Start Aktuelles Japan aktuell: Mehr als 14 Lecks durch Frost am AKW Fukushima

Japan aktuell: Mehr als 14 Lecks durch Frost am AKW Fukushima

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Leck Durchflussmesser der Wasserpumpe zwischen Kondensatlagertank (CST) für Reaktor 3 zum Reaktor 3 (Foto: TEPCO)
Leck am Durchflussmesser zwischen Kondensatlagertank (CST) für Reaktor 2 zum Reaktor 3 (Foto: TEPCO)
Leck Durchflussmesser der Wasserpumpe zwischen Kondensatlagertank (CST) für Reaktor 3 zum Reaktor 3 (Foto: TEPCO)
Leck am Durchflussmesser der Wasserpumpe zwischen Kondensatlagertank (CST) für Reaktor 3 zum Reaktor 3 (Foto: TEPCO)

Bei der Auswertung der Ergebnisse unserer Umfrage, ob eine weitere Berichterstattung über die Folgesituation nach dem Tohoku-Erdbeben und der damit verbundenen Nuklearkatastrophe von Fukushima gewünscht ist,  kam es zu einem eindeutigen Ergebnis: Die Mehrheit unserer Leser möchte eine Weiterführung. Wir bedanken uns für das in uns gesetzte Vertrauen und entsprechen dem Wunsch der Leserschaft.

Damit steht Spreadnews definitiv besser da als TEPCO – kam der Energieanbieter doch bei einer Internet-Abstimmung des „Public Eye People’s Award“ über die „verantwortungslosesten Unternehmen„, die von Greenpeace und anderen Nichtregierungsorganisationen anlässlich des Weltwirtschaftsforums in Davos durchgeführt wurde, mit 24.245 der insgesamt 88.766 Stimmen auf Platz zwei.

Doch genug der Vorrede, hier also auf vielfachen Wunsch der Spreadnews Japan-Ticker vom 30. Januar 2012.

TEPCO meldet zahlreiche Lecks durch Wetterschäden: Am Sonntag meldete TEPCO insgesamt habe man 14 Stellen ausgemacht, an denen es an den Leitungen für Kühlwasser zu Lecks und undichten Stellen gekommen sei. Verantwortlich hierfür werden Temperaturen unter dem Gefrierpunkt gemacht, die das Wasser in den größtenteils aus Schläuchen und Rohren ohne Wärmedämmung bestehenden Kühlsystem zum gefrieren brachten, was dann die Schäden verursacht habe. Das berichten die Mainichi Shimbun sowie die jiji. Die radioaktive Belastung des Wassers sei gering und auch Kontakt zum Meer sei unwahrscheinlich.

Leck an Brauchwasserpumpe an der Entsalzungsanlage am 29.o1.2012 (Foto: TEPCO)
Leck an Brauchwasserpumpe an der Entsalzungsanlage am 29.o1.2012 (Foto: TEPCO)

Allerdings musste in Folge am Sonntag die Kühlung am Abklingbecken von Reaktor 4 für insgesamt zwei Stunden unterbrochen werden. Dort seien etwa 40 Liter sauberes Wasser, sowie an anderer Stelle schätzungsweise 600 Liter dekontaminiertes Wasser herausgelangt. Die Temperatur im Abklingbecken sei jedoch fast konstant bei  21 Grad Celsius geblieben. Die NISA forderte den Betreiber des AKW Fukushima Daiichi dazu auf, die Ursachen genauer zu ermitteln und geeignete Gegenmaßnahmen gegen weitere Kältelecks zu ergreifen.

Rauchentwicklung in Fukushima-Schaltkasten: Gegen 11:13 Uhr Ortszeit meldete ein Arbeiter, dass Rauch aus dem Schaltkasten drang, als er die Tür zum Kellergeschoss des Kontrollgebäudes für die Reaktoren 1 und 2 öffnete. Wenige Minuten später überprüfte ein weiterer Arbeiter die Situation und konnte jedoch keine Brandentwicklung feststellen. Um 11:48 Uhr wurde der Zwischenfall der Feuerwehrzentrale gemeldet. Eine Überprüfung durch diese blieb jedoch ergebnislos, offenbar habe es kein Feuer gegeben. Während dieses Vorfalls sei es nicht zu Auswirkungen auf die Umwelt durch Radioaktivität gekommen, berichtet der Fukushima-Betreiber TEPCO.

Erdbeben der Stärke 5,4 und 4,7 in Yamanashi: Die Erde kommt in Japan nicht zur Ruhe. Nachdem es in der Präfektur Yamanashi erst am Samstagmorgen um 7:43 Uhr Ortszeit zu einem Beben der Stärke 5,4 gekommen war, ereignete sich nur einen Tag später, am Sonntagnachmittag gegen 16:46 Uhr in der selben Präfektur ein weiteres Erdbeben, dessen Stärke mit 4,7 angegeben wird.

Die Erschütterungen des Bebens waren auch in den Präfekturen Kanagawa und Shizuoka und dem Großraum Tokyo zu spüren. Eine Tsunami-Warnung erfolgte nicht. Auch Meldungen über Verletzte oder bauliche Schäden gab es unmittelbar nach dem Erdbeben nicht. Entsprechende Meldungen gab es von den Nachrichtenagenturen Kyodo und jiji.

Moderne Messgeräte für Lebensmittel benötigt: Um die örtlichen Verwaltungen im ganzen Land besser auf die ab April geltenden höheren Sicherheitsstandards vorzubereiten, will nach Meldung der NHK, das japanische Gesundheitsministerium die Hälfte der Kosten für die Einrichtung genauerer Messgeräte bei örtlichen Behörden durch Bezuschussung übernehmen.

Da die bisher genutzten Geräte entweder nicht in der Lage sind, Werte unter 25 Becquerel an radioaktivem  Cäsium zu messen, oder für diesen Vorgang zu lange brauchen, ist die Verwendung modernerer Geräte notwendig um die Einhaltung der neuen Standards zu gewährleisten.

Demnach dürfen allgemeine Nahrungmittel nur noch 100 Becquerel Cäsium pro Kilogramm aufweisen. Für Milch und Kindernahrung gilt ein Grenzwert von 50 und bei Trinkwasser ein Limit von 10 Becquerel. Die neuen Richtlinien sehen zudem vor, falls die Hälfte der zulässigen Maximaldosis in einem Produkt nachgewiesen wird, sollen genauere Nachmessungen und Überwachung erfolgen.

Atomkraftgegener verweigern weiterhin Räumung: Industrieminister Yukio Edano hatte am Dienstag vergangener Woche die Atomkraftgegner, die seit September vor dem Gebäude des Ministeriums für Wirtschaft, Handel und Industrie protestieren und dabei auch Zelte aufbauten, auf einer Pressekonferenz deren Rückzug gefordert.

Tokyo: Demonstration von Atomkraftgegnern am 11.06.2011 Foto: KJ
Tokyo: Demonstration von Atomkraftgegnern am 11.06.2011 Foto: KJ

Offizieller Grund ist die Feuergefahr im Regierungsviertel, nachdem es durch einen mit Benzin betriebenen Generator zu einem kleinen Brand im Aktivistenlager gekommen war.

Die Aktivisten liessen jedoch eine dann gesetzte Frist, der zufolge sie bis Freitag 17:00 Uhr ihre Zelte abbrechen sollten verstreichen und erklärten stattdessen, man werde die Zelte dort erst abbrechen, wenn die Regierung zusichere, dass derzeit ruhende Reaktoren nicht wieder den Betrieb aufnehmen. Das Ministerium erklärte, man werde die Protestierenden nicht gewaltsam zur Räumung zwingen, da es hierfür auch keine rechtliche Handhabe gebe,  jedoch die schriftliche Bitte wiederholen, so eine Meldung der Kyodo.

Temporäre Rückkehr in Sperrzone erlaubt: Zum dritten Mal wurde es früheren Bewohnern von Städten und Ortschaften in 2o Kilometer Sperrzone erlaubt, unter Aufsicht in ihre Häuser zurückzukehren um dort Dokumente und Dinge von persönlichem Wert zu sichern, sowie Familiengräber zu besuchen.  Insgesamt 195 Personen aus Tamura kamen am gestrigen Sonntag – und erstmals durften auf vielfachen Wunsch auch zurückgebliebene Tiere evakuiert und wieder mitgenommen werden.

Auch wenn dabei diesmal keine Tiere gefunden wurden, gab es jedoch eine weitere Neuerung, denn erstmalig wurden die Besucher beim verlassen des Sperrgebiets einer Art Schnellmessung unterzogen, bei der sie nicht einmal das Auto verlassen mussten, berichtet die Mainichi Shimbun.

Kawauchi will Einwohner zurückholen: Während nach Meldung der Nachrichtenagentur Kyodo das Forschungsinstitut für Bahntechnik in einer Befragung feststellte, dass unmittelbar nach dem Tohoku-Erdbeben etwa 34 Prozent der Menschen in Tokyo zu Fuß nach Hause zurückkehrten, ohne auf die Wiederherstellung öffentlicher Transportmittel zu warten,  will der Ort Kawauchi in der Präfektur Fukushima nun am morgigen Dienstag tatsächlich eine offizielle Erklärung herausgeben, in der sie  evakuierte Einwohner ermuntert, wieder in ihren Heimatort zurückzukehren.

Die Verwaltung von Kawauchi wird im April wieder zurückkehren, dann sollen auch öffentliche Schulen und ein örtlich verwaltetes Krankenhaus wieder öffnen. Kawauchi ist damit die erste von neun Dorfgemeinden, in der die Verwaltung nach der Evakuierung wieder in ihren ursprünglichen Sitz zurückkehrt, berichtet die Yomiuri Shimbun. Man hoffe durch diesen Schritt auch die anderen Einwohner zur Rückkehr zu ermutigen.

Regierungspläne für Katastrophengebiete: Die Internationale Atomergiebehörde IAEA erwägt nach einer aktuellen Bitte von Yuhei Sato, Gouverneur der Präfektur Fukushima und einer ähnlichen Anfrage des Außenministers Koichiro Gemba im Dezember des Vorjahrs, die Einrichtung eines Büros in der Präfektur Fukushima, berichten etwa NHK und Mainichi.

Um eine Niederlassung gänzlich anderer Art bemüht sich dagegen Umweltminister Goshi Hosono, der am Samstag erklärte, die Regierung in Tokyo werde weiterhin versuchen die örtlichen Behörden der Präfekturen davon zu überzeugen, die Lagerung von radioaktiv belastetem Schutt auf ihrem Gebiet zu erlauben. Diesbezüglich gibt es vielerorts Vorbehalte wegen der Sorge möglicher Sicherheitsrisiken.

Industrieminister Yukio Edano versucht wiederum, den Bürgern in Japan die Vermietung ihrer Dachflächen an Unternehmen schmackhaft zu machen. Bei der Hausdach-Vermietung erhalten die Eigentümer Zahlungen, während die Unternehmen die nötigen Geräte zur Verfügung stellen und durch die Einspeisung der gewonnenen Energie ins Stromnetz Gewinne erzielen.

Die bislang übliche Möglichkeit für Bürger, ihre eigenen Solarzellen anzubringen und durch die Einspeisung in das Stromnetz einen Verdienst zu erzielen, waren aufgrund der hohen Kosten für den Hauseigentümer beim Kauf der Anlage und der Zeit, bis sich die Anschaffung spürbar rentiert, wenig populär.

Das Hausdach-Vermietungsmodell ist laut Asahi Shimbun Teil der Regierungsstrategie, die Nutzung von Solarenergie zu fördern. Entsprechende Bestimmungen die etwa die Zahlungen regeln, sollen künftig unter anderem durch das Gesetz für erneuerbare Energie abgedeckt werden.

Giftgas-Sektenanhängerin offiziell angeklagt: Die Staatsanwaltschaft von Tokyo hat nun offiziell Anklage gegen die 49 Jahre alte Akemi Saito erhoben. Sie war zusammen mit Makoto Hirata, beide Mitglieder der Sekte Omu Shinrikyo fast 17 Jahre lang auf der Flucht gewesen, bevor sich beide nacheinander den Behörden stellten (Spreadnews berichtete).

Ihr wird vorgeworfen Hirata, der polizeilich gesucht wurde, zwischen Anfang Mai 1997 bis zum Neujahr 2012 in ihrer Wohnung in Higashi-Osaka versteckt gehalten zu haben. Unter Bezug auf mit den Ermittlungen vertrauten Quellen berichtet die Nachrichtenagentur jiji, Akemi Saito habe eingeräumt, dass ihr die Tatsache, dass nach Hirata gefahndet wurde, bekannt gewesen sei und bestätigte damit die ihr zur Last gelegte Tat.

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