Start Aktuelles Japan aktuell: Ölleck an Generator der Stickstoff-Anlage des AKW Fukushima

Japan aktuell: Ölleck an Generator der Stickstoff-Anlage des AKW Fukushima

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Fleck im Bereich des undichten Dieselgenerators am 21. Juli 2012 (Foto: TEPCO)
Fleck im Bereich des undichten Dieselgenerators am 21. Juli 2012 (Foto: TEPCO)
Fleck im Bereich des undichten Dieselgenerators am 21. Juli 2012 (Foto: TEPCO)
Fleck im Bereich des undichten Dieselgenerators am 21. Juli 2012 (Foto: TEPCO)

Die Ereignisse um die Dosimeter-Manipulation können nicht davon ablenken, dass es neben diesen vergleichsweise spektakulären Ereignissen auch immer wieder zu einer Zahl kleinerer Zwischenfälle an der Anlage des AKW Fukushima Daiichi kommt.

Daher sind sowohl der jüngste Skandal, als auch weitere Geschehnisse am AKW Fukushima aktuell Teil unserer Berichterstattung.

Besonders der Bericht der Fukushima-Untersuchungskommission der Regierung, dürfte in Zukunft weitere Meldungen nach sich ziehen. An dieser Stelle jedoch zunächst die heutigen Fukushima-News und weitere Meldungen – im Spreadnews Japan-Ticker vom 24. Juli 2012.

Unsere heutigen Themen:

  • Verantwortlicher Mitarbeiter für Dosimeter-Manipulation gibt Pressekonferenz
  • Untersuchungen zu Dosimeter-Manipulationen folgen
  • Neue Dekontaminationseinheit könnte bei Fukushima-Wasserproblem helfen
  • Fukushima-Arbeiter zu Heiligen stilisiert
  • Unfall bei Rohrtransport an Fukushima-Reaktor 3
  • Ölaustritt an Stickstoff-Anlage am AKW Fukushima
  • Katastrophenübung am AKW Onagawa
  • Mehrere Tote und tausende Krankenhausfälle nach Hitzschlag

Ölaustritt an Stickstoff-Anlage am AKW Fukushima: In einem Wochenend-Bericht vom Samstag berichtet die Betreiberfirma TEPCO über ein Ölleck, dass am Freitagmorgen gegen 6:20 Uhr von einem Angestellten bei einem Kontrollgang entdeckt worden war. Es befand sich im Bereich um den Dieselgenerator für  die zusätzliche Stickstoffversorgungseinheit in erhöhter Position auf einem Hügel.

Schätzungsweise sind etwa 20 Liter Leichtöl ausgetreten.

Leckstelle am Ölfilter des Dieselgenerators nach Sicherung durch Abdichtband  am 21. Juli 2012 (Foto: TEPCO)
Leckstelle am Ölfilter des Dieselgenerators nach Sicherung durch Abdichtband am 21. Juli 2012 (Foto: TEPCO)

Am selben Tag sei man gegen 7:14 Uhr zu dem Schluss gelangt, dass zwar dennoch ein Teil der Vorgaben für die Stickstoffversorgungseinheit erfüllt sei, jedoch nicht in ausreichendem Maße weiteren Erfordernissen entspräche. Aus diesem Grund habe man einen zweiten Dieselgenerator dort angebracht.

Beide Leckstellen – im oberen Bereich des Dieselmotors und an dem Ölfilter des Geräts – wurden mit einem speziellen Elastikband gesichert und der Betreiber konnte gegen  19:36 Uhr den Stopp des Ölaustritts bestätigen. Eine zusätzliche Bestätigung erfolgte um 21:00 Uhr in Anwesenheit der Feuerwehr.

Am folgenden Samstag wurde die Stickstoffversorgung um 1:48 Uhr gestartet und der reibungslose Betrieb festgesstellt. Noch am selben Tag um 2:29 Uhr sei man zu dem Schluss gelangt, dass nun wieder ein Zustand der den Anforderungen enspricht, bestehe.

Verantwortlicher Mitarbeiter für Dosimeter-Manipulation gibt Pressekonferenz: Der Angestellte eines Unternehmens, das mit einem Partnerunternehmen von TEPCO zusammenarbeitete, hatten versucht ihre Arbeitszeit durch die Abschirmung der Dosimeter mit einem Bleimantel illegal zu verlängern (Spreadnews berichtete). Nach Angaben der Mainichi Shimbun äußerte sich der verantwortliche Angestellte nun auch auf einer Pressekonferenz.

Fukushima-Arbeiter am Bus 7. Oktober 2011 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Arbeiter manipulierten Dosimeter (Foto: TEPCO)

Teruo Sagara, ein leitender Angestellter des Unternehmens Build-Up, der für die Manipulation verantwortlich ist, wiederholte auf der Pressekonferenz die Behauptung, die er bereits gegenüber der Leitung des Unternehmens geäußert hatte.

Die Bleiabschirmung sei aufgrund der schlechten Anpassung an die Geräte nicht effizient genug gewesen, so dass es nach einmaliger Verwendung keine weitere Nutzung gegeben habe.

Allerdings räumte er ein, bei einem erfolgreichen Einsatz wäre eine weitere Verwendung wahrscheinlich gewesen.

Auch bleibt Sagara bei seiner Version, die Idee sei ihm bei einem Vorabbesuch der Anlage am 28. November 2011 gekommen.. Damals habe ihn die Warnung des alarmierenden Taschendosimeters (APD) nach seinen Angaben „verärgert“. Er habe zunächst überlegt Bleiwesten zu nutzen um „die Besorgnis der Arbeiter“ (durch den Alarm) zu zerstreuen. Allerdings sei er von der Verwendung von Schutzwesten abgekommen, da diese zu schwer wären. So war er auf die Nutzung von Bleiabschirmungen verfallen.

Seine Aussage gegenüber den Arbeitern, die Besorgnis geäußert hatten – sie seien nicht in der Lage zu arbeiten, wenn die (gemessene) Strahlungsdosis ansteige – gab Sagara ebenfalls zu. Auch entschuldige er sich während der Pressekonferenz für sein Vorgehen, es täte ihm Leid, Schwierigkeiten verursacht zu haben.

Ikuro Anzai, Honorarprofessor der Ritsumeikan Universität drückte indirekt Zweifel an der Theorie des Einzeltäters aus. Es sei durchaus möglich, das ähnliche Dinge auch an anderen Anlagen geschehen. Hier sei es an der Regierung sich mit der Angelegenheit zu befassen, da es sich um eine Frage der Arbeitssicherheit handele.

Untersuchungen zu Dosimeter-Manipulationen folgen: Wie am heutigen Dienstag bekannt wurde, plant das japanische Ministerium für Gesundheit, Arbeit und Soziales eine Überprüfung auf mögliche Dosismanipulationen bei Arbeitern am AKW Fukushima Daiichi. Das Ministerium wies den Fukushima-Betreiber-TEPCO an, auch Angestellte anderer Partnerunternehmen auf ungewöhnlich niedrige Strahlungswerte zu kontrollieren.

Damit reagiert die Regierung auf die Enthüllung der Manipulation von Dosimeter-Messwerten durch fünf Angestellte des Subunternehmens Build-Up. Diese hatten durch die Abschirmung ihrer Dosimeter mit Blei eine niedrigere Strahlungsmessung herbeiführen können.Die Untersuchungen ob es möglicherweise weitere Manipulationen gegeben habe, wird von einer Außenstelle des Ministeriums in der Präfektur Fukushima durchgeführt werden.

Sollten sich tatsächlich entsprechende Fälle finden, so werden diese Fälle der Staatsanwaltschaft Fukushima übermittelt. Bei der Fälschung von Messwerten handelt es sich um einen Verstoß gegen das Gesetz für Sicherheit und Gesundheit in der Industrie. Das berichtet die jiji.

Neue Dekontaminationseinheit könnte bei Fukushima-Wasserproblem helfen: Ein neues Gerät zur Dekontamination wurde am heutigen Dienstag in Yokohama vorgestellt. Im Gegensatz zum bislang am AKW genutzten Modell, ist es nicht nur in der Lage Cäsium zu filtern, sondern kann die Werte von insgesamt 62 Arten radioaktiven Materials, darunter auch Kobalt und Strontium, auf ausreichend niedriges Niveau senken.

Hierzu wird das Wasser in einen Behälter aus rostfreiem Stahl geleitet, in dem sich ein Kunstharz befindet, dass radioaktives Material aufnehmen kann. Die neue Anlage soll Anfang September am AKW Fukushima getestet werden.

Das Gerät bringt mehrere Vorteile mit sich. Zum einen kommt es Kritikern entgegen, die bemängelt hatten, TEPCO berichte lediglich über Werte an Cäsium und Jod und würde dabei andere radioaktive Substanzen ausklammern.

Zum anderen stellt die Lagerung von mehr als 170.000 Tonnen Wasser, mehrfach kontaminiert mit verschiedenen radioaktiven Substanzen, die temporär in Behältern auf dem Gelände gelagert werden, ein großes Problem dar. Das Wasser stammt unter anderem auch aus den Untergeschossen von Gebäuden und ist stark belastet.

Mit der neuen Anlage könnte ein großer Teil der enthaltenen Stoffe gefiltert werden, so dass eine fachgerechte Entsorgung des Wassers künftig leichter Fallen dürfte. Bislang ist der dauerhafte Verbleib der immer noch anwachsenden Wassermenge ungeklärt. Das berichtet die NHK.

Fukushima-Arbeiter zu Heiligen stilisiert: Die Geschichte der Arbeiter, die zum Höhepunkt der Fukushima-Krise am Kernkraftwerk ausharrten um Schlimmeres zu verhindern, ist unter dem Begriff der „Fünzig von Fukushima“ (Fukushima 50)  bereits jetzt zu einer Legende geworden. Nun liegt der Kyodo ein Video vor, das bei einem Symposium in der Stadt Fukushima am 11. August ausgestrahlt werden soll.

jizo Statue (Foto: Chris Gladis cc-by-nd)
Statue des Jizo: Er begleitet nach Volksglauben die Seelen der Toten (Foto: Chris Gladis cc-by-nd)

In dem 30 Minuten langen Video mit englischen Untertiteln legt der damalige Leiter des AKW Fukushima Daiichi im Bezug auf die Bedeutung der Arbeiter sogar noch nach und spricht von seinen Untergebenen als „Buddhistische Heilige in der Hölle„.

Kraftwerksleiter Masao Yoshida, der keine Angaben zu seiner eigenen Strahlungsbelastung macht, berichtet in dem Video, er habe gedacht, dass er und die Arbeiter, die den Reaktor kühlten, und deshalb die Anlage nicht verlassen konnten, sterben würden.

Diese Aufnahmen zeigen somit, wie Yoshida erstmalig seine Gefühle während der heißen Phase nach dem Beginn der Nuklearkatastrophe ausführlicher schildert.

Unfall bei Rohrtransport an Fukushima-Reaktor 3: Beim Transport von Rohren stürzte am Samstag gegen 11:41 Uhr ein Angestellter eines Partnerunternehmens, der mit Arbeiten an der Abdeckung für Fukushima-Reaktor 3 betraut war und erlitt bei dem Ereignis auf der Südseite des Reaktors einige Verletzungen. Das berichtete der Betreiber TEPCO am Sonntag.

Nachdem er zunächst in die Notfallzentrale der Reaktoren 5 und 6 gebracht worden war, wurde bei einer medizinischen Untersuchung die Möglichkeit einer offenen Fraktur des rechten Ellenbogengelenks ermittelt. Aus diesem Grund wurde er von einem Rettungswagen in das J-Village gebracht.

Noch am selben Tag wurde er um 13:20 Uhr in das Iwaki Kyoritsu General Hospital gebracht. Es wurde kein radioaktives Material an seinem Körper festgestellt.

Am Sonntag wurde dann die Diagnose bekannt. Der Arbeiter hatte sich bei dem Unfall das rechte Ellenbogengelenk ausgekugelt und dort eine Quetschwunde erlitten. Er wird die kommenden drei Monate medizinisch behandelt werden.

Katastrophenübung am AKW Onagawa: Nach einer Katastrophenübung am 18. Juli, die auf dem Gelände des von Chubu Electric betriebenen AKW Hamaoka stattfand, folgte gestern eine Übung am AKW Onagawa. Bei dem gestern geprobten Szenario, wurde vom Betreiber Tohoku Electric erneut Ereignisse des Tohoku-Erdbebens als hypothetischer Ausgangspunkt genommen.

Nach Angaben der NHK diente ein Erdbeben der Stärke 9,0 vor der Küste der Präfektur Miyagi und ein damit verbundener Tsunami als Grundlage der Katastrophenübung, an der etwa 150 Angestellte teilnahmen. Geprobt wurde die Wiederherstellung externer Energiequellen, falls die Generatoren der Anlage ausfielen, obwohl sie sich auf erhöhtem Gelände befinden, um vor einem Tsunami geschützt zu sein.

Ein weiterer Teil der Übung war die Nutzung von Fahrzeugen, mit denen es möglich ist, Wasser in einen Reaktor zu leiten. Das Unternehmen hatte die Fahrzeuge im März 2012 eingeführt.

Mehrere Tote und Krankenhausfälle nach Hitzschlag: In einem Zwischenbericht zählt das Amt für Feuerbekämpfung und Katastrophenschutz, die Fire and Disaster Management Agency (FDMA) insgesamt 5.467 Personen die in der vergangenen Woche aufgrund von Hitzschlägen eingeliefert worden waren. 13 der Personen die einen Hitzschlag erlitten hatten, starben.

Die Zahl der Personen, die in der vergangenen Woche bis Sonntag eingeliefert worden waren, lag 2,1 mal höher, als in den vorangegangenen Wochen. Die meisten Betroffenen gab es mit jeweils 388 Fällen in Tokyo und der nördlich davon gelegenen Präfektur Saitama. Auf den Plätzen zwei und drei folgen die Präfektur Aichi mit 382 und die Präfektur Osaka mit 372 Hitzenotfällen. Das berichten die Nachrichtenagenturen Kyodo und jiji.

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