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Japan aktuell: Neue Verformungen an Wänden von Fukushima-Reaktor 4 festgestellt

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Reaktor 4: Südhügelblick am 18.06.2012 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 4: Blick vom Südhügel am 18. Juni 2012 (Foto: TEPCO)
Reaktor 4: Südhügelblick am 18.06.2012 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 4: Blick vom Südhügel am 18. Juni 2012 (Foto: TEPCO)

Die Betreiberfirma TEPCO liefert vom AKW Fukushima aktuell neue Fotos, die einen Eindruck vom Zustand der Anlage und einen Vergleich mit älteren Aufnahmen ermöglichen.

Doch gibt es von dort auch Meldungen über die Auswirkungen der Atomkatastrophe auf die Struktur des Gebäudes von Reaktor 4.

Zudem sind auch weitere japanische Kernkraftwerke ein Teil der heutigen Berichterstattung – wie auch die Möglichkeit einer eingeschränkten Informationsweitergabe über die Zustände am AKW Oi, das auf seinen baldigen Neustart wartet.

Neben Fukushima News und den Status japanischer Atomkraftwerke gibt es wie immer auch weitere Themen – im Spreadnews Japan-Ticker vom 26. Juni 2012.

Unsere heutigen Themen:

  • Mauern von Fukushima-Reaktor 4 neigen sich nach Innen
  • Bürger wollen Stillstand des AKW Shika vor Gericht erstreiten
  • Neustart des AKW Hamaoka über mehrere Jahre unwahrscheinlich
  • Juli-Neustart des AKW Oi möglicherweise mit Geheimhaltung verbunden
  • Erstes Unternehmen in Fukushima-Evakuierungszone bankrott
  • Restaurants in Fukushima verarbeiten erstmals wieder Fisch

Mauern von Fukushima-Reaktor 4 neigen sich nach Innen: Wie die Betreiberfirma TEPCO mitteilte, weist der Reaktor 4 am AKW Fukushima Daiichi eine innere Neigung an mehreren Wänden auf. Diese baulichen Veränderungen waren erstmals vergangenen Monat festgestellt worden. Eine weitergehende Untersuchung entdeckte nun diese Schäden auch an anderen Gebäudeteilen.

AKW Fukushima: Blick vom Südhügel auf Arbeiten an Reaktor 4 am 18. Juni 2012 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Blick vom Südhügel auf Arbeiten an Reaktor 4 am 18. Juni 2012 (Foto: TEPCO)

Die gewaltsamen baulichen Veränderungen wurden vermutlich durch die heftige Wasserstoffexplosion im März 2011 verursacht. Die Erdbebensicherheit sei jedoch nicht gefährdet, versichert TEPCO.

Die stärkste Neigung wurde im dritten Stockwerk festgestellt. Dort beträgt die Schräglage durch die deformierte Gebäudestruktur  4,6 Zentimeter. Da jedoch die Innenwände offenbar nicht betroffen sind und sich diese Werte im gesetzlichen Bereich finden, ist die Stabilität gemäß den Standards für Gebäudestärke ebenfalls positiv.

Für das Abklingbecken, in dem sich nach wie vor mehr als 1.500 abgebrannte Brennelemente befinden, bestehe ebenfalls keine Gefahr, da dieser zudem durch bauliche Maßnahmen zusätzlich gesichert werde. Das berichtete die NHK am gestrigen Montag.

Bürger wollen Stillstand des AKW Shika vor Gericht erstreiten: Insgesamt 120 Anwohner aus den Präfekturen Ishikawa und Toyama, die in der Nähe des AKW Shika (Präf. Ishikawa) leben, streben eine Gerichtsentscheidung an, die dem Betreiber der Anlage, Hokuriku Electric,  den Neustart der Reaktoren 1 und 2 dort untersagt.

Als Begründung führen sie mehrere aktive Verwerfungen, wie etwa die „Togikawa-nangan Verwerfung“ in der Nähe des Kernkraftwerks an, die zu einem Erdbeben führen könnten, dessen Stärke über dem Sicherheitsniveau der Anlage liegt. Die Fukushima-Katastrophe habe bereits gezeigt, dass auch Kraftwerke die als erdbebensicher gelten, schwere Schäden erleiden können.

Aus diesem Grund seien die bisherigen Richtlinien zum Sicherheitsniveau von Atomkraftwerken nicht mehr aussagekräftig genug, so dass man in Anbetracht von Faktoren wie etwa den Verwerfungen, die bei den bislang üblichen Vorgaben keine Rolle spielten, nicht mehr die Sicherheit des AKW Shika garantieren könne.

Die Anlage müsse mindestens einem Beben der Stärke 7,3 standhalten können – die Betreiberfirma garantiert jedoch nur Sicherheit bis zu einem Erdbeben der Stärke 6,8. Bislang hat sich das Elektrizitätsunternehmen nicht zu der Klage geäußert, da die Klageschrift noch nicht vorliege.

Über die Klage berichteten unter anderem die Mainichi Shimbun, die NHK und die Nachrichtenagentur Kyodo.

Die Chancen vor dem Gericht in Kanazawa sind zunächst nicht schlecht, entschied doch das Gericht im März 2006 zugunsten einer Klage, die einen Stopp von Reaktor 2 gefordert hatte. Es handelt sich somit um den bislang einzigen kommerziell genutzten Kernreaktor in Japan, gegen den ein Gericht ein derartiges Urteil fällte.

Allerdings wurde die Entscheidung im März 2009 durch ein übergeordnetes Gericht aufgehoben und ein Einspruch scheiterte schließlich im Oktober 2010 vor dem obersten Gerichtshof.

Neustart des AKW Hamaoka über mehrere Jahre unwahrscheinlich:  In Anbetracht schwerer Probleme die zuvor der Klärung bedürften, sei ein Neustart des AKW Hamaoka in Omaezaki (Präf. Shizuoka) für die nächsten Jahre als unwahrscheinlich anzusehen. Dies erklärte Heita Kawakatsu, Gouverneur der Präfektur, gegenüber einem örtlichen Fernsehsender.

Atomkraftwerk Hamaoka (Foto: Yasunobu Hiraoka cc-by-nd)
Das AKW Hamaoka (Foto: Yasunobu Hiraoka cc-by-nd)

Zu den Hindernissen zählte er die Gewährleistung der Tsunami-Sicherheit und die Klärung des Umgangs mit abgebrannten Brennstäben. Diese Bedenken nannte er auch in einer Pressekonferenz.

Da die Regierung in Tokyo diese Anlage als Sonderfall betrachte, sei eine einfache Bestätigung der Sicherheit keinesfalls ausreichend, sondern mache detailliertere Erklärungen erforderlich. Unter den gegenwärtigen Umständen sei ein Neustart unmöglich. Das berichtete die Nachrichtenagentur jiji am gestrigen Montag.

Juli-Neustart des AKW Oi möglicherweise mit Geheimhaltung verbunden: Trotz der Fehlalarme die es in jüngster Zeit am AKW Oi (Präf. Fukui) gegeben hatte, plant der Betreiber Kansai Electric den Neustart des ersten der beiden Reaktoren bereits für den 1. Juli 2012. Das gab das Unternehmen KEPCO am gestrigen Montag bekannt.

Während man das zweite Leitungssystem bereits reinige, sollen am heutigen Dienstag das Hauptkühlsystem des Reaktors auf mögliche Wasserlecks untersucht, sowie die Strahlungsüberwachungseinheiten und deren Messgeräte auf ihre reibungslose Funktionsfähigkeit geprüft werden.

Sollten sich keine Probleme ergeben, so wird Reaktor 3 wie geplant am 1. Juli gestartet. Mit dem Beginn der Stromerzeugung wird am 4. Juli gerechnet, bevor der Reaktor frühestens am 8. Juli seinen Vollbetrieb wieder aufnehmen werde.

Im Zusammenhang damit, hat die Atomsicherheitsbehörde NISA darauf hingewiesen, man werde nicht sofort jeden einzelnen Zwischenfall bei dem ein Alarm ausgelöst werde, öffentlich machen. Als Begründung hierfür gab Yoshinori Moriyama,  bei der Behörde zuständiger Verantwortlicher für die Gegenmaßnahmen bei Atomunfällen an, derartige Alarmmeldungen gebe es etwa 200 mal pro Jahr, ohne das tatsächlich Störungen vorliegen würden.

Nachdem Journalisten gegen diesen Schritt protestiert und diese Informationspolitik kritisiert hatten, erklärte Moriyama später, er werde sich mit der Presse über die Angelegenheit beraten. Über die Neustartankündigung berichteten die Asahi Shimbun und die Nachrichtenagentur Kyodo. Letztere meldete die Überlegungen der NISA.

Der Neustart ist mehrfach umstritten. Zum einen wird die Sicherheit der Anlage in Zweifel gezogen, zum anderen sollen die befürchteten Energie-Engpässe durch die Klimaanlagennutzung während des Sommers auch nicht durch die Reaktivierung des AKW Oi gänzlich verhindert werden können.

Erstes Unternehmen in Fukushima-Evakuierungszone bankrott: Unter Berufung das private Kreditforschungsunternehmen Teikoku Databank Ltd. berichtet die jiji vom Bankrott des Unternehmens Suzuki Sangyo. Die im Jahr 1979 gegründete Firma  verkaufte Maschinen und Werkzeuge, die für Wartungsarbeiten in AKW benötigt werden. Mit der jetzigen Pleite handelt es sich um das erste Unternehmen, dass in der 20-Kilometer-Zone bankrott geht.

Restaurants in Fukushima verarbeiten erstmals wieder Fisch: Nachdem Testfänge keine radioaktive Belastung bei zwei Schalentierarten und zwei Oktopusgattungen nachgewiesen hatten, wurden erstmals seit dem Beginn der Fukushima-Krise wieder Meereserzeugnisse in den Handel gebracht.

Tokyo: Kaiten-Sushi-lokal (Foto: KJ)
Sushi-Lokal in Tokyo: Bald mit Fukushima-Fisch? (Foto: KJ)

Waren zunächst nur zwei Supermarktfilialen beliefert worden, die Ware zu deutlich vergünstigten Preisen anboten, so nutzen nun einige Restaurants in der Präfektur Fukushima erstmals wieder Produkte, die in heimischen Gewässern gefangen wurden. Der Fisch wird nun in einigen Restaurants, beispielsweise in Form von Sushi oder Sashimi – filetiertem rohen Fisch – serviert.

Am morgigen Mittwoch soll ein weiterer Testfang erfolgen und abhängig von den Reaktionen der Verbraucher, möglicherweise auch Lieferungen in größere Städte, wie etwa Tokyo erfolgen. Das berichtet die NHK.

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