Start Aktuelles Japan aktuell: Präfektur Fukushima will Dekontamination von Wäldern ausweiten

Japan aktuell: Präfektur Fukushima will Dekontamination von Wäldern ausweiten

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Berg Higashiazuma, Präfektur Fukushima (Foto: pd)
Berg Higashiazuma, Präfektur Fukushima (Foto: pd)
Berg Higashiazuma, Präfektur Fukushima (Foto: pd)
Waldflächen in Fukushima sollen dekontaminiert werden (Foto: pd)

Während sich am AKW Fukushima aktuell wieder ein Unfall ereignete, so wurden die Folgen der Atomkatastrophe von Fukushima heute wieder einmal ebenso deutlich, wie das Unbehagen, diese offen anzusprechen.

Das Damoklesschwert des erwarteten Nankai-Erdbebens bleibt dagegen weiterhin präsent.

Japans 134 paralympische Athleten, die gestern mit Fahnenträger Keiichi Kimura in das Londoner Olympiastadion einmarschierten, dürften auf alle Fälle gegenwärtig positivere Aussichten haben, als jene, die von der Regierung für die Nation gezeichnet wird. Mehr Fukushima News und sonstige Nachrichten jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 30. August 2012.

Unsere heutigen Themen:

  • Wald-Dekontaminationsgebiet in Fukushima wird ausgedehnt
  • Fukushima-Arbeiter stürzt von Kran
  • Präfekturpolizei Tokyo präsentiert Katastrophenrettungsteam
  • Umweltschützer für Erbschäden-Äußerungen kritisiert
  • Starkes Erdbeben erschüttert Nordosten Japans
  • Neuigkeiten im Streit mit China und Korea
    • Koreaner in Japan fürchten geschäftliche Einbußen
    • Zunächst keine Festnahme trotz Hinweisen
    • Zensurversuch bei der Berichterstattung
    • Breite Unterstützung für Flaggen-Angreifer
    • Empfindlicher Zeitrahmen
    • Befragung nach angeblicher Festnahme
    • Offizielle Befragung von Verdächtigen
    • Mögliche Strafen für Flaggen-Angreifer
    • Selten Strafen für anti-japanische Übergriffe

Wald-Dekontaminationsgebiet in Fukushima wird ausgedehnt: Die bislang geltende Begrenzung für Wald, der nur in einem 20 Kilometer-Radius um bewohntes Gebiet und häufig frequentierte Bereiche in der Natur, wie etwa Pilzzuchtstellen oder Campingplätze dekontaminiert werden sollte, wurde jetzt prinzipiell ausgeweitet.

Berg Adatara in der Präfektur Fukushima (Foto: pd)
Berg Adatara in der Präfektur Fukushima (Foto: pd)

Das Umweltministerium akzeptierte damit am gestrigen Mittwoch einen Antrag der Präfekturleitung Fukushima auf eine Ausweitung der Dekontaminationsbereiche. Wie groß diese zusätzliche Fläche ausfallen wird, soll von Studien und Untersuchungen abhängig gemacht werden.

Der Vize-Gouverneut der Präfektur, Masao Uchibori, betonte die Wichtigkeit der Dekontamination von Wäldern, da etwa 70 Prozent der Präfektur bewaldet ist. Er erinnerte zudem an den Charakter der Sisyphusarbeit. Selbst wenn man ein Gebiet erfolgreich dekontaminiere, dauere es nur eine Woche bis einen Monat, bis wieder ein Strahlungsanstieg gemessen werde.

Uchibori führt diesen Effekt darauf zurück, dass radioaktives Material aus den Gebirgen herabkomme.

Unterdessen zeigen Versuche, dass die Ausdünnung der Baumbestände innerhalb eines 50-Meter-Radius um 30 Prozent, zu einer Redukation der Strahlungsbelastung um 23,5 Prozent im Zentrum des Gebiets führe. In den Randgebieten zu den nicht dekontaminierten Bereichen, nehme der Effekt ab und betrage nur noch eine Senkung um 2,5 Prozent.

Berg Iide in der Präfektur Fukushima (Foto: pd)
Berg Iide in der Präfektur Fukushima (Foto: pd)

Diese Ergebnisse waren Teil eines Expertentreffens, anlässlich dessen der Parlamentssekretär für Umweltfragen, Satoshi Takayama erklärte, man werde die Dekontamination voranbringen und die Bereiche, entsprechend den Ergebnissen künftiger Tests, ausweiten.

Die Regierung will verschiedene Faktoren wie etwa die Bewegung und Ansammlung von radioaktivem Material in Wäldern, die Freisetzung und Verbreitung von Wäldern auf andere Gebiete, sowie die Auswirkung von Ausdünnung des Baumbestands auf Strahlungswerte.

Das berichtet die Mainichi Shimbun.

Fukushima-Arbeiter stürzt von Kran: Am gestrigen Tag gegen 10:26 Uhr Ortszeit, verletzte sich der Angestellte eines Partnerunternehmens, der mit den Abdeckungsarbeiten an Reaktor 4 betraut war, als er von einem Brückenkran stürzte. Der Verletzte wurde in  das Rettungszentrum für die Reaktoren 5 und 6 gebracht.

Nach dem Verdacht auf Brüche an den Gelenken der Hand und des linken Fußes wurde er zunächst mit dem Rettungswagen in das J-Village gefahren und gegen 12:11 Uhr von dort in das Unfallkrankenhaus der Stadt Iwaki transportiert. Dort wurden ein Bruch des Fersenbeins und eine distale Radiusfraktur (Bruch der Speiche in der Nähe des Handgelenks) festgestellt.

Eine Behandlungszeit von zwei Monaten wird erforderlich. Am Körper des verunfallten Arbeiters wurde kein radioaktives Material festgestellt.

Präfekturpolizei Tokyo präsentiert Katastrophenrettungsteam: In Tachikawa, im Westen von Japans Hauptstadt Tokyo, wurde heute in einer Zeremonie, das Sonderkommando für Katastrophenrettung der Präfekturpolizei Tokyo vorgestellt. Dessen Einführung ist eine Vorbereitung auf das erwartete Großbeben.

Es handelt sich bei den 35 Beamten um die landesweit erste japanische Polizei-Einheit, die auf Rettungsaktionen im Katastrophenfall spezialisiert ist. Ihre Mitglieder sind in der Lage schweres Gerät für Räumungen, als auch Helikopter zu bedienen. Eine ihrer Hauptaufgaben wird es sein, andere Polizeibeamte zu unterrichten.

Auch im Fall von Naturkatastrophen im Ausland soll sich das Team an Internationalen Hilfsmaßnahmen und Rettungseinsätzen beteiligen

Umweltschützer für Erbschäden-Äußerungen kritisiert: Die Mitglieder der Stadtversammlung Fukushima haben den Leiter einer Umweltschutzgruppe für seine Äußerungen über die Familienplanung von Menschen in Strahlungsgebieten der Präfektur scharf kritisiert.

Wie Audioaufzeichnungen belegen, hatte Hobun Ikeya, Tierarzt und Präsident der „Ecosystem Conservation Society Japan“ bei einem Vortrag im Juli erklärt, „Menschen in Gebieten, über die radioaktiven Substanzen zogen sollten, nicht heiraten“ dies begründete er mit möglichen Erbschäden:

Wenn sie nach ihrer Heirat Kinder zeugen, wird die Häufigkeit von Missbildungen steigen„. Insgesamt vier Mitglieder der Stadtversammlung nannten diese Bemerkungen unangemessen und diskriminierend. Sie forderten dann von Ikeya schriftlich eine Entschuldigung.

Ikeya habe als Reaktion behauptet, man habe ihm die Worte im Mund herum gedreht, um ihn zu difaminieren. Er erklärte ausdrücklich, seine Ansichten in allgemeinen Formulierungen geäußert zu haben. Er habe niemals die Absicht gehabt, jemanden zu diskriminieren.

Bei dem Vortrag von Tokyo, der von der Ökosystem-Rettungsgesellschaft Japans ausgerichtet worden war, waren Vertreter von Gemeinden aus dem gesamten Land anwesend. Insbesondere der Präfekturverwaltung Fukushima, die gegen „schädliche Gerüchte“ und schwindende Bevölkerungszahlen kämpft, dürften Ikeyas Worte missfallen haben.

Gestern schätzte die Regierung, die Bevölkerung der Präfektur würde, bei gleich bleibender Auswanderungsrate, bis 2010 einen Bevölkerungsrückgang von 38 Prozent erleben. Sollten die bislang evakuierten Personen außerhalb bleiben, so würden im Jahr 2040 dort nur noch 1.225.000 Menschen leben. Im Oktober 2011 waren es noch 1.989.000.

Starkes Erdbeben erschüttert Nordosten Japans: Gegen 4:05 Uhr Ortszeit ereignete sich ein Erdbeben der Stärke 5,6, dessen Epizentrum sich in 60 Kilometern Tiefe vor der Küste der Präfektur Miyagi befand. Nach Expertenmeinungen handelt es sich um ein Nachbeben des Tohoku-Erdbebens vom März 2011.

Auf der siebenstufigen japanischen Skala entsprach es einer starken 5. Dieser Wert wurde in der Präfekturhauptstadt Sendai, sowie der Ortschaft Minamisanriku festgestellt.. Einwohner der Präfektur wurden zunächst in Alarmbereitschaft versetzt, eine Tsunamiwarnung wurde jedoch nicht ausgegeben.

Nach Angaben der Feuerwehr In Natori (Präf. Miyagi) wurde ein Mann durch das Erdbeben leicht verletzt. Über Gebäudeschäden gibt es bislang keine Berichte. Auch der Elektrizitätskonzern TEPCO meldete trotz des 5+ Erdbebens keine Auffälligkeiten an den Anlagen der Kernkraftwerke Fukushima Daiichi und Fukushima Daini.

Über das jüngste Erdbeben berichteten unter anderem NHK, jiji und Kyodo.

Tokyo-Shinjuku: Japanische Demonstration im Inselstreit (Foto: KJ)
Tokyo-Shinjuku: Japanische Demonstration im Inselstreit (Foto: KJ)

Koreaner in Japan fürchten geschäftliche Einbußen: Demonstrationen von japanischen Nationalisten im „Korea Town“ des Tokyoter Bezirks Shinjuku am vergangenen Samstag schüren die Besorgnis vor Auswirkungen der politischen Spannungen auf die Geschäfte der dort lebenden Koreaner.

Viele Leben seit über 20 oder 30 Jahren in Japan und haben Verständnis für die Verärgerung der Japaner. Dennoch tragen derartige Demonstrationen, verbunden mit ausländerfeindlichen Parolen, sicher nicht zur Entspannung der Lage bei.

Flaggen-Zwischenfall belastet Verbingungen: Nachdem zwei Fahrzeuge die Limousine des japanischen Botschafters in Peking am 27. August durch Fahrmanöver, blinkende Scheinwerfer und Hupen zum Halten gebracht hatten, war es einem Mann gelungen, die japanische Flagge vom Auto des Botschafters abzubrechen.

Zunächst keine Festnahme trotz Hinweisen: Nachdem Diplomaten, die mit Mobiltelefonen gemachten Aufnahmen von Nummernschildern und Angreifer an die chinesischen Behörden übergeben hatten, erwarteten sie bei einem diplomatischen Treffen am folgenden Morgen die Meldung einer Festnahme. Stattdessen hiess es, man benötige mehr Zeit.

Dabei lagen ausreichende Beweise vor – die Fotos zeigten die Kennzeichen eines Wagens mit Pekinger Kennzeichen und eines des Provinz Anhui. Da besonders Peking über ein großes Netzwerk von automatischen Kamersystemen zur Kennzeichenerfassung verfügt, scheint dies zweifelhaft.

Zensurversuch bei der Berichterstattung: Unter Berufung auf Quellen aus den chinesischen Medien berichtete die Asahi Shimbun, es habe die Order gegeben, Reporter an der Berichterstattung über den Zwischenfall zu hindern.

Breite Unterstützung für Flaggen-Angreifer: Umfragen von chinesischen Webseiten belegen eine breite Zustimmung von Internetnutzern für den Täter. Werte über 80 und 90 Prozent, sowie Formulierungen, es handele sich bei dem Mann um einen „Antijapanischen Helden des 21. Jahrhunderts“ und die Forderung seines Schutzes vor Strafverfolgung bedürfen keines Kommentars.

Empfindlicher Zeitrahmen: Die Zeit für polizeiliche und diplomatische Ergebnisse drängt, naht doch mit dem 18. September der Jahrestag des Mandschurei-Zwischenfalls 1931, an dem es oft zu antijapanischen Protesten kommt

Befragung nach angeblicher Festname: Noch gestern meldete das Büro für öffentliche Sicherheit inoffiziell in einer privaten Mitteilung an Botschaftsangestellte, dass es zu einer Verhaftung gekommen sei. Der Mann werde nun verhört. Ob eine Haft beantragt wird sei noch unklar.

Offizielle Befragung von Verdächtigen: Heute wurde bekannt, dass die Befragung des Gefassten und seiner Unterstützer weiterhin auf freiwilliger Basis verlaufe, obwohl eine Sondereinheit zur Ermittlung eingerichtet wurde und die Verwendung offenkundig gefälschter Kennzeichen einen Tatverdacht erhärten.

Mögliche Strafen für Flaggen-Angreifer: Sollte auf Sachbeschädigung plädiert werden, so müssten die Täter mit einer Gefängnisstrafe bis zu drei Jahren rechnen. Ein anderer denkbarer Vorwurf könne auf Gefährdung des Straßenverkehrs beruhen, heisst es von Quellen. Bislang liegt jedoch noch kein Tatvorwurf und keine Festnahme vor.

Selten Strafen für anti-japanische Übergriffe: In der Vergangenheit war es selbst in Fällen von schwerer Sachbeschädigungen nicht zu Gerichtsverhandlungen gekommen.