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Japan aktuell: Neuer Dampf und hohe Strahlung über Fukushima-Reaktor 3

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Präfektur Fukushima: Radioaktives Kobalt im Boden nachgewiesen (Symbolbild: pd)
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Fukushima-Reaktor 3: Neuer Dampfaustritt und hohe Strahlung (Grafik: pd)

Der Betreiber meldete am AKW Fukushima heute zwar das selbe Phänomen, wie es bereits vergangene Woche aufgetreten war, musste allerdings eine vergleichsweise hohe Strahlung melden.

Trotz dieser Entdeckung bemüht sich das Unternehmen sowohl auf dem Gelände, als auch bei der Präfektur Fukushima aktuell um Schadensbegrenzung und versucht, noch den letzten Rest an Vertrauen zu retten.

Dieses hatte nach dem verspätetem Eingeständnis der Kontamination des Pazifiks deutlich Schaden gelitten.

Einzelheiten zu den heutigen Fukushima News jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 23. Juli 2013.

Unsere heutigen Themen:

  • Hohe Strahlung bei neuem Dampf über Fukushima-Reaktor 3
  • TEPCO demonstriert Fukushima-Grundwasserschutzmaßnahmen
  • Fischer durch Geständnis zur Fukushima-Meerekontamination verunsichert
  • Montagearbeiten an Fukushima-Reaktor 4 dauern an
  • NRA beginnt Sicherheitsbeurteilung des AKW Genkai
  • NRA-Kontrollen an einigen AKW verzögern sich

Hohe Strahlung bei neuem Dampf über Fukushima-Reaktor 3: Am heutigen Dienstag meldet der Betreiber des AKW Fukushima Daiichi erneut die Sichtung eines Phänomens an Reaktor 3, das „wie Dampf aussehe“ und reichte später Angaben zu hohen Strahlungswerten nach.

Fukushima-Reaktor 3: Beobachtung von Dampf am 18. Juli 2013 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 3: Beobachtung von Dampf am 18. Juli 2013 (Foto: TEPCO)

Gegen 9:05 Uhr morgens habe eine der Überwachungskameras das Ereignis festgehalten – erneut am fünften Stockwerk des Reaktorgebäudes unmittelbar oberhalb des Reaktorbehälters. Gegen 10:30 Uhr Ortszeit war die Dampfbildung immer noch zu beobachten, erklärte das Unternehmen.

Bereits am vergangenen Donnerstag hatte die Sichtung von Dampf an Fukushima-Reaktor 3 für Aufsehen gesorgt (Spreadnews berichtete am 18. Juli 2013). Auch im jüngsten Fall hält TEPCO das bisherige Erklärungsmodell für wahrscheinlich: Da es Montagnacht zu Regenfällen gekommen war, sei vermutlich das Regenwasser auf dem 38 Grad Celsius heißen Sicherheitsbehälter verdampft.

Mit Stand von 9:30 Uhr wurden zunächst weder bedeutende Temperaturänderungen, Schwankungen der Strahlungswerte, ungewöhnliche Veränderungen des Drucks, der Konzentration von Wasserstoff oder Edelgasen, noch andere Auffälligkeiten festgestellt. Um 9:00 Betrug die Lufttemperatur 20,3 Grad Celsius, die Luftfeuchtigkeit lag bei 91,2 Prozent.

Dann jedoch mussten die Angaben aufgrund von Messwerten geändert werden: An insgesamt 25 Stellen um die Betonabdeckung des Sicherheitsbehälters waren Strahlungsmessungen durchgeführt und hohe Werte an Radioaktivität entdeckt worden.

Dabei wurde im Oberbereich des Reaktors ein Maximalwert von 2,17 Sievert pro Stunde gemessen. Der geringste gemessene Wert dort betrug 137 Millisievert. Die Strahlungsmessung der Luft an der Stelle, an der man den Dampf gesichtet hatte, ergab 562 Millisievert pro Stunde.

TEPCO demonstriert Fukushima-Grundwasserschutzmaßnahmen: Am Montagabend gewährte der Betreiber des AKW Fukushima einer kleinen Gruppe von 17 Journalisten und Kameramännern einen Einblick in die Maßnahmen, die eine Verbreitung von radioaktivem Grundwasser verhindern sollen.

AKW Fukushima: Angestellter bei Arbeiten zur Bodenaushärtung am 6. Juli 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Angestellter bei Arbeiten zur Bodenaushärtung am 6. Juli 2013 (Foto: TEPCO)

Ein Großteil der Arbeiten wird erst nach Sonnenuntergang erledigt, um zu verhindern, dass die mit Schutzanzug und Atemmaske arbeitenden Angestellten angesichts der derzeitigen Temperaturen mögliche Gesundheitsschäden durch die Hitze erleiden.

Diese Maßnahme ist berechtigt, meldet die jiji doch, es habe in den vergangenen zwei Monaten in der Bevölkerung 20.000 Klinikeinlieferungen wegen Hitzschlags gegeben.

Der Schutz der Gesundheit war es dann auch, der dazu führte, dass die Besichtigung der dortigen Arbeiten durch die Journalisten lediglich eine halbe Stunde lang und nur von einem Bus aus erfolgen konnte, um ausreichend vor der Radioaktivität auf der Anlage geschützt zu sein.

Nach Angaben von TEPCO betrage die Strahlung dort bis zu 200 Mikrosievert pro Stunde, was bedeuten würde, dass eine Person bereits innerhalb eines Aufenthalts von fünf Stunden einer Strahlungsbelastung ausgesetzt wäre, die als Jahresgrenzwert für Zivilpersonen gilt.

Die Aufnahmen unterscheiden sich jedoch nicht wesentlich von dem Material, dass von TEPCO bereits zur Verfügung gestellt wurde – Arbeiter bohren in einem Abstand von 80 Zentimetern Löcher von 14 Metern Tiefe in den Boden, um auf einer Doppelreihe von 90 Kilometern durch das Einfüllen von Chemikalien eine Aushärtung gegen das Grundwasser zu erreichen.

Das Ende der Arbeiten wird nach Meldung der NHK für den 10. August angesetzt. Diese jüngste Demonstration der Geschäftigkeit vor Ort ist sicher auch ein Versuch, das eigene Bemühen um die Sicherheit des Meeres deutlich zu machen, nachdem TEPCO gestern erstmals eingestanden hatte, dass radioaktives Grundwasser auch in das Meer gelangt.

Fischer durch Geständnis zur Fukushima-Meerekontamination verunsichert: Die Bekanntgabe, radioaktives Grundwasser dringe unter der Kraftwerksanlage in Fukushima in den Pazifischen Ozean, hat bei den örtlichen Fischereikooperativen zu Verärgerung und Sorgen geführt.

AKW Fukushima: Rekordwert bei kontaminiertem Fisch am 20. Dezember 2012 (Foto: TEPCO)
Präfektur Fukushima: Fischer bangen um ihre Zukunft (Foto: TEPCO)

Die Aussicht, nicht länger nur Fische für wissenschaftliche Strahlungskontrollen fangen zu müssen, sondern wieder regulär liefern zu können, dürfte einen herben Rückschlag erlitten haben, da viele potentielle Kunden aufgrund von Besorgnis und Unsicherheit nun erneut Abstand von Meeresprodukten aus dem Gebiet der Präfektur Fukushima nehmen werden.

Für September war erstmals seit der Fukushima-Katastrophe wieder Testfänge von Breitlingen und anderen Fischen vor Iwaki vorgesehen. Über die erneuten Probleme der Fischer berichteten Mainichi Shimbun, Asahi Shimbun und NHK.

Montagearbeiten an Fukushima-Reaktor 4 dauern an: Wie TEPCO heute meldet, waren am Samstag das letzte Stück der Außenverkleidung, sowie der äußeren Dachabdeckung am Stahlgerüst um Reaktor 4 montiert worden. Derzeit dauern die Montagearbeiten für die Hebeanlagen an.

Fukushima-Reaktor 4: Fertiggestellter Schutzmantel am 20. Juli 2013 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 4: Fertiggestellter Schutzmantel am 20. Juli 2013 (Foto: TEPCO)

Die am 1. April 2013 begonnenen Arbeiten hatten am 29. Mai einen ersten Zwischenschritt erreicht, als TEPCO die Fertigstellung des Stahlgerüsts vermelden konnte.

Nach einer Besichtigung durch die Presse gab es zunächst keine Meldungen mehr, bis nun am Samstag das letzte Stück des äußeren Schutzmantels an seinen Platz gesetzt wurde.

Das für die Umlagerung der Brennelemente erforderliche schwere Gerät in Form eines Deckenkrans und eines Geräts zur Handhabung der Brennstäbe, die innerhalb des Schutzmantels angebracht werden sollen, wurde bereits am 13. Juli aufgehängt. Nun dauern die Montagearbeiten an.

Die Elektrizitätsversorgung und Funktionsfähigkeit des Geräts wird parallel hierzu getestet. Mit einem Einsatz der Anlage wird frühestens im November gerechnet.

NRA beginnt Sicherheitsbeurteilung des AKW Genkai: Die Atomaufsichtsbehörde NRA begann heute mit den Sicherheitsbeurteilung des AKW Genkai (Präf. Saga), die vom Betreiber Kyushu Electric erst am 12. Juni und somit vier Tage nach dem Inkrafttreten der neuen Sicherheitsregelung beantragt worden war.

Atomkraftwerk-Symbol (Grafik: Hendrik Tammen cc-by)
AKW-Neustarts: Anträge mit Hindernissen (Grafik: Hendrik Tammen cc-by)

Die Behörde reagierte auf die Erklärungen zu den Sicherheitsmaßnahmen der Anlage mit der Aufforderung, die möglichen Auswirkungen von Vulkanausbrüchen und Tsunami einzuschätzen und Möglichkeiten zur Untersuchung von geologischen Verwerfungen unter der Anlage zu finden.

An einer anderen Anlage des Betreibers, dem AKW Sendai (Präf. Kagoshima), waren nach Angaben der Behörde die Anträge für die Beurteilung der Reaktoren 1 und 2 fristgemäß am 8. Juli erfolgt.

NRA-Kontrollen an einigen AKW verzögern sich: Die Betreiber von insgesamt fünf Kernkraftwerken in Japan, hatten nach dem Inkrafttreten der neuen Sicherheitsregelungen erste Anträge auf Neustarts gestellt, so dass Experten der Atomaufsichtsbehörde NRA entsprechende Kontrollen durchführen können.

Doch bereits zu Beginn erteilt die Behörde erste Abfuhren. So wurden etwa am AKW Tomari (Präf. Hokkaido) die Sicherheitsmaßnahmen gegen schwere Unfälle an den Reaktoren 1 und 2 durch den Betreiber Hokkaido Electric noch nicht ausreichend bewertet, so dass eine Inspektion vorerst nur an Reaktor 3 möglich sein wird.

Nach Angaben der NHK muss auch Kansai Electric, der Betreiber des AKW Takahama (Präf. Fukui) mit Verzögerungen bei Neustart-Inspektionen rechnen. In diesem Fall verlangt die NRA, zunächst müssten die möglichen Tsunami-Schäden an der Anlage, basierend auf den strengeren Richtlinien, erneut geprüft werden.

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