Start Aktuelles Japan aktuell: Nach Fukushima-Katastrophe nun Fehler in landesweitem AKW-Überwachungssystem

Japan aktuell: Nach Fukushima-Katastrophe nun Fehler in landesweitem AKW-Überwachungssystem

1105
0
TEILEN
Atomkraftwerk-Symbol (Grafik: Hendrik Tammen cc-by)
AKW Monju: Terrorismus-Gefahr durch Schlamperei (Grafik: Hendrik Tammen cc-by)
Atomkraftwerk-Symbol (Grafik: Hendrik Tammen cc-by)
Ausfall bei Japans AKW-Überwachunssystem (Grafik: Hendrik Tammen cc-by)

TEPCO veröffentlichte aus dem AKW Fukushima heute zwar Aufnahmen, liess diese jedoch zunächst größtenteils unkommentiert. Mit ersten Angaben ist somit erst morgen  zu rechnen.

Ein jetzt gemeldeter Systemfehler in einem AKW-Überwachungssystem und Neustartpläne zeigen, dass die japanische Atompolitik auch nach der Katastrophe von Fukushima aktuell von Interesse bleibt.

Während somit die Eröffnung des ersten Hello Kitty Shops in Wien vermutlich wenig internationales Aufsehen erregte, sind die Vorstellung künftiger Reaktor-Roboter und die Hinrichtung von drei Personen, von deutlich größerem Interesse.

Auch ohne Schwerpunkt auf Fukushima News bleibt also genug zu berichten, wie üblich im Spreadnews Japan-Ticker vom 21. Februar 2013.

Unsere heutigen Themen:

  • Systemfehler in Japans AKW-Überwachungssystem
  • Neue Roboter für Reaktorkatastrophen vorgestellt
  • Spender der Lady Gaga Tasse gestorben
  • Präfektur Iwate in Vorbereitung für Seetang-Ernte
  • AKW Ikata könnte als nächstes neu starten
  • Japan richtet drei Sträflinge hin
  • Aggressives Vorgehen von China nahe Senkaku
    • Südkorea droht wegen Takeshima-Tag
    • Japan will Darstellung der Vergangenheit nicht ändern
    • Chinas Schiffe jagen japanisches Fischereiboot
    • Putin sucht ein Unentschieden mit Japan

Systemfehler in Japans AKW-Überwachungssystem: Wie die Atomaufsicht NRA mitteilte, kam es am heutigen Donnerstag zwischen 8:25 Uhr und 9:40 Uhr zu Problemen am „Emergency Response Support System“ (ERSS), das automatisch Daten aus allen Kernkraftwerken des Landes sammelt.

Anhand dieser Daten, wie etwa Temperatur und Druckverhältnisse, können bei einem Störfall die Strahlungslecks besser eingeschätzt werden.

Der Betreiber des Systems, die japanische Atomenergiesicherheitsorganisation (JNES) erklärte, man sei für einen Ausfall der Datenerfassung des Systems gerüstet und könne etwa über E-Mail und Telefon die Daten beim Kraftwerksbetreiber selbst erfragen und die Daten manuell in das System eingeben.

Die Ursache der Störung seien Probleme in einem Server zur Datenerfassung gewesen und die Störung um 9:40 Uhr wieder behoben worden. Mit der Meldung reagiert die Atomaufsicht NRA deutlich transparenter als ihre Vorgängerorganisation NISA.

Diese hatte im Dezember 2011 einen 26 Stunden dauernden Ausfall aufgrund von Softwareproblemen erst nach der Berhebung bekannt gemacht, berichtet die Nachrichtenagentur jiji.

Neue Roboter für Reaktorkatastrophen vorgestellt: Japans „New Energy and Industrial Technology Development Organization“ (NEDO) stellte am gestrigen Mittwoch gleich mehrere Roboter vor, die bei schweren Reaktorunfällen wie der Katastrophe am AKW Fukushima Daiichi zum Einsatz kommen könnten.

  • Der „Sakura“, ein kleiner, ferngesteuerter Roboter verfügt über eine Kamera und ein Gerät zur Aufnahme von Wärmebildern.
  • Der „Tsubaki“ kann auch schwere Messgeräte von bis zu 50 Kilogramm transportieren, um mit ihnen etwa Daten auf Reaktorgebäuden zu erfassen.
  • Ein von Mitsubishi Heavy Corporation vorgestellter Roboter, der „ICM-Super Giraffe (MARS-C)“kann seinen Arm bis zu acht Meter ausfahren und so auch hoch gelegene Bereiche erkunden und dort etwa Ventile öffnen. Später soll er zusätzliche Fähigkeiten erhalten.
Drei bisherige Fukushima-Roboter: FRIGO-MA, packbot und Quince 2 (Foto: TEPCO)
Drei bisherige Fukushima-Roboter: FRIGO-MA, Packbot und Quince 2 (Foto: TEPCO)

Vorgestellt wurden außerdem Technologien, die es den Geräten ermöglichen sich selbst zu dekontaminieren und aufzuladen, was die Strahlungsbelastung von menschlichen Angestellten verringern soll. Doch auch auf andere Weise soll Kraftwerksarbeiten im wahrsten Sinne des Wortes unter die Arme gegriffen werden.

Ein Roboteranzug, der die Kühlung des Angestellten gewährleisten, ihn vor Hitzschlägen und trotz seines Gewichts von 30 Kilogramm nicht auf den Schultern belasten soll, könnte die Arbeit deutlich vereinfachen.

Ein Roboteranzug von Cyberdyne Inc. verfügt über ein Metalloberteil zum Strahlungsschutz, einen Luftreiniger, der die Atmung erleichtern soll, sowie einen Sensor der Pulsschlag und Körpertemperatur überwacht.

Über die neusten Entwicklungen an denen  Elektrizitätskonzerne, Universitäten und Start-Up Unternehmen beteiligt und von der NEDO gesponsored worden waren, berichtete unter anderem auch die NHK.

Spender der Lady Gaga Tasse gestorben: Gestern übergab die Schwester des 54 Jahre alten Zahnarztes Akihisa Yumi der Präfekturleitung Miyagi eine Tasse der Popsängerin Lady Gaga, die der Zahnarzt bei einer Wohltätigkeitsauktion für etwa sechs Millionen Yen ersteigert hatte (Spreadnews berichtete am gestrigen Mittwoch).

Ihr Mann, der die Tasse, die neben dem Schriftzug „Wir beten für Japan“ auch ein Autogramm und einen Lippenstiftabdruck von Lady Gaga trägt, als Geste der Ermutigung an die Präfektur spendete, konnte aufgrund eines Krankenhausaufenthalts der Zeremonie nicht persönlich beiwohnen.

Am heutigen Donnerstag starb Zahnarzt Yumi  an den Folgen der idiopathischen pulmonaler Fibrose, einem unheilbaren Lungenleiden.

Trotz seines sich verschlechternden Gesundheitszustades hatte sich Yumi ehrenamtlich in den Katastrophengebieten eingesetzt und unter anderem dabei geholfen, Opfer durch Abgleich der Gebissmerkmale zu identifizieren.

Work to make kelp grow bigger is in full swing in Iwate, northeastern Japan, ahead of the May harvest season.

Präfektur Iwate in Vorbereitung für Seetang-Ernte: In der Stadt Miyako (Präf. Iwate), sind die Algenfarmer bereits bei der Arbeit. Insbesondere der Bezirk Omoe war vor den Tohoku-Katastrophen das Zentrum der Seetangzucht in der Präfektur und erzielte jährliche Erträge von 10.000 Tonnen.

Nach der Zerstörung aller Einrichtungen durch den Tsunami rechnet eine Fischereikooperative für dieses Jahr, dank der Wiederaufbauarbeiten, mit etwa 7.000 Tonnen. Nach Angaben der NHK sollen die Arbeiten noch bis Anfang nächsten Monats andauern.

AKW Ikata könnte als nächstes neu starten: Unter Berufung auf namentlich ungenannte Quellen aus der Industrie meldet die jiji, dass möglicherweise einer der Reaktoren am Kernkraftwerk Ikatra (Präf. Ehime) als nächstes wieder hochgefahren und ans Netz gehen könne, da dort im Vergleich zu anderen Anlagen, die Sicherheitsmaßnahmen hoch seien.

Nähere Angaben zu den Hintergründen und den Gerüchten um das AKW des Betreibers Shikoku Electric, gab es jedoch nicht. Seit der Fukushima-Katastrophe im März 2011 gingen trotz Bürgerprotesten zwei Reaktoren des AKW Oi (Präf. Fukui) im Juli 2012 wieder ans Netz und sind damit Japans derzeit einzig aktiven Reaktoren.

Auch wenn es bislang offenbar keine Stromengpässe gab, sucht Japan nach Alternativen. Das jedoch auch diese nicht sorgenfrei sind, zeigt eine Untersuchung der Asahi Shimbun, die anhand einer im Dezember aktualisierten Erdbebenzonenkarte feststellte, dass 40 von 64 Wärmekraftanlagen des Landes in erdbebengefährdeten Gebieten stehen.

Japan richtet drei Sträflinge hin: Erstmals seit Amtsantritt von Premierminister Shinzo Abe im Dezember vergangenen Jahres wurden in Japan Todesurteile vollstreckt. Justizminister Sadakazu Tanigaki gab auf einer heutigen Pressekonferenz die Hinrichtungen der Kriminellen bekannt.

Tokyo Regierungsgebäude 6 Justizminsterium und PSIA (Foto: っ cc-by)
Tokyo Regierungsgebäude 6: Sitz des Justizministeriums (Foto: っ cc-by)

Es handelt sich um Kaoru Kobayashi (44) der im November 2004 eine siebenjährige Grundschülerung entführte und ertränkte, sowie Keiki Kano (62), der im März 2002 eine Barbesitzerin zunächst strangulierte und anschließend ausraubte, und Masahiro Kanagawa (29) der bei einem Messer-Amoklauf im März 2008 eine Person getötet und sieben verletzt hatte.

Die Hinrichtungen werden in Japan durch Erhängen vollstreckt. Die Lebensbedingungen in den Todeszellen waren bereits mehrfach von Menschenrechtsorganisationen kritisiert wurden. So leben die jetzt 134 Todeskandidaten völlig isoliert und werden nur wenige Stunden vor der Hinrichtung informiert. Ihre Angehörigen erfahren erst nach der Hinrichtung davon.

Über die Hinrichtungen berichteten unter anderem die Mainichi Shimbun, die jiji, die Asahi Shimbun und die Kyodo.

Aggressives Vorgehen von China nahe Senkaku: China hat mit seiner jüngsten Aktion wieder einmal die eigenen Behauptungen, Japan sei die Nation, welche eine Eskalation anstrebe, ad absurdum geführt. Die aktuellen Meldungen zusammengefasst:

Japanische Nationalflagge (Originalfoto: Toshihiro Oimatsu cc-by)
Japanische Nationalflagge (Originalfoto: Toshihiro Oimatsu cc-by)

Südkorea droht wegen Takeshima-Tag: Sollte die japanische Regierung wie geplant einen offiziellen  Abgesandten zum „Takeshima-Tag“ in die Präfektur Shimane entsenden, werde Südkorea sich dafür revanchieren und entsprechende Maßnahmen treffen.

Japan will Darstellung der Vergangenheit nicht ändern: In einem Interview mit der „Washington Post“ erklärte Japans Premierminister Shinzo Abe, Politiker sollten sich nicht in die Abgründe der Geschichte begeben, sondern sich einer zukunftsorientierten Politik widmen. Allerdings warnte Abe China auch vor weiteren Provokationen.

Chinas Schiffe jagen japanisches Fischereiboot: Am Montag sollen drei chinesische Schiffe die japanische „Zenko Maru“ in der Nähe der Senkaku bedrängt haben.

Als das Eindringen in Japans Gewässer gemeldet wurde, erhielt das Fischereiboot die Warnung in den Hafen zurückzukehren, konnte jedoch aufgrund der Wetterverhältnisse nicht schnell navigieren.

In der Nähe der Senkaku nahmen chinesische Schiffe die „Zenko Maru“ mehrfach in die Zange, so dass das japanische Küstenwachschiff „Akaishi“ dazwischen gehen musste. Im Rahmen der anderthalb Stunden dauernden bedrängenden Aktion betrug die Distanz zwischen den Schiffen teilweise nur noch 60 Meter.

Der Kameramann eines Tschechischen Fernsehsenders, sowie ein Übersetzer befanden sich an Bord des japanischen Schiffs und dokumentierten das Vorgehen der Chinesen.

Putin sucht ein Unentschieden mit Japan: Bei Gesprächen mit Russlands Präsident Wladimir Putin, die den Boden für einen späteren Besuch von Japans Premier Shinzo Abe ebnen sollen, erklärte der judobegeisterte Putin gegenüber Ex-Premier Yoshiro Mori, er strebe ein „hikiwake“ mit Japan an – ein Judobegriff für ein „Unentschieden“.

Der Zustand, dass beide Nationen noch über keinen Friedensvertrag verfügten sei laut Putin eine „unnormale Situation“ und man suche nun eine für beide Seiten akzeptable Lösung

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here