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Japan aktuell: Mysteriöse schwarze Erde mit hoher Radioaktivität entdeckt

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Symbolbild: Radioaktive Substanz (Foto: pd)
Zweiter Standort für Lagerung radioaktiver Abfälle vorgestellt (Grafik: pd)
Symbolbild: Radioaktive Substanz (Foto: pd)
Rätselhafte Substanz für hohe Radioaktivität verantwortlich (Symbolbild)

Mit dem heutigen Donnerstag gibt es erneut mehrere interessante Meldungen. Zum einen ist da ein Bericht über eine rätselhafte Substanz die möglicherweise für so genannte Hot Spots, also Bereiche erhöhter Radioaktivität verantwortlich ist.

Weniger strahlend stellt sich die Präfekturverwaltung Fukushima dar, die während der Fukushima-Krise offenbar versucht hatte, Strahlungsmessungen zu verhindern.

Natürlich sind auch heute Informationen zu den Folgen der Krise am AKW Fukushima aktuell verfügbar, während TEPCO nur spärlich kommentiertes Bildmaterial liefert. Einzelheiten jetzt wie üblich im Spreadnews Japan-Ticker vom 14. Juni 2012.

Unsere heutigen Themen:

  • Mysteriöse schwarze Erde mit hoher Radioaktivität
    • Plutonium und Strontium  nachgewiesen
    • Schwarze Erde im Mizumoto-Park
    • Messungen der Luftbelastung
    • Cyanobakterien als mögliche Strahlungsträger
    • Trotz Kenntnis keine Dekontamination
    • Entdeckung möglicherweise Chance zur Dekontamionation
  • An Japans AKW fehlen erdbebensichere Notfallzentralen
  • Bürgermeister von Oi akzeptiert AKW-Neustart
  • Ein Fukushima-Einwohner höher radioaktiv belastet
  • Rätselhafte radioaktive schwarze Erde
  • Ball und Boje von US-Küste wieder in Japan

Mysteriöse schwarze Erde mit hoher Radioaktivität : Forscher haben mit der „schwarzen Erde“ eine interessante Entdeckung gemacht, die auch mit der Messung von hoher Strahlung im Mizumoto-Park in Tokyo in Zusammenhang stehen könnten. So steigen bei der Messung von Strahlenbelastung an den Fundorten dieser trockenen Erdproben, die Werte an Radioaktivität sprunghaft an.

Die Asahi Shimbun berichtet in einem ausführlichen Artikel über die diesbezüglichen Entdeckungen. Dieser Meldung zufolge stellt sich das Szenario der mysteriösen Substanz wie folgt dar:

Diese Erde findet sich neben Teilen der Gemeinde Minamisoma (Präf. Fukushima) auch in Teilen von Japans Hauptstadt Tokyo. An allen Fundstellen ist die gemessene Radioaktivität höher als in der Umgebung. Auch in entfernt liegenden Präfekturen wie Miyagi, Niigata und Yamagata konnte die „schwarze Erde“ nachgewiesen werden.

Bislang wird dieser Substanz, deren Name eine Anspielung auf den „schwarzen Regen“ ist, der nach den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki als radioaktiver Niederschlag fiel, wenig Beachtung geschenkt.

Plutonium und Strontium  nachgewiesen: Koichi Oyama, dem in Minamisoma die Substanz aufgefallen war, sammelte gemeinsam mit einer Gruppe die Erdproben und liess sie  von Tomoya Yamauchi, einem Professor der Universität Kobe, der sich auf Strahlungsmessung spezialisiert hat untersuchen. Die Ergebnisse zeigten eine Belastung mit radioaktivem Cäsium in Höhe von 1,08 Millionen Becquerel pro Kilogramm. In einigen der Proben wurden auch Plutonium un Strontium nachgewiesen.

Minamisoma war der erste Ort, an dem die schwarze Erde überhaupt Interesse fand. Im Herbst vergangenen Jahres hatte es in Teilen des Ortes eine geringe Menge starker Radioaktivität in der Luft gegeben, oftmals zehn Mal höher  als in angrenzenden Gebieten. An allen diesen Orten wurde dann das schwarze Pulver auf dem Boden oder der  Straße nachgewiesen.

Von der Präfekturalverwaltung Minamisoma hiess es zunächst, da das Material für gewöhnlich auf dem Boden gefunden werde, gehe man nicht davon aus, dass es sich um etwas handelt, was unmittelbaren Effekt auf die menschliche Gesundheit hätte.

Weitere Proben wurden an mehr als einhundert Stellen im gesamten Land gesammelt, der größte Teil davon in Ostjapan. Die Analysen dauern in Kooperationen der Universität Tohoku und der privaten Iwaki Meisei Universität weiter an.

Schwarze Erde im Mizumoto-Park: Auch bei dem Nachweis von radioaktiver Belastung von bis zu 1,17 Mikrosievert pro Stunde im Mizumoto-Park in Tokyo durch eine private Gruppe Ende Mai, wird auf die schwarze Erde zurückgeführt. Während sich auf dem Rasen 0,25 Mikrosievert nachwiesen liessen, war die Belastung am schwarzen Pulver, dass auf einem asphaltierten Weg im Park gefunden wurde fast viermal so hoch.

Offizielle Messungen durch Behörden bestätigten, die behaupteten Werte der Privatmessungen allerdings nicht – was möglicherweise darauf zurückzuführen sein könnte, dass der Wind das Material zwischenzeitlich verstreute.

Die höchste Konzentration – etwa 5,57 Millionen Becquerel pro Kilogramm – stammen dagegen erneut aus Minamisoma. Nach Angaben von Hideoki Sasaki, außerordentlicher Professor für Mikrobenphysiologie an der Iwaki Meisei Universität, sei es in Gebieten um das Atomkraftwerk nicht ungewöhnlich Werte von vier Millionen Becquerel pro Kilogramm zu messen. Daher sei in Minamisoma eine Belastung über fünf Millionen Becquerel pro Kilogramm durchaus denkbar.

In 36 der 41 Fundstellen überstieg die Belastung 100.000 Becquerel pro Kilogramm. Dieser Wert gilt bei Asche aus Müllverbrennungen als kritischer Wert, ab dem eine Aufbewahrung in Behältern mit Betonhülle erforderlich ist.

Würde es sich bei der in 23 der 29 Gebiete im Großraum Tokyo nachgewiesenen Substanz um Asche aus Müllverbrennung handeln, so müsste sie mit wasserdichten Planen abgedeckt werden.

Messungen der Luftbelastung: Professor Yukio Hayakawa, ein Vulkanologe der Universität Gunma war an den Messungen im Mizumoto-Park beteiligt und führte eigene Untersuchungen der Luftbelastung an 60 Stellen im ganzen Land durch. Der Höchste von ihm gemessene Wert betrug 9,1 Mikrosievert pro Stunde und wurde in Koriyama (Präf. Fukushima) nachgewiesen. Zwei Orte im Großraum Tokyo – Abiko und Kashiwa – wiesen hohe Belastungen von 3,8 Mikrosievert bzw. 2,5 Mikrosievert pro Stunde auf. Sie waren zuvor als Fundorte so genannter „Hot Spots“ bekannt geworden. Die Ergebnisse veröffentlichte er auf seinem Blog.

Seiner Einschätzung nach könnte sich die Strahlung mindestens bis zur Region Tokai ausgebreitet und eventuell sogar die Region Kansai erreicht haben.  Allerdings habe er in der Region Kansai selbst keine Untersuchungen vorgenommen, so dass lediglich andere Zahlen hierfür herangezogen werden können.

Cyanobakterien als mögliche Strahlungsträger: Ein Grund für die weitere Verbreitung der schwarzen Erde könnte der Gehalt eines in Japan verbreiteten Mikroorganismus, der Cyanobakterie, sein. Zwei der nachgewiesenen Formen (cyanobacteria oscillatoriales und cyanobacteria nostoc ) ist gewöhnlich blau-grün, nimmt bei Trocknung jedoch eine schwarze Färbung an. Warum diese Cyanobakterien in der schwarzen Erde so hohe Strahlungswerte aufweisen ist bislang ungeklärt.

Zudem könnte nach Ansicht von Professor Yamauchi die schwarze Erde als Feinstaub auch die Umgebungsradioaktivität erhöhen und durch den Mund eingeatmet werden, was zu einer internen Belastung führen würde. Seiner Ansicht nach sollten Dekontaminationsmaßnahmen so zügig wie möglich erfolgen.

Trotz Kenntnis keine Dekontamination: Während Minamisoma die Dekontamination vorantreibt, zeigen sich andere örtliche Verwaltung offenbar wenig beeindruckt. Von einem Vertreter des Umweltbüros der Verwaltung für den Großraum Tokyo heisst es etwa, die Existenz der schwarzen Erde sei zwar bekannt, es erfülle jedoch nicht die Richtlinien der Regierung in Tokyo, die eine Dekontamination rechtfertigen würden.

Dabei berücksichtigt die Regierung zum einen die Umgebungsradioaktivität der Luft. Hierbei geht es um die Überschreitung des Grenzwerts von 0,23 Mikrosievert pro Stunde in einem Meter Abstand zum Boden. Zum anderen muss die Belastung an der betreffenden Stelle in einem Abstand von einem Meter zum Boden um ein Mikrosievert pro Stunde höher sein, als die Radioaktivität der Umgebung.

Die Strahlung der schwarzen Erde erfüllt diese beiden Kriterien nicht. Der Vergleich mit den Strahlungsrichtlinien für Asche aus Müllverbrennung zeigt jedoch, dass das Material ein Strahlungsniveau aufweist, das besonderen Umgang erfordert.

Entdeckung möglicherweise Chance zur Dekontamionation: Bereits seit vergangenem Jahr gibt es Bemühungen, die Aufnahme von radioaktivem Cäsium durch Cyanobakterien zu nutzen, um die Substanz aus dem Erdreich zu entfernen. Diesbezüglich besteht seit August 2011 eine Zusammenarbeit zwischen der Micro Algae Corporation aus Gifu und der Iwaki Meisei Universität im Rahmen einer Studie.

In ersten Versuchen konnte im Laufe eines Monats acht Prozent an radioaktivem Cäsium durch das Cyanobacterium nostoc aufgenommen werden. Berechnungen zufolge könnten somit in einem Jahr etwa 69 Prozent an radioaktivem Cäsium aufgenommen werden. Somit könnte das kontrollierte Verbreitung dieser Lebensform und deren anschließende Entsorgung die Dekontamination deutlich einfacher machen als bislang.

An Japans AKW fehlen erdbebensichere Notfallzentralen: Eine Untersuchung der Kyodo deckte auf, dass an neun von 17 Atomkraftwerken immer noch nicht über ein erdbebensicheres Hauptgebäude verfügen, das als Notfallzentrale dienen kann. Damit ist der mangelnde Fortschritt beim Ausbau der Sicherheitsmaßnahmen nach dem Erdbeben 2011 offensichtlich.

Zu den neun Kraftwerken zählen auch das AKW Mihama, das Kernkraftwerk Takahama – und das Atomkraftwerk Oi, dessen Neustart so gut wie beschlossen ist. Alle gehören zum Anbieter Kansai Electrics und liegen in der Präfektur Fukui. Bis zu deren Fertigstellung nutze man Notfallzentren bei existierenden Gebäuden. Die erdbebensicheren Gebäude für die beiden Reaktoren des AKW Oi sollen bis Ende März 2016 entstehen, die der AKW Mihama und Takahama Ende März 2017.

Für das AKW Genkai (Präf. Saga) und das Kernkraftwerk Sendai (Präf. Kagoshima) hat deren Betreiber Kyushu Electric nicht einmal detaillierte Pläne entworfen.

An den folgenden AKW sollen die Gebäude zwischen März 2015 und März 2017 fertiggestellt sein:

  • AKW Tomari (Hokkaido Electric, Präf. Hokkaido),
  • AKW Higashidori (Tohoku Electric, Präf. Aomori)
  • AKW Shimane (Chugoku Electric, Präf. Shimane)

Am AKW Shika in der Präfektur Ishikawa, das zu Hokuriku Electrics gehört, soll der Bau des Gebäudes bereits im März kommenden Jahres abgeschlossen sein.

Nachdem beim Niigata-Erdbeben 2007 des Verwaltungsgebäude an TEPCOs AKW Kashiwazaki-Kariwa so stark beschädigt worden war, dass es aufgegeben werden musste, war der Entschluss zum Bau erdbebensicherer Gebäude, die gegen Strahlung geschützt und mit Stromgeneratoren und Videokonferenzräumen ausgestattet sind, gefallen.

Bürgermeister von Oi akzeptiert AKW-Neustart: Nachdem die Führung der Präfektur Fukui zwar offiziell noch berät, Gouverneur Issei Nishikawa jedoch bereits am morgigen Freitag seine Zustimmung zum Neustart geben könnte, hat nach einer heutigen Sitzung auch Shinobu Tokioka, Bürgermeister des Orts Oi, in dem sich das gleichnamige AKW befindet, seine Zustimmung gegeben.

Als Grund nannte er die Bedürfnisse der Industrie, die Stromversorgung, sowie eine positive Sicherheitseinschätzung eines, von der Präfektur Fukui eingesetzten Expertenteams. Er werde noch heute seine Entscheidung dem Gouverneur zukommen lassen.

Nach der Bestätigung der Zustimmung  wird der Gouverneur die Betreiberfirma noch einmal dazu drängen, die Sicherheit der Anlage sicher zu stellen, bevor dann Premierminister Noda ein Ministertreffen einberufen wird, um eine endgültige Entscheidung über das Schicksal der Reaktoren 3 und 4 zu treffen.  Über die Zustimmung des Bürgermeisters berichteten die NHK, sowie die Nachrichtenagenturen Kyodo und  jiji

Ein Fukushima-Einwohner höher radioaktiv belastet: Am gestrigen Mittwoch fasste die Asahi Shimbun noch einmal Zahlen zu den radioaktiven Belastungen und der Notwendigkeit möglicher psychischer Folgen für die betroffenen Menschen zusammen. Dabei gab es dann auch eine negative Überraschung – der bislang höchste Wert externer radioaktiver Belastung bei einer Zivilperson die nicht an einem AKW arbeitet, wurde übertroffen.

Wie die Präfekturleitung von Fukushima mitteilte, wurde bei der betreffenden Person eine Belastung von 25,1 Millisievert festgestellt. Es handelt sich um einen Bewohner der geplanten Evakuierungszone, der mehr als einen Monat nach Ausbruch der Krise dort geblieben war. Der bislang höchste gemessene Wert lag bei 23. Millisievert, während der Grenzwert, der von der Regierung in Tokyo als Evakuierungsgrund festgelegt wurde, bei 20 Millisievert pro Jahr liegt.

Die Schätzungen der Präfektur basieren auf detaillierten Aufzeichnungen, die von Einwohnern der Präfektur während eines Zeitraums von vier Monaten seit Beginn der Fukushima-Krise geführt worden waren. Die Präfekturverwaltung hatte die entsprechenden Zahlen von 15.200 Personen am Dienstag veröffentlicht.  Insgesamt 96 Prozent der 24.300 Personen, deren geschätzte Belastungen bereits veröffentlicht worden waren, wiesen Werte von unter fünf Millisievert auf.

Ball und Boje von US-Küste wieder in Japan: Ein Basketball das mit dem Namensaufdruck einer Schule in Rikuzentakata (Präf. Iwate) war in März an der Küste von Alaska angeschwemmt worden. Am gestrigen Mittwoch warteten nun die 28 Schülerinnen und Schüler  der Basketballteams auf die Lieferung per FedEx. Alle Schüler und derenLehrer hatten überlebt, jedoch wurde das gesamte Schulgebäude fortgespült, so dass nun ein verlassenes Gebäude auf dem Gelände einer anderen Schule genutzt wird. Nun wird überlegt, den zurückgekehrten Ball in der Schule auszustellen.

Auch eine Boje die Teil der dreiteiligen Dekoration des Lokals „Keimeimaru“ in in Minamisanriku (Präf. Miyagi) gewesen und vom Tsunami fortgeschwemmt worden war, fand ihren Weg zurück zu ihrer Besitzerin, Sakiko Miura. Die 63 Jahre alte Frau plant nun die Neueröffnung ihres Lokals, das nach dem Schiff benannt ist, auf dem ihr vor 31 Jahren verstorbener Mann arbeitete.

Der Finder der Boje, David Baxter, der zuvor bereits einen Fußball und einen Volleyball an der kanadischen Küste gefunden hatte, legte dem Paket ein Schreiben bei, in dem er erklärte, wenn das Lokal wiedereröffnet ist, hoffe er eines Tages nach Japan zu kommen und dort zu essen. Bei der aufgefundenen Boje handelt es sich um jene mit dem ersten Schriftzeichen des Lokalnamens. Über die Rückkehr der Fundsachen berichteten NHK und Asahi Shimbun.

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