Start Aktuelles Japan aktuell: Neues japanisches Kühlsystem soll AKW Fukushima Hilfe bringen

Japan aktuell: Neues japanisches Kühlsystem soll AKW Fukushima Hilfe bringen

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Tepco Kühleinheit von Toshiba am 1. August 2011. Foto: TEPCO
Japanische Technik von Toshiba für Fukushima am 1. August 2011. Foto: TEPCO
Tepco Kühleinheit von Toshiba am 1. August 2011. Foto: TEPCO
Japanische Technik von Toshiba für Fukushima am 1. August 2011. (Foto: TEPCO)

Das Wochenende brachte wenig Gutes mit sich, vor allem jedoch Wasser: Während die Taifunsaison erste Tote forderte und vielerorts immense Schäden an Gebäuden und Infrastruktur anrichtete, fielen sogar bei Wirtschaftsminister Banri Kaieda die Tränen, als er in der Frage seines Rücktritts bedrängt wurde.

Zwar ist die Lage in Fukushima aktuell nicht gerade von Fortschritten geprägt, allerdings gibt es mit der Einrichtung einer zweiten Dekontaminationsanlage jedoch Hoffnung, das zumindest hier nicht alles ins Wasser fällt. Erwartungsgemäß ist auch der NISA-Skandal ein Teil der Berichterstattung japanischer Medien. Detailliertere Fukushima News und weitere Meldungen des Wochenendes sowie des heutigen Tages nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 1. August 2011 (1.08.2011).

Fukushima bringt neue Dekontaminationseinheit an: Am Sonntag hat die Betreiberfirma Tepco am Kernkraftwerk Fukushima Daiichi eine neue Dekontaminationseinheit installiert. Die SARRY genannte Anlage stammt, anders als das bisherige Kühlsystem aus japanischer Produktion und soll die bislang arbeitende Anlage ergänzen. Die Neutralisierung radioaktiver Substanzen soll durch SARRY verbessert werden, nachdem die bisherige Dekontaminationsanlage enttäuschende Ergebnisse brachte und mehrmals Probleme aufwies.

Das japanische Dekontaminationssystem SARRY besteht aus 14 zylinderförmigen Tanks, die jeweils eine Höhe von 3,5 und einen Durchmesser von 1,4  Metern aufweisen. Zunächst werden nun mit besonderer Sorgfalt die Verbindungsrohre montiert, nach einem Testlauf soll die Anlage dann bereits Anfang August in Betrieb gehen

Tote und Verletze sowie starke Schäden nach Regenfällen: Die schweren Regenfälle die Japan im Zuge der Taifunsaison heimsuchten, haben Todesopfer gefordert. Während am Sonntag sowohl die Asahi Shimbun als auch die Nachrichtenagentur Jiji einen Toten und fünf Vermisste meldeten, meldete die NHK drei Tote in der Präfektur Niigata und drei Verletzte in den Präfekturen Niigata und Fukushima. Für mehrere Gemeinden wurden Evakuierungsempfehlungen ausgesprochen.

Durch Erdrutschte wurden Straßen blockiert so dass etwa Touristen in Hotels bleiben mussten und während Hubschrauber der Selbstverteidungsstreitkräfte (SDF) etwa 200 Personen retten konnten, sind schätzungsweise weitere 200 in ihren Ortschaften von der Außenwelt abgeschnitten. Örtlich fiel aufgrund des Schlamms die Kläranlagen aus, es kam zudem zu Stromausfällen.  Mehr als 6900 Gebäude wurden bislang entweder von Erdrutschen zerstört oder wurden überflutet.

Einer der höchsten Niederschlagswerte wurde am Samstag in Tokamachi (Präf. Niigata) gemessen, dort betrug der Niederschlag 121,0 Milimeter pro Stunde.

Cäsium im Meerwasser über zulässigem Höchstwert: Am Samstag wiesen Wasserproben die aus dem Meer in der Nähe des Wasserzuflusses am Fukushima Reaktor 3 entnommen worden waren, Messwerte von 1,3 Bequerel an radioaktivem Cäsium-134 pro Kubikzentimer auf. Damit wird der gesetzlich zugelassene Maximalwert um das 22-fache überschritten. Das meldet die NHK.

Seit Samstag habe sich jedoch die Menge an radioaktivem Cäsium nicht erhöht, so der Betreiber TEPCO. Da die Menge an radioaktiven Substanzen nicht mehr zunehme, könne man davon ausgehen, dass kein radioaktiv belastetes Wasser mehr durch ein Leck austritt.

TEPCO berichtete, man habe auch an vier weiteren Stellen in Küstennähe Wasserproben entnommen und Tests durchgeführt. Dabei sei an einer der Stellen zwar ebenfalls radioaktives Cäsium festgestellt worden, dessen Wert habe sich jedoch unterhalb des Grenzwerts befunden.

Zwei Präfekturen wollen Reis auf Radioaktivität testen: Wie am heutigen Montag bekannt geworden, planen die beiden Präfekturen Chiba und Tochigi im Osten von Japans Hauptinsel Honshu, die Durchführungen von Strahlungstests bei braunem, unpolierten Reis.  Die Leitung der Präfektur Chiba will mit Prüfungen im südlichen Teil der Präfektur und damit dem ersten von insgesamt 330 Standorten. Unterdessen werden Gemeinden und Unternehmen gebeten, keinen Reis in Umlauf zu bringen.  Das berichtet die Nachrichtenagentur Jiji.

Kühlsystem für abgebrannte Brennstäbe in Reaktor 4: Am Reaktor 4 des AKW Fukushima Daiichi ist nun ebenfalls ein Kühlsystem für die abgebrannten Brennstäbe gestartet worden. Ähnliche Systeme laufen bereits in den Fukushima-Reaktoren 2 und 3. Noch zu Beginn dieses Monats soll ein alternatives Kühlsystem für die Brennstäbe in Reaktor 1 an den Start gehen.

Atomgegner-Sommertreffen in Fukushima: Das Sommercamp der Gensuikuin, einer japanische Bewegung gegen Atom- und Wasserstoffbomben und gleichzeitig Japans größte Friedensbewegung, begann am Sonntag und fand zum ersten Mal seit Gründung der Nichtregierungsorganisation im Jahr 1965 in der Stadt Fukushima statt. Rund 850 Teilnehmer aus allen Landesteilen sowie aus dem Ausland waren angereist.

Zu den Teilnehmern gehörten neben Koichi Kawano und Eiji Okumura, Überlebende des Bombenabwurfs auf Nagasaki 1945 auch Anton Vdovichenko, Überlebender der Tschernobyl-Reaktorkatastrophe 1986. Auch viele Einwohner der Präfektur, die sich nach eigenen Angaben zuvor nie für Japans größte Anti-Atombewegung interessiert hatten, kamen zu dem Treffen und drückten ihre Besorgnis und Angst auch für künftige Generationen aus. Das berichten japanische Medien.

Der Zeitpunkt des Treffens liegt in unmittelbarer zeitlicher Nähe zum 66. Jahrestag der Bombardierung der japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki am 6. beziehungsweise 9. August 1945.

Unterdessen drängen die USA weitere Staaten Staaten dazu, die gemeinsamen Pläne der USA und Japan für die Einrichtung eines atomaren Endlagers in der Mongolei zu unterstützen.

Neuigkeiten im NISA-Skandal: Die Behauptung des Elektrizitätsanbieters, man habe im Jahr 2007 von der japanischen Atomsicherheitsbehörde NISA eine Aufforderung zur Manipulation der öffentlichen Meinung erhalten, in der darum gebeten wurde Mitarbeiter zu einem Symposium zu schicken, damit diese dort als Teilnehmer positiv über die Atompläne äußerten, hat für einigen Wind gesorgt. Die Unternehmensführung hatte die Anfrage zwar abgelehnt, ranghohe Mitarbeiter hatten dennoch E-Mails dazu aufgerufen und etwa vorbereitete Fragen für die Bevölkerung formuliert. Nun gibt es Reaktionen.

Kyushu Electric Skandal: Gouverneur involviert: So räumte etwa im Kyushu Electric Skandal Yasushi Furukawa , Gouverneur der Präfektur Saga und damit verantwortlich für das AKW Genkai ein, er habe Kyushu Electrics dazu geraten, mehr Augenmerk auf befürwortende Stimmen zu legen und darauf hingewiesen, wenn es von seiten der Unternehmen den Ruf nach Wiederaufnahme gebe, dann sollte diese Meinung auch vertreten werden.

E-Mail Anhang belegt Aussage: Diesen Umstand zu leugnen hätte auch wenig Sinn, hatten doch die E-Mail Manipulationsaufrufe des Unternehmens ein entsprechendes Schreiben von Gouverneur  Furukawa als Anlage enthalten  Furukawa bestreitet laut der Nachrichtenagentur Jiji jedoch, Kyushu Electrics zu E-Mail Aktionen aufgerufen zu haben. Rückblickend sei seinem Bemerkung zumindest fahrlässig gewesen.

NISA-Skandal: Premierminister erbost: Im NISA-Skandal berichtet die Asahi Shimbun , Premierminister Naoto Kan habe gründliche Untersuchungen angekündigt. Sollten sich die Vorwürfe gegen die japanische Atomsicherheitsbehörde bewahrheiten und eine Behörde, deren Aufgabe es ist, die Atomindustrie zu überwachen tatsächlich mit dieser paktieren, dann stelle dies die Existenzberechtigung der Behörde in Frage.

Kan ging sogar noch weiter und verglich das Vorgehen der NISA mit dem Skandal in den 1980ern, als eine Kontrollstelle für Medikamentensicherheit und damit ein Teil des Gesundheitsministeriums, mit einem Pharmazieunternehmen zusammengearbeitet und die Kontamination von Blutspenden mit HIV billigend in Kauf genommen habe, so ein Bericht der Mainichi Shimbun.

Keine Stellungnahme der NISA: Auf Anfragen, wie die NISA die Enhüllung aufnehme hiess es von Seiten der Behörde lediglich: Natürlich seien derartige Ereignisse unschön, allerdings sei der vertrauliche Bericht der Chubu Electric an die Industrie- und Wirtschaftsbehörde gegangen, somit habe man keine Einsicht in die Details der erhobenen Behauptungen, daher könne man sich zu den Anschuldigungen noch nicht äußern.

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