Start Aktuelles Japan aktuell: Obduktion von Fukushima-Ratte angeordnet

Japan aktuell: Obduktion von Fukushima-Ratte angeordnet

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AKW Fukushima: Totes Tier in Verteilergehäuse am 20. März 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Totes Tier in Verteilergehäuse am 20. März 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Totes Tier in Verteilergehäuse am 20. März 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Totes Tier in Verteilergehäuse am 20. März 2013 (Foto: TEPCO)

Japans Premierminister Shinzo Abe will die neusten Ereignisse um das AKW Fukushima aktuell nutzen und die Anlage am Sonntag besichtigen, um sich einen Eindruck vom Fortschritt der Arbeiten vor Ort zu machen.

Tatsächlich dürfte der Besuch weit weniger bunt sein, als die Eröffnung der Tokyo Anime Fair am heutigen Donnerstag – sind die Aussichten für die nahe Zukunft des Kraftwerks doch wenig spektakulär

Unterdessen sind die genauen Umstände des Stromausfalls am AKW Fukushima heute immer noch nicht einwandfrei geklärt, so dass man nun dem vermuteten Verursacher zu Leibe rücken will, um sicher zu gehen.

Wie sicher die Situation für die Menschen in Japan nach den Tohoku-Katastrophen war und wie ihnen geholfen wurde, zeigt die nächste Folge der Serie „Katastrophenhelfer in Japan“ am 23. März.

Fukushima News im Bezug auf AKW und Präfektur, als auch weitere Meldungen, etwa über Spenden und personelle Probleme in den Katastrophenregionen, jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 21. März 2013.

Unsere heutigen Themen:

  • Mutmaßlicher Kurzschluss-Nager von Fukushima soll untersucht werden
  • Regierung weist TEPCO zur Nutzung mehrerer Stromversorgungssysteme an
  • 15 Experten der Atomaufsicht erhielten Gelder der Atomlobby
  • Zahl von freiwilligen Sicherheitshelfern nimmt in Katastrophenregionen ab
  • Fukushima-Mütter mit Geldspenden unterstützt
  • Damm gegen Tsunami-Trümmer gebaut

Die Eröffnung der Tokyo Anime Fair

Mutmaßlicher Kurzschluss-Nager von Fukushima soll untersucht werden: Auch wenn es vielfach so zu lesen ist, hat der AKW-Betreiber TEPCO bislang nicht bestätigt, dass es sich bei dem Tier, dessen Überreste im Bereich des Verteilerkastens gefunden wurden, tatsächlich um die Ursache des Stromausfalls handelt.

Bislang geht man davon aus, dass das Tier einen Kurzschluss verursachte, was zum Stromausfall des Kühlsystems für Abklingbecken und weiteres Gerät auf dem Gelände des AKW geführt habe. Die provisorische Schaltanlage auf einem LKW war bereits seit Beginn der Fukushima-Krise im Einsatz und seitdem offenbar nicht ausgewechselt worden.

Normalerweise hätte der Stromausfall nur die elektrischen Verbindungen für das Kühlsystem der Abklingbecken in den Reaktoren 3 und 4, sowie ein separates Abklingbecken betroffen. Da aufgrund von Wartungsarbeiten zur Sicherung des Systems beide Schaltungen miteinander verbunden worden waren, kam es zum Doppelausfall.

Nun werde man die Überreste des Nagetiers untersuchen um festzustellen, ob es tatsächlich im Zusammenhang mit dem Kurzschluss steht, erklärte TEPCO nach Angaben der Asahi Shimbun. Es war offenbar über die Öffnung für die Kabelführung hineingelangt.

TEPCO betonte im Bezug auf den Zwischenfall, die Situation sei unter Kontrolle und man auf den schlimmsten Fall vorbereitet. Dennoch verfügt der Konzern über keine externe Notfall-Stromversorgung für die Abklingbecken, sondern nur für die Reaktoren und wäre daher auf Dieselgeneratoren und Feuerwehrwagen angewiesen.

Regierung weist TEPCO zur Nutzung mehrerer Stromversorgungssysteme an: Wie Chefkabinettssekretär Yoshihide Suga auf einer heutigen Pressekonferenz mitteilte, hat die Regierung den Konzern TEPCO angewiesen, auch für die Kühlanlagen der Abklingbecken mehrere unabhängige Elektrizitätsquellen zur Verfügung zu stellen. Das berichtet die NHK.

Suga fügte hinzu, er habe das Unternehmen aufgefordert, das Risikomanagement zu verbessern, da TEPCO drei Stunden vergehen liess, bevor man die Öffentlichkeit informierte. Außerdem wurde der Konzern ermahnt, auch andere Anstrengungen möglichst schnell umzusetzen, um das Vertrauen in die Sicherheit der Anlage wiederzugewinnen, das starken Schaden genommen habe.

15 Experten der Atomaufsicht erhielten Gelder der Atomlobby: Japans Atomaufsicht hat insgesamt 13 Expertenausschüsse eingerichtet, die sich mit Fragen der Sicherheit der Atomkraftnutzung befassen. Nun ist bekannt geworden, dass 15 Experten entweder Geldspenden, oder Forschungsgelder von Unternehmen aus dem Atomsektor entgegen nahmen.

Die NRA bittet Mitglieder von neun der 13 Ausschüsse, die sich mit Regelungen zum Betrieb kommerzieller Reaktoren befassen, freiwillig um die Offenlegung derartiger Bezüge. Diese werden auf der Webseite der NRA veröffentlicht, um Transparenz zu demonstrieren.

Demnach haben in den Fiskaljahren 2008 bis 2012 mit 14 Personen die Mehrheit der Experten eine Gesamtsumme von 68,3 Millionen Yen an Geldern erhalten hatten. Ein weiterer Experte erhielt Forschungsgelder, deren Höhe er unter Berufung auf Firmengeheimnisse jedoch nicht preisgeben will, berichtet die jiji.

Es bleibt zu befürchten, dass diese finanziellen Zuwendungen trotz ihrer Veröffentlichung, die Neutralität der Atomaufsicht NRA in Frage stellen wird. Dies geschieht zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt, arbeitet man doch gerade an neuen Sicherheitsrichtlinien für Atomkraftwerke.

Zahl von freiwilligen Sicherheitshelfern nimmt in Katastrophenregionen ab: Während die landesweite Zahl an Bürgern, die sich freiwillig für Patrouillengänge, oder andere Maßnahmen zur Verbrechensbekämpfungen engagieren im vergangenen Jahr von 71.742 Personen auf  2.773.597 anstieg, sanken die Zahlen in den Katastrophenregionen.

Zu diesem Schluss kommt der seit 2003 jährlich veröffentlichte Bericht der Nationalen Polizeibehörde. Er erfasst alle Gruppen im freiwilligen Sicherheitsbereich, die über mindestens fünf Mitglieder verfügen und sich mindestens einmal pro Monat treffen. Dort ist die Abnahme deutlich sichtbar.

Ende vergangenen Jahres betrug die Gesamtzahl der freiwilligen Verbrechensbekämpfer in den Präfekturen Fukushima, Iwate und Miyagi nur noch bei 76.599, was eine Abnahme von 17,9 Prozent zu den Zahlen zwei Jahren zuvor, entspricht.

Fukushima-Mütter mit Geldspenden unterstützt: Die Verwaltung der Ortschaft Iitate gab gestern den Eltern von 84 Kindern der Gemeinde, die nach den Tohoku-Katastrophen geboren wurden und daher keine Unterstützung durch das Japanische Rote Kreuz erhalten, jeweils 50.000 Yen pro Kind aus Spendengeldern an die Verwaltung der Ortschaft.

Wie die Mainichi Shimbun berichtet, soll das Geld den Eltern finanziell bei Großziehen ihrer Kinder helfen. Nach der Nuklearkatastrophe am AKW Fukushima war Iitate evakuiert und der Verwaltungssitz der einstigen Gemeinde verlegt worden.

Damm gegen Tsunami-Trümmer gebaut: Die Bilder von riesigen Schiffen, die in der Region Tohoku durch den Tsunami an Land geworfen wurden, gingen nach dem 3/11 um die Welt. Nun hat die Stadt Susaki (Präf. Kochi) eine Sicherheitsmaßnahme getroffen, um den dortigen Hafen Nomi, wo über 500 Fischerboote ankern, zu schützen.

Der Sicherheitsdamm im südwesten Japans ist 115 Meter lang und hat eine Höhe von 2,2 Metern, die von 1,5 Meter hohen Pfosten gekrönt werden, zwischen denen Draht gespannt ist. Es handelt sich nach Angaben der Stadtverwaltung möglicherweise um die erste Anlage dieser Art in Japan.

Wie die NHK berichtet, sollen bereits zwei Bahnen dieser Drähte große Trümmer von bis zu fünf Tonnen stoppen können – das Konzept der Drähte war bereits von Fischereihäfen auf Japans nördlichster Hauptinsel Hokkaido genutzt worden. Es ist jedoch vermutlich das erste Mal, dass es auf einem Damm Anwendung findet.

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