zweiten Weltkrieg besetzt.

China und Südkorea verägert über neue Schulbücher: Als Reaktion auf die Inhalte der vom japanischen Bildungsministerium vorgestellten Werke bestellte Südkorea, das Anspruch auf die Takeshima erhebt, einen japanischen Diplomaten ein um förmlich Protest einzulegen und eine Korrektur vorzunehmen.

Der Sprecher des Außernministeriums der Volksrepublik China, welche die Senkaku für sich beansprucht, brachte die Unzufriedenheit der chinesischen Regierung zum Ausdruck und erklärte, Japan müsse einen korrekten Blick auf Geschichte und Realität haben.

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