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Japan aktuell: Neubewertung der AKW-Sicherheit in Japan gefordert

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Atomkraftwerk-Symbol (Grafik: Hendrik Tammen cc-by)
AKW Monju: Terrorismus-Gefahr durch Schlamperei (Grafik: Hendrik Tammen cc-by)
Atomkraftwerk-Symbol (Grafik: Hendrik Tammen cc-by)
Neubeurteilung von AKW-Sicherheit nötig (Grafik: Hendrik Tammen cc-by)

Der Winter sorgt auch im Großraum Tokyo weiterhin für Schwierigkeiten. Die Wetterbehörde warnt vor rutschigen Straßen und auch die Schnellzüge fahren nicht mit gewohnter Geschwindigkeit. Neben den Auswirkung auf den morgendlichen Berufsverkehr wurden im Zusammenhang mit Schnee und Eis in Tokyo und Umgebung bislang mindestens 158 Verletzte gemeldet.

Eiskalt erwischt hat es aber offenbar auch Japans AKW-Betreiber. Die auf Basis der Ereignisse von Fukushima aktuell gewonnenen Erkenntnisse könnten nun zu einem Problem für die Sicherheitsbeurteilung der Kraftwerke werden.

Mehr Fukushima News und sonstige Meldungen jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 01. März 2012

Unsere heutigen Themen:

  • Sicherheit von Japans AKW benötigt Neubewertung
  • Cäsium in Milch sogar unter neuem Grenzwert
  • Regierung will AKW-Betreiber zu Tsunami-Schutz drängen:
  • Dekontaminierungsskosten werden zum Teil nicht übernommen
  • Futaba-Einwohner reichen Klage für TEPCO-Entschädigungen ein
  • Erdbeben der Stärke 5,4 erschüttert Region um Tokyo
  • Über 90 Prozent der Tokyoter in Sorge vor schwerem Erdbeben
  • Kronprinz besucht Tenno in Klinik


Sicherheit von Japans AKW benötigt Neubewertung:
Experten hatten kritisiert, das Inspektionen von Kraftwerken oftmals eine reine Formsache seien. Doch zumindest hat die japanische Atomsicherheitsbehörde NISA jetzt landesweit die Betreiber aufgerufen, erneute Bewertungen der Sicherheit durchzuführen.

Hintergrund der Forderungen nach einer Neubeurteilung der AKW-Sicherheit  ist die Entdeckung, dass sich beim großen Erdbeben im März 2011 mehrere Verwerfungen gleichzeitig bewegt hatten. Damit könnte es in bestimmten Gebieten zu stärkeren Erdbeben kommen, als bislang für möglich gehalten wurde.

Die Kernkraftwerke wären damit verwundbarer durch seismische Aktivitäten, als bislang angenommen worden war. Die Atomsicherheitsbehörde NISA wies in Folge alle Energieanbieter in Japan an, eine derartige Möglichkeit in einem Bereich mehr als fünf Kilometern von ihren Anlagen entfernt, zu kontrollieren.

So sei etwa die von Hokkaido Electrics, Betreiber des AKW Tomari durchgeführte Analyse unzureichend, da lediglich eine Reihe von geologischen Verwerfungslinien des Meeresbodens die sich 40 Kilometer von der Anlage entfernt befinden, berücksichtigt worden waren.

Zwar hatte man in diesem  Bericht unter Berücksichtigung des Tohoku-Erdbebens die Länge dieser Verwerfungen von 80 auf 90 Kilometern  korrigiert, die NISA erklärte jedoch, Hokkaido Electrics müsste auch eine mögliche gemeinsame Bewegung der Meereszone mit der einer, südwestlich der Anlage unterirdisch gelegenen Verwerfungslinie, in die Berechnungen der Risikoeinschätzungen einbeziehen.

Auch für das, von der Japan Atomic Power betriebene AKW Tokai Daini in der Präfektur Ibaraki ist eine erneute Beurteilung erforderlich, so die NISA.  Die Neubeurteilungen könnten auch Auswirkungen auf die bisherigen Ergebnisse der Stresstests an Atomkraftwerken haben, da neue Risikofaktoren berücksichtigt werden müssen.

Sowohl im Fall des AKW Tomari als auch das AKW Tokai Daini kann die Möglichkeit, dass die Anlagen für ein derartiges Ereignis verwundbar sind, nicht länger ausgeschlossen werden, so die Betreiberfirmen.

Andere Energiekonzerne erklärten, dass eine gemeinsame Bewegung aktiver Verwerfungen in der Nähe ihrer Kraftwerke unwahrscheinlich sei, oder selbst beim Auftreten dieses Phänoments lediglich geringe Auswirkungen hätten. Die Überwachungsbehörde will nun nachvollziehen, nach welchen Gesichtspunkten die Betreiber die Verwerfungen einschätzten.

Ein Glas Milch
Fukushima-Milch: Cäsiumwerte unter Grenzwert (Foto: dp)

Cäsium in Milch sogar unter neuem Grenzwert: Bei einer Überprüfung von Milchprodukten aus 17 Präfekturen in Japan konnte keine Belastung mit radioaktivem Cäsium über dem geringsten, mit den Prüfgeräten noch nachweisbaren Wert, von 10 Becquerel pro Kilogramm nachgewiesen werden. Damit liegen alle 117 Produkte, die aus 110 Betrieben des japanischen Milchwirtschaftsverbandes, der  „Japan Dairy Industry Association“  stammen sogar unter dem neuen Grenzwert von 50 Becquerel, der am 1. April 2012 in Kraft tritt.

Der Verband, darunter auch namhafte Unternehmen wie  Meiji Co. and Morinaga Milk  Industry Co. hatte die Tests im Februar als Reaktion auf die anhaltenden Ängste von Eltern, die Milch in Schulmahlzeiten könne mit radioaktivem Material aus dem AKW Fukushima durchgeführt.

Eine Nonprofit-Organisation mit dem Namen „TEAM Nihonmatsu“ , die unabhängige Lebensmitteltests durchführt, hatte dagegen bei einem Milchprodukt einen Höchstwert von 14 Becquerel festgestellt. Man plane nun, die Kontamination von Lebensmitteln weiter zu beobachten. Das berichtet die Nachrichtenagenturen jiji und Kyodo.

Regierung will AKW-Betreiber zu Tsunami-Schutz drängen: Eine Arbeitsgruppe der japanischen Atomsicherheitskommission (NSC) hat sich nach Angaben der Kyodo zu einer Überarbeitung der bisherigen Sicherheitsrichtlinien bei der Planung von Atomkraftwerken entschlossen. Die zuletzt im Jahr 2006 aktualisierten Regeln reflektierten nicht mehr den aktuellen Stand und würden etwa Flutwellen nur vergleichsweise gering berücksichtigen.

Die NSC will nun die Kraftwerksbetreiber in ganz Japan dazu drängen. Ihre Anlagen jeweils auf den schlimmstmöglich anzunehmenden Tsunami vorzubereiten und dies auch bei künftigen Planungen zu berücksichtigen.

Sobald die Aktualisierung der Richtlinien für Atomkraftwerke von der NSC vorgenommen abgeschlossen ist, wird die neue Atomaufsicht, die im April ihre Arbeit aufnehmen soll, diese Regelungen übernehmen. Die bisher geltenden Bestimmungen beziehen sich praktisch nur auf den Schutz vor Erdbeben.

Nach den neuen Richtlinien muss jedes Atomkraftwerk den denkbar schwersten Tsunami zu berücksichtigen, der sich ereignen könnte, auch wenn die Wahrscheinlichkeit extrem gering sei und daraus resultierend Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Dabei müssen auch mögliche Tsunami die durch Erdbeben an weit entfernten Gebieten entstehen könnten, in Betracht gezogen werden. Ein Beispiel hierfür sei das große Chile-Erdbeben im Jahr 1960.

Dekontaminierungsskosten werden zum Teil nicht übernommen: Die Regierung will offenbar die Kosten für Dekontaminierung von Dächern und Gartenerde von Privathäusern nicht übernehmen, wenn die Bereiche mit „zusätzlicher“ Strahlungsbelastung – die Gesamtbelastung abzüglich der Strahlung aus natürlicher Quelle – lediglich mit Werten zwischen einem und  unter fünf Millisievert pro Jahr belastet sind.

Die Regierung hatte zuvor 104 Gemeinden in acht Präfekturen – darunter auch solche mit „zusätzlicher“ Belastung als entscheidene Schlüsselgebiete für die Dekontamination benannt, die daher auch finanzielle Unterstützungen durch die Regierung für die Durchführung dieser Maßnahmen erhalten sollen.

Den Richtlinien des Umweltministeriums zufolge sind die Gebiete mit Anrecht auf Regierungszuwendungen nach ihrer Strahlungsdosis in verschiedene Kategorien eingeteilt. Bereiche mit geringer Belastung bedürften demnach keiner Zuwendungen, während in stärker belasteten Gebieten die Reinigung von Dächern mit Hochdruckgeräten oder großen Bürsten und das Abtragen von Erdschichten bezuschusst werden.

Der Wegfall finanzieller Unterstützung für gering belastete Bereiche wird mit dem Umstand erklärt, dass umfangreiche Maßnahmen aufgrund der niedrigen Strahlung keinen wesentlichen Unterschied, zur konventionellen Dekontaminierung machen würden. Die Zahlung dieser Maßnahmen sei daher nur dort sinnvoll, wo sie tatsächlich einen signifikanten Unterschied der Strahlungsdosis herbeiführen könnten.

Unabhängig davon wird jedoch in jedem Fall die Dekontamination von öffentlichen Wänden, Abflussrinnen, und die Entfernung von herabgefallenem Laub bezuschusst. Auch  Schulen und Parks in denen sich Kinder mehrere Stunden lang aufhalten, werden unabhängig vom tatsächlichen Standort so gehandhabt, als befänden sie sich in stark belastetem Gebieten. Das meldet die Mainichi Shimbun.

Einwohner von Futaba reichen Klage für TEPCO-Entschädigungen ein: Eine Gruppe von früheren Einwohnern der Ortschaft Futaba, in der sich auch das AKW Fukushima Daiichi befindet, hat gestern, vertreten durch Bürgermeister Katsutaka Idogawa und weitere Personen, im Namen von 47 Personen aus insgesamt 22 Haushalten die Schiedststelle der japanischen Regierung  in Tokyo aufgesucht.

Sie hinterlegten dort Dokumente, in denen sie TEPCO, Betreiber des Katastrophen-AKW Fukushima Daiichi auf mehrere Millionen verklagen. Die Zahlung soll als Entschädigung für die Kontamination ihrer Grundstücke, die Kosten der Evakuierungen und die psychischen Folgeschäden dienen.

Die Einwohner des früher 7.000 Einwohner umfassenden Ortes, die nun über Japan verstreut leben müssen, sind unzufrieden mit dem Modell der Entschädigungszahlungen, wie sie TEPCO vorsieht. Bei der Gruppe der Kläger handelt es sich um die erste, die bei ihren Forderungen auf eine Schlichtungsstelle der Regierung zurückgreifen.

Bereits im Dezember vergangenen Jahres hatte die Ortschaft eine Gruppe von Verteidigern organisiert, um das Schiedsgerichtsverfahren einleiten zu können. Nun sollen die Klagen der weiteren Evakuierten, die zuvor ihre Dokumente ausarbeiten mussten, zügig folgen.

Auf die Bitte von Bürgermeister Idogawa, TEPCO möge bitte Verständnis für die Gefühle der betroffenen Menschen haben und die Forderung akzeptieren, reagierte der Energiekonzern mit der Aussage, man werde den Antrag prüfen und die Angelegenheit  ernsthaft handhaben. Das berichtet die NHK.

Erdbeben der Stärke 5,4 erschüttert Region um Tokyo: Am Donnerstag erschütterte um 7:32 Uhr ein Erdbeben der Stärke 5,4 die Region Kanto, in der sich auch Japans Haupstadt Tokyo befindet. Das Epizentrum habe sich in 60 Kilometern Tiefe befunden.Eine Tsunami-Warnung wurde nicht ausgegeben.

Von den Erschütterungen waren mehrere Standorte von Atomkraftwerken betroffen. Unter anderem wurde das Beben in Tokai (Präf. Ibaraki) und weiteren Beobachtungspunkten in den Präfekturen Fukushima, Tochigi und Ibaraki gemessen, so die japanische Wetterbehörde.

Die Atomaufsicht NISA erklärte jedoch, es gäbe keine Berichte über Störungen am AKW Tokai Daini, dem AKW Fukushima Daiichi, oder anderen Atomanlagen. Bereits am Mittwoch hatte es immer wieder leichtere Beben gegeben, auch in diesen Fällen waren jedoch keine Tsunami-Warnungen erfolgt. Nachfolgend ereigneten sich nun auch weitere Nachbeben, von denen jedoch ebenfalls keine Schäden gemeldet wurden.

Skyline von Tokyo bei Nacht (Foto: KJ)
Einwohner Tokyos fürchten Großbeben (Foto: KJ)

Über 90 Prozent der Tokyoter in Sorge vor schwerem Erdbeben: Eine von der Polizei in Tokyo durchgeführte Befragung von 2.561 Personen, die im vergangenen Oktober Polizeistationen aufsuchten, zeigte, das insgesamt 94,3 Prozent der Personen über die Möglichkeit eines schweren Erdbebens besorgt sind. Mehr als die Hälfte, nämlich 52,5 Prozent gaben an, starke Besorgnis zu verspüren.
Diese Zahlen gab die Polizeibehörde laut Kyodo heute bekannt.

Im Bezug auf die Vorbereitungsmaßnahmen gaben 82,8 Prozent an, über Taschenlampen zu verfügen. Insgesamt 66,1 Prozent erklärten zudem, sie hätten ein Radio für Notfalldurchsagen verfügbar. Auf eine mögliche Trinkwasserknappheit hatten sich 65,1 Prozent der Befragten mit Wasser in Flaschen vorbereitet.

Sollten sie sich zum Zeitpunkt des Erdbebens nicht Zuhause aufhalten, gaben 44,5 Prozent an, sie würden um jeden Preis dorthin zurückkehren, während 45 Prozent dies nicht tun würden.

Kronprinz besucht Tenno in Klinik: Wie das kaiserliche Hofamt mitteilte, besuchte Kronprinz Naruhito und dessen Gemahling, Kronprinzessin Masako in Begleitung von Prinz Akishino den Tenno im Universitätsklinikum Tokyo. Dort hatte sich dieser einer Bypass-Operation unterziehen müssen. Gegenwärtig ist der Tenno noch mit Übungen eines kardiologischen Rehabilitationsprogramms beschäftigt. Sollte alles nach Plan verlaufen, so könne er bereits an diesem Wochenende aus dem Krankenhaus entlassen werden, hiess es vom Hofamt.

Südkorea drängt auf zügige Lösung des Trostfrauen-Konflikts: Die Leugnung des Nanking-Massakers im Jahr 1937, bei der die kaiserliche japanische Armee Zivilisten und Kriegsgefangene massenweise hinrichtete, ist nicht das einzige dunkle Kapitel in Japans Geschichte während des zweiten Weltkriegs.

Südkoreas Präsident Lee Myung Bak forderte Japan am heutigen Donnerstag auf, die Anstrengungen zur Klärung von Angelegenheit um die euphemistisch „Trostfrauen“ genannten Armeeprostituierten, zu verdoppeln. Japan müsse den Mut und die Weisheit aufbringen, sich mit diesem gemeinsamen Kapitel der Geschichte auseinanderzusetzen. Medienberichte hierzu gab es bei der NHL Kyodo und jiji

Damit bezog sich Lee erstmals bei einer  in Südkorea stattfindenden Feierlichkeit zu Unabhängigkeitsbewegung des damals unter japanischer Okkupation stehenden Landes, ausdrücklich auf die Trostfrauen. Bislang hatte er Kritik an Japan zu kriegsbezogenen Jahrestagsfeierlichkeiten stets vermieden. Bei einem Treffen mit Japans Premierminister Noda im Dezember 2011 hatte er das Thema bereits zuvor angesprochen.

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