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Japan aktuell: Organisierte Kriminalität in Fukushima-Dekontamination verstrickt

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Das Vergnügungsviertel Kabukicho (Foto: KJ)
Die Yakuza: Drogen und Prostitution in der Region Tohoku (Abb. symbolisch, Foto: KJ)
Das Vergnügungsviertel Kabukicho (Foto: KJ)
Die Yakuza: Finstere Machenschaften bei Dekontaminationsarbeiten (Abb. symbolisch, Foto: KJ)

Das von Filmen und Computerspielen genährte Image des Yakuza als edlen Gesetzlosen mit strengem Ehrenkodex, der dem kleinen Mann hilft, hat mit der Realität nicht viel zu tun.

Wenn dagegen die Polizei im Zusammenhang mit der Dekontamination in Fukushima heute von illegalen Aktivitäten der organisierten Kriminalität spricht, so zeigt dies die Skrupellosigkeit dieser Gruppierungen.

Doch nicht nur Kriminalität ist im Zusammenhang mit der Präfektur Fukushima aktuell, denn am gleichnamigen Kraftwerk gab es erneut technische Probleme.

Neben den Fukushima News gibt es jedoch auch weitere Meldungen, im Spreadnews Japan-Ticker vom 31. Januar 2013.

Unsere heutigen Themen:

  • Yakuza in Dekontamination verstrickt
  • Leck in Gebäude der Fukushima-Entsalzungsanlage
  • Neue Schätzungen zu Nankai-Großbeben geplant
  • Ausrüstung der Katastrophenhilfe soll aufgerüstet werden
  • Sea Shepherd hat Japans Walfangflotte aufgespürt
  • Neues zu Senkaku und Trostfrauenfrage
    • Drei chinesische Schiffe nahe japanischer Gewässer
    • Trostfrauen laut Abe kein Politikum

Yakuza in Dekontamination verstrickt: Der positive Ruf, den sich Japans organisierte Kriminalität durch die unbürokratische Versorgung mit Hilfsgütern nach den Tohoku-Katastrophen verschafft hatte, bröckelt weiter.

Yakuza-Magazin (Foto: KJ)
Yakuza: Image aus Hochglanz-Magazinen bekommt Kratzer (Foto: KJ)

Nachdem bekannt geworden war, dass die  Yakuza genannten Syndikate möglicherweise Tagelöhner und Schuldner zum Einsatz in gefährlichen AKW-Bereichen gezwungen hat und sowohl Betrug bei einer Sozialeinrichtung um Finanzhilfe für Katastrophenopfer, als auch Verstrickung in Bauprojekte des Wiederaufbaus entdeckt wurde, gibt es nun neue Enthüllungen.

Die Präfekturpolizei Yamagata wirft dem 40 Jahre alten Yoshinori Arai, einem hochrangigen Mitglieder einer Yakuza-Gruppe, der Verbindungen zum drittgrößten Syndikat der Sumiyoshi-kai nachgesagt werden, die Schaffung illegaler Arbeitsverhältnisse vor.

Arai habe im November 2012 in mindestens zehn Fällen Tagelöhner für Dekontaminationsarbeiten an ein Subunternehmen, das Arbeiten in Date durchführte, vermittelt, ohne über eine entsprechende Lizenz zu verfügen.

Außerdem hätten die Arbeiter weniger als die Hälfte des Lohns von 20.000 Yen erhalten, so dass davon ausgegangen wird, das die  Yakuza-Gruppe unter Arai den Großteil des Gehalts für sich einstrich.

Arai ist diesbezüglich kein Unbekannter, war er doch bereits zuvor wegen der illegalen Vermittlung von Arbeitern beim Bau von Übergangshäusern belangt worden.

Die Asahi Shimbun berichtet unter Bezug auf einen Insider, aufgrund der Gelder die bei den Wiederaufbauarbeiten vergeben werden, stelle das Geschäft mit Abrissarbeiten und der Dekontamination eine lukrative Einnahmequelle für kriminelle Organisationen dar.

Leck in Gebäude der Fukushima-Entsalzungsanlage: Am gestrigen Mittwoch meldete der Angestellte eines Partnerunterehmen um 4:09 Uhr einem TEPCO-Angestellten den Fund eines Wasseraustritts im temporären Lagergebäude in dem das Umkehrosmose-Entsalzungssystem Nummer untergebracht ist.

AKW Fukushima: Leck an Entsalzungsanlage am 30. Januar 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Leck an Entsalzungsanlage am 30. Januar 2013 (Foto: TEPCO)

Zuvor hatte der Angestellte, da der Druck des Systems hoch war, eine Spülung durchgeführt.

Nach Beendigung der Spülung um 4:00 Uhr entdeckte der Arbeiter, als er das System in Gang setzen wollte, einen Wasseraustritt am Gerät. Um 5:00 Uhr bestätigte ein TEPCO-Angestellter, dass der Wasseraustritt nicht mehr auftrete.

Insgesamt seien etwa 30 Liter Wasser ausgetreten, die sich auf einer Fläche von 1,5 x 2 Metern erstreckte und eine Tiefe von einem Millimeter erreichte. Die Flüssigkeit sei nicht in die Umgebung gelangt.

Eine Messung der Umgebungsluft ergab folgende Werte:

  • Gamma- und Betastrahlung betrugen 0,1 Millisievert pro Stunde
  • Gammastrahlung allein betrug 0,035 Millisievert pro Stunde

Eine Messung der Dichte der Radioaktivität ergab folgende Werte:

  • Cäsium-134: 7,0×10-1 Becquerel pro Kubikzentimeter
  • Cäsium-137: 1,3×100  Becquerel pro Kubikzentimeter
  • Stibium-125 (Antimon) 9,4×100Becquerel pro Kubikzentimeter

Dies entspreche den Wasserproben am Eingang des Entsalzungssystem. Eine Untersuchung vor Ort machte den Abfluss des Sicherheitsventils auf der Ablassseite der Hochdruckpumpe des Systems als Leckstelle aus.

Die Wassereinspeisung in die Reaktoren blieb hiervon unbeeinträchtigt, da ausreichend entsalzendes Wasser zirkuliere und weitere Entsalzungssysteme verfügbar sind, erklärte die Betreiberfirma TEPCO.

Neue Schätzungen zu Nankai-Großbeben geplant: Nachdem eine im März 2012 veröffentlichte Schätzung zum Nankai-Großbeben mit einer Magnitude von 9,1 und einen 34 Meter hohen Tsunami zu Ängsten geführt hatte, will die Regierung nun genauer vorgehen um realistische Zahlen vorzulegen.

Ein Ausschuss will sich nun mit einem möglichen Großbeben des Nankai-Grabens befassen. Dort ereignen sich etwa alle 90 bis 150 Jahre Erdbeben der Magnitude 8. Daneben sollen sich simultan stattfindende Erdbeben wie etwa die dreifachen Tokai, Tonankai and Nankai-Erdbeben fast alle 300 bis 500 Jahre ereignen.

Aus diesem Grund will man nun auf Daten des Hoei-Großbebens von 1707, das eine Magnitude von 8,6 erreichte und ebenfalls ein derartiges Dreifachbeben war nutzen, um neue Berechnungen und Voraussagen machen zu können und dabei auch neuste Kenntnisse über Plattentektonik einbeziehen.

Der Nankai-Graben erstreckt sich von der Suruga-Bucht, entlang der Küste der Präfektur Shizuoka bis zu Gebieten in der Nähe von Japans südlichster Hauptinsel Kyushu.

Ausrüstung der Katastrophenhilfe soll aufgerüstet werden: Wie das Ministerium für Infrastruktur bekannt gab, plane man die Ersetzung einiger Entwässerungspumpfahrzeuge. Von den insgesamt 343 Fahrzeugen sind 39 mit Pumpen ausgestattet, die mit 130 Kilogramm zu schwer sind, um sie im Katastrophenfall schnell einsetzen zu können.

Internationale Katastrophenhilfe nach den Tohoku-Katastrophen (Foto: Andreas Teichert, DTRG e.V.)
Internationale Katastrophenhelfer nach den Tohoku-Katastrophen (Foto: Andreas Teichert, DTRG e.V.)

Neben der Ersetzung der Pumpfahrzeuge der „Technical Emergency Control Force“, die bei der Wiederherstellung der Infrastruktur tätig ist, durch Einsatzfahrzeuge mit mehreren kleinen Pumpen, die dann ein Maximalgewicht von 35 Kilogramm haben sollen, soll auch das Kommunikationssystem zwischen den Einsatzfahrzeugen und den Katastrophenhilfezentralen verbessert werden.

Durch die Digitalisierung der Datenübertragen zwischen den Stellen und den Fahrzeugen zur Satellitenkommunikation sollen beispielsweise auch genauere Aufnahmen der Katastrophengebiete untereinander ausgetauscht werden, berichtet die jiji.

Sea Shepherd hat Japans Walfangflotte aufgespürt: Die Aktivisten der radikalen Umweltschutzorganisation Sea Shepherd erklärten, man habe zu Beginn der Woche mehrere Schiffe der Walfangflotte ausgemacht.

Allen vier Schiffen von Sea Shepherd sei es gelungen die Japaner abzufangen, bevor sie in das Walfanggebiet eindringen konnten, heisst es von Seiten der Organisation, die für ihre Störaktionen durch Tauwerk in den Schiffsschrauben der Walfangschiffe, oder Stinkbomben aus Buttersäure, bekannt sind.

Nach Angaben der Kyodo bestätigte die japanische Fischereibehörde die Aussagen der Aktivisten nicht

Neues zu Senkaku und Trostfrauenfrage: Sowohl im Bezug auf die umstrittene Inselkette, als auch beim Wahlkampfthema der LDP gibt es Neuigkeiten. China bleibt auf Abruf für künftige Provokationen und Abe versucht seinen Kopf aus der potentiellen Schlinge zu ziehen. Alle Einzelheiten nun im Überblick.

Japanische Nationalflagge (Originalfoto: Toshihiro Oimatsu cc-by)
Japanische Nationalflagge (Originalfoto: Toshihiro Oimatsu cc-by)

Drei chinesische Schiffe nahe japanischer Gewässer: Nach Angaben der japanischen Küstenwache kreuzen drei chinesische Schiffe 42 Kilometer nord-nordwestlich der Senkaku-Insel Kubashima. Die Behörden warnten sie davor, noch einmal in Japans Hoheitsgewässer einzudringen.

Trostfrauen laut Abe kein Politikum: Japans Premierminister Shinzo Abe erklärte, die euphemistisch „Trostfrauen“ genannten Militärprostituierten der Kaiserlich Japanischen Armee während des Zweiten Weltkriegs, sollten kein politisches oder diplomatisches Thema werden, da er große Trauer für die Frauen empfinde.

Er erklärte, nicht direkt an der angekündigten Überarbeitung der „Kono-Erklärung“ von 1993 mitzuwirken. Stattdessen solle  nun Chefkabinettssekretär Yoshihide Suga diese Angelegenheit regeln. In der Erklärung hatte sich der damalige Chefkabinettssekretär Yohei Kono für die Behandlung der Trostfrauen entschuldigt.

Im Wahlkampf hatte Abes Partei LDP die Änderung der Erklärung gefordert, da es keinen Beweis für den Zwang zur Armeeprostitution gebe.

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