Start Aktuelles Japan aktuell: Notfallgenerator am AKW Fukushima bereits in den 90ern beschädigt

Japan aktuell: Notfallgenerator am AKW Fukushima bereits in den 90ern beschädigt

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AKW Fukushima: Reaktoren 1-4 am 15. März 2011 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Reaktoren 1-4 am 15. März 2011 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Reaktoren 1-4 am 15. März 2011 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Versäumnisse bereits vor Jahren (Reaktoren 1-4 im März 2011, Foto: TEPCO)

TEPCO stand bereits kurz nach Beginn der Krise am AKW Fukushima Daiichi im Ausland in der Kritik. Mit dem bekannt werden weiterer Informationen sinkt das Ansehen des Energiekonzerns weiter, denn auch der jetzt veröffentlichte Zwischenbericht und die Beurteilung von dessen Inhalt durch die Medien macht deutlich, warum die Versäumnisse in Fukushima aktuell weiterhin ein Thema bleiben. Weitere Hintergründe, Fukushima News, sowie weitere Themen auch zum nahenden Jahresende – im Spreadnews Japan-Ticker vom 29. Dezember 2011.

Fukushima-Notfallgenerator versagte bereits 1991: Einer Meldung der NHK zufolge, die auf Berichten von früheren Angestellten des AKW-Betreibers TEPCO basiert, hat das Unternehmen trotz eines Problems mit dem Notfallgenerator im Oktober 1991 keine weiteren Sicherheitsmaßnahmen getroffen.

Nach Angabe der ehemaligen Beschäftigten ereignete sich ein Zwischenfall, bei dem Wasser aus einer Rohr austrat und in den Keller des Turbinengebäudes von Reaktor 1 gelangte und zum Ausfall einer der beiden Notfallgeneratoren geführt habe. Auch auf den Hinweis eines Mitarbeiters an seine Vorgesetzten, ein Tsunami könnte aufgrund der räumlichen Nähe der Turbinengebäude zum Meer ebenfalls die Notfallgeneratoren beschädigen, wurde nicht angemessen reagiert.

Zwar liess TEPCO Türen einbauen, um das Eindringen von Wasser in die Generatorgebäude zu verhindern, verzichtete jedoch darauf, sie in eine erhöhte Position über Bodenniveau zu bringen, was dem Schutz vor Überschwemmungen durch Tsunami gedient hätte.

Die japanische Atomsicherheitskommission NSC kündigte an, man werde die Sicherheitsrichtlinien zum Aufbau von Atomkraftwerken überarbeiten und die Einrichtung zusätzlicher  Energiequellen für den Notfall zur Bedinungen machen.

Fukushima-Kraftwerksleiter bemühte sich um Besonnenheit: Die Asahi Shimbun zitiert in ihrem aktuellen Artikel aus dem Bericht der Untersuchungskommission im Bezug auf das Verhalten und die Anordnungen, die Masao Yoshida, der zum Höhepunkt der Krise der Leiter des AKW Fukushima Daiichi war.

Nach dem Tsunami am 11. März habe er in seiner Position im Notfallzentrum um 23:50 Uhr festgestellt, dass die Kühlung nicht arbeitete. Er gibt in dem Bericht an, das Unglück habe alles übertroffen, was er bislang als Bedrohungsszenario für möglich gehalten habe und räumt ein, auch aufgrund der auf ihn einstürzenden unterschiedlichen Informationen im ersten Moment nicht gewusst zu haben, welche Maßnahmen nun zu treffen seien.

Yoshida befahl dann am folgenden Tag, dem 12. März um 12:06 Uhr die Öffnung von Ventilen, um durch die Belüftung den Druck im Reaktor abzubauen – eine gefährliche Aufgabe, da die Strahlung vor Ort hoch war, das er gegenüber den Arbeitern auch einräumte. Nachdem es am 14. März Meldungen über Kühlungsprobleme an Reaktor 2 gab, beschloss der Leiter des Kraftwerks, Arbeiter zu evakuieren.

Einen Tag später, am 15. März, kam es zu einer Explosion an Reaktor 4. Als Yoshida hörte, dass auch am Reaktor 2 heftige Geräuschentwicklung gemeldet wurde, liess er weitere Angestellte evakuieren. Etwa  650 wurden vorübergehend zum Kernkraftwerk Fukushima Daini (AKW  Fukushima 2) evakuiert –  somit blieben lediglich etwa 50 Arbeiter in der Anlage zurück.

Auch wenn die Asahi Shimbun nicht kommentiert, wie diese Entscheidungen zu beurteilen sind und welche Figur Masao Yoshida, der aufgrund von Speiseröhrenkrebs von seinem Posten zurücktrat, während der Krise machte, so scheint er doch im Rahmen seiner Möglichkeiten durchaus brauchbare Arbeit geleistet zu haben – die Kritik des Berichts an schlechter Kommunikation und eigenmächtigem Handeln von Angestellten vor Ort mildert dies jedoch nicht.

Neuen Zentrifugen zur Urananreicherung gestartet: Die Japan Nuclear Fuel Ltd. nahm am gestrigen Mittwoch in ihrer Urananreicherungsanlage in Rokkasho (Präf. Aomori)  neue, effizienter arbeitende Zentrifugen in Betrieb. Das Unternehmen will langfristig alle alten Einheiten der Anreicherungsanlage, die 1992 in Betrieb ging, durch modernere Versionen ersetzen.

Nach einem ersten Anheizbetrieb werden die Zentrifugen etwa Anfang Märzt mit der Herstellung von Uranmaterial beginnen und dabei jede von ihnen das vier- bis fünffache der Vorgängermodelle verarbeiten. Nach Angaben der Japan Nuclear Fuel Ltd können die neuen Anlagen pro Jahr ein Drittel des für einen ein Gigawatt-Reaktor jährlich benötigten Urans anreichern. Das berichtet die Nachrichtenagentur Kyodo.

Schiff der Walfanggegner von Sea Shepherd schwer beschädig: Die „Brigitte Bardot„, ein Aufklärungsschiff der militanten Umweltschutzorganisation Sea Shepherd, wurde  bei der Verfolgung des japanischen Walfangschiffes „Nisshin Maru“ auf der Backbordseite von einer sechs Meter hohen schweren Welle getroffen, die den Rumpf beschädigte. Der Riss vergrößert sich aufgrund der starken Wellen, die das Schiff weiterhin im Griff haben, offenbar.

Das Flagschiff der Aktivisten, die „Steve Irwin“ änderte ihren Kurs, damit das beschädigte Schiff in Augenschein genommen werden konnte und um es nach Fremantle (Australien) zu eskortieren. Paul Watson, Kapitän der „Steve Irwin“ berichtet, auch beim Kurs nehmen auf die „Brigitte Bardot“ kämpfe man mit schwerem Seegang.

Bis die Position des beschädigten Schiffes erreicht sei, würden etwa 20 Stunden vergehen. Miles Renecle, Kapitän der „Brigitte Bardot“ zeigte sich jedoch zuversichtlich, dass das Schiff über Wasser bleiben werde.

Der Zwischenfall sei für die Mission zwar ärgerlich, so Watson, allerdings müsse man bei derart feindseligen Bedingungen damit rechnen –  zudem sei man immer auf derartige Ereignisse vorbereitet. Die Sicherheit der zehnköpfigen Crew der „Brigitte Bardot“ – drei Briten und drei Amerikaner, sowie ein Australier, ein Kanadier, ein Belgier und ein Südafrikaner – habe nun Priorität.

Unterdessen setzt das dritte Schiff, die „Bob Barker„,  die Verfolgung der Walfänger fort, berichten die Aktivisten, sowie die Nachrichtenagentur jiji.

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