Start Aktuelles Japan aktuell: Offenbar radioaktives Strontium im Stadtzentrum von Tokyo nachgewiesen

Japan aktuell: Offenbar radioaktives Strontium im Stadtzentrum von Tokyo nachgewiesen

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Gebäude des METI in Tokyo (Foto: BlackRiver cc-by)
Industrieministerium förderte nach Fukushima-Katastrophe die Atomenergie (Foto: BlackRiver cc-by)
Gebäude des METI in Tokyo (Foto: BlackRiver cc-by)
Gebäude des METI in Tokyo (Foto: BlackRiver cc-by)

Auch wenn die Erschütterungen des gestrigen Erdbebens überstanden sind, wankt die Glaubwürdigkeit offizieller Angaben bei vielen Japanern weiterhin. Ob es sich nun um Mitteilung der Regierung, oder Angaben des Kraftwerksbetreibers TEPCO, welchen Stand die Entwicklungen am AKW Fukushima aktuell haben – das Misstrauen ist allgemein groß.

Manche Bürger nehmen die Informationsbeschaffung auch selbst in die Hand und führen mit Dosimetern eigene Messungen durch, deren Ergebnisse sie dann im Internet veröffentlichen.

Dass die Messwerte aufgrund der unterschiedlichen Qualität der Dosimeter nicht unbedingt immer akkurat sind, ist verständlich – dennoch waren sie in der jüngeren Vergangenheit oft Grund genug für die Behörden, entsprechenden Meldungen nachzugehen. Unsere heutigen Meldungen und deren Fukushima News finden sich selbstverständlich auch im Netz – im Spreadnews Japan-Ticker vom 24. November 2011.

Radioaktives Strontium in der Innenstadt von Tokyo nachgewiesen:  Die Asahi Shimbun habe es offenbar bereits am Montag gemeldet und die anderen japanischen Medien schwiegen anscheinend. Nun berichtet auch die Nachrichtenagentur Kyodo von  Strontium-Funden, die eine Bürgerorganisation gemacht haben will.

Eine Zusammenfassung des Berichts von Yasumi Iwakami vom Independent Web Journal (IWJ) kommt zu Werten, welche die Behauptung über die relative Sicherheit von Tokyo zu widerlegen scheinen. Allerdings muss bei Angaben so genannter „unabhängiger“ Quellen immer berücksichtigt werden, dass es sich in der Regel nicht um Fachleute handelt und die Angaben in der Regel nicht offiziell bestätigt sind.

Insgesamt wurden an drei willkürlich gewählten Stellen in Tokyo Bodenproben genommen und zwar an zwei Bahnhöfen in den Bezirken Koto und Chiyoda, sowie vor dem Gebäude des Ministeriums für Wirtschaft, Handel und Industrie (METI), dass sich ebenfalls im Bezirk Chiyoda befindet.  Die Ergebnisse sollen demnach wie folgt aussehen und werden an dieser Stelle unkommentiert veröffentlicht:

  • Am Bahnhof Kiyosumi-Shirakawa, Bezirk Koto (Koto-ku):
    Radioaktives Cäsium (Cäsium-134 und Cäsium-137 zusammen)  19,126 Bq/kg
    Radioaktives Strontium (Strontium-89 und Strontium-90 zusammen): Bq/kg
  • Am Bahnhof Yurakucho, Bezirk Chiyoda (Chiyoda-ku):
    Radioaktives Cäsium (Cäsium-134 und Cäsium-137 zusammen) : 20,955 Bq/kg
    Radioaktives Strontium (Strontium-89 und Strontium-90 zusammen): 51 Bq/kg
  • Vor dem METI-Gebäude, Bezirk Chiyoda (Chiyoda-ku):
    Radioaktives Cäsium (Cäsium-134 und Cäsium-137 zusammen) : 48,176 Bq/kg
    Radioaktives Strontium (Strontium-89 und Strontium-90 zusammen): 48 Bq/kg

Tenno aus dem Krankenhaus entlassen: Am Donnerstag konnte der Tenno das Krankenhaus, 18 Tage nachdem er sich aufgrund einer Bronchitis dorthin begeben hatte, wieder verlassen. Ursprünglich sollte er das Krankenhaus bereits am 11. November verlassen, doch eine kurzzeitige Verschlimmerung der Symptomatik, darunter auch hohes Fieber, zwangen das Symbol des Staates dazu, länger in der Klinik zu bleiben als zunächst vorgesehen. Seine Gemahlin, Kaiserin Michiko besuchte ihn täglich und brachte ihm bei  fortlaufender Genesung auch Blumen und Obst.

Wie das kaiserliche Hofamt mitteilte, sei vermutlich ein mykoplasmatisches Bakterium für die Bronchialpneumonie (Bronchopneumonie) des Herrschers verantwortlich, dass jedoch erfolgreich mit Antibiotika bekämpft worden sei.

Der Tenno wird sich nun noch einige Tage im kaiserlichen Palast erholen und seine administrativen Arbeiten wieder aufnehmen, sobald es seine Gesundheit erlaubt, berichteten die Nachrichtenagentur Kyodo und die NHK.

Ishinomaki stellt langfristige Wohngelegenheiten bereit: Bis Anfang kommenden Jahres will die Stadt Ishinomaki (Präf. Miyagi) insgesamt 40 Personen aus zehn Familien eine neue Wohngelegenheit bieten. Die Gebäude, deren Bau im Juni begann, liegen etwa 40 bis 60 Meter oberhalb ihres ursprünglichen Standortes um so mehr Schutz für Tsunami zu bieten. Die Opfer der Naturkatastrophen zeigten sich erfreut, besonders die Möglichkeit wieder zusammen wohnen zu können, was bei den kleineren Übergangshäusern aufgrund der begrenzten Größe oft nicht möglich ist, wird dankbar aufgenommen, berichtet die Mainichi Shimbun.

Dekontamination läuft nicht so schnell wie erwünscht: Die Dekontaminationsarbeiten in der Stadt Fukushima, die vielfach von Freiwilligen durchgeführt werden, könnten sich zu einer Sisyphusarbeit entwickeln.

Zum einen dürfte der Zeitplan deutlich ins Schwanken geraten, da nicht nur viele Freiwillige aufgrund der anhaltenden radioaktiven Belastung Angst vor weiteren Arbeiten haben, denn wie die Mainichi Shimbun meldet, sind lediglich zwei der 33 Unternehmen, die ursprünglich an den Arbeiten mitwirken sollten im Einsatz. Die Übrigen sagten aufgrund der Angst um die Gesundheit ihrer Arbeiter ab.

Zum anderen sind einige der bisher durchgeführten Maßnahmen eher ineffektiv. So hat etwa die medienwirksam präsentierte Reinigung der Dächer vergleichweise geringe Wirkung. Die Strahlung dort sinkt durchschnittlich nur um 30 Prozent, was auf die Wälder zurückzuführen sein soll, welche das Gebiet umgeben und ebenfalls nicht dekontaminiert sind,weshalb Bürger sogar fürchten, radioaktiv belastete Pollen könnten sich über große Gebiete verbreiten.

Auch die Reinigung des Asphalts der Straßen durch Abspülen führt lediglich zu einer Reduktion von 25 Prozent, so dass nun die Abtragung der obersten Asphaltschicht als Maßnahme geprüft wird. Die Dekontamination im zweiten Geschoss von Gebäuden brachte sogar lediglich eine Senkung von 22 Prozent. Das ursprüngliche Ziel bis Ende des Jahres alle 367 Haushalte vollständig von radioaktivem Material zu befreien scheint jedenfalls in weite Ferne zu rücken.

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