Start Aktuelles Japan aktuell: Neuartige Kamera zeigt radioaktive Kontamination an

Japan aktuell: Neuartige Kamera zeigt radioaktive Kontamination an

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Straßenaufnahme der Radioaktivitäts-Kamera im Februar 2012 (Foto: JAXA/TEPCO)
Straßenaufnahme der Strahlungskamera im Februar 2012 (Foto: JAXA/TEPCO)
Straßenaufnahme der Radioaktivitäts-Kamera im Februar 2012 (Foto: JAXA/TEPCO)
Straßenaufnahme der Strahlungskamera im Februar 2012 (Foto: JAXA/TEPCO)

Gestern war die Kontamination von Lebensmitteln durch das AKW Fukushima aktuell – heute begann TEPCO mit einer längerfristig angelegten Untersuchung von Meereslebewesen innerhalb des Sperrgebiets. Auch technologisch gibt es mit einem Kameraprojekt Neues zu berichten. Neben den Fukushima News sind auch heute die Besorgnis um künftige Naturkatastrophen und die Folgen des Tohoku-Erdbebens ein Teil der Berichterstattung. Detaillierte Informationen wie üblich im Spreadnews Japan-Ticker vom 29. März 2012.

Unsere heutigen Themen:

  • Kamera zeigt radioaktive Kontamination
  • TEPCO will Auswirkungen auf Meerestiere in Sperrgebiet untersuchen
  • Stadt Okuma beantragt Einstufung als nicht bewohnbar
  • Bezirk von Tokyo arbeitet an neuem Katastrophenschutzplan
  • Probleme mit Messgeräten in Fukushima-Reaktor 1

Kamera zeigt radioaktive Kontamination: Die japanische Raumfahrtagentur JAXA und die japanische Atomenergiebehörde JAEA haben den Prototypen einer Kamera vorgestellt, die starke Strahlung in der Umgebung wahrnehmen kann. Das auf Anfrage des Fukushima-Betreibers TEPCO entwickelte Gerät basiert auf einer Technologie, die in Gammastrahlen-Detektoren von Weltraumsonden Verwendung findet.

Aufnahme der JAXA Gamma-Kamera in Iitate am 11. Februar 2012 (Foto: JAXA/TEPCO)
Aufnahme der JAXA Gamma-Kamera in Iitate am 11. Februar 2012 (Foto: JAXA/TEPCO)

Die neu entwickelte Kamera ist in der Lage, die von radioaktivem Cäsium und anderen Substanzen freigesetzte Gammastrahlung zu entdecken und so eine Reihe von Aufnahmen der radioaktiven Kontamination von Gebieten und Gebäuden zu machen. Dabei wird diese anhand einer sechsstufigen Farbskala, abhängig von der Stärke der Strahlung dargestellt. Das Gerät kann Aufnahmen in einem Winkel von annährend 180 Grad machen, was drei mal mehr ist, als mit bislang existierenden Modellen möglich war.

Bei einem Feldversuch im Februar 2012 wurde die Kamera an mehreren Stellen der Präfektur Fukushima, darunter auch an Straßen sowie Boden und Wand eines Supermarkts in der Ortschaft Iitate, die Teil der Evakuierungszone ist, eingesetzt und ihre Funktionsfähigkeit und Effektivität erfolgreich nachgewiesen.

Man erhofft sich durch diese Neuentwicklung, mit der die Lokalisierung radioaktiv kontaminierter Bereiche leichter sein wird, da ihre Bilder akkurater als jene der bislang genutzten Bildverfahren sind, auch eine Verbesserung der Dekontaminationsarbeiten innerhalb der betroffenen Gebiete.

Tadayuki Takahashi, Professor der Weltraumagentur JAXA erklärte, man werde nun daran arbeiten, das Gerät leichter zu konstruieren, so dass es erfolgreich eingesetzt werden kann.

TEPCO will Auswirkungen auf Meerestiere in Sperrgebiet untersuchen: Der Betreiber des AKW Fukushima Daiichi will nun die Auswirkungen, des durch die Nuklearkatastrophe frei gesetzten radioaktiven Materials auf Meereslebewesen, die innerhalb des 20 Kilometer messenden Sperrgebiets leben, erforschen. Dies berichten NHK und Kyodo. Damit entspricht TEPCO bereits bestehenden Forderungen von Fischern und Wissenschaftlern.

Nach der Ankündigung vom Mittwoch hat der Konzern nun in Kooperation mit den örtlichen Fischereiverbänden der Ortschaften Futaba, Iwaki und  Soma die Arbeiten aufgenommen. TEPCO will nach einer vorangehenden Analyse des Meeresbodens an insgesamt zehn Stellen Fische und Schalentiere untersuchen, berichtet die Kyodo. Bei der NHK ist von insgesamt 20 Probestellen, an denen der Fang auf Art und Konzentration der radioaktiven Stoffe überprüft wird, die Rede.

Gegen sechs Uhr morgens verließen zwei Fischerboote einen Hafen der Ortschaft Iwaki und fingen in den Gewässern des Flußes Kido im Gebiet der Küstenstadt Naraha 10 Kilogramm junger Sandaale, sowie zwei Kilogramm Shirauo (Salangichthys microdon). Auch andere Fischarten wie verschiedene junge Kleinfische, Flunder und Plattffische sollen in Zukunft gefangen und überprüft werden

Eine Nachforschung der Präfekturverwaltung Fukushima ergab, das in den jungen Sandaalen fast keine radioaktiven Substanzen entdeckt worden waren.

Am Montag hatte TEPCO erklärt, das bislang etwa 120 Tonnen Wasser, das vermutlich mit radioaktivem Strontium belastet sei, aus dem Zirkulationssystem des Kühlkreislaufs  der Reaktoren 1 bis 3 ausgetreten waren. Hiervon seien 80 Liter in den Pazifik gelangt. Die Konzentration betrage etwa 140.000 Becquerel pro Kubikzentimeter.  Die NHK spricht unspezifischer von gewaltigen Mengen radioaktiv kontaminierten Wassers, die seit Beginn der Krise ausgetreten wären.

Die Arbeiten, die bis zum Juni dauern sollen, sind die ersten ihrer Art. Bislang waren vergleichbare Untersuchungen nur außerhalb der Sperrzone durchgeführt worden. Der reguläre Fischfang ist dort weiterhin untersagt. Die jeweiligen Untersuchungsergebnisse sollen jeweils etwa zwei Wochen nach dem jeweiligen Fang veröffentlicht werden.

Stadt Okuma beantragt Einstufung als nicht bewohnbar: Während die Regierung in Tokyo betont, man wolle betroffene Gebiete so schnell wie möglich gründlich dekontaminieren, hat die Gemeindeverwaltung von Okuma andere Pläne. Sie bittet darum, den gesamten Ort als Zone zu klassifizieren, für die in absehbarer Zukunft keine Rückkehraussicht besteht.

Damit bezieht man sich auf die Überlegungen der Regierung, ein dreistufiges Zonen-System zu nutzen, in dem zwischen stark kontaminiertem Gebiet (Zone 3), eingeschränktem Gebiet in das vorübergehende Rückkehr möglich ist (Zone 2) und leicht belastetes Gebiet, das nach Abschluss der Dekontamination wieder bewohnbar ist (Zone 1). Diese Regelung würde primär 11 Städte, Dörfer und Ortschaften der Präfektur betreffen.

Toshitsuna Watanabe, Bürgermeister von Okuma machte den ungewöhnlichen Vorschlag während eines Treffens der Gemeindeverwaltung in deren vorübergehendem Standort in Aizu-Wakamatsu (Präf. Fukushima) am 28. März 2012. Damit ist Okuma der erste Ort, der von sich aus beantragt, zur Gänze als Gebiet der Zone drei und damit langfristig unbewohnbar, anerkannt zu werden.

Bislang zählen 90 Prozent der Stadt bereits zu dieser Zone und der Bürgermeister wolle auf diese Weise eine Teilung seiner Gemeinde vermeiden. Damit ist auch die Forderung nach einer finanziellen Entschädigung der Einwohner, wie sie im Plan der Regierung vorgesehen ist. Nach Einholung der Meinung der Mitglieder des Gemeinderats sowie der Einwohner wolle sich die Verwaltung mit der Regierung in Tokyo besprechen.

In einem ähnlichen Fall hatte die Gemeindeverwaltung der vollständig evakuierten Stadt Futaba dazu bereit, sich der Einteilung ihrer Stadt in das Zonensystem entgegenzustellen. Ein Besuch eines Regierungsvertreters in der provisorischen Stadtverwaltung in Kazo (Präf. Saitama) und ein Gespräch mit dem Bürgermeister Katsutaka Idogawa brachte diesbezüglich keine Einigung.

Bezirk von Tokyo arbeitet an neuem Katastrophenschutzplan: Der Bezirk Chiyoda in Japans Haupstadt Tokyo hat einen Katastrophenschutzplan entworfen, in dem für Tag und Nacht unterschiedliche Maßnahmen vorgesehen sind. Es handelt sich damit um den ersten Bezirk, der eine derartige Unterteilung vornimmmt.

Gebäude des METI in Tokyo (Foto: BlackRiver cc-by)
Gebäude des METI in Tokyo (Foto: BlackRiver cc-by)

An Wochentagen weist der Stadtteil, in dem sich verschiedene Verwaltungsgebäude und Firmensitze befinden eine Bevölkerung von mehr als 800.000 auf. Diese Zahl nimmt jedoch mit dern Pendlern die nach Feierabend in ihre Wohnungen zurückkehren drastisch ab und sinkt daher gegen Abend auf weniger als 50.000.

Dieser Situation und dem Umstand, dass mehr als 80 Prozent der Angestellten innerhalb des Bezirks mehr als 10 Kilometer vom Bezirksbüro  entfernt leben und dies daher in Katastrophenfällen während der Nacht oder zu Urlaubszeit praktisch keine Aufgaben erfüllen könnte, wird durch die geplante Neuregelung Rechnung getragen.

Sollte sich während der Tageszeit wochentags eine Naturkatastrophe ereignen, so wird das Bezirksbüro die Notunterkünfte bei Evakuierungen zuweisen. Zu anderen Zeitpunkten werden die örtlichen Stellen dagegen eigenständig Entscheidungen über die Evakuierungsmaßnahmen treffen.

Angestellte der Verwaltung die in Nähe des Büros leben, werden in einem derartigen Fall den Unterkünften Schadensmeldungen und andere Informationen über Radio zukommen lassen, da sich dort jene Personen aufhalten werden, die nicht in der Lage sind, nach Hause zurückzukehren.  Der gesamte neue Katastrophenplan soll im weiteren Verlauf des Jahres fertiggestellt werden. Das meldet die NHK.

Probleme mit Messgeräten in Fukushima-Reaktor 1: Wie die Betreiberfirma TEPCO mitteilte, entdeckte man heute gegen 11:00 Uhr Ortszeit, dass die Messgeräte für den Wasserstand des Reaktors 1, den Druck des Sicherheitsbehälters und den Druck innerhalb der Kodensationskammer außer Betrieb waren. Im Anschluss habe man die Stromversorgung der Messgeräte neu gestartet und um 12:56 Uhr wurde der Normalzustand der Messgeräte bestätigt. Nun arbeite man daran, die Ursache für den Zwischenfall zu ermitteln.

Auch wenn die Aufzeichnung von Daten während dieses Zeitraums nicht möglich war, wurden die sicherheitsrelevanten Werte weiterhin über andere Messgeräte überwacht werden. Da diese Werte keine signifikanten Veränderungen aufwiesen, gehe man davon aus, dass es kein Sicherheitsproblem gebe, so TEPCO.

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