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Japan aktuell: Neue Richtlinien könnten Japans AKW lahmlegen

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Atomkraftwerk-Symbol (Grafik: Hendrik Tammen cc-by)
AKW Monju: Terrorismus-Gefahr durch Schlamperei (Grafik: Hendrik Tammen cc-by)
Atomkraftwerk-Symbol (Grafik: Hendrik Tammen cc-by)
Neue Richtlinien könnten Japans AKW lahmlegen (Grafik: Hendrik Tammen cc-by)

Auch wenn es um das AKW Fukushima heute still zu sein scheint, ist die Krise nach der Kraftwerkskatastrophe nicht vom Tisch – stieß das Unglück doch eine groß angelegte Überarbeitung der japanischen Sicherheitsbestimmungen für Kernkraftwerke an.

Sollte es etwa in absehbarer Zukunft zur dauerhaften Stilllegung von Anlagen kommen, so wäre dies ein Beispiel dafür, dass die Ereignisse von Fukushima aktuell noch einen sehr langen Schatten werfen werden.

Weitere Einzelheiten zu diesen und weiteren Themen heute im Spreadnews Japan-Ticker vom 23. Januar 2013

Unsere heutigen Themen

  • AKW Oi droht Abschaltung
  • Regelungen gegen Kabelbrände an AKW
  • Bürgermeister von Futaba tritt zurück
  • Senkaku
    • Chinesische Schiffe nahe Senkaku
    • Ming-Dokumente schwächen Chinas Position

AKW Oi droht Abschaltung: Möglicherweise könnten auch die letzten bislang aktiven Reaktoren Japans vom Netz gehen. Dies liess Shunichi Tanaka, Leiter der japanischen Atomaufsicht NRA auf einer Pressekonferenz am heutigen Mittwoch durchblicken.

Im Bezug auf die Reaktoren 3 und 4 des AKW Oi (Präf. Fukui), die unter großem Protest der Bevölkerung wieder ans Netz gegangen waren, erklärte er, jeder Reaktor, der den neuen Bestimmungen der Behörde nicht entspreche, müsse abgeschaltet werden. Dabei mache das Kernkraftwerk Oi keine Ausnahme.

Sollte die Anlage den am Juli in Kraft tretenden Regelungen entsprechen, so könne lediglich ein Weiterbetrieb gewährt werden, so Tanaka. Nach Angaben der NHK und jiji würde die vorläufige Verlängerung der Betriebserlaubnis 13 Monate betragen. In diesen Zeitraum falle auch die Standardinspektion des AKW Oi, die über das Schicksal mit entscheiden könnte.

Bei einem Herunterfahren der Anlage wären erneut alle 50 Kernkraftwerke des Landes vom Netz.

Regelungen gegen Kabelbrände an AKW: Die für Juli geplanten neuen Sicherheitsstandards für Kernkraftwerke werden sich auch mit dem Schutz vor Kabelbränden befassen. Zuvor waren an mehreren japanischen Kraftwerken Brandschutzmängel festgestellt worden (Spreadnews berichtete ausführlich am 1. Januar 2013)

In mindestens 13 Reaktoren, die vor 1975 gebaut wurden, sind selbst in Bereichen, die für die Sicherheit der Anlage entscheidend sind, entflammbare und nicht ausreichend hitzeresistente Ummantelungen für Kabel eingesetzt worden. Als Nachbesserung für ältere Reaktoren galt das Auftragen von brandhemmenden Substanzen als ausreichend.

Wie die Yomiuri Shimbun schreibt, wurde das Problem nun auch in dem am Montag vorgelegten Entwurf neuer Sicherheitsrichtlinien aufgegriffen und der Austausch von elektrischen Kabeln als Sicherheitsmaßnahme vorgestellt.

Sollte der Austausch aller Kabel tatsächlich Vorbedingungen für Reaktor-Neustarts werden, könnten sich diese um Jahre verschieben und aufgrund der entstehenden Kosten möglicherweise sogar gänzlich ausbleiben..

Bürgermeister von Futaba tritt zurück: Der Bürgermeister der Ortschaft Futaba (Präf. Fukushima), auf deren Gelände sich auch die Anlage des AKW Fukushima Daiichi befindet, kündigte bei einem Treffen der Vertreter der Ortsvewaltung, die sich nun in Kazo (Präf. Saitama) befinden seine Absicht zurückzutreten an und reichte dann sein Rücktrittsschreiben ein.

Die gesamte Ortschaft ist mittlerweile eine Geisterstadt, nachdem alle Bürger aufgrund der Fukushima-Krise evakuiert worden waren.

Nach dem Rücktritt von Bürgermeister Katsutaka Idogawa am 12. Februar, werden innerhalb eines Zeitraums von 50 Tagen Neuwahlen stattfinden. Über die Hintergründe des Rücktritts machte die jiji keine Angaben.

Provokation und Geschichtsstunde im Senkaku-Streit: Die Spannungen zwischen Japan und dem Nachbarland China hielten auch am gestrigen Tag an. Eine ihrer Grundlagen, nämlich die Geschichte der Inselkette, wurde nun ebenfalls wieder als Argument herangezogen. Die aktuellen Neuigkeiten nun im Überblick.

Japanische Nationalflagge (Originalfoto: Toshihiro Oimatsu cc-by)
Japanische Nationalflagge (Originalfoto: Toshihiro Oimatsu cc-by)

Chinesische Schiffe nahe Senkaku: Auch am gestrigen Dienstag setzten sich Chinas Aktivitäten in der Nähe der Senkaku fort.

Ein Schiff der chinesischen Fischereibehörde navigierte mehrmals innerhalb und außerhalb des Grenzgebiets zu Japans Gewässern. Die am Montag Abend begonnenen Aktivitäten setzten sich bis zum Dienstagmittag fort.

Warnungen der japanischen Küstenwache nicht in japanisches Hoheitsgebiet einzudringen, wurden mit der Antwort, die Inseln gehörten „seit altersher“ zu China kommentiert.

Ming-Dokumente schwächen Chinas Position: Chinas Behauptung, die Senkaku gehörten seit langer Zeit zu China könnte ins Wanken geraten, ausgerechnet auf Grund der offiziellen Analen der Ming-Dynastie (1368 -1644).

Professor Nozomu Ishii sieht darin beschrieben, dass Seegebiete bis zu 40 Kilometer von Chinas Küste zur Ming-Dynastie zählten.

Da die Senkaku jedoch 330 Kilometer von der Küste entfernt liegen, gelte hier die Aussage aus den Analen (Huangming Shilu), das Seegebiet außerhalb dieser Bereiche gehöre niemandem und könne von jedem durchquert werden. 1895 übernahm Japan die Verwaltung, nachdem zuvor die Staatenlosigkeit festgestellt worden war, so Ishii.

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