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Japan aktuell: Potentiell gefährliche Situation an weiterem TEPCO-Kraftwerk

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AKW Kashiwazaki-Kariwa (Foto: TEPCO)
Das AKW Kashiwazaki-Kariwa (Foto: TEPCO)
AKW Kashiwazaki-Kariwa (Foto: TEPCO)
TEPCO-AKW Kashiwazaki-Kariwa: Potentiell riskante Situation (Foto: TEPCO)

Unsere tägliche Berichterstattung zeigt, dass neben dem AKW Fukushima aktuell auch die Ereignisse an anderen Kraftwerken für die Sicherheit der Bevölkerung von Bedeutung sind.

Wenn etwa der Fukushima-Betreiber TEPCO auch an einer anderen Anlage eine riskante Situation einräumen muss, macht dies deutlich, dass das Risiko nicht alleine von der einzelnen Atomruine ausgeht.

Dennoch sind die Folgen der Katastrophe von Fukushima heute weiterhin ein Thema, das sich neben Berechnungsfehlern und Erdbebenrisiken in die Vielfalt heutiger Meldungen einreiht.

Was es neben den Fukushima News sonst berichtenswertes gibt, nun wie üblich im Spreadnews Japan-Ticker vom 13. Dezember 2012.

Unsere heutigen Themen:

  • Potentiell gefährliche Situation an weiterem TEPCO-AKW
  • Fukushima Daini ohne Störungen nach Großbeben
  • NRA einigt sich auf Richtwert für Evakuierung
  • NRA-Kalkulationen von Strahlungsverbreitung fehlerbehaftet
  • NRA beginnt Untersuchung am AKW Higashidori
  • Estland schickt Übergangshaussiedlung einen Weihnachtsbaum
  • China greift bei Senkaku-Provokation zu Flugzeugen
    • Chinesisches Flugzeug verletzt Luftraum über Senkaku
    • Japan startet Abfangjäger
    • Chinas Schiffe zum 17. Mal in japanischen Gewässern
    • Japan bestellt chinesischen Botschafter ein
    • Chinas Botschafter lehnt Protest ab

Potentiell gefährliche Situation an weiterem TEPCO-AKW: Wie TEPCO gestern mitteilte, führte im AKW Kashiwazaki-Kariwa (Präf. Niigata) die Neigung eines Wasserstabs dazu, dass innerhalb eines Verbunds von Brennstäben, die in einem Abklingbecken für abgebrannte Brennstäbe von Reaktor 5 gelagert wurden, zwei der Brennstäbe in Berührung, kamen.

Das AKW Kashiwazaki-kariwa im April 2011 (Original: Daisuke Yamagishi cc-by)
Potentiell gefährlicher Zwischenfall am AKW Kashiwazaki-Kariwa (Original: Daisuke Yamagishi cc-by)

Wie der Betreiber TEPCO mitteilte, habe es keine Schäden an den Brennelementen, noch sonstige Auffälligkeiten gegeben.

Die Situation an sich hätte jedoch einen ernsten Brennstäbe-Unfall verursachen können.

Ein Brennelement besteht jeweils aus einem Bündel von etwa 60 Brennstäben (hier: 65) in deren Mitte sich ein Wasserstab befindet, durch den das Kühlwasser fliessen kann. In 18 Brennelementen wurde eine Krümmung des Wasserstabs festgestellt.

Eine Untersuchung mit einem Fibroskop habe gezeigt, dass die Verformung sich in der Nähe der Öffnung im dünnen Bereich – im unteren Teil des Wasserstabs, wo die Stärke vergleichsweise gering ist – befand.

Einige weitere Öffnungen hätten sich durch die Deformierungen verkleinert, jedoch sei keine gänzlich verschlossen worden. Die unmittelbar an den Wasserstab angrenzenden Brennstäbe seien miteinander in Berührung gekommen, oder hätten sich zumindest stark aneinander genähert.

Zusätzlich zu diesen von TEPCO zur Verfügung gestellten Informationen, führt die Asahi Shimbun zusätzliche Informationen an: Im AKW Kashiwazaki-Kariwa war eine Reihe nicht abgebrannte Brennelemente aufgrund schlampiger Arbeitsweise bei der Einfügung in Metallhülsen starken Druckbelastungen ausgesetzt worden. Nach Angaben von TEPCO könnte eine derartige Schlamperei zu der jetzt festgestellten Situation geführt haben

Das Brennelement war 1994 in eine Metallhülle gesteckt und zwischen 1995 und 2000 im Reaktor genutzt worden.

Fukushima Daini ohne Störungen nach Großbeben: Am 27. November hatte man am AKW Fukushima Daini (Fukushima 2) mit visuellen Inspektionen  in Reaktor 4 begonnen.

Fukushima Daini: Kontrollstäbe (o.) und Gehäuse des Kontrollstäbeantriebs (u.) am 11. bzw. 3. Dezember 2012 (Foto: TEPCO)
Fukushima Daini: Kontrollstäbe (o.) und Gehäuse des Kontrollstäbeantriebs (u.) am 11. bzw. 3. Dezember 2012 (Foto: TEPCO)

Durch die Kontrolle, bei der auch Unterwasser-Kameras zum Einsatz kamen,  sollten weitere Erkenntnisse über die Auswirkungen des Tohoku-Erdbebens 2011 gewonnen werden.

Die Inspektion war am gestrigen Mittwoch abgeschlossen worden.

Der Kraftwerksbetreiber TEPCO kommt zu dem Schluss, dass dort keine Anormalitäten festgestellt wurden, welche die Funktionsfähigkeit der Anlage beeinträchtigen würden.

Die Meldung umfasste einige fotografische Aufnahmen, auf denen etwa die Kontrollstäbe und die Antriebsgehäuse zu sehen sind.

Am Block, der einen Dampftrockner stützt, ist zwar ein Riss zu sehen, doch größere Schäden findet man auf den Fotos tatsächlich nicht.

NRA einigt sich auf Richtwert für Evakuierung: Die Atomaufsicht NRA brachte anlässlich eines Expertentreffens den Vorschlag ein, einen Wert von 500 Mikrosievert pro Stunde als Sicherheitsstandards festzulegen, der eine Evakuierung, oder der Verbleib in Gebäuden erforderlich macht.

Diese Regelung fand eine allgemeine Zustimmung der Experten, so dass sie in die Richtlinien für Katastrophenschutzmaßnahmen bei Nuklearzwischenfällen Eingang finden soll. Bei einer Überschreitung des Werts wird die Evakuierung empfohlen.

Hintergrund dieses Richtwerts ist die Überlegung, dass in diesem Fall die wöchentliche Strahlungsdosis nicht mehr als 50 Millisievert überschreitet.

Damit ist die Regelung sogar strikter, als die der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA, die eine wöchentliche Maximalbelastung von 100 Millisievert für zumutbar hält.

Der neue Wert wäre dann auch der Richtwert, ab dem Bewohner der  “Urgent Protective Action Planning Zone” (UPZ), deren Bereich den Umkreis von fünf bis 30 Kilometern um ein Kernkraftwerk umfasst, zur Evakuierung, oder zum Schutz in Gebäuden aufgerufen werden. Über die neue Überlegung berichtete die jiji.

NRA-Kalkulationen von Strahlungsverbreitung fehlerbehaftet: Nachdem man bereits zuvor die von zahlreichen Fehlern durchsetzte Beurteilung zur Strahlungsausbreitung im Fall eines schweren Störfalls an einem von Japans Kernkraftwerken durchgesehen habe, hat man weitere Fehler entdeckt. Das erklärte Japans Atomaufsicht NRA am heutigen Donnerstag.

Die zusätzliche Untersuchung aller Daten im Detail war durchgeführt worden, um künftig keine weiteren Fehler mehr in den Prognosen zur möglichen Verbreitung radioaktiven Materials zu haben, da diese als Grundlage für die Schaffung von Katastrophenplänen für Kernkraftwerke dienen sollen.

Nach Angaben der Kyodo habe man vor allem in Diagrammen zu den AKW Genkai und AKW Sendai deutliche Veränderungen in den Diagrammen gefunden, als man diese mit den zuvor durchgeführten Berechnungen, die am 29. Oktober veröffentlicht worden waren, verglich.

NRA beginnt Untersuchung am AKW Higashidori: Am heutigen Donnerstag begann eine Gruppe von vier Experten unter der Leitung von Kunihiko Shimazaki, von der Atomaufsichtsbehörde NRA, mit einer zweitägigen Vor-Ort-Untersuchung das AKW Higashidori (Präf. Aomori).

Grund der Besichtigung ist die Prüfung auf möglicherweise vorhandene aktive geologische Verwerfungen.

Atomkraftwerk-Symbol (Grafik: Hendrik Tammen cc-by)
Hinweise auf geologisches Risiko am AKW Higashidori (Grafik: Hendrik Tammen cc-by)

Den Untersuchungen am AKW Higashidori waren bereits Kontrollen der Kernkraftwerke Oi und Tsuruga (beide Präfektur Fukui) vorausgegangen.

Am AKW Tsuruga wurde sowohl eine aktive Verwerfung festgestellt, als auch eine gemeinsame Bewegung von Formationen unter einem der Reaktoren im Falle eines Erdbebens nicht ausgeschlossen.

Eine Entscheidung steht noch aus.

Die vier Fachleute, unter der Leitung von Shimazaki, sind unabhängige Experten, die nicht an den beiden vorigen Kontrollen beteiligt waren.

Bei ihren Untersuchungen am AKW Higashidori konzentrierten sich die Experten auf zwei Bruchzonen die in der Nähe des Reaktorgebäudes in Nord-Süd-Richtung verlaufen.

Dabei wurde in Gräben, die im südlichen Teil der Anlage ausgehoben worden waren, Querschnitte von Verwerfungen entdeckt. Im Bereich der Verwerfung die als S-19 bekannt ist, habe sich der Boden etwa 90 Zentimeter bewegt.

Der Betreiber Tohoku Electric bestreitet eine seismische Aktivität als Ursache der Bewegung, sondern führt die Anschwellung der Schichte durch die Aufnahme von Wasser zurück – eine Behauptung die von den Experten in Zweifel gezogen wird, da sie eine Reihe von Widersprüchen enthalte. Hierüber berichteten jiji und NHK.

Sollten sich die Wissenschaftler auf ihrem Treffen am Donnerstag kommender Woche darauf einigen, dass die Bruchzonen tatsächlich aktive Verwerfungen darstellen, könnte dies die endgültige Stilllegung der Anlage bedeuten, da der Bau von Kernkraftwerken auf seismisch riskantem Untergrund gesetzlich verboten ist.

Estland schickt Übergangshaussiedlung einen Weihnachtsbaum: Die estnische Botschaft in Tokyo hat in der Präfektur Gunma eine Fichte gekauft und diesen als Weihnachtsbaum einer Siedlung aus Übergangshäusern in der Stadt Higashi-Matsushima zugeschickt. Gemeinsam mit dem belgischen Tourismusbüro unterstützt die Botschaft die dortigen Flüchtlinge

Der Baum soll nach Angaben der NHK morgen von den Bewohnern dekoriert werden. Man hoffe, dass der Baum den Kindern Freude bringe und ein Symbol der Hoffnung darstelle, heisst es von der estnischen Botschaft.

China greift bei Senkaku-Provokation zu Flugzeugen: Nachdem in der Vergangenheit die Volksrepublik China, die Grenzen japanischen Hoheitsgebiets mehrfach mit Schiffen verletzt hatte, kam nun auch ein Flugzeug zum Einsatz. Einzelheiten zu diesem jüngsten Fall peinlicher Provokationen jetzt für Sie zusammengefasst:

Chinesisches Flugzeug verletzt Luftraum über Senkaku: Ein Flugzeug von Chinas Meeresverwaltung wurde gegen 10:40 Uhr von einem japanischen Küstenwachschiff beobachtet, wie es etwa 15 Kilometer südlich von Uotsurijima illegal in japanischen Luftraum eindrang und so das Hoheitsgebiets Japans verletzte. Die Sichtung wurde um 11:06 Uhr bestätigt.

F-15-Kampfjets der japanischen Luftselbstverteidigungsstreitkräfte (Foto: pd)
F-15-Kampfjets der japanischen Luftselbstverteidigungsstreitkräfte (Foto: pd)

Die Küstenwache hat nach eigenen Angaben, kurz bevor die Maschine vier Minuten später außer Sichtweite flog, den chinesischen Piloten per Funk davor gewarnt, japanischen Luftraum zu verletzen.

Der Pilot antwortete erwartungsgemäß propagandagetreu, er operiere in chinesischem Luftraum.

 

Japan startet Abfangjäger: Das Verteidigungsministerium meldet, man habe acht Kampfjets vom Typ F-15 sowie ein Aufklärungsflugzeug von der Basis in Naha (Präf. Okinawa) aufsteigen lassen.

Ein Abfangen der Maschine erfolgte jedoch nicht, da das chinesische Flugzeug bereits den japanischen Luftraum verlassen hatte, ohne dass die Selbsverteidigungsstreitkräfte eine Warnung ausgesprochen hätte.

Es ist das erste Mal seit Beginn der Aufzeichnungen durch die SDF im Jahr 1958, dass eine chinesische Regierungsmaschine in Japans Luftraum eingedrungen sei.

Seit 1967 war es insgesamt zu 34 Verletzungen des japanischen Luftraums gekommen, an denen jedoch mehrheitlich die Sowjetunion/Russland und in einem Fall Taiwan beteiligt gewesen waren.

Auf dem aktuellen Foto, das von der Küstenwache gemacht wurde, sei jedoch die Abkürzung für Chinas staatliche Meeresverwaltung zu sehen.

Chinas Schiffe zum 17. Mal in japanischen Gewässern: Die japanische Küstenwache meldet, dass gegen 9:30 Uhr (Orstzeit) vier chinesische Schiffe südwestlich der Senkaku-Insel Uotsurijima in Japans Hoheitsgewässer eingedrungen seien.

Es ist das 17. Mal seit dem Aufkauf von drei der Inseln durch die japanische Regierung im September diesen Jahres und der dritte Zwischenfall in Folge.

Ein chinesisches Fischerei-Patrouillenboot, das gestern in die Grenzzone gelangt war, befinde sich zudem immer noch dort.

Japan bestellt chinesischen Botschafter ein: Japans Vize-Außenminister Chikao Kawai zitierte Chinas Botschafter Han Zhiqiang in das Außenministerium ein. Er legte förmlichen Protest ein und verlangte die Verhinderung derartiger Zwischenfälle in der Zukunft. Außerdem, so die Forderung von Kawai, müssten Chinas Schiffe sich umgehend aus japanischen Gewässern zurückziehen.

Ein Regierungssprecher erklärte zudem, man sei entschlossen jede Handlung, welche die Souveränität Japans verletze in Übereinstimmunng mit japanischem Recht zu begegnen.

Chinas Botschafter lehnt Protest ab: Han folgte erwartungsgemäß ideologisch der Parteilinie und behauptete, die Inseln gehörten zu China. Außerdem lehnte der den Protest ab, fügte jedoch hinzu, er werde den Protest derRegierung in Peking übermitteln. China hoffe den Disput auf friedliche Weise lösen zu können.

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