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Japan aktuell: Neues Strahlungsmessgerät soll Arbeiter schützen

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Trefoil: Radioaktivitäts-Warnsymbol
AKW Fukushima: Strahlung an Anlagengrenze übersteigt zulässigen Wert (Grafik: pd)
Trefoil: Radioaktivitäts-Warnsymbol
Neue Strahlungs-Messgeräte sollen künftig schützen

Erwartungsgemäß berichten japanische Medien auch einen Tag nach den Gedenkfeierlichkeiten anlässlich des ersten Jahrestags des 3/11 weiterhin über die weltweiten Reaktionen auf die Naturkatastrophen vom 11. März 2011. Wachsamkeit ist im Bezug auf die Natur auch weiterhin angebracht, hatte doch erst am Samstag ein Erdbeben der Stärke 5,5 die Präfektur Ibaraki erschüttert. Auch die Fukushima News haben sich keineswegs erschöpft.

Dennoch findet sich am Abschluss der heutigen Meldungen für alle jene die sich noch einmal einen Überblick verschaffen wollen, eine kurze Liste sowohl internationaler Anteilnahme, als auch eine solche der an diesem Tag stattgefundenen Anti-Atomproteste finden. Jetzt jedoch zu dem, was im Zusammenhang im AKW Fukushima aktuell gemeldet wird – im Spreadnews Japan-Ticker vom 12. März 2012.

Unsere heutigen Themen

  • Neues Strahlungsmessgerät soll Arbeiter schützen
  • Yamanote-Ringbahn soll erdbebensicher werden
  • TEPCO und die Entschädigungen
  • Ausfall bei der Stickstoffeinspeisung für Reaktoren
  • Premier fordert schriftlich alle Präfekturen zur Schuttübernahme auf
  • Japans Premierminister entschuldigt sich bei Taiwan
  • Extra: Gedenkfeierlichkeiten und Atomgegner

Neues Strahlungsmessgerät soll Arbeiter schützen: Einem Bericht der Asahi Shimbun zufolge, ist es dem Elektronikkonzern Hitachi Consumer Electronics Co. gelungen, ein Gerät zu entwickeln, dass Radioaktivität zuverlässig über eine Distanz von bis zu 30 bis 40 Metern messen kann. Das besonders leicht und handlich gebaute Instrument, soll die Arbeit für Angestellte sicherer machen.

Eine mit dem Gerät ausgestattete Kamera kann so Cäsium-134, sowie Cäsium-137 und radioaktives Jod-131 entdecken und ein mehrfarbiges Bild auf einem Computer darstellen. Ausgehend von einer Farbskala können die im AKW arbeitenden Angestellten leichter so genannte Hot Spots, also Bereiche mit erhöhter Strahlung erkennen und daher so weit wie möglich vermeiden. Auch die Effizienz der Dekontamination liesse sich so erhöhen.

Bereits im Verlauf des Monats will Hitachi das Gerät ausschließlich auf Bestellung von Gemeinden und Baufirmen verkaufen. Die Preise werden dabei zwischen 20 bis 30 Millionen Yen liegen. Bis März wird ein Verkauf von etwa 100 Geräten erwartet.

Yamanote-Ringbahn soll erdbebensicher werden: Die private Bahngesellschaft East Japan Railway Co. (JR East) will nun Arbeiten zur Strukturverstärkung an neun seiner Bahnlinien im Großraum Tokyo durchführen, darunter auch die bekannte Ringbahn der Yamanote-Linie. Die Baumaßnahmen sollen die Erdbebensicherheit der Verkehrsanlagen erhöhen.

Insgesamt 200 Stellen, darunter auch alte Stein- und Ziegelbrücken, sowie etwa 6.700 Stützpfeiler, die hochgelegte Bahnstrecken und Überführungen stützen, sind Teil der Sicherungsmaßnahmen. Insgesamt 52 Milliarden Yen will der Betreiber in die Verstärkung seiner Infrastruktur investieren, um auf diese Weise „dem Großen“, einem für die nächsten Jahre vorausgesagtem Riesenbeben der höchsten Stärke auf der siebenstufigen japanischen Skala, begegnen zu können. Die Arbeiten sollen innerhalb von fünf Jahren fertiggestellt sein.

Auch wenn die Arbeiten an den Anlagen der großen Bahnlinien Yamanote, Chuo, Tokaido, Tohoku sowie weiterer keine Auswirkung auf den täglichen Millionenverkehr der Pendler haben soll, bringt das Sicherheitsprojekt auch Probleme mit sich.

Tokyo: Lokale unter Bahnunterführung (Foto: Nihon Denki)
Lokale unter Bahnunterführung in Tokyo (Foto: Nihon Denki)

Unter vielen der 60 alten Steinbrücken, eisernen Brückenträgern an 120 Stellen und den besagten Stützpfeilern haben sich zwischenzeitlich zahlreiche Lokale und Geschäfte niedergelassen. Deren Spannweite reicht von unzähligen kleinen Imbisslokale bis hin zur beliebten Einkaufsstraße Ameyoko mit etwa 400 Anbietern, die unterhalb der Gleise zwischen den Bahnhöfen Okachimachi und Ueno verläuft.

Verhandlungen mit den Betreibern der Imbissbuden und Geschäfte, ihren Standort vorübergehend zu verlagern sind erforderlich und werden nicht immer einfach sein, denn neben der Angst, möglicherweise ihren Broterwerb zu verlieren, schüren die Sicherheitsmaßnahmen auch Ängste über die Sicherheit des Geschäftsstandorts.

Dennoch scheinen diese Neuerungen dringend erforderlich. Derartige Arbeiten hatten in Folge des großen Hanshin-Erdbebens von 1995 begonnen und JR East beendete die damaligen Verstärkungen erst im Fiskaljahr 2008. Zudem stammen viele der Anlagen entlang der 34,5 Kilometer langen Yamanote-Linie noch aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg, erklärt der Bahnbetreiber. Eine Brücke nahe des Bahnhofs Hamamatsu wurde 1909 fertiggestellt und war aufgrund der baulichen Stärke – sie überstand das große Kanto-Erdbeben von 1923 – nie stärker befestigt worden. Auch dies soll jetzt nachgeholt werden. Das berichtet die Yomiuri Shimbun.

TEPCO und die Entschädigungen: Toshio Nishizawa, Präsident des Energiekonzerns TEPCO, dem Betreiber des AKW Fukushima Daiichi, an dem sich Japans bislang schwerste Atomkatastrophe ereignete, hielt anlässilich des Fukushima-Jahrestags wie angekündigt keine Rede – entschuldigte sich allerdings erneut für die ernsthaften Probleme und Sorgen, die durch das Fukushima-Unglück entstanden seien. Dies gelte besonders für die früheren Bewohner der evakuierten Gebiete.

Das Unternehmen werde sich immer der Ernsthaftigkeit seiner Verantwortung bewusst sein und so handeln. Diese Worte waren vom AKW Fukushima, wo Nishizawa an einer Gedenkfeier teilnahm, per Video in den Hauptsitz des Unternehmens in Tokyo übertragen worden.

Unterdessen berichtet TEPCO am Samstag, dass die bis zum 9. März gezahlten Entschädigungen einen Betrag von 445,5 Milliarden Yen erreicht hätten. Das Unternehmen hatte im Mai 2011 mit ersten provisorischen Zahlungen an Personen die aus der Umgebung des AKW fliehen, sowie an betroffene Landwirte und Fischer geleistet. Im Oktober war dann die vollständige Auszahlung der Entschädigungen nach Vorgaben der Regierung gestartet.

Doch nicht allein das gerade einmal 40 Prozent der Berechtigten diese Leistungen in Anspruch genommen haben, da ihnen die Beantragung zu schwierig erscheint – Vizepräsident Zengo Aizawa berichtete auf einer Pressekonferenz zudem, das Unternehmen habe Beschwerden aufgrund der Arroganz und des mangelnden Mitgefühls erhalten. Das berichtet die NHK.

Ausfall bei der Stickstoffeinspeisung für Reaktoren: TEPCO berichtet, am heutigen Montag habe ein Mitarbeiter gegen 11:47 Uhr aufgrund eines Alarm am Ventilatormotor eines Kompressors festgestellt, dass die Einheit zur Versorgung mit Stickstoff an die Reaktoren 1 bis 3 nicht mehr laufe. Um 12:09 Uhr habe man die zweite Anlage zur Stickstoffeinspeisung in Betrieb genommen. Im Bezug auf den Druck und die Stickstoffdichte in den Druckbehältern der Reaktoren 1 bis 3 habe es keine besonderen Schwankungen gegeben. Die Stickstoffdichte in Reaktor 3 sei dabei als Referenzwert herangezogen worden, da das Gaskontrollsystem sich im Testbetrieb befinde.

Premierminister fordert schriftlich alle Präfekturen zur Schuttübernahme auf: Japans Premier Noda erklärte in einer Pressekonferenz am gestrigen Sonntag, er werde alle Präfekturen, außer den besonders schwer betroffenen Fukushima, Miyagi und Iwate schriftlich dazu aufrufen, bei der Übernahme und Lagerung der mehr als 22 Millionen Tonnen an Trümmern von den Schauplätzen der Naturkatastrophen zusammenzuarbeiten.

Die Regierung strebte zudem weitere Kooperation mit Privatunternehmen wie Zementproduzenten und Papaierherstellern an, um eine mögliche Entsorgung durch Recycling zu ermöglichen.

Trümmer in Minamisanriku (Foto: youngfield cc-by)
Trümmer in Minamisanriku (Foto: youngfield cc-by)

Zur Sicherheit der Lagerung werde die Regierung Strahlungsgrenzwerte und Richtlinien zur Entsorgung und Einlagerung erlassen.

Noda versprach, er und andere Minister würden außerdemGemeinden in denen zur Zeit ruhende AKW liegen besuchen, um ihr Verständnis für einen Neustart der Kernkraftanlagen zu gewinnen, sobald die Atomsicherheitskommissuin NSC die Ergebnisse der so genannten Stresstests positiv bestätigt habe.

Dies berichten übereinstimmend NHK und jiji. Einer Meldung der Mainichi Shimbun zufolge, sind die die Ansichten  der Gemeinden auf die Ankündigung gespalten. Man sieht dem kommenden mit gemischten Gefühlen entgegen. Besonders die bereits am 10. März 2012 von der Regierung als Lager genannten möglichen Standorte Futaba, Naraha und Okuma zeigen sich uneins.

Während Takashi Kusano, Bürgermeister von Naraha einen resignierten Willen zur Zusage zeigte und keine andere Möglichkeit als zu kooperieren sieht, protestierte Toshitsuna Watanabe, Bürgermeister von Okuma, gegen eine derart frühe Festlegung.

Katsutaka Idogawa, Bürgermeister von Futaba kündigte zwar an, die Angelegenheit mit der Gemeindeversammlung und den Bürgern zu besprechen, kritisierte allerdings eine Aussage von TEPCO, dass radioaktives Material außerhalb des Kraftwerks „besitzerlos“ sei. Solange nicht die Eigentumsverhältnisse geklärt seien, gebe es keine Diskussionsgrundlage.

Japans Premierminister Yoshihiko Noda (Foto: Leon E. Panetta cc-by)
Japans Premierminister Yoshihiko Noda (Foto: Leon E. Panetta cc-by)

Japans Premierminister entschuldigt sich bei Taiwan: In Taiwan hatte es gestern sowohl Aktionen zum Gedenken, als auch Proteste von Atomkraftgegnern gegeben. Japan bedankt sich für die Hilfe mit großformatigen Anzeigen in taiwanesischen Zeitungen und auch ein Fernsehspot mit Dankesbotschaften soll ausgestrahlt werden. Nun muss sich Japan jedoch zunächst einmal entschuldigen.

Am heutigen Montag entschuldigte sich Japans Premier Yoshihiko Noda für einen organisatorischen Fehler. Anlässlich der Feierlichkeiten war einem stellvertretenden Leiter des Taipei Wirtschafts- und Kulturbüros ein Platz neben Teilnehmern aus Unternehmen und anderen Organisationen zugewiesen worden. Dies wurde von der japanischen Oppositionspartei LDP aufgenommen und das Verhalten als „sehr unhöflich“ kritisiert.

Noda erklärte als Antwort hierauf, man habe sehr freundliche Unterstützung aus Taiwan erfahren, eine mögliche Verletzung der Gefühle täte ihm leid. Das japanische Außenministerium erklärte, der taiwanesische Delegierte habe die Blumen als Vertreter einer privaten Organisation und nicht im Rahmen einer diplomatischen Mission niedergelegt.

Mittlerweile hat Taiwan die Reisewarnungen gegen die Präfektur Fukushima heute aufgehoben. Diese gilt nur noch für Gebiete nahe des havarierten Atomkraftwerks. Das berichtet die Nachrichtenagentur jiji.

Gedenkfeierlichkeiten und Atomgegner:

An der Hauptgedenkfeier in Tokyo nahmen 1.200 Personen teil. Neben dem Premierminister Yoshihiko Noda und Teilen des Kabinetts waren auch die Angehörigen von Todesopfern eingeladen. Nach einer Schweigeminute versprach Noda die äußersten Anstrengungen zu leisten, um den Wiederaufbau zu beschleunigen und ein neues Japan zu schaffen.

Auf ausdrücklichen Wunsch war auch der Tenno, der sich erst kürzlich einer Bypass-Operation unterziehen musste, mit seiner Gemahlin Michiko anwesend. In seiner Rede, die aus Rücksicht auf die Gesundheit des Tenno von den geplanten 40 auf 20 Minuten gekürzt worden war, zeigte sich das Symbol des Staates weniger euphorisch als der Regierungschef, sondern rief die Japaner zur gegenseitigen Unterstützung und der Hilfe der Opfer auf.

  • In Wien gaben die Wiener Sängerknaben ein 90 Minuten dauerndes Konzert
  • In Bangkok (Thailand) nahmen 2.500 an einem Benefiz-Mini-Marathon mit T-Shirtverkauf teil
  • Das London Metropolitan Orchestra gab zusammen mit Musikern aus Otsuchi ein Benefizkonzert
  • In Brasilien, Japans größe Auslandsenklave gedachten in Sao Paolo 550 japanischstämmige Brasilianer.
  • Auf Palau einem Pazifik-Inselstaat mit ca. 21.000 Einwohnern liess Präsident Toribiong Halbmast flaggen.
  • Bhutans König King Jigme Khesar Namgyel Wangchuk hielt mit 100 Personen eine Gedenkfeier ab.
  • Australiens Premierministerin Julia Gillard drückte ihre Anteilnahme aus.
  • In der Ukraine, die 1986 das Tschernobyl-Unglück erlebte, gedachten in Kiev mehr als 100 Menschen
  • In New York mobilisierten 100 Aufbau-Organisationen 1.100 Personen, darunter Japans Generalkonsul
  • In Tokyo nahmen 45.000 Personen, darunter Komponist Ryuichi Sakamoto, an einer Gedenkaktion teil
  • In Okuma, in der Sperrzone von Fukushima, gedachten 14 Menschen in Schutzkleidung, der Toten.
  • Trotz leichten Schnees sammelten sich in Rikuzentakata Menschen zum Gebet an der einsamen Kiefer
  • In Minamisanriku (Präf. Miyagi) beteten 300 freiwillige Helfer am Strand für die Seelen
  • In Ishinomaki (Präf. Miyagi) versammteln sich 2.500 Menschen, darunter auch der Präfekturgouverneur

Doch der Anlass wurde auch zu teils politischen Aktionen genutzt. Während Katastrophenübungen der Bahnbetreiber noch praktischen Nutzen hatten, formierte sich an anderer Stelle der Protest gegen die weitere Nutzung der Atomenergie in Japan.

  • Vor dem Firmensitz von TEPCO in Tokyo forderten Menschen einen vollständigen Atomausstieg
  • In Tokyo formten tausende Protestler nach der Gedenkminute eine Menschenkette um das Parlament
  • In Osaka city, two protest rallies drew a combined 15,000 protesters, according to the organizers.
  • In Koriyama (Präf. Fukushima) protestierten etwa 16.000 Menschen gegen die Atomenergie
  • In der Präfektur Shizuoka protestierten etwa 1.100 am AKW Hamaoka des Betreibers Chubu Electrics
  • In Tsuruga (Präf. Fukzu) marschierten 1.200 Personen gegen das AKW Monju von Kansai Electrics.
  • In weiteren Präfekturen mit Atomanlagen wie Aomori und Saga gab es ebenfalls Proteste
  • In Frankreich bildeten Atomkraftgegner eine Menschenkette entlang der Rhone. 80 Prozent der Energie dort ist Atomenergie
  • In Großbritannien fand ein 24-stündiger Protest von 1.000 Personen vor dem AKW Hinkley Point statt
  • In der Schweiz marschierten mehr als 1.000 Personen über einen 6 Kilometer Bergpfad zum AKW Mühleberg. Dort waren bereits 1990 Risse im Kernmantel aufgetreten.

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