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Japan aktuell: Modernes Fukushima-Filtersystem im Herbst betriebsbereit

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AKW Fukushima: Fortschritt beim Aufbau der Multinuklid-Filteranlage am 16. September 2012 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Fortschritt beim Aufbau der Multinuklid-Filteranlage ALPS am 16. September 2012 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Fortschritt beim Aufbau der Multinuklid-Filteranlage am 16. September 2012 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Fortschritt beim Aufbau der Multinuklid-Filteranlage am 16. September 2012 (Foto: TEPCO)

Wenn der Betreiber des AKW Fukushima heute melden kann, dass der Testlauf des Multinuklid-Filtersystems ALPS von den Behörden anerkannt und weitere Testläufe autorisiert wurden, sind das für TEPCO gute Nachrichten.

Skeptiker erinnern sich dagegen an Schwierigkeiten bei der Sicherheit der genutzten Behälter.

Kritisch beurteilt wird der Elektrizitätskonzern wegen seines Vorgehens nach der Katastrophe von Fukushima aktuell ohnehin, wie Berichte eines UN-Vertreters und der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA zeigen. Neben den Fukushima News gibt es wie üblich auch weitere Meldungen, im Spreadnews Japan-Ticker vom 24. Mai 2013.

Unsere Themen zum Wochenende:

  • Modernes Fukushima-Filtersystem im Herbst betriebsbereit
  • UN fordert bessere Strahlungskontrollen der Bevölkerung
  • IAEA nennt im neuen Fukushima-Bericht Kritikpunkte
  • Erste Anhörung im Zeltstreit um Atomkraftgegner

Modernes Fukushima-Filtersystem im Herbst betriebsbereit: Auf einem Expertentreffen erklärte der Kraftwerksbetreiber TEPCO gegenüber der Atomaufsichtsbehörde NRA, das modernere Filtersystem für radioaktive Abwässer könne bereits im Herbst in regulären Betrieb gehen, da die seit Ende März durchgeführten Testläufe keinerlei Probleme mehr aufwiesen.

AKW Fukushima: Nordöstliche Ansicht des Gebäudes der Multinuklid-Filteranlage am 27. März 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Nordöstliche Ansicht des Gebäudes der Multinuklid-Filteranlage am 27. März 2013 (Foto: TEPCO)

Das „Advanced Liquid Processing System“ (ALPS) kann als Multinuklid-Filteranlage insgesamt 62 verschiedene Arten von radioaktivem Material aus dem kontaminiertem Wasser der Anlage filtern.

Bislang war die Filterung auf wenige Stoffe, wie etwa  radioaktives Cäsium, beschränkt.

Nach Vorlage der Informationen erteilte die NRA eine Genehmigung für den Testbetrieb der beiden übrigen Systeme die TEPCO besitzt. Die Tests sollen Mitte Juni beginnen.

Der „fehlerfreie Testbetrieb“ ist jedoch nur die halbe Wahrheit – hatte sich die Inbetriebnahme des Testsystems doch verzögert, weil die “High Integrity Container” (HIC), die zur Aufbewahrung des Wassers dienen sollten, sich nicht als sicher genug erwiesen hatten (Spreadnews berichtete am 26. Dezember 2012) Außerdem kam es bereits zu einem Bedienungsfehler durch einen Angestellten (Spreadnews berichtete am 4. April 2013).

AKW Fukushima: Bedienung des ALPS-Filtersystems am 4. April 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Bedienung des ALPS-Filtersystems am 4. April 2013 (Foto: TEPCO)

Täglich fallen am AKW Fukushima Daiichi 400 Tonnen an Wasser an, das durch Eindringen in Reaktorgebäude stark radioaktiv kontaminiert wird.

Jede der drei ALPS-Einheiten am AKW Fukushima Daiichi ist in der Lage, täglich 250 Tonnen an radioaktivem Wasser zu filtern.

Regierung und TEPCO hoffen, durch die schnelle Inbetriebnahme das bestehende Wasserproblem eindämmen zu können. Das berichtet die NHK.

UN fordert bessere Strahlungskontrollen der Bevölkerung: In einem Bericht, der nach Untersuchungen der Strahlungsbelastung zusammengestellt wurde, fordert Anand Grover, UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Gesundheit, die japanische Regierung dazu auf, die Untersuchung interner Strahlungsbelastung auszuweiten.

Gebäude der Vereinten Nationen in New York City (Foto: pd)
UN-Sonderberichterstatter fordert bessere Gesundheitsmaßnahmen (Foto: pd)

Die Regierung müsse insbesondere Personen in Gebieten, in denen der Jahreswert mehr als ein Millisievert beträgt, entsprechenden Gesundheitskontrollen unterziehen. Dabei sei es nicht von Bedeutung, ob diese Werte innerhalb, oder außerhalb der Präfektur Fukushima auftreten.

Die Art der Maßnahmen, die in der Präfektur Fukushima getroffen würden, seien mit der alleinigen Untersuchung der Schilddrüsenwerte von Kindern nicht zufriedenstellend, zumal die Ergebnisse nicht sofort den Eltern zugänglich gemacht werden, sondern zunächst entsprechende Anträge gestellt werden müssen.

Statt dieser unangemessenen Beschränkung auf Schilddrüsentests müssten vielmehr Urintests und Blutentnahmen durchgeführt werden, um der möglichen Entwicklung von Leukämie und anderen Krankheiten besser begegnen zu können.

Der Jahresgrenzwert für die Strahlungsbelastung von Bürgern müsse landesweit auf ein Millisievert beschränkt werden und Einwohner in Gebieten mit einer potentiell höheren Belastung ausreichenden Gesundheitskontrollen unterzogen werden. Auch der bisherige Evakuierungsgrenzwert von 2o Millisievert pro Jahr müsse vom Standpunkt der Menschenrecht ausgehend, auf ein Millisievert gesenkt werden.

Dem Bericht der Mainichi Shimbun zufolge, sei auch die Unterstützung für Personen aus den Evakuierungsgebieten noch zu verbessern. Personen aus Gebieten, die über dem angestrebten Strahlungsgrenzwert von einem Millisievert liegen, sollten demnach staatliche Hilfe bei Unterbringung, medizinischer Versorgung und Bildung erhalten.

IAEA nennt im neuen Fukushima-Bericht Kritikpunkte: Nachdem Inspektoren der IAEA auf Wunsch der japanischen Regierung, im April die Anstrengungen zur Stilllegung am AKW Fukushima Daiichi beobachteten, nennt die Internationalen Atomenergiebehörde im gestern veröffentlichten Bericht einige notwendige Nachbesserungen – darunter auch genauere Angaben zu Zeitplan und Informationen.

Team der IAEA besichtigt AKW Fukushima am 17. April 2013 (Foto: TEPCO)
Team der IAEA besichtigt AKW Fukushima am 17. April 2013 (Foto: TEPCO)

Trotz des Lobes für die schnelle Schaffung eines Zeitplans zur Stilllegung der Reaktoren, nannten sie insgesamt 17 Kritikpunkte.

Diese bezogen sich auf technische und finanzielle Unsicherheiten, das Problem der Entsorgung radioaktiver Abfälle und schlechte Informationspolitik gegenüber der Öffentlichkeit, etwa im Bezug auf mögliche Auswirkungen auf Gebiete, die an das Kraftwerksgelände angrenzen.

Ein weiterer Kritikpunkt richtete sich gegen das momentane Krisenmanagement auf dem Gelände der Anlage. TEPCO reagiere zu langsam auf Probleme am Kraftwerk, so dass die Schaffung eines Teams zur Problemlösung, unabhängig vom täglichen Betrieb, sinnvoll sei. Wie die NHK meldet, soll der Bericht in die Überarbeitung des Stilllegungs-Zeitplans durch Regierung und TEPCO einfließen.

Erste Anhörung im Zeltstreit um Atomkraftgegner: Am Donnerstag fand die erste gerichtliche Anhörung im Streit um die Legalität der Zelte, die Atomkraftgegner seit September 2011 auf dem Gelände des Industrieministeriums errichtet hatten. Nach dem Regierungswechsel im Dezember 2012 hatte die Regierung Abe die Entfernung der Zelte gefordert und spricht von illegaler Besetzung.

Tokyo: Demonstration von Atomkraftgegnern am 11.06.2011 (Foto: KJ)
Atomkraftgegner-Demonstration im Jahr 2011 (Foto: KJ)

Außerdem wird als Argument angeführt, da die Zelte an einen Bürgersteig und eine Straßenkreuzung angrenzten, würde der Verkehr behindert und Fußgänger, sowie Fahrzeugführer gefährdet.

Die beklagten Atomkraftgegner vertraten während der Anhörung den Standpunkt, dass der Aufbau der Zelte, an denen politische Forderungen befestigt sind, eine rechtmäßige Ausübung des demokratischen Rechts auf Meinungsfreiheit darstellten, da sie den im ganzen Land bestehenden Protest gegen Kernkraft symbolisierten.

Die Demonstranten hatten nach Beginn der Proteste zunächst die Zelte gemietet, später jedoch eigene gekauft. Man habe dann das Industrieministerium schriftlich um eine Erlaubnis zur Nutzung des Standortes gebeten, dieses Gesuch sei jedoch abgelehnt worden. Seit März 2012 war mit den Freitagsprotesten vor dem nahe gelegenen Büro des Premierministers  begonnen worden.

Sollte das Gericht den Bedenken der Regierung stattgeben, ist nach Angaben der Asahi Shimbun mit einer einstweiligen Verfügung zu rechnen. Allerdings steht den Aktivisten wiederum das Recht zu, die Aussetzung der Verfügung zu verlangen. Es wird aufgrund der diametralen Positionen beider Streitparteien erwartet, dass das Verfahren durch die Instanzen bis zum obersten Gerichtshof Japans wandern wird.

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