Start Aktuelles Japan aktuell: Mehrheit der Fukushima-Einwohner fürchtet Zukunft mit Radioaktivität

Japan aktuell: Mehrheit der Fukushima-Einwohner fürchtet Zukunft mit Radioaktivität

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Japans Kinder (Symbolfoto: Michael Rhys cc-by)
Stresspegel von Müttern und Kindern nach Fukushima-Katastrophe untersucht (Symbolfoto: Michael Rhys cc-by)
Japans Kinder (Foto: Michael Rhys cc-by)
Fukushima-Einwohner fürchten um ihre Kinder (Foto: Michael Rhys cc-by)

Trotz der Beteuerungen zur geringen Gefährdung durch Strahlung, die im Großteil der Präfektur Fukushima heute gegeben sei, sorgen sich die Einwohner um die Zukunft ihrer Kinder.

Welche Auswirkung die dortige Reaktorkatastrophe tatsächlich haben wird, muss sich zeigen. Manche Personen, welche die Evakuierung nicht überlebten, werden dies nicht mehr erleben.

Deshalb zählen zu den Themen, die im Zusammenhang mit der Anlage in Fukushima heute berichtet werden, auch Entschädigungsklagen gegen den Betreiber. Diese und weitere Meldungen jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 11. Juni 2013.

Unseren heutigen Themen:

  • Mehrheit der Fukushima-Bewohner fürchtet um Kinder
  • TEPCO wegen Tod von Patienten verklagt
  • Ursache für Problem an Fukushima-Zugangstor entdeckt
  • NRA folgt Betreiber-Einschätzung zum AKW Oi
  • Ausgaben von zehn Milliarden für AKW-Stand-by
  • Hachiko-Statue in Katastrophengebiet aufgestellt

Mehrheit der Fukushima-Bewohner fürchtet um Kinder: Eine Befragung von 180.000 Personen im Alter ab 16 Jahren, die sich zum Zeitpunkt der Reaktorkatastrophe in der Nähe befanden, ergab zwischen Januar und Oktober 2012 insgesamt 73.000 gültige Antworten – und ein deutliches Ergebnis zur Angst vor Radioaktivität.

Die Mehrheit der Befragten, 60,2 Prozent, gaben an, die Strahlung stelle entweder ein „extrem hohes“ ( 34,9 Prozent), oder zumindest „hohes“ (25,3 Prozent) Risiko für die Gesundheit der Heranwachsenden dar.

Wie die jiji meldet, stehen diese Daten in Kontrast zu einer Untersuchung vor sechs Jahren, die im Zusammenhang mit den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki keine genetische Übertragung der gesundheitlichen Folgen auf Nachkommen nachweisen konnten.

TEPCO wegen Tod von Patienten verklagt: Die Hinterbliebenen von vier Personen, die zum Zeitpunkt der Fukushima-Katastrophe bettlägerige Patienten waren und später starben, verklagten den Betreiber des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi auf 125 Millionen Yen.

TEPCO-Zentrale in Tokyo (Foto: Yusuke Kawasaki cc-by)
TEPCO-Hauptsitz in Tokyo (Foto: Yusuke Kawasaki cc-by)

Insgesamt 15 Familienmitglieder klagten und begründeten dies mit den Todesumständen. Die Patienten im Alter zwischen 60 und 90 seien ums Leben gekommen, da durch den Stromausfall und die Evakuierung aus dem Krankenhaus, oder die daran angegliederte Pflegeeinrichtung in Okuma (Präf. Fukushima) keine angemessene  medizinische Versorgung mehr möglich gewesen sei.

Die Regierung hat die Todesfälle, die sich zwischen dem 15. März und 18. April 2011 ereigneten, bereits als „Todesfälle mit Katastrophenbezug“ anerkannt.

Teilweise erfolgten die Evakuierungen auch verzögert und dauerten länger als gewöhnlich. So konnten etwa Patienten aus dem Krankenhaus Futaba erst am 14. März 2011 von den Selbstverteidigungsstreitkräften gerettet werden. Bei einem anderen Bustransport wurde eine Strecke von 230 Kilometern zurückgelegt, um das Kraftwerk weitläufig zu umgehen.

Dem Fukushima-Untersuchungsbericht der Regierung zufolge, war sich das Büro für Katastrophenschutz der Präfektur nicht über den ernsten Zustand der Patienten im Klaren.

Da nach Angaben der Präfekturverwaltung zwischen 11. März und 30. April 2011 insgesamt 51 Personen starben, verwundert es nicht, dass auch weitere Angehörige ebenfalls Klagen anstreben.Über die Klagen berichteten jiji und Asahi Shimbun.

Ursache für Problem an Fukushima-Zugangstor entdeckt: Am 15. Februar 2013 war bei Entladearbeiten durch den Lagerzugang am Fukushima-Reaktor 6 das geöffnete innere Zugangstor von oben hinabgekracht, ohne dass dies Auswirkungen auf das geschlossene Außentor hatte (Spreadnews berichtete am selben Tag).

Offizielles Standardfoto des Atomkraftwerks Fukushima Daiichi (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Betriebsstörung geklärt (Symbolfoto: TEPCO)

Eine Untersuchung ergab nun, dass der Sturz des Tores auf eine Fehlfunktion des Controllers aufgrund von Verschleiss zurückzuführen war, der zu einem Schaden an dem Mechanismus zum Heben und Senken des Tors führte, als ein Arbeiter den Zugang zunächst elektrisch, dann manuell bedienen wollte.

Der zuvor eingetretene Verschleiss blieb jedoch zunächst unbemerkt, da das Gerät bis zum 1. März 2012 ungenutzt geblieben war.

Als Maßnahmen wurde nun die Steuertafel ausgewechselt, die künftig über technische Maßnahmen, wie etwa eine Überlastungsstopp und eine Notfall-Stoppfunktion verfügt. Zudem wurde angeordnet, das Tor künftig nach längerem Nichtbetrieb, vor erneuter Nutzung zu kontrollieren

NRA folgt Betreiber-Einschätzung zum AKW Oi: Kansai Electric, Betreiber von Japans derzeit einzig aktivem Kernkraftwerk Oi (Präf. Fukui) reichte bei Japans Atomaufsichtsbehörde NRA neue Einschätzungen zur Sicherheit der Anlage vor, in deren Nähe drei aktive Verwerfungen verlaufen.

Das Unternehmen war trotz seiner Beteuerungen angewiesen worden, die Auswirkungen auf die Anlage zu untersuchen, die bei einer gleichzeitigen Bewegung aller drei Verwerfungen entstehen würden. Die Einschätzungen der dabei festgestellten Gebäudeschwankungen befinden sich nach Ansicht der Atomaufsichtsbehörde NRA im Genehmigungsbereich.

Auch die Berechnungen von Kansai Electric, dass eine derartige Bewegung einen Tsunami bis zu 3,68 Metern auslösen würde, wurden nach Angaben der NHK durch die Atomaufsicht anerkannt. Die Anlage des AKW Oi befindet sich 9,7 Meter über der Meeresoberfläche.

Allerdings will sich die Kontrollinstanz nicht mit den Angaben des Unternehmens zufrieden geben, sondern plant für Samstag eine Besichtigung vor Ort, sowie eine Kontrolle, ob die Sicherheitsmaßnahmen ausreichend sind, berichtet die NHK. Eine Entscheidung, ob die Anlage weiterhin betrieben werden darf, wird noch für diesen Monat erwartet.

Ausgaben von zehn Milliarden für AKW-Stand-by: Obwohl sich für das 1975 erbauten AKW Genkai (Präf. Saga) ohnehin das Ende der auf 40 Jahre beschränkten Laufzeit für einen der beiden Reaktoren abzeichnet, gibt der Betreiber Kyushu Electric jährlich etwa zehn Milliarden Yen aus, um die beiden heruntergefahrenen Reaktoren des Kraftwerks startbereit zu halten.

Japan: Japanische Yen-Banknoten (Foto: pd)
Fukushima-Evakuierung: Entschädigung für Hinterbliebene (Symbolfoto: pd)

Kernkraftwerke können eine Verlängerung der Betriebserlaubnis um 20 Jahre erhalten, wenn sie die Sicherheitsbestimmungen erfüllen und nach Meldung der Mainichi Shimbun kalkuliert Kyushu Electric, eine solche zu erhalten.

Man wartet also die Entscheidung ab und riskiert so, weitere Instandhaltungskosten möglicherweise zu verschwenden, wenn die Erlaubnis nicht erteilt wird.

Der Betreiber zieht eine Stilllegung nach Eigenangaben absolut nicht in Betracht, da zum einen Atomenergie mit 7,5 Yen pro Kilowattstunde eine kosteneffektivere Form der Elektrizitätserzeugung sei, als etwa Wärmekraftanlagen mit über 11 Yen pro Kilowattstunde und zum anderen, weil die Stilllegungskosten von 35,8 Milliarden bis 2015 trotz Rücklagen immer noch 3,6 Milliarden Yen betragen werden.

Kritiker wie Kenichi Oshima, Professor für Umweltwirtschaft an der Ritsumeikan-Universität, führen dagegen an, die Kosten für Anpassungen an die neuen Sicherheitsstandards, seien noch gar nicht einschätzbar und in Anbetracht der drohenden Schadensersatzforderungen bei einem Störfall, könne beim Unternehmen, das laut Fiskaljahrsbilanz 2012 bereits mit 332,47 Milliarden in den roten Zahlen steht, von Kosteneffizienz keine Rede sein.

Hachiko-Statue in Katastrophengebiet aufgestellt: Die Geschichte des treuen Hundes Hachiko, der selbst nach dem Tod seines Herrchens noch täglich am Tokyoter Bahnhof Shibuya auf dessen Rückkehr wartete, ist auch über die Grenzen Japans hinaus bekannt – ebenso wie die Statue, die sich am Bahnhof befindet.

Der treue Hund Hachiko (Foto: pd)
Hachiko nun auch in Katastrophengebiet verewigt (Foto: pd)

In Iitate (Präf. Fukushima), das nach der Katastrophe am Kernkraftwerk evakuiert werden musste, steht seit gestern ebenfalls eine Skulptur des treuen Hundes.

Die 1,6 Meter hohe Skulptur besteht aus Eisendraht und wurde, nach der Nutzung bei einer Aktion in Tokyo vor vier Jahren, an die Gemeinde übersandt.

Der dortige Standort befindet sich vor dem Eingang zu einer Pflegeeinrichtung, die nicht evakuiert worden war, da der Gesundheitszustand der Bewohner eine Flucht nicht möglich gemacht hatte.

Nach Angaben der Vereinigung, die das Bildnis gespendet hatte, symbolisiere sie den Wunsch und die Hoffnung der einstigen Einwohner, wieder nach Hause zurückzukehren.

Über die symbolträchtige Schenkung berichtete die Asahi Shimbun.

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