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Japan aktuell: Nicht evakuierte Bewohner verhungerten in Fukushima

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Tokyo: Speisen-Attrappen eines Lokals in Tokyo (Foto:KJ)
Speisen-Attrappen eines Lokals in Tokyo (Foto:KJ)
Tokyo: Speisen-Attrappen eines Lokals in Tokyo (Foto:KJ)
Speisen-Attrappen eines Lokals in Tokyo (Foto:KJ)

Japans Tenno dürfte sich über den Zuspruch aus der Bevölkerung freuen. In der Zeit zwischen seiner Einlieferung in das Krankenhaus am 17. Februar und der Entlassung am 4. März 2012 hatten insgesamt 97.899 Personen in ausgelegten Büchern ihre Genesungswünsche übermittelt. Von derartigem Zuspruch sind Regierung und der Betreiber des AKW Fukushima aktuell immer noch weit entfernt.

Das in Japan, dem Land, in dem man an Automaten, den Konbinis genannten kleinen Geschäften und 100-Yen-Läden praktisch alles bekommen kann, was man zum Leben braucht, Menschen verhungerten, ist sicher ein deutliches Zeichen für die Akutphase der Krise nach dem Tohoku-Erdbeben.

Weitere Fukushima-News und sonstige Meldungen im Spreadnews Japan-Ticker vom 06. März 2012.

Die heutigen Spreadnews-Themen:

  • Menschen verhungerten in evakuierten Gebieten
  • Verwerfung unter AKW Tsuruga könnte Großbeben auslösen
  • 70 Prozent der jungen Menschen wollen nicht nach Kawauchi zurück
  • Sea Shepherd erklärt erfolgreiche Walfangbehinderung
  • Teezeremonie-Meister als UNESCO-Sonderbotschafter

Menschen verhungerten in evakuierten Gebieten: Nach Angaben der NHK sind in Folge der Evakuierung um das AKW Fukushima Daiichi mindestens fünf Menschen durch Verhungern ums Leben gekommen. Da es sich durchweg um ältere Menschen handelte, nimmt man an, dass diese in ihren Häusern festsaßen, oder sich nicht selbst zu helfen wussten und daher alleine zurückblieben, wo sie verhungerten.

Im vergangenen März war ein Mann in den 70ern, der in einem Haus etwa fünf Kilometer vom Kraftwerk entfernt wurde, im zweiten Stock seines Hauses tot aufgefunden worden. Das erste Stockwerk war durch den Tsunami schwer beschädigt worden, so dass er vermutlich nicht mehr herauskam. Eine allein lebende Frau in den 60ern, die im April vorigen Jahres entdeckt worden war, litt offenbar an Gehproblemen.

Durch Erdbeben und Tsunami am 11. März 2011 waren in der Präfektur 1.605 Menschen ums Leben gekommen.

Verwerfung unter AKW Tsuruga könnte Großbeben auslösen:  Ausgehend von den neuen Erkenntnissen aus dem Tohoku-Erdbeben vom 11. März 2011, dass an einem großen Beben auch mehrere geologische Verwerfungen beteiligt sein können, könnten manche der bisherigen Sicherheitseinschätzungen nicht ausreichend sein. Eine aktive Verwerfung von mindestens 35 Metern Länge verläuft unter den Reaktoren 1 und 2 des AKW Tsuruga (Präf. Fukui) und könnte ein Erdebeben sogar über einer Stärke von 7,4 auslösen – deutlich höher als zuvor angenommen.

Ursprünglich gingen sowohl das Erdbebenforschungskomittee der Regierung als auch der Betreiber der Anlage, Japan Atomic Power  (JAPC) von einer Länge von 25 Metern aus, wobei bereits weitere Verwerfungen miteinbezogen worden waren. Die bis dato vermutete Erdbebenstärke lag bei 7,2 – eine Unterschätzung wie man nun meint.

Yuichi Sugiyama, Leiter eines Forschungsteams am „National Institute of Advanced Industrial Science and Technology“ (AIST) und Mitglied eines Expertenausschusses der NISA sagte, sein Team habe durch die Analyse von Schallvermessungen und anderer Daten des Betreibers, weitere Verwerfungen in einem Abstand von 2 bis 3 Kilometern Entfernung zur Urasoko-Verwerfung entdeckt.

Die Atombehörde und Japan Atomic Power hatten das Vorhandensein ozeanischer Verwerfungen bei der Beurteilung der Sicherheit des AKW Tsuruga nicht berücksichtigt. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Verwerfungen, welche die Länge der Urasoko auf 35 Kilometern ausdehnen. Zusammen aktiviert würden sei hoch, so Sugiyama. Einer Computerberechnung zufolge beläuft sich die Gesamtlänge der Urasoko-Verwerfung auf 39 Kilometer.

Auch die Verschiebungen der tektonischen Platten würde sich hierdurch ändern. Bislang war der Betreiber von einer  maximalen Verschiebung von 1,7 Metern ausgegangen. Stattdessen könnten die entstehenden Verschiebungen mehr als drei Metern betragen, Sugiyama geht von bis zu fast fünf Metern aus, sofern andere Verwerfungen gleichzeitig aktiv würden.

Japan Atomic Power wird nun die von den Experten genannte Möglichkeit, mehrere Verwerfungen unter einem Reaktorgebäude an der Westseite der Urasoko könnten sich gleichzeitig bewegen, prüfen. Sollten sich die Bedenken als begründet erweisen, sei die Lage des AKW Tsuruga untauglich für den sicheren Betrieb einer Atomanlage, so die NISA. Sugiyama stützt die Forderung der Regierung an Betreiber, jedes für den jeweiligen Standort denkbare Szenario bei den Stresstests zu berücksichtigen,  mit der Aussage, man solle das größtmöglichen Krisenszenario in Erwägung ziehen.

70 Prozent der jungen Menschen wollen nicht nach Kawauchi zurück: Die Ergebnisse einer Umfrage über die Bereitschaft zur Rückkehr in die Ortschaft Kawauchi ist vernichtend für die Bemühungen der Ortsverwaltung.  Durch Verlagerung der Verwaltung in den zuvor evakuierten Ort und die Wiedereröffnung von Krankenhäusern wollte man die einstigen Bewohner wieder zur Rückkehr bewegen.

Insgesamt erfasste die Umfrage 2.894 Einwohner, von denen mit 62,8 Prozent 1.817 gültige Antworten geben. Zwar erklärten 32,6 Prozent, sie wollten zurückkehren, allerdings ist die Zahl derer die nicht zurück nach Kawauchi wollen mit 512 Personen bzw. 28,2 Prozent nur wenig davon entfernt. Die größte Gruppe macht aber die der Unentschlossenen aus. Ganze 34,0 Prozent erklärten, sie müssten sich noch entscheiden.

Ausgerechnet die Gruppe der jungen Menschen in den Zwanziger, die für den aktiven Bestand einer Gemeinschaft erforderlich sind, sagte mehrheitlich, sie wollten keinesfalls zurückkehren – 72,5 Prozent dieser Altersgruppe lehnen dies ab.  Unter den Verweigerern machen die Menschen in den 30ern bzw. 40ern dann noch 36,2 und 35,7 Prozent aus. Das berichtet die Nachrichtenagentur jiji.

Sea Shepherd erklärt erfolgreiche Walfangbehinderung: Nachdem sich die radikale Umweltschutzorganisation Sea Shepherd über zwei Wochen ein Katz-und-Maus-Spiel mit den Begleitschiffen und Harpunenschiffen der japanischen Walfangflotte lieferte, kam es am Montag um Mitternacht zum Zusammentreffen des japanischen Walfanschiffes Nisshin Maru mit dem Schiff Bob Barker der Aktivisten.

Die Umweltschützer begannen etwa 97 Kilometer vor der antarktischen Küste entfernt, mit dem Versuch, die Weiterfahrt des Schiffes durch Lasern und Leuchtgeschosse zu stören, berichtet die Mainichi Shimbun.

Nach Darstellung der Aktivisten seien in der Nachtaktion  dann die japanischen Harpunenschiffe Daini Yushin Maru und Daisan Yushin Maru dem Walfänger zur Hilfe gekommen, hätten sich gefährlich nah am Bug der „Bob Barker“ bewegt und versucht mit 300 Meter langen Tauen die Schiffschraube der „Bob Barker“ zu blockieren. Der Versuch der Japaner, die Umweltaktivisten durch starke Beleuchtung zu blenden wurde nach dem Konter durch Laser abgebrochen.

Paul Watson, Präsident der Sea Shepherd Conservation Society erklärte, man werde die Walfangversuche der Nisshin Maru weiterhin blockieren, die Walfänger würden somit nicht mehr als 30 Prozent der geplanten Walfangquote erreichen. Das japanische Meeresforschungsinstitut liess dagegen verlauten, die üblicherweise bis Ende März laufende Walfangsaison dauere an –  die Aktivisten hätten nichts außer Betrieb setzen könnnen.

Teemeister Sen no Rikyu 1522 - 1591 (Foto: pd)
Teemeister Sen no Rikyu (Foto: pd)

Teezeremonie-Meister als UNESCO-Sonderbotschafter: Genshitsu Sen, der frühere 15.  Iemoto (Oberhaupt) der Urasenke-Traditionslinie der japanischen Teezeremonie, ist aufgrund seiner Bemühungen um den Kulturaustausch von der UNESCO zum Sonderbotschafter ernannt worden. Er ist damit der zweite Japaner nach dem Maler Ikuo Hirayama, der diesen Posten für zwei Jahre wahrnimmt. Zuvor hatte er in Japan im Jahr 1995 bereits den Titel eines Bunka Korosha (Person mit besonderen kulturellen Verdiensten) erhalten.

Im Anschluss an diese Ehrung vollzog der 88 Jahre alte Teemeister, der bis zur Ernennung des jetzigen 16. Iemoto Genmoku Sōshitsu, diese Position inne hatte, im Hauptsitz der UNESCO in Paris eine Teezeremonie, die an den baldigen ersten Jahrestag des Tohoku-Erdbebens und des Tsunami erinnern soll und dessen Opfern gewidmet ist.

Er bereitete dabei zwei Schalen Tee zu –  eine für die UNESCO und die andere für die Opfer. Am Ende der Zeremonie sprachen die Beteiligten ein stilles Gebet. Hierüber berichteten die NHK, sowie die Nachrichtenagentur jiji.

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