Start Aktuelles Japan aktuell: Präfektur Fukushima wollte Langzeit-Erfassung von Strahlungsfolgen verhindern

Japan aktuell: Präfektur Fukushima wollte Langzeit-Erfassung von Strahlungsfolgen verhindern

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Japan-Karte: Präfektur Fukushima (Karte:pd)
Fukushima Gefahr durch radioaktives Jod vernachlässigbar (Grafik: pd)
Japan-Karte: Präfektur Fukushima (Karte:pd)
Verwaltung der Präfektur Fukushima unterdrückte Informationserfassung (Grafik: pd)

Die Wahlen in Japan lassen viele Menschen befürchten, der Atomausstieg des asiatischen Landes könne ein Ende finden, noch bevor er überhaupt begonnen hat.

Während die Atomaufsicht verspricht, unparteiisch zu bleiben, gab es um die Folgen der Katastrophe von Fukushima aktuell erneut Aufruhr aufgrund eines Manipulationsvorwurfs.

Offenbar war versucht worden, die Erfassung von Langzeit-Gesundheitsdaten zu verhindern.

Was es neben den Fukushima News und damit Abseits der Anlage in der Präfektur Fukushima sonst noch an Ereignissen gab, jetzt wie immer im Spreadnews Japan-Ticker vom 19. Dezember 2012.

Unsere heutigen Themen:

  • Präfektur Fukushima wollte langfristige Strahlungsforschung verhindern
  • Betreiber des AKW Monju spielt Probleme herunter
  • NRA bestätigt Zwischenfall an AKW Kashiwazaki-Kariwa
  • Atomaufsicht verneint Auswirkung von Regierungswechsel
  • Über 600 Milliarden Yen Spenden für Tohoku-Aufbau

Präfektur Fukushima wollte langfristige Strahlungsforschung verhindern: Ein Antrag, der die Erfassung der  langfristigen Belastung durch Strahlung des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi angeregt hatte, wurde von der Präfekturleitung vorsätzlich blockiert.

Zähne eines acht Jahre alten Mädchens (Foto: pd)
Zähne könnten Aufschluss über Langzeitfolgen geben (Abb. symbolisch, Foto: pd))

Ein im September 2011 eingereichter Vorschlag, die Einwohner der Präfektur sollten Zähne von Kindern, die nach der Reaktorkatastrophe vom März 2011 ausfielen, für künftige Untersuchungen aufheben, damit die Belastung mit Strontium-90, das sich in Knochen und Zähnen ansammle, nachvollzogen werden könnte, wurde aktiv sabotiert.

Als Reaktion auf den Antrag von Junko Yaginuma, Mitglied der dortigen Präfekturalversammlung, versandte die Leitung der Präfektur eine E-Mail an die Mitglieder eines Komitees zur Durchführung einer Gesundheits-Untersuchung und rief diese dazu auf, plausible Gründe zur Ablehnung des Antrags einzureichen.

In der E-Mail sei erklärt worden, man gehe davon aus, dass der Antrag auf Aufbewahrung von Kinderzähnen von Atomkraftgegnern stamme und daher besser fallen gelassen werden sollte, berichtet die Mainichi Shimbun.

Ob der Bitte möglicherweise Folge geleistet wurde ist nicht klar, allerdings wertete Junko Yaginuma, als sie das Thema am 4. Oktober 2011 bei einer Vollsitzung der Präfekturalversammlung, die Antwort des Leiters der Abteilung von Gesundheit und Soziales, sogar Experten seien sich uneins darüber und daher würde man es gerne untersuchen, als Ablehnung.

Von anderer Stelle gab es hierzu keinen klaren Kommentar, man beruft sich auf Erinnerungslücken.

Das Untersuchungskomitee der Präfektur Fukushima war bereits in der Vergangenheit durch vertraulichen Treffen, in denen offenbar Absprachen getroffen wurden, um Expertenmeinungen aufeinander abzustimmen, in die Kritik geraten.

Tatsächlich hat eine Zahnklinik in Matsudo (Präf.. Chiba) bereits über 200 Babyzähne eingesammelt und sie an ein Forschungsinstitut in die USA übermittelt.

Dort hätten Forschungen bereits nach 1950 einen Zusammenhang mit Krebs im Kindesalter und ihrer inkorporierten Menge an Strontium-90 ergeben.

Als Reaktion auf die jetzigen Anschuldigungen entschuldigte sich Hiroyuki Kanno, Leiter der Abteilung für Gesundheit und Soziales dafür, bei den Bürgern der Präfektur für Missverständnisse gesorgt zu haben.

Betreiber des AKW Monju spielt Probleme herunter:  Anfang des Monats stellte Atsuyuki Suzuki, Präsident der Japanischen Atomenergiebehörde (JAEA) bei einem Treffen recht trocken fest, dass eben streng genommen jederzeit Fehler passieren könnten.

Mit dieser Aussage spielte er sich nicht nur die mehrfach kritisierten Wartungsmängel der Anlage herunter, sondern zog sich gleichzeitig auch den Unmut der Aufsichtsbehörde NRA zu. Dessen Vorsitzender, Shunichi Tanaka, erklärte auf einer Sitzung am heutigen Mittwoch, dieser Kommentar sei äußerst unangemessen gewesen.

Als Reaktion auf den verharmlosenden Kommentar liess Tanaka nach Angaben der jiji das Wissenschaftsministerium, das der JAEA übergeordnet ist, über die Aussage informieren. Nun warte man eine Antwort ab. Seit Beginn hatte die Anlage mehrfach Probleme, die teilweise auch vertuscht worden waren.

NRA bestätigt Zwischenfall an AKW Kashiwazaki-Kariwa: Heute bestätigte Japans Atomaufsicht NRA einen Zwischenfall, über dessen Hergang wir bereits berichteten. Demnach war es am TEPCO-Kraftwerk Kashiwazaki-Kariwa zu einem Zwischenfall der Stufe 1 auf der internationalen siebenstufigen Skala gekommen (Spreadnews berichtete am 13. Dezember 2012).

Im Kernkraftwerk war es aufgrund einer Deformation zum Kontakt zwischen zwei Brennstäben gekommen. Dies könnte den Durchfluss von Kühlwasser zwischen den Brennstäben stören und ein Aufheizen begünstigen. Es sei jedoch kein Austritt radioaktiver Substanzen festgestellt worden. Das meldet die Kyodo.

Atomaufsicht verneint Auswirkung von Regierungswechsel: Der Wahlsieg der LDP werde keinen Einfluss auf die Arbeit der Atomaufsicht NRA haben, machte Shunichi Tanaka, Vorsitzender der Organisation, auf einer Pressekonferenz deutlich.

Unabhängig von der Richtung, die von der Regierung eingeschlagen wird, habe man nicht die Absicht, die Sicherheitsbestimmmungen zu ändern und werde dies auch nicht tun. Dies meldeten mehrere japanische Medien. Die LDP gilt bei vielen als Befürworter der Atomenergie, auch wird ein Ende des Atomausstiegs befürchtet.

Über 600 Milliarden Yen Spenden für Tohoku-Aufbau: Die Japan Fundraising Association, eine gemeinnützige Organisation wird in einem Spenden-Jahresbericht, der am 20. Dezember veröffentlicht wird, auch genaue Zahlen zu den Spenden, die für den Wiederaufbau nach den Tohoku-Katastrophen vom März 2011 vorlegen.

  • Bis Ende 2011 wurden 600 Milliarden Yen für den Wiederaufbau  gespendet.
  • Achtzig Prozent der Gelder – 500 Milliarden Yen – stammen von Privatpersonen
  • Etwa 85,12 Millionen Menschen, oder 77 Prozent der Bevölkerung über 15 Jahren spendete für die Katastrophenhilfe
  • Spenden die nicht für den Aufbau erbracht worden waren, beispielsweise in Tempeln, beliefen sich im jahr 2011 auf 518,2 Milliarden Yen.
  • Im Vorjahr 2010 lag die Spendenbeteiligung der Bevölkerung nur bei 37 Prozent

Doch nicht allein finanzielle und materielle Hilfe wurde erfasst,  denn auch die Zahl der freiwilligen Helfer in den Katastrophenpräfekturen Fukushima, Iwate und Miyagi ist bekannt.

  • Demnach halfen 1,02 Millionen Menschen bei den Arbeiten mit.

Die Zahl ist zwar niedriger als beim Hanshin-Erdbeben von Kobe 1995, dies wird jedoch auf  die Abgelegenheit der Katastrophengebiete und die Schäden an Transportwegen zurückgeführt, die eine Anreise freiwilliger Helfer erschwert hatten. Über die aktuellen Zahlen berichtete beispielsweise die Mainichi Shimbun.

An anderer Stelle wird noch um Spenden gebeten, wie etwa bei der „Yoshida Aoi-chan o Suku Kai“ (Vereinigung zur Rettung von Aoi Yoshida), damit ein 20 Monate altes Mädchen, das einen fortschreitenden Herzfehler hat, in den USA operiert werden kann. Zwar ist seit 2010 die Organspende auch unter 15 Jahren in Japan gestattet, bislang gab es jedoch nur zwei Spenderfälle.