Japan aktuell: Neue Roboter für AKW Fukushima

Japan aktuell: Neue Roboter für AKW Fukushima

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Tepcos Spezialroboter
Ausgefallener Spezialroboter "Quince": Nachfolger sind unterwegs (Foto: TEPCO)

Tepcos Spezialroboter "Quince" Foto: TEPCO
Ausgefallener Spezialroboter "Quince": Seine Nachfolger sollen sicherer sein. (Foto: TEPCO)

Die kalte Abschaltung („Cold Shutdown“) soll für einen kontrollierten Zustand in den Reaktoren des Atomkraftwerks sorgen. Doch diesmal ist es eine Summe mehrerer kleiner Zwischenfälle, die im Zusammenhang mit dem AKW Fukushima aktuell weniger für Kontrolle, sondern vielmehr zu hektischem Aktionismus führen. Doch man versucht offenbar aus den Fehlern zu lernen, wie neue Roboter, neue Konzepte und vielleicht auch ein neu eingereichter Bericht zeigen. Einzelheiten zu den Rückschlägen, Bemühungen und Plänen, wie sie am und um das Kernkraftwerk Fukushima aktuell zu erleben sind –  jetzt neben weiteren Meldungen in den Fukushima News im Spreadnews Japan-Ticker vom 31. Januar 2012.

Zwei weitere Lecks an Rohren in Fukushima: Nachdem der Energiekonzern TEPCO bereits am Sonntag die Entdeckung von Wasserlecks an 14 Stellen am AKW Fukushima Daiichi einräumen musste, bei denen insgesamt fast acht Tonnen Wasser austraten, meldete das Unternehmen noch am gestrigen Tag den Fund zwei weiterer undichter Stellen auf dem Gelände des Kernkraftwerks.

In einem der beiden Fälle waren etwa 30 Liter Wasser an einer Entsalzungseinheit ausgetreten, im anderen Fall entstand die undichte Stelle am Ventil eines Rohres, dass Wasser in einen der Reaktoren einleitet. Als allgemeine Ursache für Schäden an Rohren, Schläuchen und Ventilen, werden die niedrigen Temperaturen angesehen, es wird jetzt geprüft, ob es zu einem Riss am Rohr kam oder sich lediglich das Ventil durch den Frost bewegte.

Als schnelle Sicherheitsmaßnahmen will man die Zahl der Kontrollgänge am frühen Morgen erhöhen, wo der Wechsel zwischen Nacht- und Tagtemperatur derartige Schäden begünstigen könnte, sowie die Anbringung von Isolierungen und Wärmedämmungen um Rohre und weitere Bauteile. Das Wasser sei in keinem Fall aus dem Kraftwerk, geschweige denn ins Meer gelangt.

Nach Ausfall nun zwei neue Fukushima-Roboter: Wie die NHK meldet, haben Forscher am Institut für Technologie in Chiba in Zusammenarbeit mit anderen Stellen, die Arbeit an zwei neuen Roboter, die im Inneren des AKW Fukushima zum Einsatz kommen sollen, fertiggestellt. Der Bau neuer Roboter war erforderlich geworden, als sich im Oktober vergangenen Jahres der Kontakt zum bislang genutzte Roboter Quince abbrach, vermutlich weil er sich in Kabel verwickelte und somit für weitere Arbeiten ausfiel.

Die neuen Roboter haben zwar etwa die gleiche Größe wie das Vormodell, verfügen jedoch über einige Neuerungen die einen weiteren derartigen Verlust verhindern sollen.

Zum einen verfügen sie jetzt über sechs separate und bewegliche Rollketten, mit denen sie über Trümmer bewegen und Treppen hinuntergehen können. Zum anderen können sie, falls die Hauptsteuerung über das Verbindungskabel ausfallen sollte, auch noch auf drahtlosem Wege dirigiert werden. Zudem sind sie in der Lage sich auf diese Weise gegenseitig zu „wecken“, falls bei einem der Motor ausfiele.

Für weitere Untersuchung ist einer der beiden Roboter mit einem genaueren Messgerät für das Strahlungsniveau ausgestattet, der andere soll mit einem neuen Scanner auch eine dreidimensionale Wiedergabe ermöglichen. Beide Geräte sollen Mitte Februar in Fukushima eingesetzt werden.

Japan überarbeitet das Tsunami-Warnsystem: Die Wissenschaftler des „Japan Agency for Marine-Earth Science and Technology“ (JAMSTEC) die sich mit Ozeanologie und Meerestechnik befassen,  warnen jetzt, nach dem Tohoku-Erdbeben vom März 2011 könne mit einem großen Erdbeben und Tsunami östlich des so genannten Japangrabens gerechnet werden, da sich innerhalb der Pazifischen Platte die Kräftedynamik geändert habe, berichtet die NHK.

Nicht diese Prognose, oder der Umstand, dass laut Kyodo 24 Prozent der Gemeinden über keine Richtlinien zur Evakuierungsempfehlungen verfügen, sondern die Erkenntnis, dass bei der Warnung der Bevölkerung offenbar die Höhe unterschätzt worden war, führt nun zu einer Überarbeitung der Methodik des Tsunami-Alarmsystems.

Statt des bisher achtstufigen Systems, soll die wissenschaftliche Kategorisierung nur noch fünfstufig erfolgen, dabei steht die Stufe jeweils für Tsunami von 1 (Hinweis ), 3 (Warnung), 5, 10, 10+ (große Warnung) Meter.

Für die Bewohner soll die Beurteilung vereinfacht werden, indem bei veröffentlichten Warnungen und Bekanntgaben nur noch zwischen „großen“ oder „riesigen“ Tsunami unterscheidet und dementsprechend die Aufforderung Schutz zu suchen, oder zu evakuieren erfolgt. Als Vergleich sollen  die bekannten Tsunami der Vergangenheit als Vergleich herangezogen werden.

Wenn die Stärke eines Erdbebens nicht sofort bekannt ist, sollen die zuständigen Stellen von einer größtmöglichen Bedrohung auszugehen, ohne auf die Einschätzung eines Tsunami zu warten.

Ersonnen wurde das neue Konzept, dass im Verlauf des Jahres eingebunden werden soll, von Tsunami-Experten und Fachleuten für Katastrophenschutz. Die Änderung der Methodik ist eine Besonderheit da die Behörde bereits in der Vergangenheit um eine Verbesserung der Voraussagen gebeten wurde.

Präfektur Shiga will Sicherheitszone ausweiten: Die Ergebnisse einer Simulation über die Verbreitung radioaktiven Materials in Fall von Störfällen in der angrenzenden Präfektur Fukui, wo insgesamt 14 Reaktoren stehen, sind für die Verantwortlichen der Nachbarpräfektur Shiga offenbar Grund genug, die eigene Evakuierungszone auszuweiten, berichtet die Asahi Shimbun.

Die Präfekturleitung will im mehrteiligen Zonenkonzept (Spreadnews berichtete im Oktober 2011) , das im April eingeführt wird,  die „Urgent Protective Action Planning Zone“ (UPZ) die sonst nach Regierungsvorgaben einen Radius von 30 Kilometer hat, auf 42 Kilometer ausgeweitet werden.

In diesem Umkreis werden Bewohner bei einem Störfall aufgefordert, entweder zu evakuieren, oder in ihren Häusern zu bleiben.  Insgesamt müssten dann 42.000 Menschen, statt wie im Fall eines 30 Kilometer Radius der UPZ 13.000 Menschen evakuiert werden.

Die Simulation habe die Verbreitung radioaktiven Materials bei Störfällen in den AKW Mihama und dem AKW Oi in der Nachbarpräfektur als ebenso kritisch eingestuft, wie jene vom Fukushima-Unglück. In den Städten Takashima und Nagahama im Norden der Präfektur Shiga könnten die Schilddrüsen der Einwohner bereits durch die Atmung pro Tag einer Belastung zwischen 100 und 500 Millisievert ausgesetzt werden.

Japans Stresstests entsprechen IAEA-Standards: Während die IAEA noch am gestrigen Montag die Behauptung, die Atomaufsicht plane eine Niederlassung in Fukushima wieder dementierte und erklärte, die örtlichen Medien hätten Generaldirektor Yukiya Amano in irrtümlicher Weise zitiert, scheint man sich in einem anderen Punkt etwas sicherer zu sein.

Die IAEA überreichte der japanischen Atomenergiesicherheitsbehörde NISA einen zusammenfassenden Bericht, in der die internationale Organisation zu dem Schluss kommt, die von Japan für ihre Stresstests getroffenen Kriterien und deren Umsetzung um die Sicherheit der Reaktoren zu prüfen, stimmten mit den  von der IAEA geforderten Standards „grundsätzlich überein„.

Gleichzeitig wurde jedoch die Durchführung sieben weiterer Schritte empfohlen. Zu ihnen gehört, bei der Erklärung des Vorgehens der Behörde nicht nur auf Veröffentlichungen auf der offiziellen Webseite zu setzen, sondern direkte Gespräche mit den Betroffenen vor Ort zu suchen. Berichte hierzu gab es in mehreren Medien, wie der Asahi Shimbun und den Nachrichtenagenturen Kyodo und jiji.

Windkraft statt Atomkraft in Hidaka: Im Bemühen, die Energieversorgung trotz der  zahlreichen zur Zeit ruhenden Atomkraftwerke und in Hinblick auf einen Abbau der Atomenergie in Zukunft sicher stellen zu können, plant die Eurus Energy Holding, das größte Windparkunternehmen Japans, das teilweise von TEPCO finanziert wird, die Erichtung eines Windkraftwerks in der Ortschaft Hidaka (Präf. Wakayama), dessen Verwaltung zuvor den Bau einer Kernkraftwerks abgelehnt hatte.

Sollte das Unternehmen grünes Licht bekommen, was durchaus wahrscheinlich ist und auch andere Instanzen, wie etwa die Präfekturalverwaltung zustimmen, könnte die Windkraftanlage im Jahr 2014 ans Netz gehen.  Das Projekt soll auf einem erhöhten Gelände entstehen und insgesamt sieben Windturbinen mit einer Leistung von 2.000 bis 2.300 Kilowatt umfassen. Die erzeugte Energie wird dann an den Stromanbieter Kansai Electrics verkauft, der damit 8.500 bis 10.000 Haushalt mit Elektritizät versorgen kann, berichtet die Mainichi Shimbun.

Da in einigen Gebieten in der Zukunft mit Tsunami gerechnet werden muss, will das Unternehmen zudem das Erdmaterial, das bei Aushubarbeiten übrig bleibt nutzen, um Land für Übergangshäuser vorzubereiten, zudem soll in dem Gebiet ein Hubschrauberlandeplatz entstehen.

Offizielle Bekanntmachung der Kawauchi-Rückkehr: Wie zuvor angekündigt, rief Yuko Endo, der Bürgermeister der Dorfgemeinde Kawauchi (Präf. Fukushima) die im Zuge der Reaktorkatastrophe evakuierten etwa 2.600 Einwohner heute in einer Pressekonferenz in der Stadt Fukushima öffentlich dazu auf, dauerhaft in ihren Heimatort zurückzukehren, sobald die Grundlagen hierfür geschaffen seien.

Kawauchi ist somit der erste Ort, in den eine Stadtverwaltung wieder an ursprünglicher Stelle arbeiten wird. Man hofft mit dem Beginn des örtlichen Verwaltungsapparats und einer Klinik, das Vertrauen der Bürger in die Rückkehr zu stärken. Darüber berichtete etwa die Nachrichtenagentur Kyodo.

Giftgas-Sektenmitglied mit neuem Haftbefehl: Wie bereits erwartet, wird der in Haft sitzende Makoto Hirata, früheres Mitglied der Sekte Omu Shinrikyo, nun auch wegen des Verdachts, an einem Sprengstoffanschlag beteiligt gewesen zu sein, beschuldigt. Zuvor war ihm lediglich die Mitwirkung an einer Entführung, in deren Verlauf die Geisel starb, vorgeworfen worden.

Wie die Mainichi Shimbun unter Berufung auf namentlich ungenannte Quellen meldet, soll Hirata im Jahr 1995 auf Geheiss des damaligen Mitkultisten Yoshihiro Inoue (42) bei einem Bombenanschlag Schmiere gestanden und als Beobachter die erfolgreiche Detonation des Sprengsatzes an einem Wohnblock im Stadtteil Suginami bestätigt haben. Hirata selbst hatte bereits kurz nachdem er sich am 31. Dezember 2011 der Polizei gestellt hatte, seine Beteiligung eingestanden.