Start Aktuelles Japan aktuell: Mission von Ballonkamera an Fukushima-Reaktor 1 gescheitert

Japan aktuell: Mission von Ballonkamera an Fukushima-Reaktor 1 gescheitert

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Fukushima-Kameraballon auf dem Lastwagen am 8. August 2012 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Kameraballon auf dem Lastwagen am 8. August 2012 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Kameraballon auf dem Lastwagen am 8. August 2012 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Kameraballon auf dem Lastwagen am 8. August 2012 (Foto: TEPCO)

Bei den japanischen Medien bleiben die Videokonferenzen zur Krise am AKW Fukushima heute weiterhin das Hauptthema und auch private Seiten befassen sich mit den Aussagen, die in den Videos gemacht werden.

Doch gibt es vom Kernkraftwerk Fukushima aktuell ganz neue Informationen und Aufnahmen eines Kameraballons, die eine heute Untersuchung von Reaktor 1 dokumentieren.

Somit gibt es heute wieder  Fukushima News und zwar sowohl zum Höhepunkt der Krise als auch zu heutigen Entwicklungen. Diese und weitere Informationen im Spreadnews Japan-Ticker vom 8. August 2012.

Unsere heutigen Themen:

  • Fehlschlag bei Obergeschoss-Untersuchung von Fukushima-Reaktor 1 mit Ballon
  • Veröffentlichtes Videokonferenz-Material zu großen Teilen zensiert
  • Videomaterial zeigt Verzweiflung am AKW
  • Videokonferenz zeigt übereilte Informationspolitik von TEPCO
  • Strahlungsdetektor für Fukushima-Reislieferungen getestet
  • Vor den Gedenkfeierlichkeiten in Nagasaki

Fehlschlag bei Obergeschoss-Untersuchung von Fukushima-Reaktor 1 mit Ballon: Wie zuvor angekündigt, hat der Kraftwerksbetreiber TEPCO einen Ballon eingesetzt, um Aufnahmen aus dem oberen, fünften Stockwerk von Reaktor 1 zu erhalten. Nach Angaben des Betreibers hatte die Untersuchung vor allem das Ziel drei Punkte zu klären.

Von unten fotografierter Aufstieg des Fukushima-Untersuchungsballons am 8. August 2012 (Foto: TEPCO)
Von unten fotografierter Aufstieg des Fukushima-Untersuchungsballons am 8. August 2012 (Foto: TEPCO)

Zum einen sollte der Zustand der dortigen Trümmer, des Hänge-Laufkrans und der Brennstäbe-Kontrolle visuell ermittelt werden.

Desweiteren galt es die Zugangsmöglichkeit vom großen Ladeeingangs aus zur Transportluke und dem Abklingbecken für die abgebrannt Brennelemente zu überprüfen.

Zuletzt sollte auch eine Messung der Strahlungsdosis an der Öffnung derTransportluke zum Maschinenflur  erfolgen.

Insgesamt 19 Arbeiter, fünf davon TEPCO-Angestellte, die übrigen 14 Mitglieder von Partnerunternehmen waren von 13:41 Uhr bis 14:15 Uhr mit der Aufgabe beschäftigt. Die höchste Strahlungsbelastung der Arbeit betrug 1,54 Millisievert –  eingeplant waren fünf Millisievert.

Bei der Aktion wurde der ein Transporter von der großen Zufahrt aus, an das Gebäude herangefahren. Dabei agierten die Arbeiter unter einer schützenden Abdeckung.

Der Ballon, der durch eine Halteleine gesichert wurde und einen Durchmesser von drei Metern aufwies, wurde mit einer daran montierten Batterie sowie einem Sender nach oben gelassen. Am Ballon selbst, der in der Lage ist, Gerät bis zu einem Gewicht von 7 bis 9 Kilogramm zu transportieren, befanden sich die Kameras.

Fukushima-Reaktor 1: Ballon-Aufnahme vom vierten Stock am 8. August 2012 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 1: Ballon-Aufnahme vom vierten Stock am 8. August 2012 (Foto: TEPCO)

Im Rahmen der Operation stieg der Ballon durch den Lukenschacht nach oben, gelangte jedoch nicht wie geplant in das fünfte Stockwerk, da ein Hindernis, möglicherweise ein Kabel, den weiteren Aufstieg verhinderte.

Somit kann TEPCO lediglich Aufnahmen aus dem Schacht, sowie dem vierten Stockwerk vorweisen. Letztere zeigen ein Bild der Verwüstung.

Veröffentlichtes Videokonferenz-Material zu großen Teilen zensiert: Die Befürchtungen mancher, die Aufnahmen könnten aufgrund der Zensur durch TEPCO nur wenig relevantes bieten und die Forderungen nach vollständiger Veröffentlichung, haben beide ihre Bestätigung und Berechtigung gefunden.

Medienvertreter berichten davon, insgesamt weise das etwa einstündige Video, das zur Veröffentlichung freigegeben worden war, insgesamt 1.665 Stellen auf, an denen Gesprächsteile durch Piepen unkenntlich gemacht wurden und 29 Fälle von visuell verfremdeten Bildaufnahmen (mit dieser Bilanz schlägt TEPCO jede Doku-Soap).

Diese Bedingungen machen es extrem schwierig, wenn nicht sogar unmöglich zuzuordnen, welche Person die jeweiligen Aussagen tätigte, so dass wirkliche Hintergründe zu Entscheidungsträgern und Befehlskette vielfach ungeklärt bleiben werden.

Unter Berücksichtigung des Umstandes, dass das gesamte Videomaterial etwa 150 Stunden umfasst und die offiziell veröffentlichte Version etwas mehr als eine Stunde, bedeutet dies, dass der Allgemeinheit über 90 Prozent des Materials vorenthalten wird und sich bei weitergehenden Informationen auf die Angaben jener Journalisten stützen muss, die Zugang zum Material in voller Länge hatten.

Videomaterial zeigt Verzweiflung am AKW : Ausländische Medien zitieren das Material – und die Dramatik der damaligen Situation wird deutlich. Die Videosequenz vom 14. März 2011 erinnert an die bekannte Szene um den Flug von Apollo 13.

Fukushima-Reaktor 3 am 21. März 2011 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 3 am 21. März 2011 (Foto: TEPCO)

Gegen 11:00 Uhr ertönt über die Videokonferenz die Stimme von Kraftwerksleiter Masao Yoshida, der sich zu diesem Zeitpunkt am AKW Fukushima befindet, in der Unternehmenszentrale.

„Headquaters, Headquarters, we have a big problem“

Das Problem von dem er spricht, zeigt sich als er weiterredet

…es scheint, als hätten wir eine Explosion in Reaktor 3„.

Am Nachmittag zeigt eine weitere Meldung des Kraftwerksleiters Masao Yoshida die Schwierigkeiten vor Ort. Er berichtet gegenüber der TEPCO-Zentrale in Tokyo:

„Ich möchte ihnen mitteilen, dass die Angestellten sich in einem Schockzustand befinden, nachdem es ihnen nicht möglich war, die beiden Explosionen zu verhinden. Wir alle sind sehr niedergeschlagen. Wir tun was wir können, aber die Moral ist schwer angeschlagen“.

„Wir sind sehr dankbar dafür, dass Menschen unter derartig schwierigen Umständen arbeiten“ erklärte TEPCO-Präsident Shimizu, nachdem Yoshida zuvor informiert worden war,  dass das AKW Kashiwazaki-Kariwa (Präf. Niigata) angeboten habe, zehn Arbeiter zu entsenden.

In einer Diskussion am Abend erklärte Yoshida gegenüber Muto, der sich über die Strahlungswerte von 3,2 Millisievert pro Stunde besorgt gezeigt hatte, dies sei praktisch „gar nichts„, da man schon oft derartige Werte am AKW festgestellt habe. „Ich werde ihnen etwas sagen“ wird Yoshida zitiert, „Ich denke nicht mehr über die Strahlung nach“.

Die den als Fukushima 50 verklärten Arbeitern zugeschriebene Bereitschaft zur Selbstaufopferung mag überhöht sein – doch Yoshida berichtete zuvor, dass bereits bei der Aufgabe, eine Leitung zur Meerwasser-Kühlung von Reaktor 2 zu legen, ältere, erfahrene Arbeiter „bereit seien als (Selbstmord-) Einheit zu arbeiten“.

Videokonferenz zeigt übereilte Informationspolitik von TEPCO: Im weiteren Verlauf gegen 11:30 Uhr wird deutlich, dass die TEPCO-Führung selbst nicht wusste, wie sich das Gesamtbild darstellte. Man wusste etwa nicht, ob tatsächlich eine Wasserstoffpexplosion stattgefunden habe – veröffentlichte jedoch eben jene Einschätzung.

Nachdem sich zuvor am 12. März 2011 eine Wasserstoffexplosion ereignet hatte, schien es offenbar logisch, dass dies erneut der Fall gewesen sein musste und der vorige Bericht ohne jeder Überprüfung der Lage nur einiger Anpassungen bedürfe. Zu diesem Schluss kam jedenfalls Manager Takahashi:

„Es bedeutet also, dass die einzige Änderung die wir vornehmen müssen darin besteht „Reaktor 1“ gegen „Reaktor 3″ auszutauschen?“ – es heisst dann weiter: „Wir wissen nicht, ob es tatsächlich eine Wasserstoffexplosion war, aber da mit der Atomsicherheitsbehörde NISA die Regierung erklärt, dass es sich um eine Wasserstoffexplosion handelt, können wir das doch ebenfalls so sagen, oder nicht?“

Da die NISA „vor einiger Zeit im Fernsehen erklärte, es war eine Wasserstoffexplosion“ drängte Takahashi darauf, diese Formulierung zu übernehmen. Eine unidentifizierte Person stimmte diesem Vorschlag zu, denn „das Büro des Premierministers habe ebenfalls den Begriff einer Wasserstoffexplosion genutzt“.

Der damalige TEPCO-Präsident Shimizu hatte offenbar keine  Einwände gegen die etwas  fragwürdige Informationspolitik des Unternehmens, sondern akzeptierte die Anregung von Takahashi. Nach einer kurzen Unterbrechung von etwa zwei Sekunden, die durch ein Piepen überdeckt wurden, erkärte Shimizu: „Das entscheidende ist die Geschwindigkeit„.

Tatsächlich ist man sich bis jetzt noch nicht einig darüber, welche Ursache die Explosion von Fukushima-Reaktor 3 wirklich hatte. Der genaue Hintergrund des Ereignisses muss nach wie vor noch ermittelt werden.

Strahlungsdetektor für Fukushima-Reislieferungen getestet: Angesichts der Informationen vom AKW Fukushima verliert man leicht aus den Augen, dass die Bevölkerung die Folgen der Naturkatastrophen ebenso bewältigen muss, wie die Auswirkung der radioaktiven Belastung auf ihr tägliches Leben – inklusive der Ernährung.

Eine Reis-Rispe
Fukushima: Test zur Strahlungskontrolle von Reis (Foto: pd)

Am gestrigen Dienstag wurde auf der Anlage der JA Michinoku Adachi in Motomiya (Präf. Fukushima) ein Experiment durchgeführt, in dem die radioaktive Belastung von Reis untersucht wurde. Dies ist eine Vorbereitung für Reislieferungen aus der Präfektur, die im Laufe des Monats erfolgen sollen.

Geht es nach der Präfekturverwaltung Fukushima, so sollen in diesem Jahr die insgesamt 360.000 Tonnen Jahresproduktion von Reis gtestetet werden. Im Rahmen des Tests wurde jedoch Reis aus dem Vorjahr genutzt. Die Reissäcke wurden auf ein Fließband gelegt und dort mit dem neu entwickelten Strahlungsmessgerät überprüft.

Der neue Strahlungsdetektor kann bis zu vier Säcke Reis pro Minute darauf überprüfen, ob der landesweite Grenzwert für Lebensmittel von 100 Becquerel pro Kilogramm nicht überschritten wird. Nach erfolgreicher Prüfung erhält der Sack einen Aufkleber auf dessen Siegel ein Code ist, mit dem die Ergebnisse offiziell bestätigt werden.

Sollten die Grenzwerte überschritten werden, so signalisiert das Gerät dies durch ein Alarmsignal und den Stopp des Fließbandes.

Potentiell unsicherer Reis wird an ein Analyselabor der Präfektur geschickt um Einzelheiten zu erfahren. Reis dessen Vertrieb durch zu hohe Strahlung verboten ist, soll sicher entsorgt werden.

Bei den Testläufen waren etwa 70 Reishändler anwesend und ein Vertreter der landwirtschaftlichen Kooperative erklärte, die neuen Tests würden dazu beitragen, die Angst der Verbraucher vor kontaminierten Produkten zu senken.

Das Experiment soll zeigen, ob auch bei unterschiedlicher Konzentration von radioaktivem Cäsium die Strahlung zuverlässig gemessen werden kann. Insgesamt 143 dieser Testanlagen sollen in der Präfektur eingeführt werden – die Gesamttests sollen Anfang kommenden Jahres abgeschlossen sein.

Über den Test der neuen Strahlungsnmessung berichteten NHK und Mainichi Shimbun.

Vor den Gedenkfeierlichkeiten in Nagasaki: Oft steht er hinter den Ereignissen in Hiroshima zurück – der Atombombenabwurf auf Nagasaki, der am 9. August 1945 ereignete. Doch nicht nur in der Reihenfolge nimmt Nagasaki den zweiten Platz ein. Wie die Nachrichtenagentur jiji heute berichtet, schwindet in der amerikanischen Öffentlichkeit das Wissen um das „Manhattan Projekt“ in dessen Rahmen die Atombomben entwickelt worden waren.

Während ein großer Teil der Militäranlagen in Los Alamos (New Mexico) Oak Ridge (Tennessee) stillgelegt ist, wird die Welt am Donnerstag der Opfer von einst gedenken. Mit John Roos nimmt erstmals ein US-Botschafter an den jährlichen Gedenkveranstaltungen teil und wird dort für den Frieden beten, berichtet etwa die Yomiuri Shimbun.

Die Vergangenheit soll jedoch auch der Zukunft dienen – etwa in Gestalt der bislang 365 DNS-Proben von Atombombenopfern, die an der Universität Nagasaki aufbewahrt werden. Mit Einverständnis der Patienten werden sowohl Krebszellen als auch umgebende gesunde Zellproben entnommen und bei minus 80°Celsius eingefroren.

Diese Proben sind noch nicht ausreichend um ausreichend unterschiedliche Eigenarten in den, durch Radioaktivität veränderte Zellen festzustellen – und die Zeit arbeitet gegen die Forscher, da die Überlebenden der Atombombe altern und bereits ein Durchschnittsalter von 77,5 Jahren haben, berichtet die jiji.