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Japan aktuell: NRA fordert Hilfegesuch von Fukushima-Betreiber

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TEPCO-Zentrale in Tokyo (Foto: Yusuke Kawasaki cc-by)
TEPCO-Manager heute angeklagt (Symbolfoto: Yusuke Kawasaki cc-by)
TEPCO-Zentrale in Tokyo (Foto: Yusuke Kawasaki cc-by)
TEPCO soll Hilflosigkeit gestehen (Foto: Yusuke Kawasaki cc-by)

Die Unfähigkeit, das Problem der leckenden Wassertanks zu bewältigen beunruhigt nationale ebenso wie internationale Atombehörden, so dass der Betreiber des AKW Fukushima aktuell mit deutlichen Forderungen konfrontiert wird.

Trotz der Arbeiten, die auf der Anlage in Fukushima heute begannen, sieht die NRA mehr Handlungsbedarf.

Weitere Fukushima News jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 23. August 2013.

Unsere Themen zum Wochenende:

  • NRA drängt Fukushima-Betreiber zu Geständnis der Hilflosigkeit
  • TEPCO beginnt Entfernung kontaminierten Bodens
  • TEPCO will Wasser aus Tunneln pumpen
  • Gedenkfeier für Fukushima-Kraftwerksleiter

NRA drängt Fukushima-Betreiber zu Geständnis der Hilflosigkeit: Vertreter der Atomaufsichtsbehörde NRA haben heute die Anlage des AKW Fukushima Daiichi besucht, um sich einen Eindruck von dem Behälter zu verschaffen, aus dem große Mengen an radioaktivem Wasser gelangt sein sollen.

Bereits gestern hatte jedoch der Betreiber TEPCO eingeräumt, dieser Behälter sei möglicherweise nicht die einzige Quelle von radioaktivem Wasser, da es sich bei den Feuchtspuren an zwei weiteren Tanks zwar um Regen handeln soll, in der Nähe der Bodennähte beider Tanks jedoch hohe Strahlungswerte gemessen worden waren.

Versäumnisse, etwa keine Wasserstandsanzeiger installiert, oder zumindest Aufzeichnungen über Strahlung in Behälternähe angelegt zu haben, wurden heute von der NRA kritisiert. TEPCO begründete dieses Defizit mit Arbeitermangel – man würde das vierfache der jetzigen Kräfte benötigen, um regelmäßige Strahlungsmessungen durchführen zu können.

NRA-Vertreter Toyoshi Fuketa erklärte im Anschluss sogar, das Unternehmen solle den Mut haben, öffentlich einzugestehen mit der Lage überfordert zu sein und Hilfe von der Regierung anfordern, anstatt sich darauf zu beschränken ständig zu beteuern, „man werde sein Bestes geben“.

Auch international hat der Zwischenfall für Reaktionen gesorgt. So erklärte sich die Internationale Atomenergiebehörde IAEA dazu bereit, auf Anfrage auch Hilfestellung zu leisten und China zeigte sich  aufgrund der Ereignisse schockiert. Über diese Entwicklungen berichteten Kyodo, jiji und NHK.

TEPCO beginnt Entfernung kontaminierten Bodens: Am heutigen Freitag begannen die Arbeiten zur Entfernung der Erdschichten, die bei dem bislang größten Tankleck-Zwischenfall an der Anlage, durch das stark radioaktive Wasser kontaminiert worden waren.

AKW Fukushima: Dekontamination von Grasflächen (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Dekontamination von Grasflächen (Symbolfoto: TEPCO)

Im Rahmen der Arbeiten werde man unter Einsatz von schwerem Gerät zunächst eine Erdschicht von 50 Zentimetern abtragen. Sollten die Strahlungswerte dort immer noch hoch sein, so würde man so lange tiefer graben, bis die Belastung jener in Bereichen entspricht, die nicht von der Katastrophe betroffen sind. Das teilte das Betreiberunternehmen TEPCO mit.

Zunächst wurden heute jedoch Bereiche, in denen sich zuvor radioaktive Wasserlachen befanden, auf einer Fläche von insgesamt 12 Quadratmetern abgetragen, um einen ersten Eindruck davon zu erhalten, wie tiefgreifend die Maßnahmen tatsächlich erforderlich werden. Etwa 120 Liter waren aus den Betonabgrenzungen hinausgelangt und im Boden versickert.

Da nach dem Leck von 300 Tonnen somit nur wenig Wasser in Lachen vorhanden war und auch die Rohrleitungen dort weitgehend trocken gewesen seien, geht der Elektrizitätskonzern davon aus, dass ein Großteil des Wassers nicht ins Meer gelangte, sondern vor Ort im Boden versickerte. Die genaue Menge ist jedoch noch unklar, zumal an einigen Orten auch unterirdische Leitungen verlegt sind.

Aus diesem Grund werde man zunächst in Bereichen beginnen, an denen die tieferen Bodenschichten leicht erreichbar sind. Hierüber berichteten jiji und NHK.

TEPCO will Wasser aus Tunneln pumpen: Indem des Unternehmen damit beginnt, das Wasser aus unterirdischen Tunneln und Schächten abzupumpen, will man verhindern, dass weiterhin radioaktives Wasser in den Pazifik gelangt. Gestern begannen die Arbeiten an einem Tunnel der 60 Meter vom Meer entfernt ist und nahe des Turbinengebäudes von Reaktor 2 verläuft.

Zweites Untergeschoss des Turbinengebäudes von Reaktor 3 am 19. März 2011
AKW Fukushima: Radioaktives Wasser im Untergeschoss des Turbinengebäudes von Reaktor 3 (Foto März 2011, TEPCO)

Alleine dort sollen sich, nach Schätzungen von TEPCO, seit Beginn der Krise etwa 210 Tonnen an radioaktivem Wasser angesammelt haben. Dessen Existenz sei bereits lange bekannt gewesen, doch erst jetzt habe man erkannt, dass das Wasser ins Meer gelange. Nach dem Heraufpumpen wird eine Filterung erforderlich, bevor man die Flüssigkeit in Stahltanks einlagern kann.

Besonders schwierig sind die Arbeiten dort, da eine Verbindung zwischen dem Turbinengebäude und dem Tunnel besteht, so dass darauf geachtet werden muss, nicht unabsichtlich weiteres Wasser von dort nachfließen zu lassen. Wann die Arbeiten an allen Tunneln fertiggestellt werden, wo etwa 15.000 Tonnen an Wasser lagern sollen, ist unklar, berichtet die NHK.

Tatsächlich könnte diese Arbeiten auch die Sicherheit der Anlage gefährden, da der Wasserstand in den Turbinengebäuden in Relation zum Kühlwasser der geschmolzenen Brennelemente steht. Sinkt der Wasserspiegel im Turbinengebäude, könnte Wasser aus dem Reaktor dorthin fließen, was vermutlich den bisherigen Kühlkreislauf für den Reaktor stören würde.

Gedenkfeier für Fukushima-Kraftwerksleiter: Am heutigen Freitag fanden in Tokyo Gedenkveranstaltungen für TEPCO-Mitarbeiter Masao Yoshida statt. Er war zum Zeitpunkt der Krise am Kernkraftwerk Fukushima Daiichi und durch den Widerstand gegen offizielle Anordnungen, sowie eigenmächtige Entscheidungen bekannt geworden.

AKW Fukushima Reaktor 01 am 12. März 2011 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Reaktor 1 am 12. März 2011 (Foto: TEPCO)

Während des Höhepunkts der Krise ignorierte er vorsätzlich die Anordnung, die provisorische Reaktorkühlung mit Meerwasser einzustellen – eine richtige Entscheidung, wie sich später herausstellte. Auch in den Videokonferenzen mit dem Hauptsitz des Unternehmens in Tokyo hatte er deutliche Worte gefunden.

Doch Yoshida erntete auch Kritik. Nicht nur durch seine Vorgesetzten, sondern auch durch den internen Untersuchungsausschuss zur Fukushima-Katastrophe. Dieser warf ihm vor, nicht hinreichende Schutzmaßnahmen gegen Tsunami getroffen zu haben, obwohl bereits im Vorjahr entsprechende Berechnungen vorhanden waren.

Im Dezember 2011 wurde bei Masao Yoshida dann Speiseröhrenkrebs festgestellt. Der frühere Leiter des Kraftwerks verstarb am 9. Juli 2013 im Alter von 58 Jahren an Speiseröhrenkrebs.

Der verstorbene Yoshida hatte zu keinem Zeitpunkt offizielle Angaben zur Strahlungsbelastung gemacht, der er bei seinem Einsatz ausgesetzt gewesen war. Auch einige Einzelheiten zum Höhepunkt der Krise werden voraussichtlich nun nicht mehr zu klären seien.

Neben einer ersten Gedenkveranstaltung, an der Familienmitglieder und Freunde teilnahmen, gab es eine weitere Veranstaltung für andere Personen.

An der Zeremonie nahmen etwa 1.000 Personen teil, darunter nicht nur Vertreter des Kraftwerksbetreibers TEPCO, sondern auch Japans derzeitiger Premierminister Shinzo Abe, sowie weitere Politiker, die mit der Handhabung der Kraftwerkskrise betraut waren.

In einer Trauerrede erklärte der jetzige TEPCO-Präsident Naomi Hirose, er sei Yoshida für seinen Einsatz an vorderster Front zur Kontrolle der Krise sehr dankbar.

DPJ-Politiker Naoto Kan, der zum Zeitpunkt der Fukushima-Katastrophe den Posten des Premierministers hatte, erklärte nun anlässlich der Gedenkveranstaltung, es sei Yoshida zuzuschreiben, dass die Katastrophe nicht schlimmere Ausmaße angenommen habe und bedauerte seinen Tod.

Über die Gedenkveranstaltungen berichteten Kyodo, jiji und NHK

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