Start Aktuelles Japan aktuell: Neustart von Risiko-Reaktor trotz Fukushima-Katastrophe geplant

Japan aktuell: Neustart von Risiko-Reaktor trotz Fukushima-Katastrophe geplant

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Atomkraftwerk-Symbol (Grafik: Hendrik Tammen cc-by)
AKW Monju: Terrorismus-Gefahr durch Schlamperei (Grafik: Hendrik Tammen cc-by)
Atomkraftwerk-Symbol (Grafik: Hendrik Tammen cc-by)
Trotz Fukushima-Krise: Neustartpläne für Risiko-AKW (Grafik: Hendrik Tammen cc-by)

Wenn trotz der Folgen der Katastrophe von Fukushima heute berichtet wird, dass der Neustart eines AKWs beabsichtigt wird, so mag dies bereits befremdlich wirken.

Noch unverständlicher scheint der Plan zudem, wenn der betroffene Reaktor bereits in der Vergangenheit wegen Sicherheitsproblemen auffällig wurde.

Das Risiko der Atomkraft bleibt in Japan somit auch nach Fukushima aktuell und so wird auch in Zukunft neben Fukushima News immer wieder über andere Kernkraftwerke in Japan zu berichten sein. Nun geht es jedoch erst einmal ins Wochenende – mit dem Spreadnews Japan-Ticker vom 9. November 2012.

Unsere Themen zum Wochenende

  • JAEA will Risiko-Reaktor Monju neu starten
  • JAEA will Verwerfungen unter AKW Monju prüfen
  • Sinkender Wasserdurchfluss macht Anpassung notwendig
  • Flüchtlingslager-Turnhalle wird abgerissen
  • Vollständige TEPCO-Belegschaft soll beim Wiederaufbau helfen
  • Atomkraftgegener-Demo mit 10.000 Teilnehmern abgesagt
  • Erdbeben vor Fukushima-Küste
  • Strahlungsaufklärung durch Kibitan-Familie

JAEA will Risiko-Reaktor neu starten: Japans Atomenergiebehörde JAEA plant, trotz der ungeklärten Risiken durch Erdbeben, einen Neustart des Forschungsreaktors am AKW Monju. Die Anlage vom Typ eines „schnellen Brüters“ war erstmals 1995 durch den Austritt von Natrium aufgefallen, nach dem Sturz eines Strukturteils im August 2010 blieb der Monju-Reaktor bislang ungenutzt.

Wie die Asahi Shimbun nun berichtet, habe die JAEA entsprechende Pläne auf einem Treffen einer Arbeitsgruppe, die für das Forschungsprogramm am AKW Monju zuständig ist vorgestellt und plant nun zunächst die Untersuchung auf geologische Verwerfungen und Kontrolle der Geräte bis zum Sommer 2013, bevor vier Monate lang Vorbereitungen zum Neustart erfolgen sollen.

Ende des Fiskaljahres wird dann der Neustart erfolgen, gefolgt von zwei Jahren Betriebstests, in denen die Reaktorleistung zunächst auf 40 Prozent der Gesamtkapazität beschränkt werden und später schrittweise erhöht werden soll. Der Zeitplan könne jedoch durch die Handlungsweise der NRA verändert werden, heisst es von der JAEA.

JAEA will Verwerfungen unter AKW Monju prüfen: Japans Atomenergiebehörde teilte heute mit, dass man die geologische Verwerfung unter dem Monju  Tsuruga (Präf. Fukui) auf mögliche Aktivität untersuchen wolle. Ab Dienstag sollen an zwei der neun Bruchzonen um den Reaktor Bohrungsprüfungen durchgeführt werden, meldet die Kyodo.

Bis März will man dann die Ergebnisse der Untersuchung in einem Bericht zusammengefasst haben. Ob diese Untersuchungen ausreichend sind, oder welche Aussagekraft sie haben, muss von der Atomaufsicht NRA beurteilt werden.

Sinkender Wasserdurchfluss macht Anpassung notwendig: Eine erneute Abnahme der Wassereinspeisung in das Kühlsystem am AKW Fukushima Daiichi macht eine weitere Anpassung notwendig. Zuvor war es in der Vergangenheit bereits zu mindestens einer kritischen Situation gekommen.

Die Anpassungen erfolgten am gestrigen Donnerstag um 22:42 Uhr, nachdem die Wassereinspeisung abnahm:

  • Reaktor 1: Speisewassersystem: Anstieg von 2,9 auf 3,0 Kubikmeter pro Stunde. Reaktorkernsprühsystem: Anstieg von 1,8 auf 2,0 Kubikmeter pro Stunde
  • Reaktor 2: Speisewassersystem: Anstieg von 1,8 auf 2,0 Kubikmeter pro Stunde. Kernsprühsystem: Anstieg von 4,3 auf 4,5 Kubikmeter pro Stunde.
  • Reaktor 3: Speisewassersystem: Anstieg von etwa 1,8 auf 2,0 Kubikmeter pro Stunde. Reaktorkernsprühsystem: Anstieg von etwa 4,3 auf 4,5 Kubikmeter pro Stunde.

Flüchtlingslager-Turnhalle wird abgerissen: In Rikuzentakata (Präf. Iwate) wird eine Sporthalle, die nach den Tohoku-Katastrophe als Auffanglager für die Opfer von Erdbeben und Tsunami diente, nun abgerissen. Etwa 100 Menschen waren aus einer nahe gelegenen Bibliothek und einem Museum hier untergekommen.

Dann wurde der Abriss, ebenso für Bücherei und Museum beschlossen und anlässlich der Entscheidung am 30. September eine Abschiedsveranstaltung mit etwa 200 Personen abgehalten, bei der Blumen niedergelegt worden waren. Nach Angaben der Mainichi Shimbun befanden sich auch unter ihnen Familienangehörige der Todesopfer.

Nachdem die Arbeiten im Oktober an Bücherei und Museum begonnen hatten, wird nun auch die Sporthalle niedergerissen. Bereits kommende Woche soll die Maßnahme abgeschlossen und so Platz für den Wiederaufbau geschaffen werden.

Vollständige TEPCO-Belegschaft soll beim Wiederaufbau helfen: Naomi Hirose, Vorsitzender des Elektrizitätsunternehmens TEPCO kündigte an, sich möglicherweise sogart persönlich an Arbeiten zur Dekontamination von Häusern, die von ihren Bewohnern aufgrund der Reaktorkatastrophe verlassen werden mussten, zu beteiligen.

Alle 38.000 Angestellten des Unternehmens werden in der Präfektur Fukushima an Maßnahmmen zum Wiederaufbau mitwirken. Es sei von Bedeutung, dass die Angestellten die Situation in Fukushima selbst erfahren würden und versuchen sollten, die Arbeit die jeder leisten kann, auch zu leisten. Dies treffe auch auf seine Person zu, erklärte Hirose nach Angaben der Kyodo.

Atomkraftgegener-Demo mit 10.000 Teilnehmern abgesagt: Eine für den 11. November geplante Großdemonstration von Atomkraftgegnern um das Parlamentsgebäude im Tokyoter Bezirk Chiyoda musste abgesagt werden, nachdem die Behörden die Passage durch den  Hibiya-Park verboten hatten und keine Alternative gefunden werden konnte.

Tokyo, Chiyoda-ku: Hibiya-Park (Foto: 663highland cc-by)
Keine Demonstration im Hibiya-Park in Tokyo (Foto: 663highland cc-by)

Die zuvor im März und Juli dort gestarteten Demonstrationszüge waren ohne Einwände erfolgt. Bei dem jetzigen Antrag im September verwies man auf die strengeren Richtlinien, die nach der Großdemonstration mit 27.000 Teilnehmern im Juli erlassen worden waren. Statt wie bislang nur eine Anmeldung abzugeben, müssen Demonstrationen über 100 Personen nun eine Genehmigung beantragen.

Der Verweis der Behörden alternativ auf den Shiba-Park, etwa 1,5 Kilometer vom Hibiya-Parks entfernt auszuweichen, wurde vom Veranstalter aufgrund der Störung für Familien und ältere Menschen dort abgelehnt, berichtet die Mainichi Shimbun.

Die Anmietung zwei öffentlicher Gebäude – Hibiya Public Hall oder die Hibiya Music Hall – als Alternativen, wie von der Verwaltung als Alternative gefordert, war nicht nur mit Anmietungskosten bis zu 250.000 Yen für vier Stunden verbunden – bei der erneuten Beantragung im Oktober galten beide Einrichtungen dann als bereits belegt.

Atomkraftgegner sehen diese Aktion als Versuch, die andauernden Proteste gegen die Nutzung der Atomkraft durch bürokratische Hürden einzuschränken.

Erdbeben vor Fukushima-Küste: Am heutigen Freitag ereignete sich um 12:52 Uhr ein Erdbeben, dessen Epizentrum sich in 20 Kilometern Tiefe vor der Küste der Präfektur Fukushima befand. Das Beben erschütterte die Präfektur Ibaraki und angrenzende Gebiete mit einer Stärke von 5,5. Eine Tsunami-Warnung wurde nicht ausgegeben.

Strahlungsaufklärung durch Kibitan-Familie: Themen wie der Reaktorzustand, Auswirkung von Verbreitung der Radioaktivität, oder die Lage der Arbeiter, sind im Zusammenhang mit dem AKW Fukushima aktuell nach wie vor kaum in deutschen Medien vertreten. Das 1995 geschaffene Fukushima-Maskottchen Kibitan ist dagegen einen Bericht wert.

Nun leisten also Kibitan,dessen Frau Kibimama und ihre Kinder Kibby und Kibimaru, die ursprünglich dem Narzissenschnäpper als Wappenvogel der Region nachgebildet worden waren, als Teil einer Kampagne zur Kinderaufklärung über das richtige Verhalten bei radioaktiver Belastung für Verzückung – und bei Japans Kindern hoffentlich für ausreichend Umsicht.

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