Start Aktuelles Japan aktuell: Mitglieder der Atomenergie-Sicherheitskommission erhielten Millionenspenden

Japan aktuell: Mitglieder der Atomenergie-Sicherheitskommission erhielten Millionenspenden

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50 Yen Münze (Foto: pd)
Rückkehrwille trotz finanzieller Nachteile gering (Symbolfoto: pd)
50 Yen Münze (Foto: pd)
Spenden an NSC: Mehr als nur ein paar Yen (Foto: pd)

Während die Fluggäste des Fluges 2012 der All Nippon Airways das Leuchten des ersten Sonnenaufgangs am Berg Fuji im neuen Jahr bewundern konnten und auch in Rikuzentakata der Sonnenaufgang hinter der „wundersamen“ Kiefer ein strahlendes Bild abgab, sorgte ein  angeblich glückbringender seltener Albino-Fisch mit der Bezeichnung „Goldwels“ im Aquarium von Kakamigahara (Präf. Gifu) für leuchtende Augen.

Dagegen ist im Fall der Atomsicherheit und des AKW Fukushima aktuell wieder einmal nicht alles Gold was glänzt. Wenn man etwa von großzügigen Spenden an entsprechende Behörden liest, sieht man womöglich eher rot.  Was es in Japan sonst noch zu sehen gibt und welche Informationen die Fukushima News am zweiten Neujahrstag bereit halten – nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 02. Januar 2012.

Mitarbeiter der Atomaufsicht erhielten Millionenspenden: Die Unabhängigkeit von Kontrollinstanzen von den Objekten ihrer Kontrolle ist entscheidend, um die Neutralität der Überwachung garantieren zu können. Offenbar nahm man es bei der japanischen Atomsicherheitskommission (NSC) etwas weniger genau mit dieser Definition und nahm über Jahre hinweg Spenden von Unternehmen an.

Insgesamt sollen zwei der fünf NSC-Fachleute und 22 der der 84 Mitglieder über einen Zeitraum von fünf Jahren bis zum Fiskaljahr 2010 Spenden in Höhe von 85 Millionen Yen erhalten haben. Besonders kritisch scheint dabei, dass auch der Vorsitzende, Haruki Madarame, sowie Seiji Shiroya, leitendes Ausschussmitglied, zu den Empfängern der finanziellen Zuwendungen zählen.

Madarame, früherer Professor für Ingenieurwesen an der Universität von Tokyo, der seit April 2010 Vorsitzender der Kommission ist, hat nach eigener Aussage von 2006 bis 2009 und damit während seiner Tätigkeit als Professor, vier Jahre lang Gelder von Mitsubishi Heavy Industries, einem der großen Hersteller von Atomreaktoren in Höhe von 4 Millionen Yen erhalten.

Shiroya, der zur selben Zeit wie Madarame Mitglied der Kommission wurde räumte ein, während seiner Tätigkeit als Professor der Universität Kyoto, bis zum Jahr 2009 über einen Zeitraum von drei Jahren 3,1 Millionen Yen von einem örtlichen Ableger der Japan Atomic Industrial Forum Inc. erhalten zu haben. Zwischen 2007 und 2009 liess ihm die Nuclear Fuel Industries Ltd 100.000 Yen zukommen. Nicht nur, dass er zu diesem Zeitpunkt neben seiner Arbeit als Professor auch bereits Mitglied des Untersuchungskommitees war – später wurde auch der Geldgeber durch die Atomsicherheit überprüft.

Beide verneinen, die finanziellen Zuwendungen hätten einen Einfluss auf ihre Entscheidungen bei der NSC gehabt. Madarame erklärte, er sehe eine Notwendigkeit derartige Spenden der Öffentlichkeit bekannt zu geben, um die Rechtmässigkeit dieser zu ermitteln. Die Spenden an diese und weitere Mitglieder der Kommission, waren durch Anträge auf Offenlegung und direkte Anfragen bei den Universitäten, sowie zusätzliche Befragung von Forschungsinstituten, die eine Verbindung mit NSC-Mitgliedern aufwiesen, aufgedeckt worden.

Die Unternehmen und Industrieorganisationen hatten die Spenden den Universitäten zukommen lassen, mit der Bedingung, die Gelder müssten der Forschung dienen und bestimmten Professoren zukommen. Allerdings ging die Spendenbereitschaft bei mindestens 20 Mitgliedern des Untersuchungskommittees weiter, die Spenden von insgesamt 60 Millionen erhalten hatten, auch nachdem sie ihre Posten bei der NSC übernommen hatten.

Elf Personen erhielten Spenden von Elektrizitätskonzernen, Herstellern radioaktiver Brennelemente und Unternehmen die Atomkraftwerke bauen – Anbieter also, die jeweils das Ziel von Sicherheitskontrollen sind. Auch wenn die Betroffnen nicht dazu verpflichtet sind, Auskunft über die Verwendung der Gelder zu geben, so teilten viele der Asahi Shimbun mit, dass mit den Mitteln Reisekosten sowie die Ausgaben für Arbeitsgeräte gedeckt wurden. Berichte über die Spendengelder finden sich daher sowohl bei der Nachrichtenagentur Kyodo, als auch bei der Asahi Shimbun.

Über die Hälfte der Flüchtlinge noch nicht zurück: Eine Gesamtzahl von 59.049 Personen wurde während des bisherigen Höhepunkts der Krise aus dem 20- und 3o Kilometer Umkreis um das AKW Fukushima Daiichi evakuiert. Jetzt, drei Monate nachdem die Regierung die Zonen mit Evakuierungsempfehlungen aufgehoben haben, sind es immer noch 31.600 Personen, oder 54 Prozent der Flüchtlinge, die noch nicht in ihre früheren Wohnorte zurückgekehrt sind, berichtete die Yomiuri Shimbun am gestrigen Sonntag. Als Grund hierfür wird die Dekontamination, bei der nur langsam Fortschritte erzielt werden und das Fehlen von Berufsaussichten genannt.

Informationen über Giftgas-Sektenmitglied nach Festnahme:  Makoto Hirata (46), ehemaliges Mitglied der Sekte Ōmu Shinrikyō, stellte sich der Polizei und es gab die Vermutung, durch die Festnahme könnte sich die Hinrichtung für den Sekten-Guru Shoko Asahara (56), der mit bürgerlichem Namen Chizuo Matsumoto heisst und andere zum Tode verurteilte Mitglieder des Kultes möglicherweise verzögern.

Nun erklärte Hirata während eines Gesprächs mit Rechtsanwalt Taro Takimoto, das frühere Oberhaupt der Gruppierung habe die Todesstrafe verdient. Auch glaube er nicht mehr an die Lehren und distanziere sich von der Endzeit-Sekte so der Anwalt, einem Bericht der Nachrichtenagentur Kyodo zufolge.

Unter Berufung auf mit den Ermittlungen vertraute Quellen, berichtet die Mainichi Shimbun zudem, bei der Befragung durch die Polizei habe er sich sehr vage über sein Leben während der vergangenen Jahre geäußert, erklärte jedoch, die Entführung und der Tod einer Geisel im Jahr 1995 täten ihm „zutiefst Leid“. Allerdings behauptete Hirata, er habe keine Informationen über die versuchte Erschiessung des früheren Leiters der nationalen Polizeibehörde, Takaji Kunimatsu durch Mitglieder der Bewegung.

Zentrum der Sekte Omu Shinrikyo 1994 in Tokyo (Foto: pd)
Früheres Zentrum der Sekte Omu Shinrikyo im Bezirk Aoyama in Tokyo (Foto: pd)

Die Asahi Shimbun geht ins Detail und berichtet vom Aussehen des 1,80m großen Mannes, das sich nicht wesentlich verändert habe –  seiner Kleidung und den Gegenständen, die er neben großen Mengen Bargeld mit sich führte.  Zu den Gründen befragt, weshalb er sich nun nach fast 17 Jahren der Polizei stelle, antwortete er,  zum einen sei die Verjährung für ein Delikt erreicht worden, so dass er nicht irrtümlich hierfür verurteilt werden könne. Zum anderen hätten einige Umstände in Folge des Tohoku-Erdbebens ihn zum Nachdenken bewogen.

Die Polizei  vedächtigt Hirata, den früheren Leibwächter des Sektenführers unter anderem, bei der Entführung von Kiyoshi Kariya (68) Schmiere gestanden zu haben. Kariya war gestorben, nachdem die Kultanhänger ihm eine Substanz injiziert  hatten, um den Aufenthaltsort von dessen Schwester, die aus der Sekte geflohen war zu erfahren. Auch eine Beteiligung an der Einäscherung der Leiche auf dem früheren Grundstück der der religiösen Gruppierung, sowie an einem Sprengstoffanschlag auf ein zweifelndes Mitglied der Sekte wird ihm vorgeworfen.

In der Meldung der NHK heisst es, Hirata habe ausgesagt, er sei aufgrund des Vorwurfs, an dem Mordanschlag auf den Ex-Polizeipräsidenten beteiligt gewesen zu sein, auf der Flucht geblieben, da er nicht an diesem beteiligt gewesen sei und zu viel Angst vor der Anschuldigung gehabt habe. Auch räumte er zwar ein, bei der vorgeworfenen Entführung als Fahrer beteiligt gewesen zu sein, behauptet aber, vom Tod des Mannes erst später erfahren zu haben. Zudem bestreitet Hirata, das Ende seiner Flucht solle die Exekution des Sektenführers hinauszögern.

Nach der Festnahme Hiratas stehen, der Asahi Shimbun zufolge, nun noch zwei weitere führende Mitglieder der Sekte, die sich im Jahr 2000 in „Aleph“ umbenannte, jedoch weiterhin den Lehren des inhaftierten und zum Tode verurteilten Führers anhängt, auf den Fahndungslisten der Polizei. Gesucht werden demnach noch Naoko Kikuchi (40) und Katsuya Takahashi (53). Beiden wird eine Beteiligung an den Anschlagen mit dem Nervengas Sarin auf die U-Bahn von Tokyo im März 1995 vorgeworfen.

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