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Japan aktuell: NISA vernachlässigte Prüfung geologischer Risiken am AKW Shika

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Atomkraftwerk-Symbol (Grafik: Hendrik Tammen cc-by)
AKW Monju: Terrorismus-Gefahr durch Schlamperei (Grafik: Hendrik Tammen cc-by)
Atomkraftwerk-Symbol (Grafik: Hendrik Tammen cc-by)
NISA stufte Bedeutung von Verwerfung niedrig ein (Grafik: Hendrik Tammen cc-by)

Wenn der Betreiber des AKW Fukushima heute die übersetzten Bildbeschreibungen jener Fotos nachreicht, die wir unseren Lesern bereits am Mittwoch präsentierten, dann spricht dies für den Arbeitseinsatz der Bediensteten.

Unser Einsatz setzt sich diesmal bereits am morgigen Samstag fort, wenn wir an dieser Stelle einen Bericht von japanischen Feuerwehrmännern, die zu Gast in Berlin waren, präsentieren.

Doch zunächst gibt es heute die Fukushima News und weitere Nachrichten, so dass Information darüber, was im Zusammenhang mit dem AKW Fukushima aktuell geschieht, wie üblich verfügbar sind – im Spreadnews Japan-Ticker vom 14. September 2012.

Unsere heutigen Themen:

  • NISA bestreitet vorsätzliches Ignorieren geologischer Risiken am AKW Shika
  • TEPCO veröffentlicht weitere Bilder vom Heben eines Druckbehälter-Deckels
  • Erneute Anpassung an Kühlsystem-Einspeisung erforderlich
  • Trümmer aus Ishinomaki in Kitakyushu angekommen
  • Japan gibt Strategie zur Energiepolitik bekannt
  • Erdbeben der Stärke 5,1 in Chiba und Ibaraki
  • Der Senkaku-Konflikt mit China hält an
    • Chinas Schiffe verletzten Hoheitsgewässer
    • Japaner bei Protesten in Shanghai verletzt
    • China droht mit Handelsbenschränkungen
    • Treffen mit Fukushima-Gouverneur geplatzt
    • China sagt Teilnahme an Tokyoter Tourismus-Event ab
    • China will Fischereiboote militärisch schützen

NISA räumte geologischer Risikenprüfung am AKW Shika nur wenig Priorität ein: In einem aktuellen Bericht, der sich mit der Frage befasst, warum bei erneuten Sicherheitseinschätzungen seit 2006 eine mögliche Bruchzone unter dem AKW Shika nicht berücksichtigt worden war, verteidigt sich Japans Atomsicherheitsbehörde NISA.

Der Vorwurf, die Bruchzone bei der Beurteilung des AKW-Standorts absichtlich übersehen zu haben, wurde von der NISA, die dem Industrieministerium untersteht, zurückgewiesen. Ursache für die fehlende Berücksichtigung seien vielmehr mangelnde Anstrengungen beim Informationsaustausch.

Bei vergleichbaren Diskussionen einer anderen Expertengruppe war das Thema der Bruchzonen aufgegriffen worden, die sich im Fall von Bewegungen in einer nahe gelegenen aktiven geologischen Verwerfung ebenfalls bewegen und so den Umfang eines Erdbebens noch verstärken können.

Im Fall des AKW Shika von Hokuriku Electrics berücksichtigte keiner der Experten dieses potentielle Sicherheitsrisiko.

Auch wenn die NISA in den Jahren 2008 und 2009 reichlich Gelegenheit zur Untersuchung der 300 Meter langen Verwerfung mit dem Namen S-1 hatte, da zu diesen Zeitpunkten ohnehin eine Überprüfung der Gebäude auf ihre Erdbebensicherheit erfolgten, wie der interne Ausschuss jetzt nach Angaben feststellte.

Im Jahr 2006 waren neue Sicherheitsstandards eingeführt worden, die NISA begann mit Kontrollen und wies Betreiber an, ihre Anlagen gemäß der neuen Regelung zu sichern. Allerdings wurde für die Einsendung der Berichte kein Einsendeschluss gesetzt. Zudem kam es an vielen Stellen zu Verzögerungen.

Noch bevor alle Berichte eingereicht worden waren, ereignete sich 2007 das Niigata-Erdbeben, was  die Bedeutung seismisch aktiver Verwerfungen hervorhob und die NISA dazu veranlasste, mittelfristig Berichte über die Erdbebensicherheit zu fordern, nachdem es zu Schäden am AKW Kashiwazaki-Kariwa gekommen war.

Auf der genutzten Prioritätenskala zur Planung von Kraftwerkskontrollen erhielt die Untersuchung kleinerer Verwerfungen auf AKW-Gelände offenbar wenig Priorität und tatsächlich gab man sich bei dem 2008 eingereichten Bericht zum AKW Shika mit der Betreibereinschätzung S-1 sei „inaktiv“ zufrieden, so dass man den Bericht im Februar 2009 praktisch durchwinkte.

Ins Licht der Atomsicherheitsbehörde war die Verwerfung etwa im Juli diesen Jahres gekommen, nachdem Experten erklärt hatten, die S-1 zeige starke Anzeichen von Aktivität. Hierüber berichteten die Nachrichtenagentur jiji und die Mainichi Shimbun.

Fukushima-reaktor 4: Entfernung des Druckbehälterdeckels im Innenraum am 13. September 2012 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 4: Entfernung des Druckbehälterdeckels im Innenraum am 13. September 2012 (Foto: TEPCO)

TEPCO veröffentlicht weitere Bilder vom Heben eines Druckbehälter-Deckels: Nachdem TEPCO gestern vor allem beeindruckende Aufnahmen von der Entfernung des Betondeckels am Druckbehälter von Reaktor 4 am AKW Fukushima Daiichi gezeigt hatte, legt das Unternehmen heute nach.

Der Öffentlichkeit wurden nun Videoaufnahmen und Fotos präsentiert, die zwar ebenfalls eine ähnliche Aktion zeigen, jedoch aus dem Inneren des Gebäudes von Reaktor 4 am AKW Fukushima Daini (Fukushima 2) stammen.

Die Bilder zeigen den Zustand vor dem Heben des Druckbehälter-Deckels, das Abheben des kuppelförmigen Betondeckels, sowie den Zustand, nachdem der Deckel entfernt wurde.

TEPCO gab, anders als bei den Außenaufnahmen von Reaktor 4 am AKW Fukushima Daiichi, diesmal keinen Hinweis über eine Manipulation der Bilder.

Diese waren beim ersten Kraftwerk bislang mindestens zweimal erfolgt – offiziell um die Sicherheit von Anlage und Personen zu gewährleisten.

Erneute Anpassung an Kühlsystem-Einspeisung erforderlich: Nachdem sich die Durchflussraten bei der Einspeisung von Kühlwasser in die Reaktoren offenbar verbessert haben, wurde bereits gestern die Erreichung des Status der Betriebsbereitschaft bestätigt. Heute meldet TEPCO, auch die Schwebestoffe im Wasser hätten deutlich abgenommen.

Dennoch mussten nun Anpassungen vorgenommen werden, da ein erneuter Abfall der Durchflussraten für die Reaktoren 1 und 2 beobachtet wurde. Die Anpassungen sahen wie folgt aus:

Freitag, 14. September 2012 – Anpassung um 2:26 Uhr

  • Reaktor 1: Speisewasseranstieg von 2,5 auf 2,8 Kubikmeter pro Stunde. Reaktor-Kernsprühsystem: unverändert bei 2,0 Kubikmeter pro Stunde (Gesamtanstieg von 4,5 auf 4,8 Kubikmeter pro Stunde).

Freitag, 14. September 2012 – Anpassung um 7:27 Uhr

  • Reaktor 2: Speisewasseranstieg von 1,3 auf 1,8 Kubikmeter pro Stunde. Reaktor-Kernsprühsystem: unverändert bei 4,8 Kubikmeter pro Stunde (Gesamtanstieg von 6,1 auf 6,6 Kubikmeter pro Stunde).

In den Tagen zuvor war es zu teilweise kritischen Abfällen bei der Einspeisung des Kühlwassers gekommen (Spreadnews berichtete).

Trümmer aus Ishinomaki in Kitakyushu angekommen: Um 7:45 Uhr erreichte ein Schiff aus Ishinomaki (Präf. Miyagi) den Hafen der  Stadt Kitakyushu (Präf. Fukuoka). An Bord befanden sich insgesamt 106 Behälter mit etwa 8.000 Tonnen brennbarer Katastrophentrümmer.

Nachdem sie ab 8:15 Uhr abgeladen und mit Sonderfahrzeugen in ein vorübergehendes Lager gebracht worden waren, soll mit ihrer Verbrennung am Montag begonnen werden. Es ist das erste Mal das Trümmer der Naturkatastrophen vom März 2011 in Westjapan verbrannt werden, berichtet die Yomiuri Shimbun.

Japan gibt Strategie zur Energiepolitik bekannt: In den am heutigen Freitag vorgestellten Papieren, wird wie erwartet, die Reduzierung der Atomenergienutzung als mittel- bis langfristige Strategie festgelegt. Ziel ist es, in den 2030ern die Abhängigkeit Japans von der Atomenergie auf Null zu senken und einen kompletten Atomausstieg durchzuführen.

Die neuen Strategiepapiere wurden auf einem Treffen der Konferenz für Energie- und Umwelt unter Vorsitz von Motohisa Furukawa, Minister für nationale Politik und in Anwesenheit von Premierminister Yoshihiko Noda beschlossen.

Zu den wichtigsten Punkten zählt der Beschluss, keine Laufzeitverlängerung über mehr als 40 Jahre zuzulassen und weder bereits existierende Reaktoranlagen auszubauen, oder neue Reaktoren in Betrieb zu nehmen. Nur bei Gewährleistung  ihrer Sicherheit durch die neue Atomaufsicht sollen Reaktoren in Betrieb bleiben, heisst es in japanischen Medien, wie auch von der jiji.

Erdbeben der Stärke 5,1 in Chiba und Ibaraki: Am früheren Freitagmorgen um 2:22 Uhr erschütterte ein Erdbeben mit einer durchschnittlichen Stärke von 5,1 die Präfekturen Chiba und Ibaraki. Das Epizentrum des Bebens, dass auch im Großraum Tokyo zu spüren war, befand sich im nordöstlichen Teil der Präfektur Chiba in einer Tiefe von 40 Kilometern. Eine Tsunamiwarnung wurde nicht ausgegeben.

Senkaku-Hauptinsel Uotsurijima (Foto: MLIT)
Senkaku-Hauptinsel Uotsurijima (Foto: National Land Image Information (Color Aerial Photography), Ministry of Land, Infrastructure and Transport)

Der Senkaku-Konflikt mit China hält an: Die Provokationen im Territorialkonflikt zwischen Japan und seinen Nachbarn hören nicht auf. Mit seiner heutigen Aktion, sechs Schiffe in das japanische Hoheitsgebiet um die Inseln zu entsenden und angesichts der Ausschreitungen in China, scheint eine Lösung weit entfernt. Alles weitere im Überblick:

Chinas Schiffe verletzten Hoheitsgewässer: Sechs Schiffe haben zwischen 6:00 Uhr und kurz nach 7:00 Uhr japanisches Hoheitsgebiet um die Senkaku-Inseln verletzt. Japans Küstenwache entsandte Patroullienboote und Luftkräfte und forderte die Eindringlinge zur Umkehr auf, was auf Chinesisch mit Eigentumsbehauptungen, Propaganda und der Aufforderung Japan solle seine eigenen Kräfte zurückziehen, beantwortet wurde.

Die ersten drei chinesischen Schiffe zogen sich 90 Minuten später zurück, die drei übrigen folgten um 13:30 Uhr. Es ist das erste Mal seit dem Kauf der Inseln durch Japans Regierung, dass eine derartige Provokation durch Chinas staatliche Meeresverwaltungsbehörde erfolgt.

Japaner bei Protesten in Shanghai verletzt: Zwischen Montag und Mittwoch sind mindestens vier japanische Staatsbürger in Shanghai bei Übergriffen verletzt worden. Einem Mann war mehrmals gegen ein Bein getreten worden, einer musste zur Behandlung seiner Augen ins Krankenhaus, nachdem man ihm heisse Nudeln ins Gesicht gekippt hatte. Weitere wurden mit Plastikflaschen geschlagen und mit Saft überkippt, während sie auf einem Motorrad saßen.

China droht mit Handelsbenschränkungen: Chinas stellvertretender Wirtschaftsminister Jiang Zengwei erklärte, Japans Inselankauf werde es schwierig machen, Auswirkungen auf Wirtschafts- und Handelsabkommen zu verhindern. China ist Japans größter Handelspartner und deutete Zustimmung zu einem Boykott japanischer Produkte an.

Treffen mit Fukushima-Gouverneur geplatzt: Ein für Mittwoch geplantes Treffen zwischen dem Vorsitzenden der China Eastern Airlines, Liu Shaoyong und Fukushim-Gouverneut Yuhei Sato wurde aufgrund von „Terminschwierigkeiten“  ebenso abgesagt wie das Treffen mit einem leitenden Mitglied der zivilen Luftfahrtbehhörde am Tag zuvor.

China sagt Teilnahme an Tokyoter Tourismus-Event ab: Ohne weitergehende Begründung sagte Chinas Tourismusbehörde telefonisch die Teilnahme an einer Tourismus-Börse in Tokyo ab. Der Veranstalter bat darum, China möge die Absage noch einmal  überdenken.

China will Fischereiboote militärisch schützen: Nachdem am Sonntag ein jahreszeitlich bedingter Fangstopp endet, kündigte die Fischereibehörde auf der Webseite des Landwirtschaftsministeriums an, die Fischereiboote in der Nähe der Inseln kontinuierlich von Patroullienschiffen begleiten zu lassen, um die Durchsetzung von meeresbezogenen Interessen zu gewährleisten.