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Japan aktuell: Präfektur Fukushima diskutiert über Zwischenlager

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Stadt Fukushima (Foto: pd)
Neuer Cäsiumrekord in Fukushima Stadt (Foto: pd)
Stadt Fukushima (Foto: pd)
Stadt Fukushima (Foto: pd)

Während in Japan die traditionellen Aktivitäten rund um das neue Jahr fortgesetzt werden, wie etwa die im 15. Jahrhundert gegründete Ikenobo-Stilschule des Ikebana (Blumenstecken), an deren Neujahrszeremonie in Kyoto 1.500 Personen aus dem ganzen Land teilnahmen, oder ein Neujahrs-Kalligraphiewettbewerb in Tokyo, gibt es rund um das AKW Fukushima aktuell weniger feierliche Neuigkeiten.

Tatsächlich haben die Maßnahmen und Pläne etwas mit der ewig kreisenden Yamanote-Ringbahn im U-Bahnnetz von Tokyo gemein, denn sie scheinen offenbar nirgendwohin zu führen – doch im Gegensatz zu fehlenden Neuerungen in Fukushima, soll zumindest die Bahnlinie nach 40 Jahren erstmals eine neue Station erhalten. Neben Fukushima News gibt es auch diesmal weitere Neuigkeiten – im Spreadnews Japan-Ticker vom 05. Januar 2012.

Noda will Fukushima besuchen: Japans Premierminister Yoshihiko Noda kündigte bereits auf seiner Neujahrspressekonferenz an,  für Sonntag einen Besuch der Präfektur Fukushima zu planen, um sich vom Fortschritt beim Wiederaufbau nach dem Tohoku-Erdbeben, dem Tsunami und der Atomkatastrophe am AKW Fukushima Daiichi zu machen. Neben dem Besuch von mehreren Orten, darunter auch die Stadt Minamisoma, will sich Noda mit dem Gouverneur der Präfektur zu Gesprächen treffen. Auch die öffentliche Meinung der Bürger wolle er einholen. Eine diesbezügliche Meldung gibt es von der Nachrichtenagentur jiji.

Bürgermeister in Präfektur Fukushima diskutieren über Zwischenlager: Die einzelnen Gemeinden der Präfektur Fukushima sehen besonders nach der Evakuierung vieler Einwohner große Probleme, mit den Plänen der Regierung, in der Präfektur mindestens eine Lagerstätte für radioaktiv belastetes Erdreich einzurichten alleine umgehen zu können. Daher bat Katsuya Endo, Bürgermeister von Tomioka stellvertretend für acht Dörfer und Gemeinden im Landkreis Futaba, wo ein Zwischenlager entstehen soll  den Gouverneur Yuhei Sato darum, er möge in Absprache mit den Gemeinden handeln und regelmäßige Treffen ermöglichen. Sato versprach, er werde ein Forum für Gespräche einrichten.

Doch ausgerechnet Katsutaka Idogawa, Bürgermeister der gänzlich evakuierten Stadt Futaba, lehnt laut einem NHK-Artikel, ein Zwischenlager im Landkreis Futaba ab, da es den geflohenen Einwohnern unmöglich machen würde zurückzukehren, sobald das Lager einmal gebaut sei. Eine entsprechende Anfrage der Regierung in Tokyo war im Dezember letzten Jahres eingereicht worden.

Weiteres Handelsverbot für Reis aus Fukushima: Nun wurde auch für Reis, der in dem Gebiet des früheren Dorfes Sekimoto angebaut wurde, ein Vertriebsstopp angeordnet, da der dortige Reis mit einer Belastung von 550 Becquerel an radioaktivem Cäsium pro Kilogramm den gesetzlichen Grenzwert von 500 Becquerel pro Kilogramm übersteigt. Der fragliche Reis sei nicht in den Handel gelangt, berichtet die Nachrichtenagentur jiji.

Das Gebiet gehört zu Yanagawa, einer früheren Kleinstadt die in die Stadt Date eingegliedert worden war und umfasst die Ortsteile Hosoya, Nitta, Ozeki und Yokodai von Yanagawa. Damit zählt das Gebiet zu acht weiteren Bereichen der Stadt Date, sowie zwei anderen in den Städten Fukushima und Nihonmatsu, denen der Vetrieb von Reis bereits untersagt ist.

Neue Atomsicherheitsbehörde muss schneller agieren: Die neue Behörde, die im April offiziell als Teil des Umweltministeriums und mit insgesamt 485 Beschäftigten ihre Arbeit aufnehmen soll, steht bereits jetzt vor Herausforderungen. Zum einen wird ihr die Aufgaben der früheren Atomsicherheitsbehörde NISA und die Verantwortung für die Beratungsfunktion der Atomsicherheitskommission (NSC) in die Hände gelegt.

Zum anderen sind damit die Erwartungen verbunden, sowohl in Sammlung und Veröffentlichungen von Daten in einem Notfall, als auch bei der Anordnung von Maßnahmen effektiver und schneller zu sein, als dies in der alten Konstellation der Fall war. Die Regierung war für ihr schlechtes Krisenmanagement und den mangelhaften Kommunikationsfluß während der Akutphase der Fukushima-Krise kritisiert worden.

Die Regierung sagte nun, die neue Instanz müsse unter anderem bei den Verantwortlichen im Bezug auf Sicherheit ein stärkeres Bewusstsein für mögliche Krisen schaffen und Mensch und Umwelt schützen, berichtet etwa die NHK.

Sea Shepherd-Aktivisten attackieren japanisches Walfangschiff: Aufgrund von Schäden durch eine schwere Welle harrten mehrere Mitglieder der militanten Umweltschutzorganisation Sea Shepherd auf der „Brigitte Bardot“ aus (Spreadnews berichtete). Nachdem die Evakuierung angeordnet worden war, sind vier Besatzungsmitglieder bei stürmischer See auf die „Steve Irwin“gebracht worden. Lediglich Kapitän und Schiffsmanager, sowie erster Maat und der erste Maschinist bleiben vorerst an Bord, liess die Organisation am Dienstag erklären.

Sea Shepherd Schiff "Steve Erwin" (Foto: Melburnian cc-by)
"Steve Erwin", Schiff der Sea Shepherd (Foto: Melburnian cc-by)

Während sich beide Schiffe immer noch unter Beobachtung der Daini  Shonan Maru (Shonan Maru 2), dem Sicherheitsschiff der japanischen Walfangflotte befindet, haben die radikalen Aktivisten nach Angaben der japanischen Fischereibehörde nun am gestrigen Mittwoch einen ersten Einsatz gegen den Walfänger „Daisan Yushin Maru“ (Yushin Maru 3) durchgeführt.

Nachdem die Walfanggegner Taue und Kabel ausgeworfen hatten, um das Vorankommen des Schiffes zu behindern, hätten die Japaner nach Warnungen dann Wasserkanonen eingesetzt. Dennoch hätten die militanten Aktivisten die Behinderungsaktionen über fünf Stunden lang fortgesetzt, berichtet die NHK.

Die Umweltschützer selbst berichten, bei ihrer Suche nach dem Fabrikschiff „Nisshin Maru“ stattdessen überraschend auf das Harpunenschiff „Daisan Yushin Maru“ gestoßen zu sein. Offenbar hat es bislang keinen Walfang gegeben, da die drei Harpunenschiffe bislang ständig versuchten, zu entkommen. Auch der Umstand, dass die Harpune auf dem gesichteten Schiff noch abgedeckt war, spreche für diese Annahme.

Rekord-Thunfisch zu Fischmarktbeginn: Die erste Fischauktion des Jahres auf dem Tsukiji in Tokyo, der als größter Fischmarkt der Welt gilt, begann mit einem Rekord. Ein vor Oma (Präf. Aomori) gefangener Thunfisch mit einem Gewicht von 269 Kilogramm brachte es auf das Höchstgebot von 56,49 Millionen Yen. Im vergangenen Jahr lag die Rekordsumme für einen Thunfisch noch bei 32,49 Millionen Yen.

Tsukiji-Fischmarkt in Tokyo (Foto: Laszlo Ilyes cc-by)
Thunfischauktion auf dem Tsukiji-Fischmarkt in Tokyo (Foto: Laszlo Ilyes cc-by)

Bei dem ebenso glücklichen wie finanzstarken Gewinner handelt es sich um die Kiyomura Corporation die mit ihrer Sushi-Lokalkette „Sushizanmai“ vor allem in Tokyo vertreten  ist. Kiyoshi Kimura, Präsident des Unternehmens erklärte laut jiji, man wolle den Menschen in Japan den besten Fisch bieten und nicht im Ausland – unter Bezug auf den Umstand, dass in den vergangenen Jahren mehrfach Bieter aus anderen asiatischen Ländern den Zuschlag bekommen hatten.

Auch die Mainichi Shimbun zitiert ihn mit der Aussage, man habe sich sehr bemüht die Auktion zu gewinnen, so dass man Japan einen Schub und den besten Thunfisch geben könne.Unterdessen zeigen sich auch die Fischmärkte in den Krisenregionen optimistisch. In Kesennuma (Präf. Miyagi) und in Ofunato (Präf. Miyagi) waren die Gebote ebenfalls hoch, was erleichtert zur Kenntnis genommen wurde, wie die Asahi Shimbun berichtet. Einer der Fischer aus Ofunato erklärte, im vergangenen Jahr habe man sich noch gegenseitig unterstützen müssen, nun könne man langsam wieder in Konkurrenz zueinander treten.

Polizei will stärker gegen Yakuza vorgehen: Die im letzten Jahr allgemein verbreiteten Vermutungen, die organisierte Kriminalität in Gestalt der Yakuza könne in die Beschaffung von Arbeitern für Atomkraftwerken ebenso verwickelt sein, wie in den Skandal um Bilanzfälschungen bei der Firma Olympus sind nur zwei Beispiele dafür, wie weit der Einfluss der als „japanische Mafia“ bezeichneten Syndikate reicht.

Nachdem die Polizei bereits in der Vergangenheit versucht hatte, die öffentlichen Auftritte der Organisationen einzuschränken, ist nun erstmals eine Anpassung der 1992 in Kraft getretenen Anti-Bandengesetze geplant. Die nationale Polizeibehörde stellte heute einen, von Experten geplanten Gesetzesentwurf vor, von dem auch die gröte Yakuza-Organisation, die Yamaguchi-gumi, betroffen wäre.

Demnach soll zunächst strukturell die Sicherheit in Gebieten von Gruppierungen die für gewaltsame Bandenkriege bekannt sind und daher auch Bürger gefährden erhöht werden, indem das Einflussgebiet der Gruppen zu einer art „Sonderzone“ erklärt wird, so dass Polizisten dort besser agieren können. Auch das Strafmaß soll angepasst werden und typische Vergehen, statt bislang mit einem Jahr Haft und Geldstrafen bis zu einer Million Yen –  stattdessen mit bis zu drei Jahren Gefängnis, bzw. bis zu 5 Millionen Yen, ahnden.

Weitere Maßnahmen sind Erschwernisse in der Wirtschaft. So soll es möglicherweise Mitgliedern der Yakuza verboten werden, Berufe wie die eines Leibwächters zu übernehmen, da diese einen Vorwand für das Ausüben von Gewalt und das Eintreiben von Schutzgeld darstellen würde.

Giftgas-Sektenmitglied warf angeblich Guru-Foto weg: Makoto Hirata, ein früheres Mitglied der Sekte Omu Shinrikyo stellte sich zu Neujahr nach fast 17 Jahre andauernder Flucht der Polizei und ist seitdem vermehrt in der Berichterstattung der Medien präsent – so auch in den heutigen Meldungen von NHK und Mainichi Shimbun. Offenbar tut Hirata nun alles um zu beweisen, dass er keine Bindungen mehr zu der Gruppierung hat.

So behauptet er nun, bereits vor fünf Jahren ein Foto weggeworfen zu haben, dass ihn zusammen mit dem Sektenführer Shoko Asahara (bürgerlich: Chizuo Matsumoto) zeigt. Außerdem habe der Umstand, dass führende Mitglieder die Ermordung untergebener Sektenmitglieder gefordert hätten, sowie die Entführung eines Rechtsanwaltes zu seiner zunehmenden Distanzierung geführt.  Die Polizei prüft nun, wie glaubhaft diese Aussagen sind.

Schließlich erklärte Hirata seinem Anwalt, bevor er sich der Polizei stellte, habe er sich zunächst in der Nähe des früheren Ausbildungszentrums der Sekte in Aoyama herumgetrieben.  Er sei, vom Hauptquartier der Polizei dann schnellen Schrittes zur 700 Meter entfernten Polizeiwache Marunouchi gegangen, um sich vor Anbruch des neuen Jahres stellen zu können.

Im Hauptquartier selbst hatte man ihm nicht ernst genommen und für einen Aufschneider gehalten, anstatt ihn zu verhaften (Spreadnews berichtete).

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